• Das Handbuch für Detektive
    Die unendliche Bibliothek,  Mystery

    Jedediah Berry: Handbuch für Detektive

    Borges lobte an der Detektivgeschichte dass sie „in einer Epoche der Unordnung eine gewisse Ordnung aufrechterhalten kann“. Dieser Gedanke wird im Handbuch für Detektive von Jedediah Berry spielerisch und surrealistisch umgesetzt. Berry ist bei uns ein Unbekannter, in Amerika kennt man ihn als stellvertretenden Redakteur eines kleinen Verlags, der sich mit Phantastik sehr gut auskennt. Seine Kurzgeschichten fanden nicht selten den stürmischen Beifall der Kritiker. Das Handbuch allerdings ist sein Debüt. 2009 geschrieben, erschien es erstaunlicher Weise 2010 bereits bei uns. In diesem Roman ist die Detektivarbeit mehr als ein Job, sie verkörpert einen geordneten Zugang zum Leben. Rätsel müssen gelöst werden, um Wahrheit und Illusion voneinander zu trennen. Sogar…

  • Codex Seraphinus
    Themen

    Die 5 seltsamsten Bücher der Welt

    Bücher sind heute hauptsächlich reine Nutzgegenstände. Bibliophile Menschen gibt es nur noch wenige, vor allem, weil man sich “echte” Bücher kaum leisten kann. Zwar bezeichnen sich viele Sammler nach wie vor als bibliophil, sie sind es aber nicht, sie horten im Grunde eben nur “Nutzgegenstände”. Die Kunst, Bücher herzustellen ist dennoch nicht ganz verschwunden, aber hier geht es eben nicht um das, was den modernen Leser ausmacht. Unweigerlich kommt neben der Seltenheit eines kostbaren Exemplars irgendwann die Frage auf – so man sie denn stellen mag – was denn die merkwürdigsten Bücher sind, die jemals hergestellt wurden. Und erst dann befinden wir uns im Gefilde der Bibliophilie. Selbstverständlich gibt es…

  • Ikonographie
    Helden, Versager und andere Ikonen

    Don Quijote (Der Kampf gegen Windmühlen)

    Don Quijote ist eines jener Bücher, dessen Einfluss so weitreichend wie die Odyssee oder die Bibel ist. Und wie die anderen beiden Bücher wird mehr darüber geredet als dass man sie gelesen hat. Doch was Cervantes’ Roman von diesen anderen Werken unterscheidet, ist die Tatsache, dass es sich um eine ausgesprochen burleske Geschichte handelt. Der Held tappt im Dunkeln, die Figuren des Autors fallen von Pferden, betrinken sich in Tavernen und versuchen, ihre Fürze in Schach zu halten – im Quijote sind heilige Angelegenheiten gewöhnlich auf die Wahnvorstellungen des Helden beschränkt. Der berühmte Eröffnungssatz informiert uns: “Irgendwo in der Mancha, an einem Ort, an dessen Namen ich mich nicht erinnern…

  • Eine Studie in Scharlachrot
    Mystery Classics,  Die unendliche Bibliothek

    Arthur Conan Doyle: Eine Studie in Scharlachrot

    Lange Zeit musste man in Sachen Sherlock Holmes mit der Übersetzung von Heinrich Darnoc, H. O. Herzog und Margarete Jacobi auskommen, die nicht nur hölzern, sondern auch ungenau ist. Ich empfehle also für das Lesevergnügen die Neuübersetzung von Hening Ahrens im Fischer-Verlag, nur für den Fall, dass jemand nicht das Original lesen möchte. Auch wenn dieser erste Sherlock-Holmes-Roman nicht der beste der vier auf uns gekommenen ist, steht er am Beginn einer denkwürdigen Genreentwicklung. Dass Arthur Conan Doyle sich bei Edgar Allan Poe bedient hat, habe ich an anderer Stelle bereits erwähnt, nur darf man das in diesem Fall nicht zu hoch hängen, denn Doyle hat aus der Idee des…

  • Podcast im Phantastikon
    Podcast

    TF Episode #8: Die Geschichte der Vampire

    Vampire haben eine umstrittene Geschichte. Einige behaupten, dass diese Kreaturen “so alt wie die Welt” seien. Aber neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass unser Glaube an Vampire und Untote im 18. Jahrhundert geboren wurde, als die ersten europäischen Berichte über dieses Phänomen erschienen.

  • Ikonographie
    Helden, Versager und andere Ikonen

    Oskar Matzerath (Der Blechtrommler)

    Auf einer oberflächlichen Ebene erzählt Die Blechtrommel die Geschichte von Oskar Matzerath, einem eingesperrten Wahnsinnigen, Zwerg aus eigenem Willen, Paranoiker, Besitzer übernatürlicher Gaben, rachsüchtiges Genie, gefallener Engel, Miniaturtyrann, obsessiver Trommler des titelgebenden Instruments. Oskar ist all das und nichts davon; der ultimative unzuverlässige Erzähler. Als der junge Grass Ende der 1950er Jahre in Paris anfing, sein extravagantes Schelmenstück zu schreiben, studierte er gerade Bildhauerei und Grafik und war zum Steinmetz ausgebildet worden. Mit diesen Künsten beschlagen wollte er sich den verschiedenen Versionen der deutschen Geschichte stellen, die ihm beigebracht worden waren und die er bis dahin gelebt hatten. Die Blechtrommel kombiniert Historisches, Horrorgeschichte, Burleske, Komik und satirische Fabel mit lebendigen,…

  • Fantasy
    Themen

    Die Geschichte der Fantasy (4) – Wer hat die erste unabhängige Welt erfunden?

    Der Gebrauch des Rahmens eines Märchenerzählers kann tatsächlich dazu dienen, einen gewissen Realismus zu erzielen, wenn nämlich dadurch die Realität abgesichert werden soll. Es geht nicht allein darum, sich zu fragen, weshalb eine Geschichte überhaupt erzählt werden sollte, sondern viel mehr um den Anspruch auf Authentizität. Denken wir nur an die Briefe, die im Mittelalter im Umlauf waren, und die angeblich von dem mysteriösen Priesterkönig Johannes geschrieben wurden. Darin wird von allen möglichen Wundern gesprochen, die man angeblich in seinem nichtexistierenden Land finden könnte. Gleiches gilt für die „Reisebeschreibungen“ des Jehan de Mandeville, der im 14. Jahrhundert Fantasien darüber verfasste, wie es hinter den Grenzen der im Mittelalter bekannten Welt…

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