Rot der Mond, tief die Nacht, so herrlich finster die Zeit

Der Vampir ist furchtlos in der Nacht, verborgen am Tag, verloren in der Ewigkeit. Stark, schön, grausam. Ein Träumer. Ein Alptraum. Ein Kind mit goldenen Puppenlocken. Ein stattlicher, schweigender Mann. Der bleiche Beau, der nebenan wohnt. Die Frau mit Haar wie Ebenholz, Haut wie Elfenbein. Der Krieger der Finsternis. Der Schatten am Fenster. Die Ausgeburt der Hölle. Faszination. Erotik. Wildheit. Versuchung. Der Sonderbare. Schreckliche. Herzlose mit Tränen in den Augen. Er weint um die Schönheit der Nacht und der Morgenröte.

Am Liebsten mag ich Monster

Dieses üppige Kunstwerk in Form einer großen Kladde in Softcoverversion, an dessen Skizzen, kindlichem Gekritzel, Portraits, Szenenbildern, die teils wie Radierungen wirken, Panels und Gemälden von real existierenden Gemälden ich mich kaum sattsehen konnte, ist zugleich ein mysteriös monströser Psychothriller, ein Familiendrama, ein Geschichtsepos, eine Coming-of-Age-Geschichte, wie auch ein düsterer Krimi. Es ist eine Hommage an die vergangene Ära der Horror-B-Movies, sowie der Pulpmagazine. Liniertes, gelochtes Ringbuch-Schreibpapier, Kugelschreiber, Blei- und Farbstifte waren dabei alles, was Emil Ferris brauchte, um diese düstere aber enorm bezaubernde Geschichte in die Welt zu heben. Alles Utensilien, die den tagebuchartigen Stil noch verstärken.

Das samtrote Sofa

Ich las die seltsame Geschichte einer jungen Frau, die völlig verwirrt an einem launigen Aprilabend im Jahr 1912 auf einem samtroten Sofa saß. Eigentümlich gekleidet war sie, wie es hieß, geradezu aufreizend in diesem engen Rock, der soeben noch die Knie bedeckte, diesem frechen kleinen Hut, dieser knappen weißen Bluse, unter der sich ihre wohlgeformten Brüste abzeichneten. Das Sofa stand in einem Schaufenster gleich neben der Werkstatt des Berliner Polsterers Paul Beckstein. Der Mann staunte nicht schlecht, als er die ungewöhnliche Fremde entdeckte, die dort einfach nur saß und wie hypnotisiert mit weit aufgerissenen Augen starrte, ohne sich erinnern zu können, wer sie war. Einzig das Sofa schien ihr vertraut zu sein. Sie sagte, sie hätte schon einmal auf ihm gesessen. Aber ansonsten hätte sie alles vergessen.

Slipstream

Kommen wir nun zu einer merkwürdigen Geschichte, die als Slipstream begann, die New Wave Fabulists unter ihren Mantel nahm, die Postmodernisten sowieso, und heute mit dem gleichermaßen irreführenden Begriff New Weird einen neuen Anlauf nimmt. Keiner der aufgeführten Begriffe ist eine wirkliche Genrebezeichnung, die man noch um Surrealismus und Bizarro Fiction erweitern könnte, ohne den Kern zu treffen.

Deutsche Horror-Literatur

Das Problem ist, da sind sich einige Experten einig, das Marketing, mit dem gearbeitet wird. Aber eben auch die Reputation. Es wäre Unsinn, zu behaupten, deutschsprachige Autoren schrieben generell schlechter als ihre englischsprachigen Kollegen. Wenn aber unsere Verlage nicht imstande sind, Konzepte zu entwickeln, wie man Autoren des Genres vernünftig aufbaut, kaum Wagnisse eingehen und – mit wenigen Ausnahmen – literarische Qualität auch gar nicht gefragt ist, sondern hauptsächlich Plot-orientiertes Reißbrett-Schreiben, dann wird es für all jene, die ‘es drauf’ hätten natürlich auch schwierig, ihre ambitionierten Sachen zu verkaufen.

Außerhalb des Genres

Das Fantasy-Genre ist ein merkwürdiges Ungeheuer, das mit seiner großen Reichweite eine Vielzahl von Inhalten und Themen abdeckt. Es gibt Geschichten über das Erwachsenwerden, Geschichten über das Bewältigen von Problemen, Geschichten über das Töten von Drachen und Monstern. Es ist nicht durch Orte, Ideen oder Charaktertypen einzugrenzen, die wir normalerweise zur Definition eines Genres verwenden. Tatsächlich ist es eher so, dass die Leute ein Buch in diese Kategorie stecken, wenn es eine von hundert Eigenschaften aufweist, die üblicherweise mit Fantasy in Verbindung gebracht werden. Eine Abenteuergeschichte wird zur Fantasy, wenn es darin einen magischen Schatz gibt, eine Rachegschichte wird zur Fantasy, wenn der Schurke ein Monster ist. Auf diese Weise fallen unzählige Bücher in den klaffenden Schlund dieses Genres. Das ist an sich kein Problem, vielmehr ist es eine der großen Stärken der Fantasy. Ihr Potential, ihre Formbarkeit gibt ihr die größtmögliche Bandbreite.

Wolfman heult…und heult sein Lied des Todes

So ein Wolf hat seine besonderen Geschichten. Er begleitet Odin. Er ist wachsam, reissend und blutgierig, heißt Geri und Freki und läßt als Fenriswolf den Donnergott untergehen. Er jagt an der Seite von Diana, Artemis und Ischtar, die für ihre mächtigen Rudel Menschen in Wölfe verwandeln. Er ist Ahnherr von Dschingis Khan, Reitttier der Riesinnen, Totem der Kelten. Weiser Schöpfer der Schoschonen. Gott des Totenreichs, Symbol geheimnisvoller, dunkler Mächte. Angebetet von den Ägyptern, gefürchtet, verflucht im finsteren Mittelalter. Mächtige Dämonen werden nach ihm benannt. Grimm nennt ihn “das böseste aller Tiere”.

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