Komische Clowns

Wir kennen King’s Clown Pennywise. Sein verschlagenes Grinsen, die bösen Augen, die spitzen Zähne. Wir wissen vom Joker, Gegenspieler des großen Batman. Permanent grotesk belustigt. Ein ewig grinsender Oberschurke, genial, verrückt und de facto ein übler Kerl, faszinierend durchaus und gerade deswegen so herrlich böse abgefahren.

Wir haben vom Serienkiller John Wayne Gacy gehört, der als Clown Pogo in seiner Heimatstadt den allseits beliebten Spaßmacher spielte und Jungs für seine Lust ermordete, wenn die Maske fiel.

Irgendwann, irgendwo mal haben wir auch von den Hofnarren aus längst vergangener Zeit erfahren, die als Urväter des modernen Clowns gelten dürften: Die waren prinzipiell von Natur aus mit physischen und psychischen Defiziten belastet, Randfiguren der Gesellschaft, Prügelknaben und Entertainer der Herrschaften, Zielscheiben oft kleingeistiger Spötter, zugleich selbst Verspottende, da sie sich in Wort, Sinn und Tat so einiges an Frechheiten und Dreistigkeiten herausnehmen durften.

Hofnarren waren die offiziellen Narren, auffällig gekleidet und geschminkt, spezifisch anders mit dieser gewissen Freiheit versehen. Aber eben einer Freiheit, die auch und manchmal extrem von den Launen des Publikums abhing. War dem das alles zu viel der Verulkung, ging der Daumen hinunter. Das Leben der Hofnarren stand stets auf der Kippe. Und außerhalb ihrer Bühne mussten sie damit klar kommen, die ewigen Außenseiter zu sein, skurrile Subjekte, mit denen etwas nicht stimmte. Die weder vertrauenswürdig noch irgendwie sympathisch wirkten. Die Scheu verursachten. Unwohlsein. Und eben auch Angst.

Obacht, wenn die Maske fällt

Geändert hat sich das in all den Jahrhunderten nicht. Sind es auch wirklich anständige Leute mit großen Namen, die den typischen Zirkusclown geprägt haben, – da war der Pantomime Jean-Gaspard Deburau, der 1816 mit schwarzer Kappe, weißem Kittel mit schwarzen Bommeln und schneeweißem Gesicht den französischen Pierrot schuf, Joseph Grimaldi (1799 – 1837), der erste zeitlos moderne Clown, Tom Belling (1843 – 1900), der als „Dummer August“ Vorbildcharakter für drollige Tollpatschigkeit hatte – , so bleibt immer eine Scheu, dieser Argwohn vor ihnen bestehen, sobald sie sicheres Terrain verlassen.

Ein klar zu definierender Clown im Zirkuszelt ist die eine Sache, ein weniger durchschaubarer Vertreter seines Genres nachts auf menschenleerer Straße eine gänzlich andere.

Ha ha, said the Clown, has the king lost his crown.

Ha! Ha! said the clown, is it bringing you down…

Ein leicht verstaubtes Lied mit recht beschwingter Melodie. Mighty Garvey hat’s gesungen, 1968 war das. Man könnte es glatt mitsummen. Aber dann fällt einem (wieder) Pennywise ein. Und vielleicht auch Eli Roth’s Clown. Da friert die Stimme ein. Der Film Clown aus dem Jahr 2014 stampft jegliche Art von Humor, die einem trotz ernster Sachlage, – die liegt hier vor! – , in den Sinn kommen könnte, in Grund und Boden. Der „Normalo“ Kent McCoy (Andy Powers) mutiert vom fleißigen, liebenden Familienvater in ein abartiges Wesen, das Kinder frisst.

Vom Spaßvogel zum Alptraum

Die grandios-schauerliche Verwandlung vom Menschen über den Clown zum absoluten Alptraum erinnert ein gutes Stück an die Fliege, der große Rest ist eigene Geschichte: Um seinem Sohn auf dessen Geburtstagsparty eine Freude zu bereiten, schlüpft Immobilienmakler McCoy, der in einem leerstehenden Haus zufällig ein altes Clownskostüm gefunden hat, in eben dieses, tritt als der gute Dumbo auf…und kann sich am Abend weder ausziehen noch gescheit abschminken noch Perücke und Nase absetzen. Alles ist mit ihm verwachsen. McCoy ist verzweifelt. Panisch. Sucht Hilfe. Und verändert sich nach und nach. Tatsächlich ist das Kostüm Dämonenhaut. Es wird schrecklich. Gruselig schlimm. Und die Idee phänomenal.

Ha! Ha! Said the clown, hear the jokes, have a smoke, and a laugh at the clown …

Darüber lachen! Klappt manchmal so gar nicht. Das Lied gehört hier und jetzt in die Schublade, passt nicht. Wobei im Kontext festzuhalten bleibt: So wirklich geeignet furchtbare Lieder über Furcht einflößende Clowns im Herkömmlichen gibt es auch gar nicht. Es gibt das grammatikalisch liebevoll verformte Oh mein Papa sein eine wunderbare Clown… und den wehmütigen Blick Where are the clowns? Send in the clowns… , das sind Hymnen für Gutmenschen und Glückselig-Macher ohne finstere Hintergedanken.

Ennio Morricone hat für den Clown in der Arena, der gar keiner ist, komponiert. Freilich ist Il Mercenario nichts direkt zum Gruseln. Die deliziöse Pasta des Italos wurde mit Blei, selbstredend auch mit Blut, aber nicht mit abgeschälter Gänsehaut gekocht. Horror findet nicht in der Arena statt. Und ist grundsätzlich nicht das Ur-Zuhause eines bunt bemalten und gewandeten Spaßtreibers.

Charlie Rivel tollpatschte weltweit in Manegen und in den 1960ern, -70ern über die Bildschirme, lautstark sein unverkennbares „Akrobat schööön!“ verkündend. Da war der berühmte spanische Clown mit der poppigen Vierkantnase und dem roten Haarkranz um die Glatze schon gut betagt. Und hatte so warmherzige Weisheiten erkannt wie:

Glück ist, wenn man die Persönlichkeit hat, ein Clown zu sein.“

Keine Panik: Akrobat schööön!

(S)eine warmherzige Weisheit. Warum auch nicht, so betrachtet? Ohne Skepsis, ohne graue Wolke am Himmel. Der Clown war lieb. Lustig. Lebensfroh. Manchmal bekümmert, wenn seine Seifenblasen platzten. Das großes Kind mit den riesigen Schuhen und den ganz kleinen Sorgen, das staunt und „Nit möööglich!“ ruft, wenn seine Geige singt. Sein Name war Grock. Fratellino. Popov. Nicht Pennywise, der etwas anderes möglich machte: Vor ihm so richtig Panik zu kriegen. Vor dem Clown.

Charlie Rivel

Der ist als Angstmacher, – Coulrophobie (Furcht vor Clowns) kennen erstaunlich viele umsichtig fröstelnde Zeitgenossen – , nicht King’s Erfindung. Aber dieses entsetzliche Grauen, das tatsächlich greifen und zubeißen kann, wenn das Vertrauen eines Kindes oder eines naiven Erwachsenen in ein vermeintlich gutes, freundliches Gesicht ausgenutzt wird, um Böses in die Tat umzusetzen, ist allein sein genialer Schachzug. Der Clown als Nur-fast-Mensch mit puppenhafter Lächel-Maske bleibt, sei er noch so kumpelhaft.

Dichte, künstliche Fassade: Wer oder was sich hinter der gezielt fröhlichen Kostümierung verbirgt, bietet viel Raum für Ahnungen. Misstrauen. Und selbstredend Phantasie. Die vermag es, dass hübsche rosa Wattenwolken fette hässliche blutige Tropfen regnen lassen. Dann wird’s ungemütlich und böse. Darauf sollte man vorbereitet sein.

Für Kinder ist die erste Konfrontation mit einem Clown natürlich ein Sprung ins kalte Wasser: Spaß? Oder Angst, die bleibt? Laut Sheffield-Studie von 2008 empfinden viele Kinder Clowns nicht als lieb und lustig, sondern einschüchternd und bedrohlich, was jedem Elternteil, das bis dahin zum Kindergeburtstag als Überraschungsbonbon einen kunterbunten Spaßmacher besorgte, noch nachträglich schwer zu schaffen machen dürfte. Freilich muss angemerkt werden, dass den Kindern für diese Studie teils auch wahrlich groteske Fotos vorgelegt wurden, prinzipiell ungeeignet, um spontane Sympathie und Freude erwecken zu können.

Ein klarer Fall bleibt es eh für die berechtigt Vorsichtigen: Der Clown schürt die Ur-Angst vor der Maske, die irgendwas verbirgt. Im Film Zombieland (2009) ist es ein hungriger Untoter, der im verseuchten Vergnügungspark im Kostüm steckt. In (Eli Roth’s) Clown ist es der nette Nachbar. In King’s Es ist es Es. Bei den Simpsons das oberfrech personifizierte Laster. Die nackte, nimmersatte Unmoral. Präsentiert von Krusty, dem Clown. Und im Alltag waren es vor einigen Jahren die als Horror-Clowns verkleideten Mitläufer auf populärer Schiene, die weltweit Aufmerksamkeit suchten, indem sie wüst harmlose Leute erschreckten. Originell ist anders.

Selbstredend gilt: Wenn ein Clowns Menschen lächeln, vielleicht sogar herzlich lachen lassen können, dann ist da nichts Falsches. Ganz im Gegenteil. Aber mich persönlich bringen sie wohl nie dazu. Mag sein, dass ich dafür einfach zu viel weiß. Oder zu wenig.

Die toten Augen von London

Finstere Nacht. Nasser Asphalt. Nebelschwaden über der Themse. Kahler Kopf. Bleiches Gesicht. Weiße Augäpfel. Andy Gerber. Der blinde Jack. Mein erster schwarzer Mann, der im Traum im Keller lauert.

Die toten Augen von London haben bei mir, – seht mich mal als bezopfte Elfjährige -, tiefen Eindruck hinterlassen. Vor kurzem habe ich ein persönliches Exempel statuiert und mir den Gänsehaut-Klassiker von 1961 nochmals angesehen.

Hier spricht Edgar Wallace. Immer noch nicht verstaubt: Dieser Film. Immer wieder gut: Diese Stimme.

Hier spricht Edgar Wallace

Constantin Film

Und dieser Gerber und seine Bande? Immer noch die personifizierten Angst-Schocker.

Fazit: Ich kann den Schauder des unschuldigen Kindes von damals, – ergo meinen -, absolut nachvollziehen. Das Bild von dem Kanaldeckel, der sich in der Dunkelheit hebt, um den Blick auf diesen furchteinflößenden Kerl freizugeben, der von da unten emporkrabbelt, blind, beeindruckend klobig, hässlich und offensichtlich nichts Gutes im Schilde führend, hat sich über all die Jahre sehr lebendig gehalten.

Nie vergessen. Wie den Griff des Zyklopen in einem TV-Vierteiler, der Anfang der 70er in der Vorweihnachtszeit gezeigt wurde. Ein Auge prangte auf seiner Stirn, und mit seiner riesigen Hand holte er sich die Gefährten von Odysseus aus den Höhlenritzen, in denen sie sich vor ihm versteckt hatten. Um sie sich lebendig in den Mund zu stopfen.

Das gehört nicht direkt hierher, fällt mir aber augenblicklich wieder ein und will raus. Und obgleich ich längst auf großer Bühne von wahren Meistern das Fürchten gelernt habe, ist diese Szene ein zerfurchter Stein in meinem Kopf. Wie die toten Augen der Auftrags-Killer in Alfred Vohrers (Regie) Kinohit und späterem Straßenfeger. War so. Ist so.

Die Dreharbeiten für die bis dahin sechste Verfilmung eines Wallace-Romans (Originaltitel: The Dark Eyes of London) in der Nachkriegszeit fanden erstaunlicherweise gar nicht in London, sondern in Hamburg und Umgebung statt. Das merkt der staunende Zuschauer so nun nicht. Dass die Themse vor das Fleetschlösschen in der Speicherstadt verlegt wurde…wer hat’s spontan enttarnt? Für echte London-Aufnahmen bediente man sich im Archiv, das war wirtschaftlich gedacht, schadete keineswegs und kam gut britisch zur Geltung.

Rialto-Film erzielte damit einen phantastischen Treffer: Regisseur Vohrer schuf mit Die toten Augen von London den bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreichsten Wallace-Film und galt seitdem als Hauptmacher der heiß geliebten Krimi-Reihe, in der Groß-Aufnahmen von Schuhen, hinter Hüten versteckten Gesichtern und Zigarettenkippen im Rinnstein immer auf den Täter weisen. Wer das ist, bleibt neblig, bis…bis dahin fließt Blut, schreien hübsche Frauen, kommen düstere Gestalten um die Ecke, taucht der Held in um Haaresbreite noch rechtzeitig auf, erschreckt man sich schon ganz schön im Wohnzimmer. Da läuft nach unüberlegter Kürzung des Films, ursprünglich freigegeben ab 16, die Originalversion für die ganze Familie ohne Altersbegrenzung.

Wie in den Siebzigern. Nur wir haben einfach geguckt. Notfalls heimlich. Und dann schlecht geschlafen. Herrlich war das.

Die Geschichte: Tote Männer werden aus der Themse gefischt, der smarte Inspektor Larry Holt von Scotland Yard (Joachim Fuchsberger) hat einen Verdacht. Bevor er dem nachgeht und die Sache ernst und (auch!) hübsch gruselig wird, regt Assistent Sunny Harvey (Eddie Arent) sich bei der dritten Wasserleiche erst mal auf. Das ist komisch, das ist typisch, es wird geschmunzelt, bevor die Luft angehalten wird. Dann die Beschwerde: „Empörend! Wird in diesem Land denn überhaupt niemand mehr erschossen?“

Wird hier niemand einfach mal erschossen?

Holt vermutet, dass die blinden Hausierer, eine ihm bekannte und ehemals aktiveVerbrecherbande, wieder aufgetaucht sind und hinter den Morden stecken. Er begibt sich auf die Suche nach Jack, einstiger Chef der Truppe, wird dabei von Harvey und der aparten Nora Ward (Karin Baal), einer Blindenpflegerin, begleitet. Die Spur führt sie in ein unheimliches Blindenheim unter der Leitung von Reverend Dearborn (Dieter Borsche) und schnurstracks denn auch zum aalglatt-dubiosen Rechtsanwalt Stephen Judd (Wolfgang Lukschy), bei dem alle versichert waren, die ermordet im Wasser landeten.

Denkwürdig und natürlich nicht zufällig: Die Blinden wurden für schnöden Mammon missbraucht, indem man sie auf mörderische Tour schickte, ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Mitleid muss aber nicht unbedingt sein, furchterregend bleibt die Bande trotzdem, allen voran Wortführer Jack und Flimmer-Fred (Harry Wüstenhagen).

Genialer Wahnsinn bleibt im Trend

Klaus Kinski, legendärer Film-Psychopath mit diesem gewissen Uha-Blick, spielte zum ersten Mal in einer Wallace-Adaption der Rialto Film mit. Der Spiegel, aufmerksam auf den so etwas anderen jungen Schauspieler geworden, brachte wenige Wochen vor dem Kinostart ein Kinski-Porträt mit Titelfoto, das war unverhofft beste Werbung für Die toten Augen von London. Bei Wallace kommt Kinski immer recht dumm um. Die schrägen Vögel, die er gibt, verdienen im Film selten Mitgefühl, wenn sie das Zeitliche segnen.

Und dieser Mann, Exzentriker im Leben und auf der Leinwand, wurde Weltstar. Auch eine Story. Für uns. Genialer Wahnsinn bleibt im Trend.

Halloween – Ursprung und Überlieferung

Hallowe’en, auch bekannt als All Hallows‘ Eve, ist ein Feiertag, der sich an jedem 31. Oktober fast vollständig in die amerikanische – und damit in die globale – Kultur eingegraben hat.

Das Halloween Amerikas

Während Halloween heute auf unterschiedliche Weise gefeiert wird, hat die Tradition, dass Kinder von Tür zu Tür gehen und ihre Nachbarn um Süßigkeiten bitten, ihren Ursprung im frühen 20. Jahrhundert. Und das alles ist einer Frau zu verdanken, die ihren Garten liebte.

Am 1. November 1912 wachte Elizabeth Krebs auf und musste feststellen, dass ihre Blumenbeete und Anpflanzungen von den Kindern der Umgebung zerstört worden waren. Die Kinder, die den Guy Fawkes Day feierten, waren durch die Stadt gezogen und hatten die Häuser und das Eigentum der Leute verwüstet. Elizabeth, die sich von diesem Vorfall nicht beirren ließ, entwickelte einen Plan für das nächste Jahr, der vorsah, die Kinder während der Halloween-Nacht zu beschäftigen, damit sie nicht durch die Stadt zogen, um das Eigentum der Leute zu zerstören und ihren preisgekrönten Garten zu verwüsten. Doch auch im nächsten Jahr wurde ihr Garten in der Halloween-Nacht zerstört. Die wilden Störenfriede setzten sogar einen Postboten in Brand.

Doch Krebs ließ sich nicht entmutigen und beschloss, dass mehr getan werden musste, um die randalierenden Kinder zu beschäftigen. Im Jahr 1914 wurde eine Parade veranstaltet, an der die Kinder mit Spielen und anderen lustigen Aktivitäten teilnehmen konnten. Angriffe auf hilflose Gärten oder Häuser der Stadtbewohner gingen dank Krebs‘ Bemühungen bei den örtlichen Behörden und der Stadtverwaltung drastisch zurück. Außerdem gefiel die Veranstaltung den Menschen so gut, dass die Tradition im folgenden Jahr fortgesetzt wurde und Kostümfeste in Kansas zur Tradition wurden. Außerdem entwickelte sich der Feiertag mit dem Zustrom von Einwanderern, insbesondere der Iren. Sogar der Name Halloween hat sich im Laufe der Zeit geändert.

Woher stammt der Name „Halloween“?

Der Name des Feiertags „Halloween“ hat seine Wurzeln im Christentum, beginnend mit dem schottischen Begriff Hallow e’en, was übersetzt Heiliger Abend bedeutet.

Altsächsisch nannte man diesen speziellen Tag „Helagon“, Mittelniederländisch „Heligen“ und Altnordisch „Helga“.

Daraus entstand die altenglische Form: „Halgia“, was „Hallow“ bedeutet, das wiederum mit „zu heiligen“ (dem Verb) zu übersetzen ist – als auch „heilig“ (dem Substantiv).

Daraus ergibt sich der Name „All Hallows‘ Day“ (was wir als Allerheiligen kennen), dem Fest am 1. November zum Gedenken an die christlichen Heiligen, und natürlich „All Hallows‘ Evening“ am 31. Oktober. Eine der frühesten Formen des Wortes findet sich laut dem Merriam Webster-Lexikon in Shakespears Stück „Maß für Maß“ als „Allhallond-Eue“.

Natürlich wurde der Ausdruck Hallow Evening (also der Heilige Abend) in All Hallows‘ Even umgewandelt und dann weiter zu Hallow-e’en verkürzt, wobei das Even zu e-en wurde und das All aus dem Begriff verschwand. Heute nennen wir es Halloween, aber in seiner modernen Form tauchte es erst im 16. Jahrhundert auf, als es erstmals in einem Gedicht von Robert Burn mit dem Titel „Halloween“ erschien.

Jetzt, wo wir wissen, wie sich der Name Halloween entwickelt hat, stellt sich die Frage, wo alles begann? Dazu müssen wir weit zurückgehen, noch bevor das Christentum in Europa Fuß fasste. Zu einem alten Fest, das von den Heiden gefeiert wurde.

Die Wurzeln von Halloween

Die Wurzeln dessen, was wir heute als Halloween bezeichnen, gehen auf das alte keltische Fest Samhain (ausgesprochen „sow-in“) zurück, was „Sommerende“ bedeutet. Die Kelten glaubten, dass der „Schleier“ zwischen der Welt der Lebenden und der Toten in der letzten Nacht des Oktobers dünn ist. Für die Kelten begann in dieser Nacht das neue Jahr, und damit eine Zeit, in der die spirituelle Kraft zunahm. Gleichzeitig markierte diese Nacht das Ende der Viehzucht und den Beginn des Winters.

Ein Großteil der Quellen, die uns zu Samhain vorliegen, geht auf Aufzeichnungen aus dem Römischen Reich und der christlichen Kirche zurück. Die von den Römern als Besatzer gesammelten Informationen, die von Historikern wie Publius Cornelius Tacitus verfasst wurden, schufen eine für ihre politischen Zwecke verzerrte Darstellung. Die Kelten und ihre Druiden wurden als die „Anderen“ oder „Minderwertigen“ dargestellt, deren Traditionen als barbarisch und animalisch angesehen wurden.

Um eine Vorstellung von dieser verzerrten Sichtweise auf die alten Kelten zu geben, hier ein solcher Bericht, den Tactitus aufgezeichnet hat und der wahrscheinlich aus Militärberichten stammt:

„Am Strand stand das gegnerische Aufgebot, ein dichtes Gewirr von Waffen und Männern, mit Frauen, die zwischen den Reihen umherhuschten. Im Stil der Furien, in totenschwarzen Gewändern und mit zerzaustem Haar, schwenkten sie ihre Fackeln, während ein Kreis von Druiden, die ihre Hände zum Himmel erhoben und Verwünschungen ausstießen, die Truppen angesichts des außergewöhnlichen Schauspiels so sehr in Ehrfurcht versetzten, dass sie, als wären ihre Glieder gelähmt, ihre Körper den Wunden aussetzten, ohne den Versuch einer Bewegung. Dann stürmten sie, von ihrem Feldherrn ermutigt und sich gegenseitig anstachelnd, niemals vor einer Bande von Frauen und Fanatikern zurückzuschrecken, hinter die Standarten, schlugen alle nieder, die ihnen begegneten, und hüllten den Feind in seine eigenen Flammen ein.“ (Tacitus Annalen, 14).

Churchills Zitat „Geschichte wird von den Siegern geschrieben“ trifft hier zu, denn die Druiden haben ihre Praktiken und ihren Glauben nie aufgeschrieben, sondern ihre Traditionen nur mündlich an die nächste Generation weitergegeben. Wir wissen nur dank solcher Historiker und Mönche von diesem „Flüstern der Geschichte“. Alle Informationen, die sich auf Samhain und seine Bräuche beziehen, sind mit Vorsicht zu genießen und nicht als hundertprozentige Tatsachen zu betrachten.

Samhain – also „So-win“ – war ein keltisches Fest, mit dem man das Ende des Sommers feierte und sich auf die dunklen, ungewissen Wintermonate vorbereitete. Einem Artikel der Brown University in Providence zufolge war der alte keltische Feiertag Samhain ein landwirtschaftliches Fest, bei dem die Lebensmittelvorräte überprüft wurden, damit sich die Bevölkerung auf die Wintermonate vorbereiten konnte. Abgesehen davon, dass es das Überleben sicherte, glaubte man auch, dass der „Schleier zwischen den Welten“ dünn wurde, so dass die Geister mit den Lebenden in Kontakt treten konnten.

Auch diese alten Heiden haben ihre alten Praktiken nicht aufgeschrieben, so dass man nur vermuten kann, was sie wirklich am 31. Oktober und am 1. November taten, basierend auf Quellen der christlichen Mönche und dem, was im Mittelalter noch praktiziert wurde.

In spirituellen Angelegenheiten wurden Freudenfeuer entzündet, um die Götter zu besänftigen. Außerdem wurden Feuer oft als Mittel zur Abwehr böser Geister verwendet, oder sie dienten in Wirklichkeit der Abwehr von Krankheiten, wie der englische Historiker Ronald Edmund Hutton erklärt:

„Es wurde geglaubt, dass … böse Geister frei herumlaufen würden und das Feuer sie abwehren würde … [und] ein Feuer, das ganz aus Knochen gemacht ist, ist ein Knochenfeuer, daher kommt das Wort Lagerfeuer. Diese Feuer riechen fürchterlich und der stechende Rauch vertreibt die bösen Geister“.

Doch selbst die Theorie, dass die Kelten riesige Lagerfeuer anlegten, um ihre Götter zu besänftigen, stößt bei Historikern auf Skepsis. Bestimmte Regionen Irlands, insbesondere die schottischen Highlands, der größte Teil der Hebriden und andere Regionen, erwähnen keine Lagerfeuer in der irischen Folklore. Es ist also plausibel, dass Lagerfeuer zu Samhain gar nicht üblich waren.

Man kann nur vermuten, dass der Feiertag von einer starken Furcht geprägt sein musste. Angst vor der kommenden Kälte und davor, dass Freunde und Familienmitglieder im Winter und zu Beginn des Frühlings durch bösartige Feen oder Geister ums Leben kommen könnten. Zu dieser Angst trug auch die Bedrohung durch eine Invasion bei, so dass es sehr gut möglich ist, dass das Fest dazu diente, Stress abzubauen und ein letztes „Hurra“ zu geben, bevor sich die Bevölkerung für die Wintermonate einkuscheln musste.

Eine falsche Vorstellung von Samhain, die heute in den Medien verbreitet wird, ist, dass es sich um einen Gott oder einen bösen Geist und nicht um ein Fest handelt. Dieses Konzept taucht in einer Reihe von Filmen auf, z. B. in „Halloween II“, wo Samhain ein „keltischer Herr der Toten“ ist. Dieser Glaube geht auf Charles Vallencey zurück, einen britischen Militärvermesser, der nach Irland reiste, um deren Geschichte aufzuzeichnen.

Ein weiterer Irrglaube ist, dass die keltischen Heiden ihren Göttern Menschenopfer darbrachten, um eine gute Ernte zu erzielen. In dem Text „The Dindshenchas – Dinnsheanchas“ (Die Erzählung der Orte) wird behauptet, dass sie dem Gott Cromm Cruaìch  an einem Ort namens Magh Slecht (die Ebene der Niederwerfung) in der Grafschaft Cavan, Irland, Opfer darbrachten. Angeblich beendete St. Patrick die Praxis der Menschenopfer, indem er das Cromm-Götzenbild zerstörte, denn „die Christen betrachteten Götzenbilder als wertlos“ und als Bedrohung für die christliche Ideologie. Zugegeben, es gibt Hinweise darauf, dass Cromm ein Fruchtbarkeitsgott war, dem die Heiden ihre Erstgeborenen opferten, aber auch hier wurde die Praxis von den gegnerischen Glaubensrichtungen als „andersartig“ dargestellt und sollte nicht als Tatsache betrachtet werden.

Letztlich war Samhain die Zeit, in der die Schafe von der Weide in ihr Winterquartier gebracht wurden, wo sie mit ihren Hütern Schutz suchten, um die Kälte zu überstehen. Außerdem wurde behauptet, dass es eine Zeit war, in der man versuchte, böse Geister zu verscheuchen, indem man sich als Geist verkleidete, den Toten Trost spendete oder sie um Rat für das kommende Jahr bat.

Anhand dieser alten heidnischen Bräuche können wir erkennen, wie sich Halloween zu seinem modernen Fest entwickelt hat. Doch bevor unser heutiges Halloween entstand, musste sich Samhain aufgrund der Ankunft des Christentums ändern und wurde schließlich zum Allerheiligenfest.

Allerheiligen (Halloweens christliche Wurzeln)

Was hat es mit den christlichen Wurzeln von Halloween auf sich und was ist Allerheiligen überhaupt?

Laut Ephraem Syrus gab es am 13. Mai ein Fest, das jedoch den Märtyrern und der Jungfrau Maria gewidmet war und nicht alle Heiligen einschloss. Erst Papst Gregor III. veranlasste, dass der Feiertag auf den 1. November verlegt wurde, um sowohl Märtyrer als auch Heilige zu ehren. Aber was hat die neue Tradition möglicherweise von der alten, keltischen Tradition übernommen? Man kann nur vermuten, dass sich die Art und Weise, der Toten zu gedenken oder sie zu ehren, in das Backen von Seelenkuchen verwandelte, um für die im Fegefeuer Gefangenen zu beten.

Das sogenannte „seelen“ war eine Tradition aus dem Mittelalter, bei der die Menschen zu den örtlichen Bauernhöfen und Dörfern reisten und ein „Seelen-Lied“ sangen, um etwas zu essen zu bekommen, in der Regel Äpfel, Bier oder Seelenkuchen. Diese Tradition fand an Allerheiligen, Allerseelen und Weihnachten statt.

Man kann leicht zu dem Schluss kommen, dass aus dem „seelen“ in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern das „Trick-O-Treating“ entstanden ist.

Kürbislaternen

Neben den Seelenkuchen und dem Gesang trugen die Menschen auch andere Gegenstände mit sich herum, die die Seelen der im Fegefeuer gefangenen Angehörigen darstellten, z. B. ausgehöhlte Rüben oder Mangoldwurzeln. Diese Laternen gehen auf eine alte irische Legende zurück, in der es um den geizigen Jack geht, der den Teufel betrunken immer wieder austrickst und am Ende eine Abmachung trifft, die ihn davor bewahrt, in den Himmel oder die Hölle zu kommen. Er trägt eine Laterne bei sich, um im Dunkeln sehen zu können, und ist dazu verdammt, für immer durch die Lande zu ziehen, daher der Begriff „Jack mit der Laterne“ oder einfach Jack-O-Lantern.

Man nimmt an, dass der Mythos auf den Volksglauben an Irrlichter zurückgeht, die in Torfmooren häufig vorkommen. Natürlich handelt es sich bei den Irrlichtern in Wirklichkeit um Gase, die durch die Oxidation von Phosphor und anderen organischen Dämpfen bei der Verwesung freigesetzt werden, was als Chemilumineszenz bekannt ist. Mit der Einwanderung der Iren in die USA hat der amerikanische Kürbis den Platz der Rübe als Laterne eingenommen, denn Kürbisse lassen sich viel leichter schnitzen als die wachsartigen, schweren Rüben.

Mummenschanz, Verkleidungen und Monster

Mummenschanz ist ein volkstümliches Spiel, das von männlichen Schauspielern in Kostümen im Austausch gegen Leckereien aufgeführt wird, und es ist nicht schwer zu verstehen, wie es zu Halloween passt. Der Brauch des Mummenschanz oder Verkleidens wurde erstmals 1911 in Ontario, Kanada, begründet. Trick-or-Treating war hauptsächlich eine kanadische und amerikanische Angelegenheit. In den späten 40er und 50er Jahren wurde es durch die Radiosendungen „The Baby Snooks Show“ und später „The Peanuts Comic Strip“ immer beliebter. Die beliebten Verkleidungen von Vampiren, Hexen, Werwölfen, Gespenstern und Frankensteins Monster lassen sich natürlich auf die viktorianische Schauerliteratur und frühere Romane wie Walpoles „Das Schloss von Otranto“ , Stokers „Dracula“  oder Irvings „Die Legende von Sleepy Hollow“  zurückführen und wurden in der Filmindustrie weiter popularisiert.

Andere Traditionen und Überlieferungen zu Halloween

Die Farben von Halloween sind Orange, das für Verfall und Ernte steht, und Schwarz, das den Tod, das Böse und die Dunkelheit symbolisiert. Heute werden auch Lila und Grün mit dem Feiertag in Verbindung gebracht, wobei die beiden Farben die düstere Farbpalette für Marketingstrategien auf ein freundliches Erscheinungsbild abmildern. Man könnte sagen, dass die Farben Grün und Violett dazu beitragen, die Aufmerksamkeit der Kunden beim Einkaufen im Supermarkt zu wecken. Interessanterweise ist in den letzten Jahren eine neue Halloween-Tradition entstanden, bei der die Tür lila gestrichen wird, als Hinweis auf eine Hexe, die im Haus wohnt.

Nicht zu vergessen ist die Tradition des Apfelschnappens, die schon von den alten Römern praktiziert wurde. Als sie in Britannien einfielen und ihre Apfelbäume mitbrachten, versuchten die alleinstehenden Männer und Frauen, die Früchte mit den Zähnen zu fangen, um als nächstes verheiratet zu werden.

Auch wenn Halloween und seine Ursprünge immer noch umstritten sind, sind wir uns doch alle einig, dass es eine schöne Zeit im Jahr ist. Mit den sinkenden Temperaturen, dem Laubfall in den nördlichen Staaten und der Suche nach neuen, sichereren Wegen, den gruseligen Feiertag zu begehen, können wir alle die Freude zu schätzen wissen, die uns dieser Tag in diesen unruhigen Zeiten bringt.