Neil Gaimans Coraline

Coraline

Neil Gaimans Roman Coraline sorgte bei seinem Erscheinen im Jahr 2002 für Furore, als er mit dem Hugo, dem Nebula und dem Bram Stoker Award ausgezeichnet wurde. Der Stop-Motion-Virtuose Henry Selick katapultierte das Kinderbuch noch einmal in eine ganz andere Umlaufbahn, bevölkert von atemberaubenden Bildern, die in revolutionärem stereoskopischem Digital-3D gerendert wurden.

Coraline ist eine Geschichte, bei der man aufpassen muss, was man sich wünscht, und eine Geschichte über Selbstvertrauen. Um diese Geschichte im Film zu erzählen, setzt Selick auf die altmodische Stop-Motion-Animation – das heißt, man setzt Puppen auf Miniaturkulissen und bewegt sie ein wenig, dreht ein paar Bilder und bewegt sie dann wieder. Die Puppen haben breite, glatte Gesichter auf Stangenbeinen und -hälsen; ihr Ruckeln ist kaum wahrnehmbar, reicht aber aus, um dem Film den Anschein von liebevoller Handarbeit zu geben.

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Pinocchio – Der hölzerne Junge

Ikonische Filme und Geschichten, die sich tief in die Erzählung der Gesellschaft eingegraben haben, verlieren oft mit der Zeit ihre substanzielle Wirkung. Das trifft vor allem immer dann zu, wenn der Disney-Konzern sich eines eigentlich düsteren Märchens annimmt und dieses in ein zuckriges, ungenießbares Substrat verwandelt. Eines der besten Beispiele ist Dornröschen. Der Film basiert natürlich auf dem Märchen, in dem ein verheirateter König ein schlafendes Mädchen findet, das er nicht aufwecken kann und stattdessen vergewaltigt.

Die 1940er Version von Pinocchio ist da keine Ausnahme. Der Film basiert auf einer Geschichte, die 1881 und 1882 von Carlo Collodi als Fortsetzungsgeschichte mit dem Titel Die Abenteuer des Pinocchio in einer Zeitung veröffentlicht wurde. Jiminy Cricket erscheint im Buch als Sprechende Grille und spielt keine so große Rolle.

Er taucht zum ersten Mal in Kapitel 4 auf, in dem die Binsenweisheit veranschaulicht wird, dass Kinder es nicht mögen, wenn ihr Verhalten von Leuten korrigiert wird, die viel mehr wissen als sie selbst. Als die sprechende Grille Pinocchio sagt, er solle wieder nach Hause gehen, springt Pinocchio wütend auf, nimmt den Hammer von der Bank und wirft ihn mit aller Kraft nach der Grille.

Pinocchio
Baccis Pinocchio

Vielleicht glaubte er nicht, dass er sie treffen würde. Aber leider, meine lieben Kinder, traf er die Grille direkt auf den Kopf.

Mit einem letzten schwachen „cri-cri-cri“ fiel die arme Grille von der Wand, und war tot!

Vielleicht freut es den ein oder anderen zu hören, dass Pinocchio seine Lektion gelernt hat – oder zumindest schien er sie zu lernen. Zwar scheint er kein schlechtes Gewissen zu haben, weil er die Grille getötet hat, erwähnt aber gegenüber Gepetto, dass er sie eigentlich gar nicht töten wollte. Weil er nicht auf die Grille gehört hatte, gerät er immer mehr in Schwierigkeiten.Schließlich holt das Karma Pinocchio ein und er bekommt seine Füße verbrannt.

„Da er keine Kraft mehr zum Stehen hatte, setzte er sich auf einen kleinen Schemel und stellte seine beiden Füße zum Trocknen auf den Ofen. Dort schlief er ein, und während er schlief, begannen seine Holzfüße zu brennen. Langsam, ganz langsam, wurden sie schwarz und dann zu Asche.“

Pinoccio

Natürlich schnitzt Gepetto ihm neue Füße, was wirklich mehr ist, als Pinocchio verdient hat. Denn als Pinocchio zum ersten Mal „lebendig“ wurde und laufen lernte, lief er als erstes weg. Noch schlimmer ist, dass Pinocchio die Leute glauben lässt, Gepetto habe ihn missbraucht, was Gepetto direkt ins Gefängnis bringt.

Man sollte meinen, dass Pinocchio zu diesem Zeitpunkt gelernt hat, ein guter, gehorsamer kleiner Junge zu sein, aber das ist einfach nicht der Fall. Die sprechende Grille kehrt als Geist zurück, um Pinocchio zu raten, sich nicht mit Leuten einzulassen, die behaupten, dass durch das Einpflanzen von Goldmünzen ein Baum aus Gold entsteht. Anstatt sich dafür zu entschuldigen, dass er den Hammer nach dem armen Tier geworfen hat, verhöhnt Pinocchio den Ratschlag erneut.

Pinocchios Entscheidung, die Grille weiterhin zu ignorieren, führt dazu, dass er noch mehr Ärger auf sich zieht, weil er von den Leuten gehängt wird, die ihm von der Anpflanzung von Goldmünzen erzählt hatten:

„Und sie rannten hinter mir her, und ich rannte und rannte, bis sie mich endlich fingen und mir einen Strick um den Hals warfen und mich an einen Baum hängten und sagten: „Morgen werden wir wiederkommen und dich holen, und du wirst tot sein und dein Mund wird offen stehen, und dann werden wir die Goldstücke nehmen, die du unter deiner Zunge versteckt hast.“

Pinoccio

Die Szene mit der Hinrichtung war eigentlich der Schlusspunkt der Geschichte. Im Grunde wollte Collodi die Botschaft vermitteln, dass ungehorsame Kinder schwerwiegende Folgen zu tragen haben können. Der Herausgeber der Zeitung bat Collodi jedoch, weiterzuschreiben – und so kam die blaue Fee ins Spiel, um die Marionette zu retten.

In den zusätzlichen Kapiteln sorgte Collodi dafür, dass Pinocchio seine Lektion lernte und beschloss, sich um seinen Vater zu kümmern, anstatt seine Zeit mit Spielen und Amoklaufen zu verbringen.

Collodi war nie ein Elternteil, und seine Geschichte war alles andere als schön. Die Puppe in der von ihm geschriebenen und veröffentlichten Geschichte wird von Anfang an als ungehorsamer Schlingel und „elender Junge“ bezeichnet. Für den Autor ist Pinocchio ein Spiegelbild der Erziehungsphilosophie, die der Philosoph Jean Jacques Rousseau im 18. Jahrhundert in seinem Werk Emile oder Über die Erziehung vertrat. In seiner revolutionären Diskussion über die soziale Erziehung zieht Rousseau in Erwägung, einen Jungen die natürlichen Konsequenzen seines fehlerhaften Handelns lernen zu lassen.

„Sie sollen nichts aus Büchern lernen, was sie aus Erfahrung lernen können“, sagt er. Auch dieser Puppe, die noch kein Junge war und sich weigerte, zur Schule zu gehen, gab der Autor die Freiheit, ihren eigenen Sinnen und Wünschen zu folgen – egal, wie schändlich oder erbärmlich diese erscheinen mochten. Und was macht dieses „Neugeborene“, das von seinem Schöpfer so sehr und so blind geliebt wurde? Es stürzt sich in völligen Trotz und Ungehorsam, schwänzt den Unterricht, sorgt für Streit zwischen seinem „Vater“ und dem Vermieter und läuft von zu Hause weg, sobald es laufen kann. Und warum? Weil es sich über die Meinung anderer (Geppetto), die wahrscheinlich mehr vom Leben verstehen als es, hinwegsetzt.

Als er nach dem Grund gefragt wird, deutet er an, dass er missbraucht wird und sein Erzeuger im Gefängnis sitzt. Rousseau argumentiert zwar, dass ein Kind von der Natur lernen und seine eigenen Wege erkunden sollte, aber er behauptet auch, dass es auch von den Menschen lernen sollte. Nachdem Pinocchio also zuerst sein Gewissen getötet hat (Jiminy Cricket) und unter völliger Missachtung der Meinung eines Mannes, eines Mannes voller Liebe, der sich danach sehnte, ein Kind zu zeugen, und der so glücklich war, endlich die Chance dazu zu bekommen, trifft Pinocchio zweifelhafte und manchmal sogar bösartige Entscheidungen, die am Ende dazu führen, dass er von Menschen, denen er vertraute, zum Sterben an einem Baum aufgehängt wird – nur aus Bosheit.

Ja, in der Originalgeschichte wird Pinocchio vom Fuchs und der Katze am Ast einer Eiche aufgehängt. Erfolglos, aber immerhin. Und wir Kinder fanden einen Vergnügungspark inmitten einer Vergnügungsinsel, in dem böse Kinder zu Eseln gemacht werden, schrecklich. „Genau hier, Jungs! Genau hierher! Nehmt euch Kuchen, Torten, Essiggurken und Eiscreme! Esst, so viel ihr könnt! Seid ein Vielfraß! Stopft euch voll! Es ist alles umsonst, Jungs! Es ist alles umsonst! Beeilt euch, beeilt euch, beeilt euch, beeilt euch!“

Pinoccio

Aber wenn das nur das Ende wäre und alles, was er jemals als Folge davon ertragen musste. Im Laufe des Buches bekommt Pinocchio immer wieder die Folgen seines Handelns zu spüren: Er wird überfallen, entführt, gelegentlich erstochen, wie ein Hund angebunden und ausgepeitscht, ständig verprügelt, verhungert fast und einmal werden ihm sogar die Beine verbrannt. Diese wurden ihm trotz allem, was er je getan hat, von Geppetto ersetzt, dem Mann, der in Pinocchios Augen „nichts wusste“, ihm aber dennoch wieder Füße zum Laufen gab.

Er ist per Definition ein undankbarer Bengel, das lässt sich nicht leugnen. Und seine Geschichte ist, gelinde gesagt, komplex. Und als solche, zusammen mit der düsteren Art, in der sie präsentiert wird, bot sie kein wirkliches Interesse für ein Unternehmen, das der Welt eine Kindergeschichte über einen naiven Jungen in einer grausamen Männerwelt geben wollte.

Anstelle einer Lektion für liebende Eltern, eines Buches, das einige praktische Aspekte hinter der komplexen Bindung zwischen Eltern und ihren Kindern aufzeigen sollte, die in den meisten Fällen versuchen, ihrem „Schöpfer“ nicht zu gehorchen und jeden Ratschlag und jede Liebe, die ihnen gegeben wird, als selbstverständlich hinzunehmen, beschränkten sich Disney und seine Mitarbeiter auf eine süße, liebevolle Kindergeschichte über einen naiven und unwissenden Jungen, der immer auf das hören sollte, was seine Eltern ihm sagen.

Spider-Man: A New Universe

Während wir alle auf den Abschluss der sensationellen Spider-Man-Trilogie „Into the Spider-Verse“ warten, sollten wir noch einmal kurz auf den ersten Teil zurückblicken. Jeder kennt die hyperkinetischen Actionsequenzen, das unbekannte Kind im Spider-Man-Kostüm. Und diese Farben. Wenn ein leicht abgedrehter Animationsfilm über eine der erfolgreichsten Superhelden-Ikonen aller Zeiten alles wäre, wäre er immer noch einen Blick wert. Aber Spider-Man: A New Universe (so der deutsche Titel) ist viel mehr als das. Miles Morales ist ein Teenager aus Brooklyn, der versucht, in der Highschool, auf die er geschickt wurde, zurechtzukommen. Sein Vater ist Polizist bei der NYPD, seine Mutter Krankenschwester. Er hat viele Freunde. Er hat einen Onkel, zu dem er aufschaut, der aber auch ein Geheimnis verbirgt. Und dann wird Miles von einer genetisch veränderten Spinne gebissen, sieht etwas, das er nicht sehen sollte, trifft einen legendären Helden (und mehrere Spider-Versionen aus alternativen Realitäten) und lernt, selbst einer von ihnen zu sein. Wenn das nach einem einfachen Superheldenfilm klingt, keine Sorge, denn das Drehbuch von Phil Lord und Rodney Rothman ist so verspielt und die Animation so einfallsreich, dass keine Langeweile aufkommt.

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Der rosarote Panther – Raffinesse und Stil

Der heutige Gaststar spielte in der letzten großen Zeichentrickserie mit, die im „Goldenen Zeitalter der Animation“ entstand. Bei uns kennt man ihn als den rosaroten Panther – im Original heißt er natürlich Pink Panther.

Friz Freleng

Viele wissen gar nicht, dass er eigentlich nur die animierte Titelsequenz des 1964 erschienenen Films mit Peter Sellers in der Hauptrolle war. Die Titelsequenz wurde so populär, dass der rosarote Panther nicht nur zum Maskottchen der Comedy-Filmserie um den schrulligen Detektiv wurde, sondern auch eine eigene Zeichentrickserie bekam. Und während andere Trickfilmstudios gerade alle Zeichentrickfilme einstellten, gewann das kurze Debüt des Panthers am Ende sogar einen Oscar. Nach einigen Spielfilmen wechselte der Panther mit der erwarteten Anmut und Leichtigkeit ins Fernsehen und wurde dort zur Ikone. Wie bei allen Superstars folgten bald stapelweise Merchandising-Artikel und Sponsorenverträge.

Dem Hauptfilm die Show gestohlen

Der rosarote Panther wurde von David DePatie geschaffen, der bei Warner Brothers in der Abteilung für Fernsehwerbung arbeitete und dort für die Animation zuständig war. Als er erfuhr, dass Warner sich aus dem Animationsgeschäft zurückziehen wollte, beschloss DePatie, genau das Gegenteil zu tun und eine eigene Produktionsfirma zu gründen. Sein Partner war Friz Freleng, der bis dahin ebenfalls in der Fernsehwerbung gearbeitet hatte. Die neu gegründete Produktionsfirma DePatie-Freleng blieb diesem Metier treu, bis DePatie einen Anruf des Regisseurs Blake Edwards erhielt. Die beiden kannten sich aus DePaties Zeit bei Warner:

„Das ist es, was ich will“. Edwards hatte eine Zeichnung von Hawley Pratt ausgewählt, auf der der Panther mit einer Zigarettenspitze in der Hand sitzt. Edwards begann sofort, die Illustration auf Briefköpfen und Karten zu verwenden.

Und diese Titelsequenz stahl dem ganzen Film die Show, obwohl der Originalfilm eine klassische, urkomische Schlafzimmerfarce ist. Die hochkarätige Besetzung bestand aus Peter Niven, Robert Wagner und Peter Sellers in seiner ersten Rolle als Inspektor Clouseau. Doch keine der zahlreichen witzigen Anspielungen und amüsanten Dialoge, gepaart mit unverschämten Slapsticks, konnte den krachenden Vorspann trüben. DePatie erzählte bei einer der ersten Vorführungen, dass das Publikum so laut gelacht habe, dass der Filmvorführer den Film nach dem Titel stoppen musste, damit sich die Menge beruhigen und den Film ansehen konnte!

Der Auftritt des Panthers wurde von Henry Mancinis heute klassischer Titelmelodie begleitet. Seine Titelmusik zu Der rosarote Panther ist eine der bekanntesten der Filmgeschichte.

Der Panther muss geschmeidig bleiben

Der Erfolg des Vorspanns brachte DePatie auf die Idee, einige Kurzfilme mit der Figur zu drehen, und United Artist, die Verleihfirma, stimmte nicht nur zu, sondern verlangte 156 Zeichentrickfilme über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren.

Die Herausforderung bestand darin, den Panther geschmeidig und katzenhaft zu halten. Zum Team gehörte damals auch der Autor John Dunn, der von Disney kam und bald als Meister der Panthergeschichten gelten sollte. Der Schlüssel zu den Zeichentrickfilmen war, sie anspruchsvoll zu gestalten. DePatie und sein Team wollten, dass sich die Kurzfilme eindeutig an Erwachsene und nicht an Kinder richteten.

Obwohl oft gesagt wird, dass der Panther nie gesprochen hat, stimmt das nicht, er spricht sogar in mehreren Filmen. Freleng erinnert sich:

„Wir haben verschiedene Stimmen mit ihm ausprobiert, aber nichts hat funktioniert, weil er ursprünglich für einen Vorspann gemacht wurde, und da spricht er nicht. Es gab also keinen Grund, ihn sprechen zu lassen.

Mehr als ein halbes Jahrzehnt lang produzierten DePatie-Freleng Kurzfilme über den rosaroten Panther. Sie ruhten sich jedoch nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern schufen eine Reihe weiterer Figuren, darunter den Inspektor, die blaue Elise, die Ameise Charlie sowie Sancho und Pancho. Während der gesamten 70er Jahre liefen die Panther-Cartoons im Fernsehen.

1975 kam der nächste Inspektor-Clouseau-Film in die Kinos: Die Rückkehr des rosaroten Panthers. Und wieder stellte der Vorspann den ganzen Film in den Schatten. Die New York Times schrieb, der Panther sei alles, was Clouseau nicht sei: urban, witzig, schlau, gerissen, geistesgegenwärtig und anmutig. 1978 spielte Peter Sellers zum letzten Mal den Inspektor. Seltsamerweise schlossen DePatie-Freleng in diesem Jahr auch ihr Studio. Für einige Panther-Filme, die in den 80er Jahren nachgedreht wurden, mieteten sie kurzfristig einen Raum an.

1993 wurde die erste Serie mit einem sprechenden rosaroten Panther gedreht. Allerdings bestand MGM darauf, dass es diesmal keine Pantomime sein sollte. Das gefiel DePatie und Freleng zwar nicht, andererseits würde MGM die Zeichentrickfilme nicht annehmen, wenn der Panther nicht sprechen würde. Schließlich einigte man sich auf 72 halbstündige Filme.

Die deutsche Übersetzung der Serie enthielt jedoch von Anfang an eine omnipräsente, an Wilhelm Busch erinnernde Stimme in Reimen, gesprochen von Gert Günther Hoffmann, der deutschen Stimme von Sean Connery. Hier erhielt der Panther auch seinen Namen: Paul. Meist wird jedoch die Koseform Paulchen verwendet.

Seit seinem Debüt 1964 blieb der Panther in klassischen Theaterkurzfilmen, Vorspännen und Fernsehauftritten präsent. Sein Bild erschien auf Hunderten von Produkten, darunter Frühstücksflocken, Limonade, Kleidung, Tassen, Plüschtiere, Comics und vieles mehr. Der Panther war zu einem Schlüsselsymbol für Kultiviertheit und Stil geworden.

Das Phantom – Der wandelnde Geist

Am 17. Februar 1936 erschien das erste Comicbuch über Das Phantom, in dem zu lesen war, dass der Vorfahre des Helden dieses Kostüm zum ersten Mal im 16. Jahrhundert überstreifte.

Lee Falks „Mandrake“

Die Figur ist eine Erfindung des Autors Lee Falk, der 1911 in St. Louis/Missourie als Leon Harrison Gross geboren wurde. Während seines Literaturstudiums an der University of Illinois hatte er plötzlich die Idee für ein Comic, in dem der Held das Verbrechen durch Hypnose bekämpft. Dieser hypnotische Held – Mandrake, der Zauberer – wurde als Mandra, der Zauberer recht schlecht ins Deutsche übersetzt. Er debütierte am 11. Juni 1934 und der Autor nannte sich fortan nur noch Lee Falk. Mandrake wurde so erfolgreich, dass der Verlag King Features ihn um eine weitere Figur bat.

Sein erster Entwurf war ein Comic, das auf den Abenteuern von König Artus und den Rittern der Tafelrunde basiert. Als das abgelehnt wurde, schuf er einen maskierten Helden in der Art von Zorro, der aber wie Tarzan im Dschungel Afrikas lebte und das Böse und die Ungerechtigkeit in ähnlicher Weise bekämpfte wie die Ritter der Tafelrunde. Seine Hintergrundgeschichte besagt, dass er einen Angriff von Piraten überlebt hatte und gelobte, sie und andere Schurken mit einer geheimen Identität zu bekämpfen. Die Rolle des Verbrechensbekämpfers wurde im Laufe der Generationen von Vater zu Sohn weitergegeben, so dass der Anschein entstand, dass er unsterblich ist. Im Gegensatz zu anderen kostümierten Helden hat er – wie Batman – keine Superkräfte und verlässt sich auf seine Stärke, Intelligenz und die Legende seiner Unsterblichkeit, um seine Feinde zu besiegen.

Ein früher Name für die Figur war The Grey Ghost, aber Falk entschied sich schließlich für The Phantom. Falk erwähnte, dass er von griechischen Büsten inspiriert wurde, als er beschloss, die Pupillen der Figur nicht durch die Maske zu zeigen. Griechische Büsten nämlich haben keine Pupillen und Falk dachte, das gäbe ihnen ein unmenschliches und interessantes Aussehen. In einem weiteren Interview gab Falk Robin Hood als Einfluss für das hautenge Kostüm an.

Die ersten Comicstrips in den Zeitschriften waren noch nicht in Farbe erschienen. Dort war das Phantom grau gezeichnet (und auch im Text als grau bezeichnet). Erst als 1939 in den USA beschlossen wurde, die Sonntags-Comics in Farbe zu drucken, musste sich der Kolorist für einen offiziellen Phantom-Ton entscheiden und wählte lila. Falk erklärte später, dass die Farbe sich von den violetten Dschungelbeeren ableite.

Schnell erlangte die neue Figur eine Anhängerschaft in den USA und beeinflusste eine ganze Reihe anderer Helden in Strumpfhosen, wie zum Beispiel Superman. In Australien gab das Phantom sein Debüt am 1. September 1936 in der Zeitschrift Australian Woman’s Mirror. Einige der Orte, die Falk in dem Comic festgelegt hatte, wurden in diesen Ausgaben in australische Schauplätze verwandelt, was viele Leute glauben ließ, dass der Comic eine australische Kreation sei. Tatsächlich hält der Verlag Frew Publications mit dem Phantom den Rekord über die längste ununterbrochene Veröffentlichung einer Comicreihe.

Interessant ist vielleicht, dass die beiden großen Comic-Häuser Marvel und DC jeweils eine eigene Version des Comic-Helden veröffentlichten. Den Anfang machte DC in den Jahren 1988/89. Dort gab es zu dieser Zeit eine Serie mit insgesamt 13 Ausgaben. DC hielt sich dabei relativ nahe an Falks Original. Im Gegensatz zu Marvel, deren Phantom 1995 als dreiteilige Miniserie erschien. Im Gegensatz zur regulären Version erscheint der Held hier stärker und rechthaberischer. Er trägt einen kugelabweisenden Rüstungsanzug, ist ausgestattet mit einem fortschrittlichen Infrarot-Suchgerät und einer ausklappbaren Spezialausrüstung an den Handschuhen, die jedem Schwerthieb widerstehen können.

Popeye – Der Seemann

Popeye, der Seemann hatte seinen Höhenflug in der goldenen Ära der Cartoons in den 30er und 40er Jahren. Während andere Trickfiguren (wie Donald Duck oder Bugs Bunny) sich zwar entwickelten und veränderten, aber ihre Popularität nicht unbedingt einbüßten, verhielt es sich bei Popeye anders. Jüngere Leser (falls es die hier geben sollte) werden die Figur kaum mehr kennen, und wenn, dann nur vom Hörensagen durch ihre Eltern. Alle Versuche, die Figur aufzufrischen, sind gescheitert.

Sein Comic-Debüt gab Popeye im Jahre 1929, und wie das so oft der Fall ist, war der Matrose gar nicht als eine Hauptfigur gedacht, sondern eine unter vielen für Elzie Segars Comic-Serie Thimble Theatre (Fingerhut-Theater), die er bereits seit 1919 zeichnete. Dort war Popeye ein einäugiger, deformiert aussehender Matrose mit einer schweren Sprachbehinderung. Die anderen Figuren waren Popeyes große Liebe Olive Oyl, die wie eine Magersüchtige aussah und ein weiterer (viel größerer) Matrosen namens Bluto (später aus rechtlichen Gründen in „Brutus“ geändert). Als Segar diese Figur dann zurückzog, schrieben ihm viele verärgerte Leser und forderten Popeye zurück. Das Ergebnis war, dass Popeye endlich seine Hauptrolle bekam. Es ist später etwas unklar, ob Popeye tatsächlich nur ein Auge hat oder nur schielt (obwohl ihn Bluto in mindestens einem Cartoon als „einäugigen Zwerg“ bezeichnet). Auf den Matrosen verfiel Segar, als zwei andere Figuren seines ursprünglichen Comics – Ham und Castor – beschlossen, auf die Suche nach einer legendären Kreatur namens Whiffle Henn in See zu stechen. Weder Ham noch Castor wussten etwas vom Segeln, also heuerten sie einen Matrosen an, der sie auf ihre Reise mitnahm. Im Strip vom 17. Juni 1929 geht Castor auf einen rauflustigen, einäugigen Mann mit Kapitänsmütze zu und fragt ihn: „Sind Sie ein Matrose?

„Ja, halten Sie mich für einen Cowboy?“, antwortet der Matrose. Popeye, der Seemann, war geboren.

Popeyes unsterbliche Liebe zu Olive Oyl hält während der gesamten Karriere des Matrosen an, trotz der offensichtlichen Tatsache, dass Olive unattraktiv ist und es ihr an Sexappeal mangelt. In den ursprünglichen Thimble Theatre-Comics war Olive Oyls Freund „Ham Gravy“. Er wurde wegen Popeyes sprunghaft ansteigender Popularität dann aus der Comicserie gestrichen.

In den Popeye-Comics und -Zeichentrickfilmen beleidigt und beschimpft Olive Popeye regelmäßig, ist routinemäßig untreu und behandelt ihn im Allgemeinen bei zahlreichen Gelegenheiten wie Dreck. In mehr als einem Popeye-Cartoon schlägt oder verprügelt Olive den glücklosen Matrosen. Man fragt sich, was Popeye an der figurlosen Olive Oyl so anziehend findet. Ähnliches fragt man sich auch über Popeyes beziehung zu Bluto. In den meisten Episoden ist Bluto ein ausgewiesener Rivale um Olives Zuneigung, in anderen sehen wir bei beiden jedoch die Karikatur einer Freundschaft. Bluto treibt trotzdem unweigerlich fast immer ein doppeltes Spiel mit seinem „Kumpel“, so dass man sich fragt, warum Popeye den Kerl nicht aus seinem Leben wirft.

Die frühen 1930er Jahre waren eine Zeit heftiger Konkurrenz unter den amerikanischen Zeichentrickstudios, die hart daran arbeiteten, kleine Zeichentrickfiguren zu „Stars“ aufzubauen, die zur Steigerung der Kinobesuche und des Gewinns der Studios genutzt werden konnten. Die Walt Disney Studios machten es mit Mickey Mouse, Donald Duck und Goofy, und Warner Brothers machte es mit Bugs Bunny und Daffy Duck. Eine Firma namens Fleischer Studios, die von den Brüdern Max und Dave Fleischer geleitet wurde, hatte eine sehr beliebte Figur namens Betty Boop und war auf der Suche nach weiteren Figuren.

Popeye war Max Fleischers Lieblingscomicstrip, und im November 1932 wandte er sich an eine Führungskraft des King Features Syndicate, der Firma, der der Popeye-Strip gehörte.

Fleischer beschloss, Popeyes Attraktivität zu testen, indem er ihn in einem Betty-Boop-Cartoon zeigte. Doch aus Angst, dass andere Studios seine Idee stehlen und ihre eigenen Seemannscharaktere kreieren könnten, sperrte er den Trickfilmzeichner Roland Crandall in ein Studio ein, wo Crandall die nächsten Monate damit verbrachte, den ersten Popeye-Zeichentrickfilm im Geheimen zu animieren.

„Betty Boop Presents Popeye the Sailor“ war ein Riesenhit, als er im Sommer 1933 Premiere hatte, und in den nächsten Jahren folgten eine Reihe von Cartoons. In den späten 1930er Jahren stellte Popeye sogar Disneys Mickey Mouse in den Schatten und wurde zur beliebtesten Zeichentrickfigur der Vereinigten Staaten.

Auf seinem Höhepunkt war der Popeye-Wahnsinn mehr als nur eine Modeerscheinung – er war ein kulturelles Phänomen. Der Comicstrip, der in 638 Zeitungen in ganz Amerika erschien, war dafür verantwortlich, dass der englischen Sprache die Wörter „Jeep“ und „Goon“ (beides Figuren im Comicstrip) hinzugefügt wurden; und die Spinatbauern machten Popeyes Popularität dafür verantwortlich, dass der Absatz von Spinat zwischen 1931 und 1936 um 33% stieg und sie so vor dem Ruin während der Großen Depression bewahrte. (Segar brauchte eine Erklärung für Popeyes Superkraft. In den späten 20er Jahren priesen Gesundheitsspezialisten die Vorteile von Spinat als Supernahrungsmittel, so dass Segar Popeyes Kraft dem Gemüse zuschrieb.)

Kämpfe gehörten von Anfang an zu Popeyes Persona. Am heftigsten war er zu Beginn der Comicstrips zu beobachten, als er fluchte, sich prügelte und oft Tiere, Menschen und leblose Objekte schlug. Die Schroffheit dieser frühen Zeichentrickfilme war für das Publikum der 1930er und 1940er Jahre gut geeignet, denn man erkennt sie leicht als eine natürliche Reaktion der Zeit. Eine Bevölkerung, die von der Weltwirtschaftskrise frustriert war, mochte die Idee, dass ein kleiner Mann zurückschlägt und gewinnt. Auch sie wollten sich gegen etwas wehren, das sie fürchteten und nicht verstanden.

Doch als Popeye in den 1930er Jahren bei Kindern immer beliebter wurde, forderte der Besitzer der King Features Segar auf, das Fluchen und die Gewalt abzumildern und den Streifen kindgerechter zu gestalten. Popeye hörte auf zu fluchen, blieb aber genauso gewalttätig wie eh und je, nur kämpfte Popeye jetzt nicht mehr grundlos, sondern immer für das, was richtig war – er war kein Raufbold mehr. Popeye war nun ein vollwertiger Held. Was Popeye jedoch während der Weltwirtschaftkrise und nach dem zweiten Weltkrieg berühmt gemacht hatte, begann in den 70er und 80er Jahren gegen ihn zu wirken. Eltern machten sich Sorgen über das Ausmaß der Gewalt, die Kinder im Fernsehen sahen. Heute, da Gewalt das Merkmal der Unterhaltungsindustrie schlechthin ist, kann man das kaum mehr nachvollziehen, auch wenn es weiterhin Pseudo-Debatten über FSK-Richtlinien gibt.

Popeye erhielt 1987 eine Runderneuerung: Er tauschte das Segeln gegen den Besitz eines Fitnessclubs ein, war mit Olive Oyl verheiratet und hatte einen Sohn namens Junior. Ebenso war Bluto mit einer Frau namens Lizzie verheiratet und hatte einen Sohn namens Tank. Die neue Serie mit dem Namen „Popeye and Son“ war ein solches Quoten-Desaster, dass sie nach nur 13 Wochen abgesetzt wurde.

Micky Maus – Die Ikone der Popkultur

Micky Maus gehört sicherlich zu den bekanntesten popkulturellen Persönlichkeiten der Geschichte. Seit seiner Einführung im Jahre 1928 ist Disneys legendäres Wahrzeichen in ausschließlich allen Medien und Variationen zu haben. Künstler von Saul Steinberg bis Andy Warhol haben ihn gefeiert und kritisiert. Für manche ist die Micky Maus sogar der Comic-Charakter schlechthin. Auch wenn in den vergangenen Jahrzehnten der Stern etwas zu verblassen scheint, wäre es noch untertrieben, hier einfach nur von einer Erfolgsgeschichte zu sprechen.

Vielmehr ist Micky Maus ein Symbol, das über sich hinausragt, der Grundstein für eine einzigartige amerikanische Kunst, die Innovationen in Film, Musik und Malerei vereint (und sogar geschaffen) hat. Micky ist von einer Cartoon-Figur zu einer beeindruckenden Kulturmaschine geworden, die sich auch heute noch mit nichts vergleichen lässt. Diego Rivera bezeichnete Micky als echten Helden der amerikanischen Kunst und Walter Benjamin schrieb, dass sich die Öffentlichkeit bei Micky in seinen Handlungen wiedererkennt.

Die erste Maus war ein Kaninchen

Walt Disney
Walt Disney in Paris

Wären die Dinge in den 1920ern jedoch ein wenig anders gelaufen, wäre die große Ikone der Popkultur vielleicht ein Kaninchen gewesen. Disney war ein noch junger Animator, der eine Serie namens Alice Comedies produzierte, Kurzfilme, die echte Darsteller mit animierten Bildern kombinierten. Aber er war der Serie überdrüssig geworden und wollte komplett zum animierten Film übergehen. 1927 ging dieser Wunsch in Erfüllung und er durfte für Universal eine Cartoon-Serie produzieren. Disney wählte ein Kaninchen, dessen Name bei Universal tatsächlich aus einem Hut gezogen wurde.

Inspiriert war Oswald, wie viele andere Figuren zu dieser Zeit, von Felix – der erfolgreichen Cartoon-Katze, deren schwarzer Körper sich gut vom schlicht gezeichneten Hintergrund absetzte. Die Rechte an Oswald hatte allerdings, wie damals üblich, das Filmstudio. In diesem Falle Universal. Und so kam es, dass Disney um die Rechte an seiner Figur betrogen wurde.

Anstelle den Kopf in den Sand zu stecken, arbeitete er und sein Chefanimator Ub Iworks an einer weiteren Figur, auf die sie merkwürdigerweise nicht sofort kamen, obwohl animierte Mäuse bei Disney bereits zu dieser Zeit Gang und Gäbe waren. Als sie im Wesentlichen einfach nur Oswalds Ohren zu runden Mäuseohren gestutzt hatten, hatten sie ihre Figur, die zunächst Mortimer genannt wurde, bis Disneys Frau darauf beharrte, die Maus Micky zu nennen.

Micky und Oswald

Die drei Anläufe der Micky Maus

Der erste Cartoon, in dem Micky auftrat, war Plane Crazy. Inspiriert von Charles Lindberghs heldenhaftem ersten Alleinflug über den Atlantik, führte die Handlung dazu, dass Micky und einige Tierfreunde versuchten, ihr eigenes Flugzeug zu bauen. Der Cartoon wurde am 15. Mai 1928 in Hollywood in Form einer Testsichtung uraufgeführt. Es gelang ihm jedoch nicht, einen Verleih zu finden. Der zweiten Cartoon, The Gallopin‘ Gaucho, erlitt das gleiche Schicksal. Man erklärte Walt Disney sogar:

„Niemand kennt dich und niemand kennt deine Maus.“

Der dritte Anlauf brachte für Micky dann den Durchbruch, als Steamboat Willie am 18. November 1928 im New Yorker Colony Theatre Premiere feierte. Es war einer der ersten Cartoons, die jemals erfolgreich synchronisierten Sound einsetzte, und er war so beliebt, dass Walt Disney die höchste Summe bekam, die jemals für einen Cartoon am Broadway gezahlt wurde. Die Geschichte ist im wesentlichen eine Parodie auf Buster Keatons Kassenschlager Steamboat Bill Jr aus dem selben Jahr.

Steamboat Willi

Die Walt Disney Studios mit ihren kleinen, aber treuen Mitarbeitern wurden durch diesen Erfolg gerettet und ein Star war geboren.

Aber wann wurde er geboren?

Seltsamerweise änderte sich Mickys „offizieller“ Geburtstag nach 1928 jedes Jahr. 1933 verkündete Walt Disney:

Doch dieses Datum hielt sich nicht lange. Der Geburtstag wurde oft geändert, um ihn an bestimmte Aktivitäten anzupassen. Erst 1978 entschied Dave Smith, der Gründer des Disney-Archivs, dass die Premiere von Steamboat Willie wirklich der erste öffentliche Auftritt von Micky Maus war, also sein Geburtsdatum. Und an diesem Tag feiert natürlich auch Minnie Maus ihren Ehrentag, denn sie eilt in diesem Cartoon am Ufer entlang und versucht Kater Karlos Dampfschiff zu erwischen. Micky fand einen Weg, sie an Bord zu bringen, obwohl der Dampfer schon abgefahren war. Sofort hatten beide füreinander Feuer gefangen. Der Rest ist Geschichte, die aber gerne ausklammert, dass Micky und Minnie verheiratet sind. Zumindest sagte das Walt Disney 1933 in einem Interview, erwähnte aber auch, dass sie ihre Ehe nicht in die Öffentlichkeit tragen.

Walt Disney lieh seiner Maus über Jahrzehnte auch seine Stimme. Das erste Mal sprach Micky Maus in The Karnival Kid von 1929. Der perfekte Umgang mit den verschiedenen Sounds ist der wesentliche Grund, warum Micky Maus so erfolgreich wurde und in kürzester Zeit seinen Hauptkonkurrenten, die Stummfilmanimation Felix the Cat hinter sich ließ.

In kurzer Folge wurde die Charakterisierung vorangetrieben und das Aussehen der Figur verbessert. Kater Karlo wurde als Mickys Erzfeind eingeführt, er bekam weiße Handschuhe, damit sich die Hände besser vom Körper unterschieden, seine berühmten kurzen roten Hosen wurden ihm verpasst, und der Schwanz verschwand.

Die Ära Gottfredson

Anfang 1930 verließ Ub Iworks Disney und somit auch die Arbeit an dem seit dem 13. Januar des selben Jahres lizensierten Comic-Strips, und Walt machte sich auf die Suche nach einem Ersatz. Er entschied sich für Floyd Gottfredson, einen kürzlich eingestellten Mitarbeiter. Damals war Floyd Berichten zufolge begierig darauf, in der Animation zu arbeiten und zögerte etwas, seinen neuen Auftrag anzunehmen. Walt musste Floyd versichern, dass der Auftrag nur vorübergehend war und er schließlich zur Animation zurückkehren würde. Floyd akzeptierte und behielt diese „temporäre“ Aufgabe vom 5. Mai 1930 bis zum 15. November 1975.

Mickys Auftreten in den Comics unterschied sich von Anfang an erheblich von den Cartoons. Während sich nämlich die Cartoons weiterhin auf die Komödie konzentrierten, kombinierten die Comics auf sehr effektive Weise die Komödie mit der Abenteuergeschichte. Und diese Version der Micky Maus hielt sich bis in die heutige Zeit.

Der nächste Künstler, der die Figur prägte, war Paul Murry für die Dell-Comics. In der gleichen Zeit begann Romano Scarpa in Italien für die Zeitschrift Topolino, Micky in seinen Geschichten weiterzuentwickeln.

In Deutschland kam das Erscheinen des ersten Micky-Maus-Magazins 1951 einem Erweckungserlebnis gleich. Allerdings wurde die Beliebtheit der Maus hierzulande schnell von Donald Duck eingeholt, die in ganz Europa die eigentlich gefeierte Disney-Figur ist. Das zeigt an, wie sehr Micky Maus mehr als Symbol, denn als Comic-Charakter Anerkennung findet.