Superstar Lassie: Hund der Wunder, Held der Träumer

Timmy Martin trug karierte Hemden und sah ein bisschen aus wie mein kleiner Bruder in älter. Das verlor sich aber. Lassie sah aus wie gemalt, und das verlor sich nie. Sie gehörte zu meinen drei wesentlichen Wünschen. Die waren wohl recht vernünftig für mein Alter. Damals, als noch alles möglich, kaum etwas unfassbar und nichts unberechenbar schien. Hoffnung war Ziel, Traum war Alltag, Phantasie war Logik. Was sonst?

Das Haus in der Half Moon Street

Der Roman spielt im viktorianischen England um 1880 und fällt schon allein aus diesem Grund in meinen gesteigerten Aufmerksamkeitsbereich, aber auch ich war relativ überrascht, dass hier einige der bekanntesten Tropen des Genres ausgehebelt wurden, ohne die notwendige Atmosphäre in irgendeiner Form anzutasten.

Die ganz und gar bezaubernde Jeannie

Jeannie. Die aus dem Fernsehen. Die in einer Flasche wohnt, einmalig schön ist und zaubern kann. Ich stellte mir vor, wie ich in dem rosafarbenen Anzug aussehen würde, – feengleich vermutlich, bezaubernd im Sinne des Erfinders, überirdisch gut allemal – , und träumte mich einfach weg, bis mein Großvater hüstelnd trommelte und sein alter müder Hund mich vorwurfsvoll anstupste. Die beiden wollten nach Hause.

Thomas Ligottis Tankstellen-Jahrmärkte (Gas Station Carnivals)

Ungewöhnlich innerhalb einer seiner Erzählungen zweimal lachen zu müssen. Das hatte ich nicht erwartet. Doch so erging es mir mit der Kurzgeschichte Tankstellen-Jahrmärkte (im Englischen: Gas Station Carnivals), die aus der Sammlung The Nightmare Factory (1996) stammt. Und so konnte ich mich recht schnell entscheiden, mit welcher phantastischen Schauderphantasie Ligottis ich hier zuerst ins Feld ziehen würde.

Geschichten in Geschichten in Scott Lynchs Gentelman-Bastard-Serie

Geschichten in Geschichten. Dies ist eine der ältesten Strukturen des Geschichtenerzählens, die bis ins alte Ägypten reichen. Allein der westliche Kanon hat – beginnend bei den Canterbury-Erzählungen über Hamlet bis zu Italo Calvons Unsichtbaren Städten – eine Fülle namhafter Werke hervorgebracht, die dem Reiz, Narrative ineinander zu schachteln, nicht widerstehen konnten. Autoren spekulativer Literatur wie Margarete Atwood oder Neil Gaiman sind ebenfalls in der Lage, diese Disziplin anzuwenden und dadurch mit einer wunderbaren Wirkung zu versehen.

Lars von Triers Antichrist

Lars von Triers 2009 erschienenes Psychodrama, das sich dem Publikum – schaut man es unter dieser Prämisse – auch in Form einer pathologischen Studie darbietet, setzt dem Horror in ganz eigener Weise Hörner auf. Es ist nicht allein nur eine Studie, die sich die uns hier gezeigte Paarbeziehung zum Gegenstand genommen hat, um einen abnormen Verlauf nachzuzeichnen, es ist auch eine, die sich die nach und nach offenbarte und somit festgehaltene Krankheitsgenese der beiden zum Anlass nimmt, das womöglich eigentliche Thema von Interesse herauszupellen. Und zwar beim Zuschauer. Der vielleicht, wie ich es tue, nach dem Wissensstand der medizinischen Psychologie von heute fragt, vor allem aber nach ihrer Praxis und Anwendung. Eine Studie also, die sich den Patienten anschaut, der ihre heutigen Dienstleistungen in Anspruch nimmt.

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