Boulevard der Dämmerung

Die Geschichte beginnt mit Gillis als Leiche. Er treibt im Pool. Eben ausgerechnet dort, wo er so gern seinen persönlichen Platz an der Sonne genossen hat. Und erzählt, wie es dazu kam. Er erzählt trocken, sarkastisch, keineswegs anklagend, aber verständlicherweise wenig amüsiert über sein unverhofftes Ableben. Er wollte sich trennen. Schluss machen mit der Lady. Ganz einfach. Und unterschätzte komplett ihren irren Narzissmus.

Mit fahlem Antlitz soll sie gehen, in weißer Robe, weiß verbrämt

Frauen in Weiß sind bösartige tote Bräute oder wahnsinnig gewordene tote Mütter, die ihre Kinder umgebracht haben. Entfesselt vom eigenen Entsetzen, das wirklich richtig finster macht, sind beide Charaktere.

Durchaus können sie auch just ihrem Grab Entstiegene in ihren Leichenhemden sein.

Aber das interessiert uns im speziellen Kontext nur bedingt. Und der grausigen Dame im Spitzengewand in The Bride (Regie: Svyatoslav Podgayevskiy, 2017) bleibt eine andere dunkle Ecke vorbehalten.

Shutter Island

Es gibt da etwas, das muss vorweg raus. Sofort. Es ist etwas teuflisch Nettes über Dennis Lehane. Seine Art, zu schreiben, ist einfach nur gut. Verdammt gut. Shutter Island ist ein immens packender, literarischer Psycho-Höllen-Trip, ohne Schlachter und Schlitzer, aber gleichwohl mit kochendem Blut der ganz besonderen Gruppe geschrieben. „Sie sahen aus, als hätten sie als Kinder nicht genug zu essen bekommen und seitdem eine Stinkwut im Bauch.“ Das ist ein grandioser Satz für den ersten Wimpernschlag. Der hier ist für den zweiten. „Die Sterne beobachteten ihn wie zuvor die Ratten, und beim Klettern kam ihm Dolores abhanden; er konnte sie sich nicht mehr vorstellen.“ Und noch einer sei, – bei einer bemerkenswerten Fülle tatsächlich recht wahllos -, für die Nackenhaare zitiert: „Sie schrie aus vollem Hals, kreischte, als wären alle Toten des Landes durch das Fenster hinein geklettert und marschierten auf ihr Bett zu.“

Wenn du denkst, jetzt holt es dich

Ich war noch sehr klein, als ich dachte, Kirchturmglocken würden ihn ankündigen. Sie schlugen zwölfmal, und ich hätte längst schon schlafen müssen, neben mir eingerollt meine jüngere Schwester, der grüne Bär und die einarmige Katze zwischen uns, gut zugedeckt, um die Nacht sicher zu überstehen. Aber es war nicht mein Bett. Es war keine Nacht, die mir richtig erschien, weil sie mich ganz allein für sich haben wollte. Da war kein vertrautes Ohr, in das ich verschwörerisch hätte flüstern, kein nach Zuhause schmeckendes Kissen, in das ich trotzig hätte spucken können.

Film Noir: Vom Sandsack, der nie das Mädchen kriegte

Humphrey Bogart ist Sam Spade in John Hustons Die Spur des Falken. Und in der Liga der Hartgesottenen, zu der die großen, ganzen Typen wie Robert Mitchum, Dick Powell, Robert Montgomery und Alan Ladd gehören, verkörpert er den private eye, als wäre für ihn maßgeschneidert worden. So, als hätte Dashiell Hammett ihn aus der dunklen Ecke heraus herbei gepfiffen und ihn, ohne den Kerl zu rasieren und lackieren, in die schäbige kleine Kanzlei gesetzt, um ihn machen zu lassen. Aus dem Bauch raus. Instinktiv richtig.

Die Addams Family – Man mag und kann eben auch anders

Als die amerikanische Fernseh-Nation 1964 erstmalig Bekanntschaft mit dieser seltsamen Familie machte, die niemand wirklich gern in unmittelbarer Nachbarschaft gehabt hätte, war die absolute Mehrheit schon recht irritiert. Diese Leute waren so völlig anders als normal. Gegenteilig. Irgendwie grundsätzlich verkehrt, weil sie Dinge mochten, sagten, machten, die man nicht auf dem sozialen Bildschirm hatte.

Wenn du weißt, da ist was

Den Ahnungslosen erzähle ich eine kurze, unspektakuläre Geschichte: Vor vielen Jahren bin ich durch einen Streb gekrochen, und es ist nichts passiert.
Für all diejenigen, die es besser wissen und mir ihre wundersamen Gedanken anvertrauen, ist es eine andere Geschichte: Vor vielen Jahren bin ich durch einen Streb gekrochen, und niemand war bei mir, der meine Angst mit mir hätte teilen können.

Spinnen: Es…war einmal…

Warum freilich ausgerechnet die Spinne, – es existiert wahrlich Scheußlicheres, das sich unter dem Mikroskop offenbart -, derart einschüchtert und gruseln lässt, ist glasklar nicht erklärbar. Im Horrorstreifen Arachnophobia (1990, Regie: Frank Marshall) erleidet Jeff Daniels schon Höllenqualen, wenn ein harmloses Mini-Exemplar ihm vor die Füße läuft. Die Rudel an Killerspinnen, mit denen er es aufnehmen muss, lassen ihn trotzdem nicht tot umfallen oder zumindest wahnsinnig werden. Im Film klappt so was, da wird der Hysteriker zum Helden, der die Gefahr besiegt. Gut triumphiert über Böse, Leben über Tod.

So alt der Tod, so alt der Zombie

Der große schwarze Mann aus dem Urwald, stumpfer Blick aus Augen, deren Pupillen im Weiß zu ertrinken scheinen, mechanische Schritte, Haut wie poliert, der Kerl halbnackt, immer lauernd, immer starrend, immer da, wenn es dunkel ist, wenn jedes Knacken eines Astes wie die Warnung vor dem Unheil klingt, weil die Nacht ultimativ seltsam böse wird…er war mein erster echter Zombie. Ein wie gemeißelter Voodoo-Zombie ohne körperliche Ekel-Blessuren und blutige Fleischlappen zwischen den Zähnen, dargestellt von Darby Jones, einem farbigen Schauspieler aus L.A., damals “typisch” gebucht für Rollen als Hotelpage, Diener, Sklave, Buschmann bei Tarzan und furchteinflößender Untoter.

Blondinen bevorzugt: Und immer lockt die Barbie

Karstadt hatte einen Aufzug, in dem eine dünne Frau mit Turmfrisur stand, die Stockwerke aufzählte und dabei dauerhaft lächelte, als gäbe es keine schönere Beschäftigung. Karstadt hatte auch ein großes Treppenhaus, in dem Plakate von Llorett de Mar hingen. Das konnte man dort als Busreise buchen, was mich schwer beeindruckte, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass man im Bus den Globus umrunden kann. Ich hatte ja nun nicht die rechte Ahnung. Die Mondlandung hielt ich für einen Spielfilm der anderen Art, und Frankfurt nebst Frankreich waren für mich ein gemeinsamer Haufen. Ebenso Nixon und Brandt, die ich aus dem Fernsehen kannte und für ein und denselben netten Mann hielt. Meine Oma sah exakt aus wie die Queen, aber da war mir der Unterschied wohl klar.

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