König Artus (Der epische Held)

Die historischen Fakten (falls es sie denn wirklich gibt) als auch die Legenden über König Artus variieren von Land zu Land. Obwohl es seit dem 6. Jahrhundert bis heute unzählige Geschichten in jeder erdenklichen Sprache gibt, gelten als die besten Werke über den sagenhaften König von Britannien das von Sir Thomas Malory geschriebene Le Morte d’Arthur (dt. Arthurs Tod) und Der König auf Camelot (The Once and Future King) von T. H. White.

König Artus hat seinen Weg in die moderne Popkultur gefunden. Es gibt mehr als 50 Filme und Fernsehserien, die seiner Geschichte gewidmet sind. Er wurde von Sean Connery porträtiert, von Monty Python parodiert, als Broadway-Musical aufgeführt und von Walt Disney animiert. Es gibt sogar eine Mehlsorte, die nach ihm benannt ist! Er wurde im japanischen Anime, in DC-Comics und sogar auf Nickelodeon bearbeitet.

Tatsächlich ist seine Geschichte eine der nachhaltigsten aller Zeiten. Obwohl sie im fünften und sechsten Jahrhundert verwurzelt ist, fasziniert sie das Publikum bis heute. Das Schwert im Stein, die Ritter der Tafelrunde, Lancelot und der Zauberer Merlin sind nur einige Bestandteile der Saga, auf die wir immer wieder zurückkommen.

Arthurs Lebensgeschichte ist eine, die zum Standard für ritterliche Helden geworden ist, denen man nacheifern kann. Er wird als mutig, edel und freundlich angesehen – besitzt also alle Attribute, die in unserer modernen Welt fehlen.

Der epische Held

Nur wenige werden wissen, dass Arthur ein Held ist, dessen Abstammung auf die britannischen Bewohner des frühmittelalterlichen Wales vor der Ankunft der Sachsen zurückgeht, und nicht nur auf die königliche Figur, die in späteren Romanzen erscheint. Tatsächlich war der Artus der Legende weder König noch Besitzer eines runden Tisches, zumindest nicht so, wie wir diese Begriffe heute verwenden.

König Artus und das Schwert Excalibur
König Artus und das Schwert Excalibur; (c) James Edwin McConnell

Aufzeichnungen über Arthurs Leben entstehen im sechsten Jahrhundert durch den walisischen Mönchs Gildas, in dessen Werk Arthurs Sieg am Berg Badon gefeiert wird, aber er ist dort nicht namentlich benannt. Erst in der Historia Brittonum aus dem neunten Jahrhundert, die von dem Mönch Nennius zusammengestellt wurde wird Arthur als „dux bellorum“, ein Militärkommandant, bezeichnet, und seine 12 Schlachten werden aufgelistet.

Zwischen diesen frühen Aufzeichnungen und den vollständigen Berichten über Arthurs Herrschaft im 12. Jahrhundert liegt eine Menge Zeit – bis er im Werk der Schriftsteller Geoffrey von Monmouth und dem Franzosen Chretien de Troyes zur Legende gemacht wurde.

In den walisischen Geschichten bleibt Arthur ein Krieger, oft eine Projektionsfläche für andere Helden und deren Aufstieg. Aber in den frühen französischen Romanzen lieferte er einen Maßstab für höfisches Verhalten, da epische Schlachten nicht zum Kern dieser späteren Geschichten auf dem Kontinent gehörten. Geoffrey von Monmouth brachte die Führerschaft und Entschlossenheit eines Arthur zurück, der nicht nur ein König (nach dem sich anglo-normannische Könige des 12. Jahrhunderts richten konnten), sondern auch ein Eroberer war – erneut ein Ausdruck des Wunsches nach Größe über die nationalen Grenzen hinaus. So entstand das Bild des höfischen Königs, der sowohl im Krieg als auch in Friedenszeiten die Richtung wies.

Eine moderne Legende

Arthur war jedoch immer mit der Identität dieser Länder und den Zeiten und Völkern verbunden, für die er immer wieder neu erfunden wurde. Die arthursche Wiederbelebung im späten 19. Jahrhundert zum Beispiel trug dazu bei, ihn wieder auf die internationale Kulturkarte zu setzen, indem man die historische Aura entfernte und die Werte betonte, für die er stand – weit entfernt von den mittelalterlichen Versuchen, ihn als Nationalheld zu nutzen, von denen mittelalterliche Könige ihr Recht auf Herrschaft ableiten konnten. Dies ebnete den Weg zu den Fantasiewelten, die vor allem von T. H. White in Der König auf Camelot (1958) geschaffen wurden.

Bei all diesen Interpretationen ging es um mehr als nur darum, die Geheimnisse eines der faszinierendsten Männer aller Zeiten zu enthüllen. In dieser verwirrenden und manchmal beängstigenden Welt sucht das Publikum Beruhigung in den Modellen der Vergangenheit. Sie wünschen sich einen Standard moralischer Integrität und visionärer Führung, der gleichermaßen inspirierend und transformativ ist. Einen, den sie in der Welt um sie herum nicht finden können, in den Geschichten von König Artus aber schon.

Ist unser moderner Appetit auf Fantasy ein Spiegel unseres Bedürfnisses, die Vergangenheit neu zu erfinden und Hoffnung in unsere Gegenwart zu bringen? Moralische Integrität, Loyalität gegenüber seinen Freunden und Verwandten, die Einhaltung des Gesetzes und die Verteidigung der Schwachen bilden den Grundstein dafür, wie die Arthurianische Gemeinschaft im Laufe der Jahrhunderte definiert wurde. Die Geschichten bieten die Gewissheit, dass das moralisch Richtige wertvoll ist, auch wenn es zu einer vorübergehenden Niederlage kommen kann. Am Ende dominieren Tugenden und Werte, und es sind diese bleibenden Merkmale der Legende, die sie im Laufe der Jahrhunderte in den Herzen und Köpfen so vieler Menschen am Leben erhalten haben.

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