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Folge 15: Stephen King Re-Read: Brennen muss Salem

Kings zweiter veröffentlichter Roman – Salem’s Lot – erschien 1975, die deutsche Übersetzung – Brennen muss Salem – allerdings erst im Jahre 1979 in stark gekürzter Fassung und einer miserablen Übersetzung. Erst 1995 erschien die ungekürzte und neu übersetzte Fassung bei Heyne. Es gibt noch eine Ausgabe des Zsolny-Verlags von 2006, die man sich nur besorgen sollte, wenn man das neu geschriebene Vorwort von King – und die ursprünglich gestrichenen Passagen – lesen möchte. Von der Neuübersetzungen der beiden Geschichten “Briefe aus Jerusalem” und “Einen auf den Weg”, die dem Buch als Prolog beigefügt wurden, sind ebenfalls sehr schlechte Übertragungen von Silvia Morawetz und Jerry N. Uelsmann

In den agnostischen und sexuell befreiten 1970er Jahren war der Vampir bereits seiner Mythologie beraubt worden und zu dem verkommen, was Stephen King “die Bedrohung durch das Lächerliche” nannte. In signifikanter Abweichung von der Tradition hat er den sexuellen Aspekt des Vampirs reduziert und den Archetyp eine völlig neue Bedeutung zugesprochen, indem er die Anziehungskraft des Vampirs auf den menschlichen Wunsch richtete, seine Identität innerhalb der Masse aufzugeben.

In Anlehnung an Richard Mathesons düster-naturalistischen Roman “I Am Legend” (1954) und Jack Finneys Roman “The Body Snatchers” (1955) konzentrierte sich King auf die Problematik der Fragmentierung und gab dem Vampir eine zeitgenössische Bedeutung.

King erklärte, dass der gesellschaftspolitische Subtext von “Brennen muss Salem” die allgegenwärtige Desillusionierung in der Watergate-Ära als Ausgangspunkt hatte. Wie Gerüchte und Krankheiten breitet sich der Vampirismus nachts heimlich aus, von Nachbar zu Nachbar, infiziert Männer und Frauen, die Verrückten und die Senilen, den mündigen Bürger und das Kleinkind gleichermaßen, und absorbiert die menschliche Bevölkerung, bis nur noch eine zombieartige Masse übrigbleibt.

Besonders gekonnt zeigt King, wie sich der kleinstädtische Konservatismus in sein Gegenteil verkehren kann, wie die gehegten Verdächtigungen und offenen Geheimnisse allmählich entzweien und isolieren. Verstärkt wird dieses Bild durch den Namen der Stadt, “Salem’s Lot”, eine degenerierte Form von “Jerusalem’s Lot”, die suggeriert, dass die Stadt der Auserwählten in einen Kult dunkler Riten zurückfällt.

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