Schlagwort: Vampir

Stephen King Re-Read: Brennen muss Salem

Heyne

In den agnostischen und sexuell befreiten 1970er Jahren war der Vampir bereits seiner Mythologie beraubt worden und zu dem verkommen, was Stephen King “die Bedrohung des Lächerlichen” nannte. In signifikanter Abweichung von der Tradition hat er den sexuellen Aspekt des Vampirs reduziert und den Archetyp eine völlig neue Bedeutung zugesprochen, indem er die Anziehungskraft des Vampirs auf den menschlichen Wunsch richtete, seine Identität innerhalb der Masse aufzugeben.

Kings wichtigste Neuerung jedoch war, dass er sich eine mythische Kleinstadt im Sinne der amerikanischen Schauerliteratur vorstellte und diese Stadt selbst zu einem Monster machte; die Bevölkerung, üblicherweise ein Opfer des Vampirs, wird hier als hirnlose Masse zur Bedrohung, als Pestwolke oder als primitive Horde.

In Anlehnung an Richard Mathesons düster-naturalistischen Roman “I Am Legend” (1954) und Jack Finneys Roman “The Body Snatchers” (1955) konzentrierte sich King auf die Problematik der Fragmentierung und gab dem Vampir eine zeitgenössische Bedeutung.

King erklärte, dass der gesellschaftspolitische Subtext von “Brennen muss Salem” die allgegenwärtige Desillusionierung in der Watergate-Ära war. Wie Gerüchte und Krankheiten breitet sich der Vampirismus nachts heimlich aus, von Nachbar zu Nachbar, infiziert Männer und Frauen, die Verrückten und die Senilen, den mündigen Bürger und das Kleinkind gleichermaßen, und absorbiert die menschliche Bevölkerung, bis nur noch eine zombieartige Masse übrigbleibt.

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Der Vampir im Laufe der Geschichte

Vampire haben eine umstrittene Geschichte. Einige behaupten, dass diese Kreaturen “so alt wie die Welt” seien. Aber neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass unser Glaube an Vampire und Untote im 18. Jahrhundert geboren wurde, als die ersten europäischen Berichte über dieses Phänomen erschienen.

Wir wissen, dass 1732 das Annus Mirabilis des Vampirs war. In diesem Jahr wurden 12 Bücher und vier Dissertationen zu diesem Thema veröffentlicht. Der Begriff “Vampir” taucht laut dem Gothic-Experten Roger Luckhurst ebenfalls in diesem Jahr zum ersten Mal auf. Aber archäologische Entdeckungen von ungewöhnlichen Bestattungen in Europa in den letzten Jahren legen nahe, dass der Glaube an Vampirismus und an Wiedergänger bereits vor 1500 die Menschen beschäftigte.

So ist beispielsweise die Leiche eines 500 Jahre alten “Vampirs” auf einem alten Friedhof in der Stadt Kamien Pomorski in Polen ausgestellt. Die 2015 entdeckte Vampirleiche wurde in der Weltpresse ausführlich beschrieben. Archäologen haben bestätigt, dass sie einen Pfahl durch ihr Bein (vermutlich um zu verhindern, dass sie ihren Sarg verlässt) und einen Stein in ihrem Mund hatte (um das Blutsaugen zu verhindern). In den Dörfern Bulgariens wurden noch ältere dieser abweichenden Bestattungen entdeckt.

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John Ajvide Lindqvist: So finster die Nacht

Bastei-Lübbe

In den letzten zwanzig Jahren waren Vampire sehr populär und allgegenwärtig; und sobald etwas populär ist, quetscht man alles daraus hervor, bis alle die Schnauze voll davon haben. Durch die jüngste Kritik an bestimmten Romanproduktionen kann man davon ausgehen, dass die Mehrheit von uns mit dem Vampir-Genre in seiner jetzigen Form nicht sehr zufrieden ist. Früher waren diese Kreaturen genau das: Kreaturen. Bösartigkeiten. Monstrositäten. Das waren keine hübschen vegetarischen Teenager. Es waren dunkle, blutrünstige Killer.

Zeit für “So finster die Nacht”, eine Geschichte, die zwar die Dimensionen einer mächtigen Freundschaft zeigt, aber auch jede Buchselte mit einer unheimlichen, schrecklichen Präsenz füllt. Keine andere Vampirgeschichte hat die Schönheit und den Horror so perfektioniert wie die von John Ajvide Lindqvist. Es ist ihm gelungen, eine Atmosphäre darzustellen, die nahezu von Terror und Spannung durchdrungen ist; es ist eine intensive Geschichte von Schönheit, die auch nach dem Zuklappen des Buches beim Leser haften bleibt.

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Durst – Ein Vampirfilm ohne Klischees

Filmplakat “Durst”; ©MFA Filmdistribution

Als Park Chan-Wook seinen Vampirfilm “Durst” drehte, wollte er die Knoblauchzehen, Opernumhänge, Holzpfähle und andere schimmelige Genre-Stereotypen weglassen. Er beabsichtigte auch nicht, der gegenwärtigen Flut an Blutsauger-Fabeln mit ihren pubertierenden Helden und Heldinnen, wie etwa “Twilight” oder “True Blood”, noch ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. “Im Westen gibt es diese große Ansammlung von Klischees in Vampirfilmen”, sagte der südkoreanische Autor und Regisseur.

“Ich dachte, mir könnte etwas Einzigartiges einfallen, indem ich diese Klischees wegließ.”

Aus diesem Grund sollte “Durst” als scheinbar erster Vampirstreifen in Erinnerung bleiben, in dem der Protagonist ein asiatischer römisch-katholischer Priester ist, der sich wegen seiner bisherigen Hilflosigkeit schuldig fühlt. Dieser bescheidene Mann des Glaubens, der vom führenden koreanischen Schauspieler Song Kang-Ho gespielt wird, wird aus Versehen zu einem sinnlichen nächtlichen Raubtier, als er freiwillig an einem Impfstoff-Experiment teilnimmt, das einen tödlichen Virus bekämpfen soll. Stattdessen erhält er eine ansteckende Transfusion, die ihn zum Vampir macht.,

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