Kategorie: Comics

Charlie Brown – der ewige Melancholiker

Carlsen

Er gilt als die Hauptfigur der Peanuts. Kein Name der anderen Protagonisten kommt schneller aus der Pistole geschossen, bis auf der seines härtesten Konkurrenten: Snoopy. Er ist das Kind eines Friseurs und einer Hausfrau. Er ist der große Bruder von Sally. Und obwohl er noch zur Schule geht, trägt er bereits, bis auf ein gelocktes Haar, dicht über seinen Augenbrauen und drei Härchen am Hinterkopf, eine Glatze. Er ist ein großer Fan des fiktiven Baseballspielers Joe Shlabotnik und Chef seiner eigenen Baseballmannschaft, die nur ein einziges Mal gewonnen hat. Ein Sieg, den sein Hund Snoopy verbucht und der deshalb anstelle von Charlie auch vom Team gefeiert wurde. Snoopy, sein Hund mit eigener Hütte, der sich wie alles verhält aber nicht wie ein Hund. Auf den wir noch gesondert eingehen werden, denn nicht umsonst gilt er als der Star der kultig amerikanischen Bande, die uns beim Lachen zu Tränen rührt.

Charlie Brown ist verliebt in ein Mädchen mit rotem Haar. Ein Mädchen, von dem wir nicht wissen, wie es heißt und das wir niemals zu Gesicht bekommen, zumindest nicht in den Comics (in einer Zeichentrickserie und der Kinoanimation erhält sie Körper und Antlitz und heißt Heather Wold). Sie steht für die unerfüllte, ersehnte Liebe eines Jungen, der es alles andere als leicht hat in der Welt, dessen Freunde und Schulkameraden (vor allem die Mädchen) sich nicht immer als die loyalsten und zugewandtesten herausstellen, prokeln sie doch mit ihren eigenen Dämonen herum. Lucy, die Schwester von Charlies bestem Freund Linus, lässt ihn dies am meisten spüren. Am ergiebigsten gelingt es ihr in der Rolle als Psychiaterin (die in einem selbstgebauten Stand, ähnlich einem Limonadenstand, für ihre diagnostisch-therapeutischen Dienste sogar Geld verlangt) Charlie vor den Kopf zu stoßen und ihn mit seinen Unzulänglichkeiten auf schonungslose bis gar derbst traumatische Weise zu konfrontieren. Aber auch dann, wenn sie versucht, ihm in verschiedenen Situationen zur Hilfe zu eilen, z.B. wenn sie ihm den Football, den er gerade schießen will, unter dem Fuß wegzieht. Doch es gibt auch ihm zugewandte weibliche Wesen, wie die Narkoleptikerin Peppermint Patty (Chefin des gegnerischen Baseballteams) und Marcie, ihre zurückhaltend beflissene Freundin (“Dienerin”), die sich gar ordentlich in ihn verguckt hat und ihre Freundin in den Comics mit “Chef” anspricht (in den Cartoons nennt sie sie “Sir” und siezt sie). Das Problem von Charlie Brown ist: Er nimmt Zuneigungen nicht in gleicher Weise wahr, wie ihm seine Enttäuschungen und Sehnsüchte bewusst sind.

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Lucky Luke (Schneller als sein Schatten)

Foto von Stefflater

Wenn Lucky Luke hier in unserer Liste auftaucht, dann ist damit die Figur gemeint, die von 1955 – 1977 von Rene Goscinny getextet und von Morris gezeichnet wurde. Jeder modernistische Eingriff wird hier ignoriert, weil er in den seltensten Fällen der Figur gerecht wird und – ganz im Gegenteil – sie bis in unsere Tage hinein sogar zerstört hat. Das gleiche Phänomen ist innerhalb der Asterix-Bände zu beobachten.

Dieses Highlight der französisch-belgischen Comic-Schule wurde 1946 vom Grafikkünstler Morris (Maurice de Bévère) geschaffen, der zunächst sowohl zeichnete als auch schrieb. Lucky Luke begann als semi-seriöser Comic mit einem schroffen Cowboy-Helden, vielen Schießereien und gelegentlichen Todesfällen.

Morris schickte seine Panels mit der Post von New York nach Europa, wobei sie manchmal verloren gingen und Morris von vorne anfangen musste. Tatsächlich hat der Künstler in solchen Fällen nicht versucht, zu zeichnen, was er noch in Erinnerung hatte, sondern entwarf eine völlig neue Geschichte. Seine Recherchen waren so ergiebig, dass kein Mangel an Ideen herrschte.

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Alan Moore: From Hell

Es wurde einst behauptet, dass Comics als Kunst ihr wahres Potential noch nicht ausgeschöpft hätten, und dass der Citizen Kane der Comics noch auf sich warten ließe. Das bedeutet, solange in dieser Kunstform noch nicht jenes Werk produziert ist, das sämtliche Meinungen darüber, was ein Comic sein sollte oder nicht sein sollte, aufhebt und allgemein als oberster Markstein auf diesem Gebiet anerkannt wird, werden Comics in der Öffentlichkeit wohl für immer als für Kinder oder Subliterate geschaffene Werke wahrgenommen werden.

Seit Erscheinen des gewaltigen und epochalen From Hell von Alan Moore und Eddie Campbell ist diese Diskussion ein für allemal vorbei.

Dieses Buch ist schwierig und komplex. Schwer zu lesen, schwer einzuordnen, und es ist unwahrscheinlich, dass man es je ganz verstehen kann. Jede Art einer Inhaltsangabe würde dem vollen Umfang dieses Werkes nicht gerecht, und alle bisherigen Versuche sind kläglich gescheitert. Angeblich – so schallt es überall – sei das hier eine Studie über Jack the Ripper, seine Legende und sein Ursprung. Tatsächlich aber ist From Hell etwas ganz anderes, und das ist so groß, dass Jack selbst eher ein sekundäres und geringes Problem darstellt.

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