Die Anfänge der Schauerliteratur

Gleich zu Beginn müssen wir zunächst über eine übersetzungstechnische Definition sprechen. Im Deutschen wird der Ausdruck „Schauerliteratur“ oft als Übersetzung für Gothic Fiction benutzt, auch wenn diese Begriffe nicht hundertprozentig deckungsgleich sind. Für unsere Zwecke soll diese Vereinfachung jedoch genügen.

Aber was genau macht Schauerliteratur aus? Eine klare Definition des Genres ist schwer zu greifen, unabhängig davon, ob wir es Gothic Fiction nennen oder nicht. Dennoch lassen sich einige wiederkehrende Merkmale identifizieren, die typische Schauergeschichten oftmals miteinander verbinden – wobei längst nicht jede dieser Erzählungen all diese Bestandteile aufweist. Ähnlich wie der Begriff „postmodern“, bleibt auch Schauerliteratur ein Konzept, das sich starren Kategorisierungen entzieht und in seiner Bedeutung flexibel bleibt.

Im Kern dreht sich Schauerliteratur weniger um konkrete Handlungsmuster, Settings oder charakterliche Archetypen. Vielmehr geht es um die Atmosphäre und das Gefühl, das sie bei den Lesenden hervorruft. Sicherlich denken viele von uns bei diesem Genre sofort an nebelverhangene Burgen, einsame Wälder oder geisterhafte Erscheinungen, weil solche Elemente besonders prägend für die Gothic-Tradition sind. Dennoch bewiesen Autoren wie Mary Shelley, H.P. Lovecraft und Robert Louis Stevenson, dass Schauergeschichten ebenso ohne diese klassischen Motive funktionieren können. Ihr Ansatz war es, die Schattenseiten des Menschlichen und die Rätsel des Unbekannten meisterhaft einzufangen und dadurch eine greifbare Beklemmung zu erzeugen.

Schauerliteratur ist also weniger eine Sammlung von festgelegten Bausteinen als vielmehr ein Spiel mit Gefühlen. Sie ist ein Genre, das seine Kraft aus dem Unfassbaren zieht, einem Hauch von Dunkelheit, der uns zugleich ängstigt und fasziniert.

Untersuchen wir doch einfach die Tropen, die das verbinden, was wir unter Gothic Fiction verstehen.

Hintergrund

Erst im 18. Jahrhundert entwickelte sich der Roman als eigenständige literarische Form, die  aus umfangreicher fiktionaler Prosa bestand, die Leser auf eine Reise durch Geschichten und an der Seite von Charakteren mitnahm. Doch so eindeutig, wie es scheint, war die Entstehung des Romans keineswegs. Bis heute diskutieren Literaturwissenschaftler leidenschaftlich darüber, was genau als erster Roman betrachtet werden kann und wie die Definition dieser Gattung lauten sollte. Während einige Experten den Ursprung dieser Form fest mit dem 18. Jahrhundert verbinden, gibt es andere, die überzeugt sind, dass der Roman wesentlich ältere Wurzeln hat, selbst wenn frühere Beispiele noch nicht unter dieser Bezeichnung geführt wurden. Allerdings soll uns diese Debatte hier nicht weiter beschäftigen. Viel entscheidender ist die Tatsache, dass der Buchdruck die Wende brachte. Bücher wurden erschwinglicher und zugänglicher, wodurch Literatur aus ihrer elitären Ecke heraustrat und sich einem breiteren Publikum öffnete.

Ein bedeutsamer Aspekt ist die Entwicklung hin zu einer emotionalen Stilrichtung, die sich als Gegenbewegung zur neoklassischen Literatur verstand. Diese vergangene Ära hatte Logik und Vernunft über alles andere gestellt, besonders über Emotionen. Doch mit der Geburt des sentimentalen Romans begann sich dies zu ändern. Autoren wollten den Leser nun berühren und ihn nicht nur mit gut erzählten Geschichten fesseln, sondern regelrecht zum Fühlen und Reflektieren bringen. Der Roman wurde zu einer Erfahrung und war nicht länger nur eine Ansammlung von Ereignissen. Der sentimentale Roman, obwohl auf Emotionen ausgerichtet, blieb bemerkenswerterweise in seiner Darstellung des Lebens erstaunlich realistisch. Oft boten diese Werke Einblicke in die alltäglichen Herausforderungen, fungierten als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse oder sogar als moralische Anweisungen, insbesondere für Frauen, die zu jener Zeit eng an ihre Rollenbilder und Pflichten gebunden waren. So bewies diese literarische Form, dass sie auch einen lehrreichen Tiefgang besaß.

Die Gotik entwickelte sich ursprünglich als ein architektonischer Stil des Mittelalters, der besonders in Frankreich vom 12. bis zum 16. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte. Interessanterweise wurde der Begriff „Gotik“ erst viel später, während der Renaissance vom 14. bis 17. Jahrhundert, in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen. Die gotische Architektur fand ihre eindrucksvollste Ausdrucksform in majestätischen Kathedralen und Kirchen, die das Gefühl von Größe und Erhabenheit wecken sollten. Diese Bauwerke lösten eine tiefe Ehrfurcht und sogar Furcht bei den Betrachtern aus, eine Mischung aus Staunen und Schauder, wie sie kaum ein anderer Stil je erreicht hat. 

Obwohl die Gotik irgendwann an Bedeutung verlor, erfuhr sie mit der sogenannten „gothic revival“ im 18. Jahrhundert eine beeindruckende Renaissance. Besonders im Laufe des 19. Jahrhunderts gewann der Stil wieder an Beliebtheit und fand in der Literatur jener Zeit, besonders in den berühmten Romanen des 17. und 18. Jahrhunderts, einen festen Platz. Dort spiegelte sich die düstere Romantik wider, die eng mit der gotischen Ästhetik verbunden ist.

Doch warum eigentlich „Gotik“? Man könnte vermuten, dass dieser Stil seinen Namen von den Goten, einem germanischen Stamm, erhielt, der einst das Römische Reich bekämpfte und einen bedeutenden Einfluss auf das mittelalterliche Europa und sogar auf die Entwicklung der englischen Sprache hatte. Die Wahrheit ist jedoch eine andere. Während der Renaissance begannen die Menschen, die klassische griechisch-römische Architektur wiederzuentdecken und schauten abwertend auf den Baustil des Mittelalters. Sie bezeichneten ihn als „gotisch“, nicht etwa aufgrund eines Zusammenhangs mit den Goten selbst, sondern vielmehr, weil sie ihn – ähnlich wie diesen Germanenstamm – für „barbarisch“ hielten. Dieser wenig schmeichelhafte Name setzte sich durch und wird bis heute verwendet, zum Glück jedoch mit neuen Assoziationen, die vor allem bewundernswerte Kunstwerke symbolisieren.

Schlösser und Verliese

Während dieser Zeit betrat Horace Walpole die Bühne der Literatur. Er empfand den modernen Roman als zu stark beschränkt, um die Fantasie wirklich zu beflügeln, während ihm die mittelalterliche Romanze aufgrund ihrer Übertriebenheit und Unglaubwürdigkeit ebenfalls nicht zusagte.

Walpole beschrieb seinen eigenen Roman als einen Versuch, die beiden Ansätze miteinander zu verbinden: die grenzenlose Fantasie und Unwahrscheinlichkeit der alten Romanzen und die realitätsnahe Darstellung des modernen Romans. Seiner Ansicht nach hatte der moderne Stil zwar Erfindungsreichtum bewahrt, aber der Fantasie durch die starre Orientierung am Alltagsleben die Dynamik genommen.

Walpole schätzte an der mittelalterlichen Literatur insbesondere ihre Fähigkeit, der Fantasie freien Lauf zu lassen und dabei beeindruckende Monster und mythologische Wesen zu erschaffen. Dennoch erkannte er auch deren Schwäche. Der Leser fühlte sich so weit von den dargestellten Ereignissen entfernt, dass das emotionale Mitfiebern geringer ausfiel als bei Geschichten, die im Rahmen eines modernen Romans erzählt wurden.

Im Gegensatz zum modernen Roman, der zwar ein angenehmes Gefühl vermittelte, jedoch auf alltägliche Erfahrungen beschränkt blieb und die Fantasie kaum herausforderte, hatte Walpole eine größere Vision. Er wollte einen Roman schaffen, der seiner Vorstellungskraft freien Raum gab und gleichzeitig eine emotionale Verbindung herstellte, nach der sich die Leser seiner Zeit sehnten. Das Ergebnis seiner Bemühungen war Das Schloss von Otranto, ein Werk, das 1764 erschien und heute als der erste Vertreter der Schauerliteratur gilt.

Das Schloss von Otranto
Das Schloss von Otranto

Für die erste Ausgabe wandte Walpole einen Trick an. Er ließ die Leser glauben, dass es sich um ein altes Manuskript aus einer weit entfernten Vergangenheit handelte und dass er lediglich dessen Übersetzer sei, nicht jedoch der eigentliche Verfasser. Ein solches literarisches Spiel war zu jener Zeit nicht ungewöhnlich. Besonders sentimentale Romane griffen oft auf diesen Kniff zurück, indem sie den Eindruck erweckten, dass die Erzählung auf wahren Begebenheiten basiere. Man sieht das beispielsweise bei Briefromanen, die als Sammlungen authentischer Korrespondenzen präsentiert wurden. Die Reaktionen auf diesen ersten Schauerroman veränderten sich jedoch spürbar, als Walpole in der zweiten Auflage offenbarte, dass er tatsächlich selbst der Autor war.

Die zweite Ausgabe wurde mit dem Untertitel „A Gothic Story“ versehen, was bereits auf die enge Verbindung zwischen der Erzählung und der gotischen Ästhetik hinweist. Bemerkenswert ist, dass Horace Walpole selbst ein verfallenes Haus erworben und es in ein beeindruckendes Gebäude namens Strawberry Hill House umgewandelt hatte, das durch Türme und detailreiche Designs von der mittelalterlichen gotischen Architektur inspiriert wurde. Dieses Projekt hatte eine weitreichende Wirkung und brachte andere dazu, ähnliche Elemente in ihren eigenen Heimen umzusetzen. In dieser Zeit können wir somit von einer regelrechten Wiederbelebung der gotischen Architektur sprechen, was auch die Bezeichnung „Gothic Story“ für Walpoles Werk unterstreicht.

Das vielleicht grundlegendste Merkmal dieses neuen literarischen Stils ist die intensive bildliche Symbolik, wobei Architektur eine besondere Rolle spielt. Im Fall von Walpoles Roman wird die Burg selbst zu einem mächtigen Symbol der gotischen Ästhetik. Sie dient nicht nur als Bühne für die Handlung, sondern verkörpert durch ihre Struktur und Atmosphäre viele der Schlüsselideen des Genres. Besonders eindrücklich zeigt sich dies während Isabellas Flucht vor Manfred. Während sie die labyrinthischen Gänge und Räume des Schlosses durchquert, bekommt der Leser einen detaillierten Einblick in dessen Aufbau – von versteckten Kammern über geheime Falltüren bis hin zu unterirdischen Durchgängen. Dabei wird das Schloss als lebendiges Element inszeniert, das die unheimlichen, übernatürlichen Ereignisse des Romans verstärkt und ihre Wirkung intensiviert.

In Richtung Fin de Siècle

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erschienen Ann Radcliffes „Udolphos Geheimnisse“ und Matthew Lewis‘ „Der Mönch“. Beide Werke spielen in imposanten Bauwerken – einer Burg und einer Kirche – und behandeln zentrale Themen wie Religion, das Übernatürliche und die Gefangenschaft. Im Jahr 1816 brachte John Polidori mit „Der Vampyr“ die erste auf Englisch geschriebene Vampirgeschichte hervor. Ebenfalls in diesem Jahr veröffentlichte Mary Shelley ihren wegweisenden Roman „Frankenstein oder der moderne Prometheus“. Wie die Figur des Vampirs brachte auch dieser Roman das düstere Element der Totenerweckung mit, lenkte den Fokus jedoch stärker auf die Wissenschaft und deren Gefahren, insbesondere auf jene, die entstehen, wenn der Mensch versucht, die Rolle Gottes zu übernehmen. Dieses Werk wird nicht ohne Grund als gelungene Verbindung von Schauerliteratur und Science-Fiction betrachtet.

1840 publizierte Edgar Allan Poe seine Sammlung „Tales of the Grotesque and Arabesque“. Diese Geschichten greifen nicht nur viele der klassischen Motive der Schauerliteratur auf, sondern legen besonderen Wert auf psychologische Schrecken, die sogenannten „Schrecken der Seele“.

In der Mitte des Jahrhunderts entstand die weibliche Variante der Gothic Novel mit dem Roman „Sturmhöhe“ von Emily Bronte. Der Roman zeigte, wie Frauen oft in einem häuslichen Umfeld gefangen sind und von Männern dominiert werden. Natürlich wurde das Buch gefeiert und gleichzeitig verabscheut. Den nächsten Höhepunkt verzeichnen wir 1871 mit Joseph Sheridan Le Fanus „Carmilla“. Obwohl sich „Carmilla“ von Coleridges unvollendeten Gedicht „Christabel“ beeinflusst zeigt, war die Geschichte selbst sehr einflussreich. Die Abweichung der weiblichen Sexualität war in diesem Roman, insbesondere nach viktorianischen Maßstäben, explizit und ebnete den Weg für den Vampir als sexuelle Metapher.

Die letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, häufig als Fin de Siècle bezeichnet, gelten als eine der produktivsten Phasen für die Schauerliteratur und brachten eine beeindruckende Fülle literarischer Meisterwerke hervor. In diesem vergleichsweise kurzen Zeitraum entstanden Werke wie Robert Louis Stevensons Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Vernon Lees Hauntings, Oscar Wildes Das Bildnis des Dorian Gray und Bram Stokers Dracula. Hinzu kommen zahlreiche Kurzgeschichten, die oft als Fortsetzungsgeschichten in viktorianischen Zeitschriften veröffentlicht wurden. Obwohl diese Werke heute als Klassiker gelten, lösten sie zur Zeit ihres Erscheinens erhebliche Kontroversen aus. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Diese Romane stellten die Wissenschaft über die Religion, brachten das verdrängte „Böse“ des menschlichen Wesens ans Licht und thematisierten oft auch homoerotische Sehnsüchte. Die Schauerromantik war damit ein literarisches Feld, das sich gezielt mit gesellschaftlichen Tabus auseinandersetzte. Durch das Übernatürliche, das Fantastische und das Fremdartige bot sie Raum für die Beschäftigung mit Themen, die bis dahin unterdrückt oder verdrängt worden waren.

Moderne Zeiten

Die Schauerliteratur ist im Laufe der Zeit nie wirklich in Vergessenheit geraten, selbst wenn sie gelegentlich verspottet oder scharf kritisiert wurde. Im Gegenteil. Sie hat sich an gesellschaftliche Veränderungen angepasst und dabei ihre bemerkenswerte Flexibilität unter Beweis gestellt. In den 1920er Jahren etwa begegnen wir den bahnbrechenden Werken von H.P. Lovecraft. Dessen Ästhetik ist zwar unverkennbar von der Gothic-Literatur inspiriert, doch seine Themen und sein Schreibstil orientieren sich stärker an der Science-Fiction. Wie bereits Mary Shelleys Frankenstein gezeigt hat, lässt sich diese Verbindung der beiden Genres hervorragend miteinander vereinen.

In den 1940er Jahren entstand durch Mervyn Peakes epische Trilogie, die in der phantastisch-barocken Welt des Schlosses Gormenghast spielt, die nächste  spannende Verschmelzung von Gattungen. Sein Werk verbindet Schauerliteratur mit Fantasy und schafft so ein ganz eigenes Universum. Die Trilogie gilt als bedeutender Einfluss für namhafte Autoren wie Michael Moorcock und Neil Gaiman.

Als nächstes auf unserer Liste steht Shirley Jacksons Spuk in Hill House. Ähnlich wie Edgar Allan Poes Erzählungen oder Henry James’ Das Durchdrehen der Schraube handelt es sich strenggenommen um einen Psychothriller. Obwohl die Erzählung auf einer klassischen Spukhausgeschichte basiert, verschwimmen hier die Grenzen zwischen übernatürlichem Spuk und psychologischen Abgründen. Das Werk zeigt sich als weiblich geprägte Interpretation des gotischen Romans und beschäftigt sich tiefgehend mit dem Verborgenen sowie dem Auflösen der trennenden Linien zwischen Geist und Außenwelt. Jackson folgt damit der amerikanisch-gotischen Tradition, in der das Spukhaus oft als Sinnbild für weibliche Ängste vor Isolation und psychischer Instabilität dient.

Eine der bekanntesten Varianten des amerikanischen Gothic Haunted House-Genres ist zweifellos Stephen Kings Shining. Der Roman ist in erster Linie ein klassisches Werk des Horrors, doch King nutzt zahlreiche Motive und Elemente der Schauerliteratur, weshalb das Werk in diesem Kontext Erwähnung finden muss. Die Handlung spielt größtenteils im abgeschiedenen Overlook Hotel, einem verwinkelten Labyrinth voller Gänge und Räume, in dem unerklärliche Ereignisse geschehen. Obwohl die Ereignisse zunächst nicht direkt übernatürlicher Natur zu sein scheinen, sorgt Kings geschicktes Spiel mit psychologischen Spannungselementen dafür, dass die Grenze zum Paranormalen immer wieder verschwindet. Ein passendes Beispiel dafür sind die Heckenschnitt-Tiere, die plötzlich zum Leben erwachen. Der Roman handelt von Geistern oder vielmehr von Überbleibseln der Vergangenheit, die sich an der Schnittstelle zwischen Leben und Tod bewegen. Auf ähnliche Weise verkörpert der unsichtbare Freund Tony eine Manifestation der unterdrückten Ängste und Probleme des jungen Danny, die dieser nicht zu bewältigen vermag. Dieses Motiv der „Rückkehr des Verdrängten“ ist ein zentrales Element der Schauerliteratur, das es diesem Genre ermöglicht, gesellschaftlich tabuisierte Themen wie Wahnsinn, Enttäuschung und überhaupt Unerklärliches zu verarbeiten. In dieser Hinsicht lässt sich Shining problemlos in die Tradition der Gothic Novel einordnen, ein Merkmal, das übrigens auch auf Kings Roman Brennen muss Salem zutrifft.

Die „Vampir-Chroniken“ von Ann Rice, die zwischen den 1970er Jahren und 2014 entstanden sind, sollten ebenfalls kurz erwähnt werden, weil in dieser Buchreihe das traditionelle Bild des Vampirs als Verkörperung reinen Bösen grundlegend verändert wird. Figuren wie das Vampir-Duo Louis und Lestat präsentieren sich als selbstreflektierte, schuldbewusste und zugleich charismatische Wesen und ebneten den Weg für den romantischen, oft melancholischen Vampir in der modernen Popkultur. Rices Werke waren entscheidend dafür, das Interesse an Vampirgeschichten neu zu entfachen und das Genre der Schauerliteratur einem breiteren und jüngeren Publikum zugänglich zu machen.

Zusammengefasst lassen sich folgende Eigenschaften zusammenfassen, die dem Genre ihren Stempel aufdrücken:

- Eine dunkle und drohende Atmosphäre
- Unheimlichkeit bis zum tatsächlichen Horror
- Geheimnisvolle und oft unerklärliche Ereignisse
- Der überwiegende Teil spielt sich in einem isolierten, großen Haus, Schloss etc. ab
- Es gibt eine Prophezeiung oder einen Familienfluch
- Omen, Vorzeichen oder Visionen
- Religion
- Psychologische Traumata
- Eine Rückkehr des Verdrängten

Um die Dinge noch etwas komplizierter zu machen, gibt es auch hier verschiedene Subgenres. Neben der klassischen Gothic Novel finden sich beispielsweise die American Gothic, die Southern Gothic, die Modern Gothic, die Postmodern Gothic … und vermutlich noch vieles mehr, was man sich nur ausmalen kann. Doch das wäre ein Thema für sich.