Federgrab

Samuel Bjørk: Federgrab

Ein ortsansässiger Botaniker stößt auf die Leiche eines Teenagers, der anscheinend Teil eines rituellen Mordes war. Die Leiche des Mädchens liegt auf einem Bett aus Eulenfedern und in einem Pentagramm aus Kerzen. Zusätzlich zu ihrem Mordfall haben Munch und Mia Krüger mit persönlichen Dramen zu kämpfen. Munch muss feststellen, dass seine Ex-Frau im Begriff ist, wieder zu heiraten. Mia wurde kürzlich vom Dienst suspendiert und ist psychisch nicht in der Lage, den Tod ihrer Schwester Sigrid zu verarbeiten und denkt darüber nach, sich das Leben zu nehmen. Munch gelingt es, Mia zurück in sein Team zu holen, um diesen Fall zu lösen, denn er weiß, dass ihre besonderen Fähigkeiten erforderlich sind, um den Mörder zu finden.

Krüger, die über wenig emotionale Reserven und viel Intuition verfügt, gilt als Genie, wenn es darum geht, in die dunklen Tiefen eines Falles vorzudringen. Obwohl sie mit Alkohol und Tabletten und dem unbändigen Wunsch kämpft, ihren Eltern und ihrer Zwillingsschwester ins Grab zu folgen, erklärt sie sich bereit zu helfen. Sie hat eine träumerische Art zu denken, die sich allerdings auf eine Punkt fokusiert, wenn sie sich auf die Detail des Falles konzentriert.

Rückblenden in die Vergangenheit der Hauptfiguren und derjenigen, die wir noch nicht kennen, vermischen sich im Laufe des Romans mit dem aktuellen Fall. Neben diesen Handlungssträngen verfolgen wir auch die Geschichte von Munchs Tochter Miriam. Kürzlich hat Miriam einen Mann namens Ziggy kennengelernt und sich einer Gruppe von militanten Tierschützern angeschlossen – eine Welt, in der sie sich stark engagiert hat, bevor sie Mutter wurde.

Die Beziehung zwischen Holger Munch und Mia Krüger ist das Herzstück dieses Romans und treibt den Leser dazu, sich um die Zukunft der beiden Gedanken zu machen. Der Roman bemüht sich, den Schwung der Lösung des Verbrechens aufrechtzuerhalten. Zwar ist man sofort in die Lösung des Falles involviert, aber in der Mitte der Geschichte verliert man sich im Dickicht des ganzen Hintergrundrauschens.

Dies ist nach “Engelskalt” der zweite Roman mit den Osloer Ermittlern Holger Munch und Mia Krüger, dem in diesem Jahr mit “Dunkelschnee” ein Prequel vorangestellt wurde. Die Idee ist klar, es geht um die Arbeitsbeziehung der beiden, die stets Gefahr laufen, selbst auseinanderzubrechen.

Munch, übergewichtig und von seiner gescheiterten Ehe geplagt, leitet ein Team von Ermittlern, die den rituellen Mord an einem Teenager untersuchen. Aus dem Bericht des Pathologen geht hervor, dass sie erdrosselt wurde, und er findet Schürfwunden an Knien und Ellbogen, Blasen an den Händen und hebt ihren ausgemergelten Zustand hervor.

Leider verbringt Mia Krüger fast die Hälfte des Buches damit, darüber zu jammern, wie sehr sie dem Ganzen ein Ende setzen möchte, aber Munchs Freundlichkeit und seine Sorge um sie hindern sie daran, wirklich ernst zu machen.

Dabei wirkt sie wie eine selbstsüchtige, egoistische Göre und nicht wie eine brillante Detektivin, die, wie man uns glauben machen will, die Gabe hat, abartige Kriminalfälle zu durchschauen. Das Einzige, was Krüger gut zu können scheint, ist Jägermeister trinken.

In der anderen Hälfte des Buches befasst sich Munch mit familiären Problemen, seine Ex-Frau macht mit ihrem Leben weiter, und seine einzige Tochter, eine junge Mutter und vermeintlich verantwortungsbewusst, verliebt sich Hals über Kopf in einen Typen, den sie kaum kennt.

Munch selbst ist ebenfalls keine große Leuchte. Er raucht zu viel und sein Gewicht wird häufig als harte Anklage gegen sein Aussehen verwendet. Weder ist er bemerkenswert oder besonders klug. Ihn durchschnittlich zu nennen ist bereits ein Kompliment.

Sein Team scheint zwar relativ gut zu sein und da Munch ihm als Chef vorsteht, könnte dadurch der Eindruck entstehen, dass er extrem kompetent ist, was er aber nicht ist.

“Federgrab” war sicher kein Komplettausfall, aber die Handlung ist unübersichtlich und unklar, und die Hauptfiguren sind nicht stark oder einprägsam genug, als dass man verstehen könnte, was sie in jüngster Zeit so erfolgreich gemacht hat.

Das größte Manko sind sicher die Dialoge. Niemand scheint seinen Gesprächspartnern zuzuhören oder generell aufmerksam zu sein, denn jeder fragte ständig “warum? was? wer? wo?” und denkt mitten im Gespräch an etwas anderes und wurde dann mit noch mehr “was? wo?” in die Realität zurückgerissen. Der Autor versucht sich auf diese Weise zwar an der Beschreibung, wie müde und desorientiert die jeweilige Figur ist, aber wenn fast jeder Dialog so abläuft, wird es unerträglich.

Die Handlung ist im Grunde ein Aufguss des ersten Romans und die Charaktere entwickeln sich nicht wirklich weiter. Selbst ohne die wiederverwendeten Teile zu erkennen, bleibt die Handlung vorhersehbar, und die meisten Charaktere sind entweder platt oder absolut nutzlos, wie zum Beispiel Mia Krüger, die ein Dutzend willkürlicher Anschuldigungen macht, sich selbst mit Psychopharmaka und Alkohol vollpumpt und objektiv gesehen wirklich schlecht in ihrem Job ist.

Ich werde mir bei Gelegenheit noch den letzten augenblicklich erhältlichen Band anschauen, aber erst nach einem gewissen Abstand.

Michael Perkampus

Michael Perkampus

Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber des Phantastikon.

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