Der Narrentanz zu Strasbur

In den Annalen der Geschichte gibt es einige Ereignisse, die sich einer rationalen Erklärung entziehen. Überhaupt scheinen wir nicht weit gelangt zu sein, wenn wir uns um die Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen konzentrieren. Ein solches Ereignis ist die Tanzwut von 1518. Mehrere Menschen begannen in Strasbur aus heiterem Himmel unkontrolliert zu tanzen, so als sei etwas in sie gefahren, das nie wieder hinaus möchte. In den Chroniken wird eine Frau namens Troffea genannt, aber sie könnte genauso gut auch Baldegunde heißen.

Boulevard der Dämmerung

Die Geschichte beginnt mit Gillis als Leiche. Er treibt im Pool. Eben ausgerechnet dort, wo er so gern seinen persönlichen Platz an der Sonne genossen hat. Und erzählt, wie es dazu kam. Er erzählt trocken, sarkastisch, keineswegs anklagend, aber verständlicherweise wenig amüsiert über sein unverhofftes Ableben. Er wollte sich trennen. Schluss machen mit der Lady. Ganz einfach. Und unterschätzte komplett ihren irren Narzissmus.

Jeff Lemire: Der Kartograph der Einsamkeit

Jeff Lemire wurde 1976 in Essex County, Ontario, geboren, jenem flachen, weitläufigen und wenig glamourösen Landstrich am Nordufer des Lake Erie in Kanada, der geprägt ist durch Weite, Stille und der spezifische Melancholie kleiner Gemeinschaften, in denen alle einander kennen. Essex County ist ein gewöhnlicher Ort, doch in Lemires künstlerischem Schaffen steht genau diese Gewöhnlichkeit als unerschöpfliche Quelle von Tiefe und Bedeutung im Mittelpunkt.

Die Macht des Ortes in gotischen Settings

Man mag sich fragen, was das Geheimnisvolle an einer gotischen Umgebung ausmacht, eine gewisse Empfänglichkeit für das Schöne der Vergänglichkeit vorausgesetzt. Es ist das Zusammenspiel von Licht und Schatten, das Flüstern des Unbekannten und die uralte Anziehungskraft von Gebäuden, die den Lauf der Zeit erlebt haben und in denen jeder Stein ein Geheimnis birgt. Die sich abzeichnenden Strukturen, das ferne Heulen und die nebelverhangene Luft schaffen eine Umgebung voller Spannung, und es ist diese Vorahnung, die den Betrachter anzieht und ihn nach mehr verlangen lässt, nach der Entschlüsselung der verborgenen Schichten.

Das Unheimliche – Im Garten ist was faul

Ein merkwürdiges, krankhaftes Gefühl schleicht sich in die Brust des unbedarften Zuschauers, sowohl schrecklich als auch aufregend. Es ist dieses Insekt, das aus einer scheinbar festen Gipsstatue herauskommt. Es gibt ein Wort dafür: unheimlich. Schlagen wir es in einem Standardwörterbuch nach, dann erhalten wir eine kurze, wenig hilfreiche Definition:
Ein unbestimmtes Gefühl der Angst, das Grauens hervorruft.

Der Werwolf von Bedburg

Damals tauchten die ersten Toten in der Stadt auf. Es gab Gerüchte über eine wolfsähnliche Kreatur, die durch das Land streifte und Menschen und Vieh tötete. Die Kreatur wurde beschrieben als „gierig … stark und mächtig, mit großen Augen, die in der Nacht wie Feuer glühten, einem großen und weiten Maul mit sehr scharfen und grausamen Zähnen, einem riesigen Körper und mächtigen Pfoten“.

Die Alchemie des Oscar de Muriel

Es gibt Autoren, deren Biografie sich wie ein Laborprotokoll des Unwahrscheinlichen liest. Oscar de Muriel, 1983 in Mexiko-Stadt geboren – ausgerechnet in jenem Gebäude, in dem sich heute das Ripleys Believe it or Not Museum befindet – ist einer von ihnen. Er ist promovierter Chemieingenieur, Geigenspieler, Übersetzer und schließlich Chronist viktorianischer Verbrechen geworden. Heute (ich nehme an, dass er es heute noch tut) pendelt der Autor zwischen Manchester und Mexiko-Stadt, aber sein literarisches Schaffen entsteht in einem Gartenschuppen im Norden Englands.

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