Die Kunst der brutalen Prosa: Ein Interview mit Mark Lawrence

Mark Lawrence ist der Autor der Fantasy-Reihe THE BROKEN EMPIRE (dt. Prinz der Dunkelheit, König der Dunkelheit, Kaiser der Dunkelheit – die Bände liegen seit Juni 2014 komplett vor; Red.). Die Bücher sind im gleichen Ton verfasst, den man auch von Joe Abercrombie oder George R.R. Martin kennt. Darin geht es um eine düstere Darstellung des Prinz Honorius Jorg Ancrath, Spross einer Adelsfamilie, die sich geschworen hat, eines Tages die Bereiche unterschiedlicher Königreiche zu einem einzigen zusammenzufassen. Die Prosa, die man darin vorfindet, ist wie ein Schlag in die Magengrube – deutlich, einfach und eindrucksvoll. Lawrence meidet sie traditionell blumige Ausdrucksweise seiner Vorgänger, stattdessen vermittelt er mit einfacher Sprache ohne Umschweife die harte Realität.

Schatten einer Beichte

Wenn ich auf diese Frage schau, juckt es mich in den Fingern. Immer. Was ist Horror?

Ich könnte jetzt einfach loslegen und schreiben, und bevor jemand mich darauf aufmerksam machen würde, dass ich das bitte besser lassen sollte, hätte ich es getan.

Das könnte passieren. Vermutlich würde ich von meiner ersten Beichte erzählen. Die war wenig spektakulär. Interessanter ist, dass meine erste Beichte eine Vorgeschichte und einen Schatten hat. Der Schatten hängt seitdem an mir wie eine Klette. Seit Jahrzehnten schleppe ich ihn mit mir herum, er spricht, bockt und treibt mich. Seine Asche wird wohl bei meiner in der Urne landen. Sein Name ist Horror.

Erst krieg ich Dich, dann fress ich Dich!

Ich hatte schon als Kind immer Angst davor, nicht schnell genug zu sein. Zu langsam für den schwarzen Mann. Den Bi-ba-butzemann. Den Bullemann. Buhmann. Kornmann. Wassermann. Ich hatte auch Angst davor, auf der Aschenbahn überholt zu werden. Dass ich beim Völkerball auf dem Feld erstarren und tödlich getroffen würde. Als Letzte eine Treppe hinauf zu steigen. Zu stolpern, wenn andere schreiend fliehen.

Kann es mich erschrecken?

Orrin Grey ist der Autor mehrerer gruseliger Bücher, darunter „Guignol & Other Sardonic Tales“ und „Painted Monsters & Other Strange Beasts“, beide erhältlich bei Word Horde.

Seine Geschichten über Monster, Geister und manchmal die Geister von Monstern wurden in Dutzenden von Anthologien veröffentlicht, darunter „Ellen Datlows Best Horror of the Year“, und er schreibt regelmäßig für „Unwinnable, Signal Horizon“, „The Pitch“, „The Lineup“, „Weird Horror“ und andere. Er ist Filmredakteur bei Exploits, einer Veröffentlichung von Unwinnable.

Er hat für Tabletop-Spiele wie „Warmachine“, „Hordes“ und das „Iron Kingdoms Role Playing Game“ geschrieben, und seine Essays über altes Horrorkino wurden in zwei Bänden gesammelt, die beide bei Innsmouth Free Press erhältlich sind.

Die „Seltsame Geschichte“

Wir hören in letzter Zeit viel über die steigende Popularität der Weird Fiction.(Anm. Ich behalte hier die Originalbezeichnung bei, weil der Begriff in seiner eigentlichen Bedeutung nicht ins Deutsche übertragen werden kann, ohne fälschlich behandelt zu werden. Die häufigen und gebräuchlichen Übersetzungsfehler „Literatur der Angst“, „Unheimliche Literatur“ usw. führen hierbei nur in eine Sackgasse.)

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