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Teufelsjagd mit Sternen: Wilfried A. Hary im Interview

Phantastikon: Hallo, Wilfried, schön, dass Du Zeit für uns hast. Verrätst Du uns, bei welchem Geniestreich wir Dich grad unterbrechen?

wilfriedxxWilfried A. Hary: Ich arbeite an Band 4 der neuen Serie SKULL. Arbeitstitel: „Ein Fluch kommt selten allein“.

Phantastikon: Deine Vita ist beeindruckend. Blutjung angefangen, e-book erfunden, Serien gestartet…hattest Du immer schon soviel Power?

Wilfried A. Hary: Das täuscht. In Wahrheit bin ich das, was man einen faulen Hund nennt. Der Trick dabei: Ich mache nur, was mir Spaß macht. Dann klappt es auch. Aber nur dann eben. *lacht*

Phantastikon: Was sagst Du als alter Hase über die aktuelle SF-Horror-Show?

Wilfried A. Hary: Ich finde es grundsätzlich gut, wenn die Leute Neues probieren. Auch dann, wenn es mir nicht gefällt. Denn nur, wenn ständig Neues probiert wird, entsteht nun einmal auch wirklich gutes Neues am Ende.

Daher: Weitermachen mit Neuem und endlich aufhören mit Wiederkäuen!

Phantastikon: Angesagt ist ja schwer die Zombie-Schiene. Endzeitstimmung?

Wilfried A. Hary: Siehe oben! Solche Wiederkäuer, die ständig dieselben Zombies bringen, dieselben Vampire, auch wenn diese plötzlich ach so menschlich daher kommen und sich sogar verlieben können…

Das erinnert mich an kleine Kinder, die ständig dieselben Märchen hören wollen und sich beschweren, falls man mal ein neues Wort einflechtet. Es ist tatsächlich so, und manch einer kommt eben über seine Kindheit nicht hinaus in seiner persönlichen Entwicklung. Leider.

Phantastikon: Hary-Production ist Dein ureigenes Ding. Was steckt konkret dahinter?

Wilfried A. Hary: Der Wunsch, wirklich nur noch zu machen, wonach ich Lust habe. Ohne Knebel. Bei den etablierten Verlagen, für die ich nur noch sporadisch arbeite, falls wir uns mal einig werden, ohne dass ich mich verbiegen muss, habe ich Dinge erlebt, die ich lieber nicht erzähle.

Wahrscheinlich würde sie mir sowieso niemand glauben. Weil sie zu haarsträubend sind.

Phantastikon: Du als Profi kennst die Szene schon lange. Was hat sich verändert?

Wilfried A. Hary: Alles und nichts. Das klingt banal, ist es sogar. Geändert hat sich die Vielzahl der Möglichkeiten vor allem durch die Digitalisierung. Auf den ersten Blick gesehen. Aber wer nutzt diese neuen Möglichkeiten denn eigentlich in der richtigen Weise? Da meint jeder, ganz ohne jemals einigermaßen die deutsche Sprache gelernt zu haben, ohne jegliches Lektorat groß als Schriftsteller heraus zu kommen.

Da gibt es unzählige Kostenlosangebote, dass man sich wundert, wieso überhaupt noch die Kostenpflichtigen gekauft werden. Unter dem Strich gesehen, setzt sich eine gewisse Mindestqualität trotzdem durch. Gottlob. Obwohl die hoffnungsfrohen Leutchen, die kostenlos anbieten, besonders stolz sind auf ihre „Verkaufszahlen“ und Gefälligkeitsbeurteilungen. Und wehe, man fragt sie, ob sie sicher sind, dass auch jeder, der das herunterlädt, auch wirklich liest…

Ich persönlich finde, wenn jemand bezahlt für meine Arbeit, dann ist das die einzige Anerkennung, die zählt. Alles andere ist dummes Zeug. Schau dir doch mal den Hype an um die Gefälligkeitsrezensionen: Große Verlage geben dafür richtig Geld aus und beauftragen professionelle Positivgratulanten.

Nicht nur bei Büchern übrigens. Es ist durchaus allgemein bekannt, aber es will nur nicht jeder wahrhaben. Hoffentlich ändert sich das bald. Nicht nur, weil es völlig sinnentleert ist.

Phantastikon: Was läuft aktuell, was geht gar nicht?

Wilfried A. Hary: Da gibt es keine gültige Prognose. Niemand weiß das. Die großen Verlage geben auch da viel Geld aus. Ihre Marktforschung ist sehr aufwendig. Und sie irren trotzdem.

Darüber könnte ich jetzt fast ein Buch füllen, mit Einzelheiten, die nicht wirklich jedermann interessieren allerdings.

Phantastikon: Wagst Du eine Zukunftsprognose für das Genre?

Wilfried A. Hary: Ja, ich wage es trotzdem. Ganz ohne Marktforschung. Die Masse will nichts Neues, sondern setzt auf Altbewährtes. So auch die großen Verlage. Logisch, warum sollten sie unnötige Risiken eingehen? Die Gegenwart ist die große Chance für uns Kleinverleger und unsere Autoren.

Das gilt es, für die Zukunft noch weiter auszubauen, sogar von großen Verlagen freundlich geduldet. Immerhin beobachten sie ganz genau, was bei den Kleinverlagen geschieht, um mögliche Trends rechtzeitig abzulesen. Das ist ihr gutes Recht. Wer will es ihnen streitig machen?


200px-Sgcover001Phantastikon: Star-Gate – Das Original. Klingt ordentlich. Klärst Du die Greenhorns hier kurz auf?

Wilfried A. Hary: Die Serie entstand 1986 und wurde mit Band 11 eingestellt, weil dem Verlag damals das Geld ausging, nicht weil die Serie am Markt nicht gut ankam. Ich hatte die Idee, die Serie am Leben zu erhalten. Gekoppelt mit der Idee, die ersten kommerziellen eBooks der Welt auf den Markt zu bringen. Im August 1986 wohlgemerkt, Jahre vor dem ersten STAR GATE-Film. Das musste ich vor ein paar Jahren MGM beweisen, die mir die Namensrechte streitig machen wollten.

Nach meiner Beweisführung haben wir uns außergerichtlich geeinigt, dass ich weitermachen darf, allerdings mit dem Zusatz „das Original“, weil unser STAR GATE halt das Original ist.

Und um der Frage vorzubeugen, wieso ich nicht umgekehrt meine Namensrechte gegenüber MGM geltend gemacht habe: Der finanzielle Aufwand bei einem Prozess hätte mich im wahrsten Sinne des Wortes vernichtet, während MGM das sprichwörtlich aus der Portokasse finanziert hätte. Ein Akt der Vernunft also, wenn man so will.

Phantastikon: John Sinclair als Geisterjäger ist schon ewig Kult. Mark Tate, der Teufelsjäger, ist Dein Mann. Stellst Du ihn mal vor?

teufelsjaeger_die_1_kompilationWilfried A. Hary: Er wurde geboren 1976, zehn Jahre vor STAR GATE, ist als Serie also dieses Jahr ganze 40 Jahre alt. Konzipiert wurde er als mein Alter Ego. Körperlich schafft er nur Dinge, die ich selber körperlich auch schaffen würde. Dafür fehlen mir seine magischen Kenntnisse und sein fotografisches Gedächtnis.

Im Gegenzug kann er keine Romane schreiben. Passt doch, oder? Übrigens ist er monogam, betrügt also seine Lebensgefährtin May Harris grundsätzlich nie, nicht nur deshalb nicht, weil diese eine weiße Hexe ist. Was das betrifft, unterscheiden wir uns nur wenig: Ich bin ebenfalls monogam, habe es allerdings nicht geschafft, eine monogame Frau zu finden. Deshalb begleiteten mich im Laufe meines Lebens einige. Nicht gleichzeitig natürlich, sondern im Wechsel.

Das mag daran liegen, weil keine von ihnen eine weiße Hexe war so wie May Harris. Wer weiß?

Phantastikon: Wie ist Dein eigenes Bild von Horror, Science-Fiction, Phantastik in der deutschsprachigen Literatur?

Wilfried A. Hary: Grundsätzlich brauchen wir uns in keiner Weise hinter dem zu verstecken, was aus dem Ausland kommt. Im Gegenteil, mich ärgert es maßlos, wenn ich so dumme Sprüche höre wie „die Deutschen können sowieso nicht schreiben“.

Hallo? Schon mal was von Goethe und Schiller gehört? Oder waren die beiden Amerikaner? Es würde mich nicht wundern, wenn das irgendwann bei Wikipedia so steht. Ein Verleger, den ich aus nachvollziehbaren Gründen hier nicht nennen möchte, erzählte mir von den Schreibschulen in Amerika. Ich hielt entgegen, dass es auch Schauspielschulen dort gibt, die pausenlos austauschbare Schauspieler produzieren.

Wenn man amerikanische Serien schaut, sieht man immer die genau gleiche Mimik und Gestik. Bei allen Darstellern. Im Original kommt auch noch die immer gleiche Sprechweise hinzu. Alles zu hundert Prozent austauschbar und abrufbar, genauso wie die künstlichen Lacher. So sieht es auch bei den Autoren aus. Und seien wir mal ehrlich: Ist auch nur einer der wirklich guten amerikanischen Schauspieler oder Autoren ein Schüler solcher Gleichschaltungsanstalten?

Wir sollten uns endlich wieder auf uns selber besinnen und nicht Vorbilder suchen, wo es keine gibt.

Phantastikon: Was machst Du Gutes, wenn Du Dich grad nicht auf Teufelsjagd oder im Sternenkrieg befindest?

Wilfried A. Hary: Oh, ich bin passionierter Spieler. Konsole, Tablet und PC. Keine Ballerspiele. Die sind für mich zu langweilig, weil zu stupide. Eher das, was man Rollenspiele nennt. Das brauche ich, um nach der Arbeit wieder herunter zu kommen. Sonst verhindert meine Kreativität, dass ich schlafe. Außerdem treibe ich mäßig aber regelmäßig Sport, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass der Kopf nur dann frei ist, wenn er nicht von körperlicher Trägheit daran gehindert wird.

Aber natürlich kann das jeder so handhaben, wie er es für richtig hält.

Phantastikon: Jede(r) kann und darf heutzutage machen. Schreiben und veröffentlichen. E-books in Eigenregie überschwemmen den Markt. Wer selektiert da noch?

Wilfried A. Hary: Der Verbraucher, also der Leser. Kostenloses ist außer Konkurrenz und daher kein Maßstab. Bei allem anderen trennt sich die Spreu vom Weizen, beinahe zwangsläufig. Allerdings hat es längst eine Überschwemmung gegeben, das heißt, es wird dem Leser extrem schwer gemacht, das Richtige für sich noch zu finden.

Also bleiben auch leider Autoren auf der Strecke, die richtig gut sind, aber einfach nicht bemerkt werden. Das Problem ist nämlich, dass man heutzutage nicht nur schreiben können muss, sondern man muss das auch vermarkten können. Ich empfehle, sich an Leute zu wenden, die davon etwas verstehen. Wozu gibt es funktionierende und erfolgreiche Kleinverlage und deren Vorselektion?

Auch wenn man dort weniger verdient als würde man sich selber verlegen: Weniger von etwas ist immer noch besser als viel von nichts.

Phantastikon: Braucht das Land (noch) neue Autoren? Oder eher deutlich weniger, aber dafür darunter ein paar richtig gute?

Wilfried A. Hary: Das regelt sich auch immer von allein. Ich finde, es kann niemals genug Autoren geben oder gar zu viele. Obwohl ich manchmal sage, dass ich den Eindruck habe, es gäbe mehr Autoren als Leser: Das ist nur ein Joke!

Letztlich entscheidet der Leser, was er von wem lesen möchte, und nicht irgendwelche Qualitätsvorstellungen von selbstberufenen Fachleuten. Solche sind in der Regel Lachnummern, die nur von denen überhaupt wahrgenommen werden, die dafür naiv genug sind. Und nur, wer es als Autor schafft, dass seine Leser auch bereit sind, dafür Geld auszugeben, kann gewinnen.

Für alle anderen gilt: Hauptsache, das Schreiben macht Spaß. Muss ja nicht jeder lesen wollen, nicht einmal jene, die aus Gefälligkeit positive Beurteilungen abliefern…

Phantastikon: Gute Worte,Wilfried. Wir sagen Dankeschön.

 

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Portrait: Wilfried A. Hary über Wilfried A. Harry

Ich wurde geboren am 27. Oktober 1947, in St. Ingbert/Saar, und interessierte mich schon sehr früh für Literatur (so mit knapp sieben Jahren), mit Schwerpunkt Unterhaltung, Abenteuer, Exotik, Fantastik. Mit vierzehn Jahren erschienen meine ersten Geschichten in Zeitungen – und ich wurde freier Mitarbeiter im Feuilleton einer Tageszeitung.
Das war auch die Zeit, in der ich über die damals existierende „Schule des Schreibens“ meine schreiberischen Fähigkeiten ausbildete. Später machte ich übrigens auch noch eine Ausbildung als Journalist – nachdem ich Sprecherziehung studiert hatte (Schwerpunkt: Textinterpretation, „…um im Umkehrschluss meine Fähigkeit verbessern zu lernen, mich eben genauso auszudrücken, wie ich verstanden werden will!“).
Mein entscheidender Einstieg in die Science Fiction (als Leser zumindest) fand etwa um 1960 statt – mit dem Roman „Über uns das Nichts“ von K. H. Scheer (dem Erfinder von Perry Rhodan).
Erste Erfolge als Autor (wie schon erwähnt mit vierzehn Jahren) „feierte“ ich zunächst mit „allgemeiner Literatur“: Glossen, Storys (= Krimi, Liebe, Heiteres), Artikel für Zeitungen und Magazine. „Unternehmen Dunkelplanet“, unter dem Pseudonym W. A. Travers, erschienen 1971 im Zauberkreis-Verlag, war dann endlich mein SF-Autoren-Einstand. Es war auch mein erstes längeres Werk.

klauenMein erster Horror-Roman erschien übrigens 1975: W. A. Travers: „In den Klauen des Dämons“ (Vampir-Horror Nr. 97), Pabel-Verlag.
Ich war danach gleich in mehreren SF-Reihen und Horror-Reihen tätig. Betreffend SF zum Beispiel: GEMINI-SF, Martin Kelter-Verlag, als W. A. Hary und W. A. Travers, TERRA ASTRA, ATLAN, Pabel/Moewig-Verlag, als Wilfried Hary, ERDE 2000, Marken-Verlag, als W. A. Travers, DIE TERRANAUTEN, Bastei-Verlag, als Erno Fischer etc. pp…
Mitarbeiter war und bin ich auch in vielen anderen Reihen, außerhalb der Science Fiction und der Mystery: Insgesamt erschienen unter einigen meiner Pseudonyme inzwischen weit über 500 Romane und einige Sachbücher (Hauptthemen: Ernährung und Fitness), außerdem ungezählte Storys, Artikel etc., und ich war dazwischen Redakteur zum Beispiel bei der Seniorenzeitschrift „Alt und Jung“ und beim ehemaligen „fantastischen Magazin SF-STAR“.

Seit den Neunzigern arbeite ich auch verstärkt im Genre der sogenannten Frauenromane, unter anderem als Carol East beim Kelter Verlag, Hamburg. Gemeinsam mit Kollegen Alfred Bekker schrieb ich unter dem Pseudonym Ashley Parker den überaus erfolgreichen Roman „Der Fluch der Meere“, der bereits mehrfach neu aufgelegt wurde und hart an der Bestsellermarke kratzt…
Seit 1986 bin ich darüber hinaus selber Herausgeber und Verleger. Als digitaler Verleger (Texte in digitalisierter Form hießen „damals“ bei mir nicht eBook, sondern DISKOMAN) war ich lange weltweit Marktführer, bis die spätere Konkurrenz der Großen mittels Masse erfolgreicher wurde. Neben meiner eigenen „Ära als eBook-Verleger“ begann ich (seit 1998) mit der Herausgabe von Printmedien.
Inzwischen hat sich da ein Pool von über eintausend Titeln gebildet, die uneingeschränkt zur Verfügung stehen, weil nach Bedarf sofort nachgedruckt wird. Unter anderem eben die Referenzserien Teufelsjäger und STAR GATE – das Original! Wer mehr darüber wissen will:
eMail: HARY-PRODUCTION@t-online.de
http://www.Hary-Production.de

 

 

Karin Reddemann

Karin Reddemann schreibt Geschichten. Wahrscheinlich ist das recht vernünftig. Vernünftig findet sie auch, dass T.C. Boyle über sich sagt: “Ich weiß auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut.” – Studiert hat sie an der Ruhr-Uni Bochum (Germanistik/Romanistik), war einstmals Lokaljournalistin und hat auch das überlebt. Veröffentlichungen: „Gottes kalte Gabe“, e-books: „Toter Besuch“, „Schweigeminuten“ „Rosen für Max“ (Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken), Beiträge in: „Horror-Legionen“ (Amrûn Verlag Jürgen Eglseer), „Abyssos–Geschichten aus dem Abgrund“ (VISIONARIUM, Doc Nachtstrom und Bernhard Reicher), “Zwielicht 9” und “Zwielicht Classic” (Achim Hildebrand, Michael Schmidt)

1 Kommentar zu Teufelsjagd mit Sternen: Wilfried A. Hary im Interview

  1. Wilfried, da ist viel Wahres in deinen Worten. Kann ich dir nur beipflichten.

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