Schlagwort: Historisch

Folge 32: Stuart Turton – Der Tod und das dunkle Meer

Stuart Turton versetzt in seinem neuem Roman “Der Tod und das dunkle Meer” eine teuflische Rachegeschichte mit Anleihen eines Agatha-Christie-Krimis und einer Schauergeschichte, der statt eines unheimlichen Gemäuers ein Schiff als Schauplatz dient. Erschienen bei Klett-Cotta.

Ein unerwarteter Zwischenstopp im Jahr 2003 inspirierte Turton zu diesem fesselnden Krimi. Nachdem er einen Flug nach Singapur verpasst hatte, saß der Autor Australien fest. Um die Zeit totzuschlagen, besuchte er ein Schifffahrtsmuseum in Perth, wo er sich über den Schiffbruch der Batavia im Jahr 1629 informierte. Jahre später beschloss er, die Geschichte des Schiffes auf seine Weise zu schreiben.

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Folge 30: David Morrell: Der Opiummörder (De Quincey #1)

David Morrell hat in seinen drei De Quincey-Romanen den historischen Kriminalroman unendlich bereichert. Nicht nur, dass sie zum besten zählen, was es auf dem Sektor des viktorianischen London zu lesen gibt, es ist auch eine Meisterleistung der Recherche. Vater und Tochter De Quincey werden im Grunde nur von Sherlock Holmes selbst übertroffen, mit dem einen Unterschied, dass es De Quincey wirklich gab, und man ihn auch gelesen haben sollte.

Mord als große Kunst

Thomas De Quincey war einer der intelligentesten Autoren, die England je hervorgebracht hat. Im gewöhnlichen Lesebetrieb ist er heutzutage allerdings nicht mehr so bekannt wie etwa Baudelaire oder andere dekadente Autoren. Seine “Bekenntnisse eines englischen Opiumessers” von 1822 gehören dennoch zu jenen Büchern, die man gelesen haben sollte, und dabei ist es völlig unerheblich, was sonst noch auf dieser Liste stehen mag.

De Quincey bemühte sich nach Kräften, dem Opium zu widerstehen, konnte es aber nicht, weil es ein so wirksames Schmerzmittel war und er unter zahlreichen körperlichen Beschwerden litt. Seine psychologischen Theorien kamen über ein halbes Jahrhundert vor Freud auf den Markt (ähnlich früh war nur Poe, der allerdings auch von De Quincey beeinflusst war). Er war es, der den Begriff “Unterbewusstsein” erfand und er war es, der zum ersten Mal über Alptraum-Horror schrieb, unter der Prämisse, dass jeder eine schreckliche und fremdartige Version von sich selbst in einer verschlossenen Kammer seines Geistes vorfinden kann.

David Morrell hat nun einen genialen Schachzug gemacht und De Quincey in eine ganze Reihe historischer Persönlichkeiten gestellt, die als Ermittler fungieren. Man kann das fast schon als einen eigenen Zweig sowohl der historischen Romane als auch des Kriminalromans ganz allgemein sehen. Geht es um das Viktorianische London, ist die Figur des Sherlock Holmes so dominierend, dass es schwer fällt, eine Figur der damaligen Zeit zu finden, die ihm das Wasser reichen kann. Graham Moore ist dem ausgewichen, indem er Arthur Conan Doyle und Bram Stoker auf Ermittlungsreise schickte.

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Geschichte, Mysterien und Freude

Der Bestsellerautor William Dietrich ist Pulitzer-Preisträger und Professor für Umweltjournalismus und Schreiben an der Western Washington University. Er hat fünfzehn Bücher geschrieben, darunter die historische Romanserie um Ethan Gage. Der folgende Artikel erschien zunächst im Strand Magazine – Phantastikon

Wenn man einen Mord plant, braucht man als Erstes eine Zeitmaschine.

Keine DNA-Beweise zur Verurteilung, wenn man drei Jahrzehnte zurückgeht.

Keine Fingerabdruckspuren, wenn man 150 Jahre zurückgeht.

Natürlich gibt es auch kein Plädoyer auf Unzurechnungsfähigkeit. Keine Psychiatrie, keine Erstellung von Täterprofilen, keine Rehabilitation und nur sehr wenig Gnade. Alle Strafen waren grausam, und keine davon war ungewöhnlich.

Wenn man eine Waffe benutzt, sollte man besser gleich den ersten Schuss abgeben, denn es dauert ein oder zwei Minuten, um sie zu laden, zu stopfen, zu spannen und wieder zu feuern.

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