Das Scheitern der Furcht

Die Protagonisten sind weder angehende Hollywood-Größen noch durch Gymnastik gestählte Körper, die im Film in unterschiedlichen Phasen der Nacktheit gezeigt werden: es sind alltägliche Leute, die den Hauptteil des Films in Parkas rumlaufen. Das Dokumentarfilm-Motiv ist mittlerweile selbst zu einem Klischee verkommen, aber wir sehen noch immer die gleichen jungen Stahlkörper, die in Scheiben geschnitten und zu Würfeln gepresst werden, auf ihrem unvermeidlichen Weg in das nächste Sequel. Nicht wirklich beängstigend. Genauso wenig wie die literarische Seite der Gleichung – selbst durch die versiertesten Händen (und ich glaube, dass wir eine kleine Renaissance des Genres erleben) – gelingt es kaum, mich zu verunsichern.

Tanz der Vampire

Der Löwe brüllte (einmal!) anders. Noch während flatternde Fledermäuse zu unheilvollem musikalischen Säuseln den Mond verfinstern, verwandelt sich der weltberühmte Dschungel-König beim traditionellen MGM-Vorspann in einen Vampir. Blutrot ist die Leinwand, der erste Gag schleicht sich vorwitzig ins Bild: Ein „Dr. Ludwig von Krankheit“ habe die fangs (Vampirzähne) gemacht. Aha. Soso…und Bühne frei. Ein Schlitten saust durch die tief verschneiten Karpaten. An Bord: Ein schrulliger Professor und sein leicht trotteliger Assistent. Im Kopf: Bram Stokers mahnende Gebote. Im Sinn: Dracula & Co. finden, fangen und vernichten. Dafür begibt man sich aufs transsylvanische Parkett zum, – Tusch an dieser Stelle! -, Tanz der Vampire.

Schreiben wie Lovecraft

Wenn wir von Lovecraftschem Horror reden, oder vom Lovecraft-Mythos (wie er allein in Lovecrafts Werk existent ist), sollten wir diese Erzählungen von jenen unterscheiden, die unter dem Begriff „Cthulhu-Mythos“ bekannt wurden, ein Begriff, den August Derleth eingeführt hat. Lovecraftscher Horror beinhalten Aspekte des Cthulhu-Mythos (der sich von Lovecrafts Einfluss fort entwickelte), aber Lovecratfs Horror besteht aus mehr als kosmischen Entitäten, die auf unseren Planeten sickern, um unsere Träume und unsere geistige Gesundheit negativ zu beeinflussen.

Der Nihilismus des Rust Cohle

Es gibt Filme und Serien, die pumpen die Erwartungshaltung von Beginn an über jeden erwartbaren Horizont. Die meisten ambitionierten Werke – und das trifft ebenso auf Literatur zu – scheitern, wenn sie scheitern, am Ende. True Detective 1 scheitert nicht wirklich, aber die letzte Folge der Mini-Serie hält der unglaublichen Dichte nicht stand, was wirklich schade ist, denn bis dahin hat man nicht weniger als das Beste, was eine Mystery-Serie überhaupt aufs Parkett bringen kann vor Augen. Nicht weniger als eine Sensation.

Carnivale

Es gibt wohl kaum eine Serie, die den Begriff der „Weird Fiction“ neben Twin Peaks jemals so verkörperte wie Daniel Knaufs Carnivale, die im Jahre 2003 wohl noch etwas zu ambitioniert für die Serienlandschaft war, um sich durchsetzen zu können. Magie, Drama, Science-Fiction und Fantasy wurden in diesem Juwel zu einem einzigartigen Mix verschmolzen, der bis heute in keiner ähnlichen Weise mehr erblickt wurde. Würde man die Serie heute herausbringen, würde dieses einzigartige Juwel des Geschichtenerzählens wohl spielend der Hit des Jahres werden.

John Crowley und die Frauen

1. Und das Nachtragende … „Mein Schreibmodell ist Shakespeare: nicht jeder Leser wird ein Buch von mir unmittelbar verstehen, aber es wird mit jedem Wiederlesen durchschaubarer.“1 Allein dieser Ausspruch dürfte ausreichen, eine Vielzahl von Lesern abzuschrecken. Das hört sich nach harter Arbeit und nicht gerade nach entspannender Lektüre an. Und doch liegt der entscheidende Vorteil … Weiterlesen

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