Das Haus in der Half Moon Street

Der Roman spielt im viktorianischen England um 1880 und fällt schon allein aus diesem Grund in meinen gesteigerten Aufmerksamkeitsbereich, aber auch ich war relativ überrascht, dass hier einige der bekanntesten Tropen des Genres ausgehebelt wurden, ohne die notwendige Atmosphäre in irgendeiner Form anzutasten.

Geschichten in Geschichten in Scott Lynchs Gentelman-Bastard-Serie

Geschichten in Geschichten. Dies ist eine der ältesten Strukturen des Geschichtenerzählens, die bis ins alte Ägypten reichen. Allein der westliche Kanon hat – beginnend bei den Canterbury-Erzählungen über Hamlet bis zu Italo Calvons Unsichtbaren Städten – eine Fülle namhafter Werke hervorgebracht, die dem Reiz, Narrative ineinander zu schachteln, nicht widerstehen konnten. Autoren spekulativer Literatur wie Margarete Atwood oder Neil Gaiman sind ebenfalls in der Lage, diese Disziplin anzuwenden und dadurch mit einer wunderbaren Wirkung zu versehen.

Interview mit Vincent Voss

VV: Ich finde, Vampire sind personifiziert, wohingegen Untote das als Gefahr selten sind. Deshalb kann man sie gut als Metapher und/oder als eine Art Urangst nutzen. Zum einen sind sie als Urangst ziemlich roh und ehrlich. Und im Gegensatz zum Bild, das wir von Vampiren haben, auch wirklich ekelerregend, ohne dabei ihre Menschlichkeit einzubüßen, wie zum Beispiel ein Ghoul oder Werwolf.

Patricia Highsmith: Der Schneckenforscher

Patricia Highsmith bewegt sich ziemlich sicher in ihren psychologischen Kabinettstücken (und natürlich auch im Kriminaldrama, das hier keine große Rolle spielt), und ihre Sprache ist zwar präzise, aber nicht gerade lyrisch. Sie berichtet, anstatt zu beschreiben, und kommt auf Satzebene fast ohne Metaphern aus. Würden sich ihre Figuren nicht ständig in psychologischen Extremen bewegen, könnte man sie als flach bezeichnen.

Slade House / David Mitchell

Mitchell ist ein Autor, der seine Geschichten gerne faltet, für den die Wirklichkeit nicht von Zeiten und Räumen dominiert wird. Aber diese “Faltungen” sind immer auch Erlebnisfragmente der Protagonisten, die hier verdichtet werden.

Für die Mitchell-Kenner gibt es gleich zu Beginn eine Begegnung mit der “mondgrauen” Katze, die bisher in jedem Buch auftaucht, aber diesmal ist sie tot, die Augen von dicken Fliegen besiedelt. Die Nachricht ist klar: Hier gibt es keine Hilfe, niemand wird kommen, um den Tag zu retten.

Slipstream

Kommen wir nun zu einer merkwürdigen Geschichte, die als Slipstream begann, die New Wave Fabulists unter ihren Mantel nahm, die Postmodernisten sowieso, und heute mit dem gleichermaßen irreführenden Begriff New Weird einen neuen Anlauf nimmt. Keiner der aufgeführten Begriffe ist eine wirkliche Genrebezeichnung, die man noch um Surrealismus und Bizarro Fiction erweitern könnte, ohne den Kern zu treffen.

Deutsche Horror-Literatur

Das Problem ist, da sind sich einige Experten einig, das Marketing, mit dem gearbeitet wird. Aber eben auch die Reputation. Es wäre Unsinn, zu behaupten, deutschsprachige Autoren schrieben generell schlechter als ihre englischsprachigen Kollegen. Wenn aber unsere Verlage nicht imstande sind, Konzepte zu entwickeln, wie man Autoren des Genres vernünftig aufbaut, kaum Wagnisse eingehen und – mit wenigen Ausnahmen – literarische Qualität auch gar nicht gefragt ist, sondern hauptsächlich Plot-orientiertes Reißbrett-Schreiben, dann wird es für all jene, die ‘es drauf’ hätten natürlich auch schwierig, ihre ambitionierten Sachen zu verkaufen.

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