So alt der Tod, so alt der Zombie

Der große schwarze Mann aus dem Urwald, stumpfer Blick aus Augen, deren Pupillen im Weiß zu ertrinken scheinen, mechanische Schritte, Haut wie poliert, der Kerl halbnackt, immer lauernd, immer starrend, immer da, wenn es dunkel ist, wenn jedes Knacken eines Astes wie die Warnung vor dem Unheil klingt, weil die Nacht ultimativ seltsam böse wird…er war mein erster echter Zombie. Ein wie gemeißelter Voodoo-Zombie ohne körperliche Ekel-Blessuren und blutige Fleischlappen zwischen den Zähnen, dargestellt von Darby Jones, einem farbigen Schauspieler aus L.A., damals “typisch” gebucht für Rollen als Hotelpage, Diener, Sklave, Buschmann bei Tarzan und furchteinflößender Untoter.

Blondinen bevorzugt: Und immer lockt die Barbie

Karstadt hatte einen Aufzug, in dem eine dünne Frau mit Turmfrisur stand, die Stockwerke aufzählte und dabei dauerhaft lächelte, als gäbe es keine schönere Beschäftigung. Karstadt hatte auch ein großes Treppenhaus, in dem Plakate von Llorett de Mar hingen. Das konnte man dort als Busreise buchen, was mich schwer beeindruckte, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass man im Bus den Globus umrunden kann. Ich hatte ja nun nicht die rechte Ahnung. Die Mondlandung hielt ich für einen Spielfilm der anderen Art, und Frankfurt nebst Frankreich waren für mich ein gemeinsamer Haufen. Ebenso Nixon und Brandt, die ich aus dem Fernsehen kannte und für ein und denselben netten Mann hielt. Meine Oma sah exakt aus wie die Queen, aber da war mir der Unterschied wohl klar.

Holden Caulfield – Der Fänger im Roggen

Wie Holden Caulfield die Welt sieht, so will er sie auch sehen. Eine Welt, die man absolut unpassend finden sollte. Grundsätzlich schon ziemlich hassen müsste. Scheint, als habe er sich fest vorgenommen, alles nervtötend und verkehrt zu finden. Scheint, als wäre das auch berechtigt. Uns würde er höchstwahrscheinlich auch hassen. Zumindest frustriert betrachten und den Kopf schütteln. Könnte gleichfalls sein, wir wären ihm egal. Sollte uns das kränken? Wo wir ihn doch vergöttern, diesen kleinen Mistkerl, der lächerliche drei Tage verreiste und glatt eine Weltreise daraus machte. Einmal um den Globus. Ein Jahrhundert-Trip. Ein Weg, gepflastert mit Skepsis, Erwartung, Ratlosigkeit. Mit Wollen, Meinen, Fluchen, Sinnieren, Suchen. Fündig werden?

Der große schwarze böse Hund

Die Geschichte vom kleinen Hund und dem großen Schatten habe ich noch nicht erzählt. Ich wüsste nicht, dass jemand sie kennt, zumindest nicht so, wie ich sie kenne. Vielleicht gibt es sie auch gar nicht. Was ich bedauern würde, weil sie diesen Hunger auf ihre ganz besondere Art erklären könnte. Diese Gier. Diese Verfressenheit. Wäre sie wahr wie all die anderen Geschichte, die den falschen, den guten Lügnern entstammt, dürfte die vom kleinen Hund und seinem Schatten Angst machen. Richtig Angst.

Eisbegonien könnten es sein

Sie könnten die kleine böse Inspiration für eine große böse Sache sein. Meiner Schwester käme das nicht in den Sinn. Seit diesem unsinnig heißen Sommer ist sie begeistert von Eisbegonien. Die Botaniker unter uns werden das milde lächelnd abzeichnen, diese Blumen sind Rambos in der Hitze und segensreich für Gießmuffel. Eisbegonien machen sich überall hervorragend: Auf Hinterhöfen, Gräbern, in Vorgärten und Balkonkästen. Denkbar eben auch durchaus in Horrorgeschichten.

Fang nie was mit einer Klientin an

Zudem sei unbestechlich, nett und fair und unbewaffnet, träum’ was Schönes und merk’ dir das genaue Gegenteil. Denn so soll es natürlich (nicht!) sein im Film Noir. Dort liebt man die Straßen der Nacht, wedelt mit dreckigen Geldscheinen, die man sich nicht sauber denken muss und will, traut nichts und niemandem und liebt, wenn überhaupt, in erster Linie sich selbst. Seine Knarre, seine Kippe, seinen Whisky, seine Wut. Aber dann…

Rambo…und noch eins: Scheiß was auf die Welt!

Der Sohn der Nachbarin hatte ein Poster von einem durch den Urwald hechtenden Rambo mit Maschinengewehr und wilden Augen über dem Bett, stemmte Hanteln, ließ seine Locken wuchern und wickelte sich ein am Hinterkopf geknotetes Tuch um die Stirn. Dann machte er doch lieber Zivildienst im Krankenhaus, trug Birkenstock, und seine Mutter schnitt ihm die Haare. Er wurde später Banker und Vater von drei Töchtern. Vielleicht heulte er heimlich.

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