Mad Max (Der Rächer im Outback)

Sobald irgendwo jemand eine wirkliche Inspiration hat, fallen Schwärme von Nachahmern, die selbst keine Ideen haben, wie Heuschrecken über diese Idee her. So geschah es mit Tolkiens Mittelerde, mit Vampiren, mit Zombies und mit der Postapokalypse.

Ein neues Genre

Die Idee, dass Überlebende in einer kargen Ödnis um Ressourcen kämpfen und ihre Fahrzeuge als Kriegsmaschinen einsetzen, wurde bis heute so oft kopiert, dass viele das Konzept für selbstverständlich halten. Genau genommen begann es aber erst mit „Mad Max 2 – Der Vollstrecker“. Es gab bereits früher Filme, die sich damit auseinandersetzten, wie z. B. „Der Junge und sein Hund“, aber die Elemente, die dazu führten, dass Mad Max so einflussreich wurde, kamen hier zum ersten Mal zur Geltung. Und es war dieser Film, der unzählige Nachahmer hervorbrachte. Da ging es diesem gerade entstehenden Genre nicht anders wie vorher dem Slasherfilm. Zahllose Low-Budgets-Filmer zeigten zerbeulte Autos und Dirtbikes, steckten ihre Schauspieler in Rüstungen und Lumpen, und hofften, von dem Trend zu profitieren. Die meisten dieser Filme sind lächerlich, manche zumindest halbwegs gut, aber sie alle verdanken Mad Max allein ihre Existenz.

(c) Warner Home

Darüber hinaus betonen berühmte Filmemacher von David Fincher über Guillermo del Toro bis James Cameron den enormen Einfluss von Max Rockatansky und seinem Regisseur George Miller.

Und auch wenn man es nicht gleich auf dem Schirm hat: Es gibt Mad Max-Fans, die etwa das gleiche Nerdtum pflegen wie die Fans von Star Wars, Star Trek, Doctor Who und Harry Potter.

W.A.S.P, 1984

Die ausgefallenen Autos und fantasievollen Kostüme der Filmreihe hatten aber auch einen großen Einfluss auf andere Medien außerhalb des Films. In ihrer Biographie verrieten Mötley Crüe, dass ihr ursprüngliches Bandfoto für das Album „Shout at the Devil“ stark von den Kostümen aus Mad Max inspiriert wurde. Blackie Lawless von WASP hat ebenfalls zu Protokoll gegeben, dass der Look seiner Band in den 80er Jahren aus diesem Film entlehnt wurde, und es gab natürlich unzählige andere, die dieses bestimmte Bild vor sich sahen, als sie ihre Karriere planten. Der Reiz liegt auf der Hand, denn er ist visuell dramatisch und kann mit wenig Geld umgesetzt werden. Sieht man sich alte Musikvideos aus den 1980er Jahren ans, kann man leicht erkennen, wer sich alles mit diesem Look identifizierte. Dabei war es hilfreich, dass Mad Max II 1981 gerade rechtzeitig zur Revolution der Musivideos erschien. Duran Durans Clip zu „Wild Boys“ hätte eine gelöschte Szene aus einem der Mad Max-Filme sein können. Diese Stilelemente waren plötzlich allgegenwärtig.

Der wahrscheinlich einzige andere ikonische visuelle Stil, der zu dieser Zeit genauso so oft gestohlen wurde, war H.R. Gigers Arbeit.

Der legendäre Interceptor

Interceptor: Ford Falcon-Replikat

In „Mad Max“ und „Mad Max II“ fährt der Titelheld ein Auto, das so unverwechselbar ist, dass es fast selbst ein Charakter sein könnte. In „Der Vollstrecker“ gerät Max vor allem dadurch, sein Auto retten zu wollen, in einen Konflikt. Es ist immens wichtig für ihn und es ist leicht nachzuvollziehen, warum das so ist. Sein Interceptor ist ein modifizierter 1973er Ford Falcon XB GT, ein Vorführ-Modell, das nur in Australien verkauft wurde. Es wurde für beide Filme stark modifiziert, bekam einen riesigen Kompressor, der im ersten Film nicht funktionierte. Erweitert wurde der Ford um die Auspuffrohre und einige Optimierungen an der Karosserie, um sie aggressiver aussehen zu lassen. Heute ist Max‘ Interceptor eines der legendärsten Filmautos.

Am Ende hat Max seine Rache an der marodierenden Biker-Bande ausgeübt, die für den Mord an seiner Frau und seinem Kind verantwortlich war, und hat einen der Typen an ein Autowrack gefesselt und mit Hilfe des undichten Treibstofftanks des Fahrzeugs eine Zeitfalle gebastelt.

Max gibt dem verlorenen Widerling eine Säge und erklärt ihm, dass es doppelt so lange dauern wird, die Handschellen zu durchtrennen wie sein eigenes Bein. Sollte er also den schmerzlosen Weg wählen, wird er ganz sicher vorher mit dem Auto in die Luft fliegen. Als Max sich von dem schreienden Biker entfernt, explodiert das Wrack.

Das Ende des Films hat viele zu der Vermutung veranlasst, dass dies die Inspiration für den ursprünglichen „Saw“-Film gewesen sein muss, und es ist schwer zu leugnen, dass dem nicht so ist.

Der edle Buschtreiber

Der Charakter von Max selbst ist stereotyp anglo-australisch in seiner buschmannartigen Autonomie und seiner Unschärfe. Max ist eine Art ledergekleideter, edler Buschtreiber mit abgesägter Schrotflinte. Er ist dazu imstande, anderen Menschen zu helfen, ist aber eher zurückhaltend und ungesellig. Normalerweise wägt er ab, inwiefern seinem eigenen Interesse gedient werden kann, bevor er sich bereit erklärt, an einer gemeinsamen Sache teilzunehmen.

Max will weder Führung noch Verantwortung übernehmen – er hat den Tod seiner Frau, seines Kindes und seines ehemaligen Polizeipartners gerächt und will jetzt einfach nur in Ruhe gelassen werden. In Fury Road bleibt es der tapferen und starken Kriegerin Furiosa überlassen, die Initiative zu ergreifen und zu versuchen, einen positiven Wechsel für sich und andere herbeizuführen.

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