Hinter den Reihen

Vor zwei Jahren bin ich in eine Kleinstadt mit 8.000 Einwohnern gezogen, 20 Meilen von der Grenze zwischen Kansas und Missouri entfernt. Hier kommen die meisten Leute nur vorbei, weil sie woanders hin wollen. Wer nicht hier wohnt, kennt wahrscheinlich nur den Truck Stop am Highway, wo man tankt oder einen Snack zu sich nimmt. Für eine ganze Weile ist das der letzte Vorposten der Zivilisation, den man sieht.

Zur Feier des Abartigen

In einem Kellerraum liegen die Leichen dreier Frauen auf Holztischen aufgebahrt. Sie sind nackt. Es stinkt bestialisch, das Zeitalter von Kühlsystemen und künstlicher Beleuchtung ist vorbei. Ein einzelner Faustschlag hat es beendet, vor zweihundert Jahren kollidierte der Asteroid »(1866) Sisyphus« mit der Erde. Gestank und Finsternis herrschen allerorten.

Ein Fettsack steigt in den Keller hinab. Er hält eine Fackel in der einen Hand, mit der anderen führt er eine Schale glimmender Tannennadeln an die Nase. Der würzige Dunst macht das Atmen erträglich.

Furchtbar…zu wissen, wie furchtbar der Mensch ist

Selig die Unwissenden. Oder kompromisslos unselig. Das käme wohl auf die Perspektive an. Manchmal komm ich mir so verflucht scheinheilig vor. Ich schreibe, spüre, sehe Horror. Ich denke ihn. Und liebe ihn, weil ich ihn schmecken und fressen und ohne Magenschmerzen wieder ausspucken kann. Er fügt mir, dir, euch keinen Schaden zu, er unterhält. Hält Luft an. Lockt. Lauert. Lacht. Schreit. Schweigt. Inspiriert. Vielleicht aus das, es bleibt im Kopf und auf dem Papier. Soweit ist das gut. Es ist richtig. Was ich nicht und niemals mache: Horror zu atmen und zu leben. Er ist furchtbar. Ich wäre furchtbar. Viel zu human. Viel zu böse.

Teufelsjagd mit Sternen: Wilfried A. Hary im Interview

Mein erster Horror-Roman erschien übrigens 1975: W. A. Travers: „In den Klauen des Dämons“ (Vampir-Horror Nr. 97), Pabel-Verlag.

Ich war danach gleich in mehreren SF-Reihen und Horror-Reihen tätig. Betreffend SF zum Beispiel: GEMINI-SF, Martin Kelter-Verlag, als W. A. Hary und W. A. Travers, TERRA ASTRA, ATLAN, Pabel/Moewig-Verlag, als Wilfried Hary, ERDE 2000, Marken-Verlag, als W. A. Travers, DIE TERRANAUTEN, Bastei-Verlag, als Erno Fischer etc. pp… Mitarbeiter war und bin ich auch in vielen anderen Reihen, außerhalb der Science Fiction und der Mystery: Insgesamt erschienen unter einigen meiner Pseudonyme inzwischen weit über 500 Romane und einige Sachbücher.

Der Mann, der nicht mehr raucht

Kurz skizziert die Story: Richard Morrison, überarbeitet, abgenervt und auf Zigaretten fixiert, trifft einen alten Bekannten, ehemals starker Raucher, der blendend aussieht, sich großartig fühlt und auf die Abgewöhnungsmethode der Nonfumo-Gesellschaft mit 98-prozentiger Erfolgsgaranie schwört. Er erhält eine Visitenkarte, aber keine Infos, da der Bekannte Schweigepflicht unterzeichnet hat. Morrison, mehr halbherzig, aber neugierig, geht Wochen später hin, ist skeptisch, wird aber geschickt überrumpelt. Heißt: Unverhofft befindet er sich in einer Situation, die keine Entscheidungsfreiheit mehr erlaubt. Man kontrolliert ihn, schüchtert ihn mit vorgehaltener Pistole ein, droht ihm, warnt ihn, alles über seinen Sohn zu wissen, setzt seine Frau Stromschlägen aus, als er ein einziges Mal schwach wird und klammheimlich (denkt er) einige Züge nimmt.

Keine Menschenseele: Faye Hell im Interview

Seit ihrer frühesten Kindheit ist Faye vom Bösen fasziniert. Im Alter von elf Jahren schreibt sie ihre erste Horrorgeschichte. Eltern und Lehrer sind sich sicher: Das ist nur eine Phase, das vergeht. Doch es ist alles andere als eine Phase und vergeht erst recht nicht, viel eher verfeinert sich ihr Hang zum Diabolischen und nimmt professionelle Züge an. Seit 2007 ist sie Redakteurin des VIRUS Magazins (unter dem Namen Lili Marlene), dort verfasst sie vorrangig Rezensionen zu Horrorfilmen abseits des Mainstreams. In ihrer schriftstellerischen Arbeit verbindet sie subtiles Grauen mit expliziter Gewalt und Obszönität. Ein Leben ohne Horror, das ist für Faye undenkbar.

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