T. E. D. Klein – Botschafter des Grauens und der Romantik

1.

QUAL DES SCHREIBENS

Die gesammelten Widersprüche des T. E . D. Klein

 Wenn es in der zeitgenössischen Literatur einen Autor gibt, der sich dem Schreiben durch puren Masochismus verbunden fühlt und sich in seiner Qual trotzdem wegweisende Werke abringt, dann ist das wohl T. E. D. Klein, der Autor eines bemerkenswert schmalen aber wahrlich nicht unbedeutenden Œuvres.

„Ich bin einer dieser Leute, die alles tun würden, um dem Schreiben auszuweichen. Alles!”1,  sagt er. „Ich finde das Schreiben von Fiktion irrsinnig hart. Ich denke, ich bin ein extrem guter Lektor für anderer Leute Werke, […] aber es ist eine entsetzlich harte Arbeit für mich, irgendetwas Eigenes zu produzieren.“2

In einem Zeitraum (wir sprechen von mehr als 25 Jahren), in dem Stephen King ein ganzes Hochregallager mit seinen Büchern füllen kann, hat T. E. D. Klein einen Roman (The Ceremonies), fünf längere Erzählungen bzw. Novellen („The Events at Poroth Farm“, „Petey“, „Black Man With a Horn“, „Children of the Kingdom“ und „Nadelman’s God“) und etwas Kleinzeug (ein paar Kurzgeschichten, Essays und Rezensionen) zustande gebracht. Warum das so ist, erklärt er Carl T. Ford, dem Herausgeber des britischen Fanzines Dagon wie folgt:

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Marty McFly (Der zeitlose Zeitreisende)

Der Urtext des Nerdkanons

Als Robert Zemeckis und Bob Gale einigen Studios das Drehbuch der mittlerweile legendäre Science-Fiction-Komödie von 1985 anboten, wollte es zunächst keiner haben. Man war der Meinung, dass dieser unbeschwerte Spaß gut zu Disney passen würde, aber dort sträubte man sich gegen Marty McFlys Techtelmechtel mit seiner Mutter Lorraine im Jahre 1955.

Aber auch, als der Film bei Universal ein Zuhause fand, blieb die Produktion chaotisch: Der ursprüngliche McFly-Darsteller Eric Stolz wurde für Michael J. Fox abserviert, während Schnitt- und Terminschwierigkeiten einen kompletten Film immer unwahrscheinlicher machten. Schließlich wurde der Film am 3. Juli 1985 in den Kinos uraufgeführt. Der Rest ist – wie man so schön sagt – Geschichte.

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Tim Powers / Die Tore zu Anubis Reich

Tim Powers’ vierter Roman wurde von David Pringle in die Liste der besten 100 modernen Fantasyromane aufgenommen, ist aber ebenfalls in Jones & Newmans Publikation über die besten Horrorromane zu finden. 1984 gewann das Buch den Philip K. Dick Memorial Award und wurde nicht zuletzt durch hervorragende Mundpropaganda so erfolgreich.

In dem Roman treffen wir einen Witwer mittleren Alters namens Brendan Doyle, einen Experten für Samuel Taylor Coleridge und den (fiktiven) Dichter William Ashbless. Doyle wird von einem exzentrischen Millionär, der sich ein Zeitreisegerät ausgedacht hat, gebeten, in das Jahr 1810 zurück nach London zu reisen, um an einer Coleridge-Vorlesung mit einer Gruppe wohlhabender Chrono-Touristen teilzunehmen. Doyle stimmt vorsichtig zu und wird – um es kurz zu machen – in der Vergangenheit ausgesetzt, wo er bald in die Machenschaften ägyptischer Zauberer verwickelt wird, die versuchen, England zu zerstören. Powers’ ausweglose Handlung schafft es irgendwie, das gehirngewaschene Ich von Lord Byron, einen von Körper zu Körper wandernden Werwolf, eine unterirdisch operierende kriminelle Gesellschaft, angeführt von einem verkrüppelten Clown auf Stelzen, eine mutige junge rachsüchtige Frau, verkleidet als Mann, ägyptische Götter, löffelgroße Jungs, Feuer- und Wind-Elemente, das Mamelucken-Schlachten von 1811, eine Menagerie von Freaks, die Beatles (!) und noch vieles mehr miteinander zu verschmelzen.

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Stephen King: Der Anschlag

Viele amerikanische Autoren spüren irgendwann einmal das Bedürfnis, den “großen amerikanischen Roman” zu schreiben; ein Mythos, der bereits seit dem Erscheinen von Onkel Toms Hütte (1850) existiert und dessen Ruf so illustre Autoren wie Herman Melville oder William Faulkner folgten (vielleicht ohne dass sie es wussten). Stephen King wird allgemein nicht als ein Anwärter gesehen, und mit einem Einzelwerk mag es der König schwer haben, was aber sein Gesamtwerk betrifft, so ist man sich mittlerweile einig, dass er der brillianteste Chronist des amerikanischen Lebens ist, und so reiht er sich zumindest neben Balzac ein, für den das auf das Frankreich seiner Zeit zutraf, und setzt sich auch neben Charles Dickens, der das für England tat.

Und trotzdem gibt es Stimmen, die Kings 11/22/63 (So “Der Anschlag” im Original) für etwas halten, dass dem “großen amerikanischen Roman” so nahe kommt wie schon lange kein Roman mehr, was daran liegt, dass er den nationalen Horror der Ermordung Kennedys zum Thema hat.

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