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Dracula (Der zeitlose Sauger)

Jofa-Atelier Berlin-Johannisthal

Über Vampire ganz allgemein haben wir schon gesprochen. Und über eine der besten Filmadaptionen, Bram Stoker’s Dracula, ebenfalls. Schauen wir uns heute diesbezüglich etwas in unserem Figurenspotlight um.

Der irische Autor Bram Stoker ließ seine Kreatur im Jahre 1897 auf die ahnungslose Welt los. Er hatte ein Buch geschrieben, das seitdem nie vergriffen war und mehr Film- und Bühnenadaptionen inspiriert hat als jeder andere Roman.

Inspiriert vom jahrhundertealten Vampirmythos und vom rücksichtslosen walachischen Prinzen Vlad III., dem Pfähler aus dem 15. Jahrhundert, erzählt Dracula von einem siebenbürgischen Grafen, der nach London reist, die Hälse seiner Opfer mit seinen Reißzähnen durchbohrt, um ihr Blut zu trinken, und von einer Gruppe von Viktorianern verfolgt wird, darunter sein Immobilienmakler Jonathan Harker.  Als furchterregendes, übernatürlich starkes Wesen hypnotisiert Dracula seine Opfer und kann sich in eine Fledermaus, einen Hund, einen Wolf und in Nebel verwandeln.

Dracula, ein Briefroman, der in Tagebucheinträgen, Protokollen, Briefen und Zeitungsartikeln erzählt wird, beeinflusste unzählige andere Romane, darunter Kim Newmans Anno Dracula (1992), Elizabeth Kostovas Der Historiker (2005) und Fred Saberhagens Die Geständnisse des Grafen Dracula (2006), der aus der Sicht des Grafen erzählt wird.

Einer der besten Dracula-Romane, in den man sich vertiefen kann, ist Brennen muss Salem (1975) von Stephen King. Obwohl der Antagonist anstelle von Graf Dracula als „Meistervampir“ bezeichnet wird, ist das Buch eindeutig eine moderne, kleinstädtische Interpretation von Stokers Roman, wie King einmal auf seiner Website erklärte:

„In einer meiner High-School-Klassen ging es um Fantasy und Science Fiction, und einer der Romane, die ich unterrichtete, war Dracula. Ich war überrascht, wie wichtig das Buch über all die Jahre geblieben war; die Kinder mochten es, und ich mochte es auch. Eines Nachts…fragte ich mich…was passieren würde, wenn Dracula im 20. Jahrhundert nach Amerika zurückkehren würde.“

Dracula auf der Leinwand

F.W. Murnaus Nosferatu von 1922 ist eine der frühesten und besten Dracula-Adaptionen. Hier spielt Max Schreck den Grafen Orlock, ein abscheuliches Wesen, das im deutschen Bremen Unschuldige verführt. Trotz der Namensänderung („Dracula“ in „Orlock“) klagte Bram Stokers Witwe erfolgreich unter Berufung auf das Urheberrecht und forderte die Vernichtung des Films. Glücklicherweise haben einige Abzüge überlebt, und man kann den atmosphärischen Film sogar auf YouTube finden.

„Bela Lugosi as a Homage“ von Kerry Gammill

Jeder anständige Vampirfan hat Universals Dracula von 1931 unter der Regie von Tod Browning gesehen. Das moderne Publikum mag den Film zwar langsam und unblutig finden, aber er bleibt ein filmischer Schatz, was zu einem großen Teil auf die zeitlose Leistung des ungarischen Schauspielers Bela Lugosi zurückzuführen ist.

„Lugosi ist definitiv mein Lieblings-Dracula im Film“, sagt der Comickünstler und Filmdesigner Kerry Gammill, der einst eine Comicserie namens Bela Lugosi’s Tales from the Grave herausgab.

„Er hat eine Jenseitigkeit an sich, die die meisten anderen einfach nicht haben. Die Originalversion von 1931 ist immer noch einer meiner Lieblingsfilme. Besonders der erste Akt auf Draculas Schloss.“

Universal, das dominierendes Studio für Horrorfilme in den 1930er und 40er Jahren, hielt das Franchise „Dracula“ mit Draculas Tochter (1936), Draculas Sohn (1943), Frankensteins Haus (1944), Draculas Haus (1945) und Abbott und Costello treffen Frankenstein (1948) aufrecht, wo Gammill zum ersten Mal auf den untoten Grafen traf.

„Meine erste Erinnerung an Dracula ist, dass ich Bela Lugosi in Abbott und Costello treffen Frankenstein gesehen habe, als ich sechs Jahre alt war,“ sagt Gemmill.

„Ich war von ihm fasziniert. Der Blick, und die Stimme, und dass er in einem Sarg schlief und Menschen unter seine Macht zwingen konnt, sie in den Hals biss und sich in eine Fledermaus verwandeln konnte. Obwohl es sich um eine Komödie hendelte, waren die Monster doch sehr beängstigend. Es war aufregend für ein kleines Kind, das so etwas noch nie gesehen hatte.“

Eine gute Dracula-Reise ist unvollständig, ohne dass man zumindest einige der neun Dracula-Filme des englischen Hammer-Studios erwähnt, vor allem den ersten, Dracula (1958), mit  Christopher Lee, der den Grafen mehrmals spielte.

„Mein nächster Favorit als Dracula ist Christopher Lee“, sagt Gammill. „Er war körperlich imposant, und er gab dem Grafen einen Anflug von Erotik, wenn er die Damen biss. Das hatten die früheren Filme alle nicht. Und in den Lee-Filmen zeigten sie schließlich Draculas Reißzähne und das Blut, das aus seinem Mund tropft, was sehr cool aussah.“

Dracula-Anhänger sollten auch Die Rückkehr des Dracula (1958), Blacula (1972), John Badhams Dracula (1979), Werner Herzogs Nosferatu mit Klaus Kinski (1979), Monster Busters (1987) und Bram Stoker’s Dracula (1992) sehen, der sich stärker als jeder andere amerikanische Film an den ursprünglichen Roman hält. Jüngere Fans werden das Hotel Transilvanien (2012) genießen.

Werner Herzogs „Nosferatu – Phantom der Nacht“ mit Klaus Kinski in der Hauptrolle; Werner Herzog Filmproduktion

Dracula im Kleinen

Dracula ist in unzähligen Fernsehsendungen aufgetreten, von Gilligans Insel über Superboy bis hin zu Supernatural und Doctor Who. In der ersten Folge der fünften Staffel von Buffy – Im Bann der Dämonen kämpft Buffy (Sarah Michelle Gellar) gegen den Grafen (Rudolf Martin) in „Buffy vs. Dracula“. Hier gerät Buffys Jugendfreund Xander (Nicholas Brendon) unter den Einfluss des Dunklen Prinzen (ähnlich wie Renfield in Stokers Roman).

1990 erhielt Graf Dracula seine eigene Serie, aber sie wurde nach der ersten Staffel abgesetzt. In der Abteilung TV gibt es zwei wesentliche Filme: Dracula (1973), mit Jack Palance in der Titelrolle, und den Count Dracula (1977) der BBC, mit Louis Jordan als untoten Blutsauger.

Der vielleicht liebenswerteste Dracula im Fernsehen ist der  Opa von The Munsters, dicht gefolgt von Graf Zahl aus der Sesamstraße.

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