Der zweite Reiter / Alex Beer

Der zweite Reiter von Alex Beer erschien 2017 im Limes-Verlag. Mittlerweile hat die Reihe sechs Titel aufzuweisen, die in die Kerbe von Kriminalgeschichten zwischen den beiden Weltkriegen schlagen. Das ist im Augenblick eines der interessantesten Settings, an dem sich eine Menge Autoren versuchen. Nicht allen gelingt das gleichermaßen gut, aber man findet dennoch eine Menge erstaunliches und gut recherchiertes Zeitgeschehen in diesen Romanen.

Als der Meister starb / Wolfgang Hohlbein

In diesem Buch finden sich die ersten drei ersten Bände um Robert Craven, die zuerst im Gespenster-Krimi erschienen sind (Band 567, 571, 575). Wer dieses Buch gleich nach dem ersten liest, bemerkt hier die stilistischen Unterschiede, die nicht nur darin bestehen, dass Hohlbein Robert Craven in der ersten Person erzählen lässt. Hier ist noch eine Kraft am Wirken, die inspiriert wirkt, während Die Spur des Hexers doch etwas müde wirkt. Trotzdem war es natürlich interessant, die Themen, die in diesem ersten Hexer-GK angesprochen werden, noch einmal ausgearbeitet zu sehen. Und so verbinden sich diese beiden Teile dann doch mehr oder weniger nahtlos, wie es ja auch beabsichtigt war.

Der Wurm Ouroboros

Dies ist ein Werk heroischer Fantasy, das von Künstlern wie J. R. R. Tolkien, C. S. Lewis und Ursula LeGuin als Inspiration für ihre eigene Arbeit ausgelobt wurde. Und sicherlich finden sich die Ideen des Transfers in eine fremde Welt, heroische Suchen und große, oft scheinbar aussichtslose Auseinandersetzungen gegen böse Mächte als Wurzeln zu großen Teilen in diesem Werk.

Jean Pierre Andrevon, Philippe Cousin: Das Haus gegenüber

„In den vier Jahren, die er nun schon über das Parkett rollt wie ein eingesperrtes Karnickel, hat George das Haus genau kennengelernt. Er kennt es besser, als wenn er die Treppen hinauf und hinab gestiegen, als wenn er zu den Leuten in die Wohnung gegangen wären. Er kennt es dank der Geräusche, der Luftzüge, der winzigsten Temperaturschwankungen. Die Wasserspülung im Abflussrohr um halb zwölf, das ist der Bewohner vom vierten Stock rechts, der immerzu an Verstopfung leidet. Der Lärm im Treppenhaus, vor allem gegen drei Uhr mittags, das ist natürlich der Australier, der vom Holzhändler heimkommt. Die Billardkugeln, die über die Fliesen rollen, das ist stets der alte Lessourd, der immer noch mit Kohlen heizt und beim Füllen seines Ofens jedesmal die Hälfte daneben schüttet.“
(Georges wollte auf die dritte Etage)

Nighttrain: Nachtschatten (Hrsg. Tobias Reckermann)

Man darf nicht vergessen, dass die hiesige phantastische Literatur nach Angerhubers Verstummen quasi nicht mehr vorhanden ist, zumindest nicht in der Qualität, wie sie fast ausschließlich in Amerika zu finden ist. Das wäre weiter kein Problem, wenn die besten Autoren wenigstens übersetzt würden. Aber weder Matt Cardin, D.H. Watt oder John R. Padgett wurden diesbezüglich berücksichtigt. Und das sind nur jene, die in dieser Anthologie auftauchen, die wir Tobias Reckermann zu verdanken haben, selbst Autor und Herausgeber vieler Kleinode, die unsere Wüste des Phantastischen zehn Jahre lang bereichert haben.

Notizen zur unheimlichen Literatur

Natürlich hat das Leben keinen Sinn. Aber der Tod auch nicht. Und das ist eine weitere Sache, die das Blut in Wallung bringt, sobald man Lovecrafts Universum entdeckt. Der Tod seiner Helden hat keine Bedeutung. Der Tod lindert nichts. Er bedeutet in keiner Weise das Ende der Geschichte. Unerbittlich zerstört HPL seine Figuren und bring damit nur die Verstümmelung von Marionetten hervor. Gleichgültig gegenüber diesen erbärmlichen Wechselfällen wächst die kosmische Angst weiter. Sie schwillt und nimmt weiter Gestalt an. Der große Cthulhu erwacht aus seinem Schlaf.

Holden Caulfield – Der Fänger im Roggen

Wie Holden Caulfield die Welt sieht, so will er sie auch sehen. Eine Welt, die man absolut unpassend finden sollte. Grundsätzlich schon ziemlich hassen müsste. Scheint, als habe er sich fest vorgenommen, alles nervtötend und verkehrt zu finden. Scheint, als wäre das auch berechtigt. Uns würde er höchstwahrscheinlich auch hassen. Zumindest frustriert betrachten und den Kopf schütteln. Könnte gleichfalls sein, wir wären ihm egal. Sollte uns das kränken? Wo wir ihn doch vergöttern, diesen kleinen Mistkerl, der lächerliche drei Tage verreiste und glatt eine Weltreise daraus machte. Einmal um den Globus. Ein Jahrhundert-Trip. Ein Weg, gepflastert mit Skepsis, Erwartung, Ratlosigkeit. Mit Wollen, Meinen, Fluchen, Sinnieren, Suchen. Fündig werden?

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