Blondinen bevorzugt: Und immer lockt die Barbie

Karstadt hatte einen Aufzug, in dem eine dünne Frau mit Turmfrisur stand, die Stockwerke aufzählte und dabei dauerhaft lächelte, als gäbe es keine schönere Beschäftigung. Karstadt hatte auch ein großes Treppenhaus, in dem Plakate von Llorett de Mar hingen. Das konnte man dort als Busreise buchen, was mich schwer beeindruckte, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass man im Bus den Globus umrunden kann. Ich hatte ja nun nicht die rechte Ahnung. Die Mondlandung hielt ich für einen Spielfilm der anderen Art, und Frankfurt nebst Frankreich waren für mich ein gemeinsamer Haufen. Ebenso Nixon und Brandt, die ich aus dem Fernsehen kannte und für ein und denselben netten Mann hielt. Meine Oma sah exakt aus wie die Queen, aber da war mir der Unterschied wohl klar.

Fang nie was mit einer Klientin an

Zudem sei unbestechlich, nett und fair und unbewaffnet, träum’ was Schönes und merk’ dir das genaue Gegenteil. Denn so soll es natürlich (nicht!) sein im Film Noir. Dort liebt man die Straßen der Nacht, wedelt mit dreckigen Geldscheinen, die man sich nicht sauber denken muss und will, traut nichts und niemandem und liebt, wenn überhaupt, in erster Linie sich selbst. Seine Knarre, seine Kippe, seinen Whisky, seine Wut. Aber dann…

Rambo…und noch eins: Scheiß was auf die Welt!

Der Sohn der Nachbarin hatte ein Poster von einem durch den Urwald hechtenden Rambo mit Maschinengewehr und wilden Augen über dem Bett, stemmte Hanteln, ließ seine Locken wuchern und wickelte sich ein am Hinterkopf geknotetes Tuch um die Stirn. Dann machte er doch lieber Zivildienst im Krankenhaus, trug Birkenstock, und seine Mutter schnitt ihm die Haare. Er wurde später Banker und Vater von drei Töchtern. Vielleicht heulte er heimlich.

Winnetou: Edelmann der Superlative

Karl May proudly presents: Winnetou leibhaftig. Überirdisch gut. Ein herrlicher Mann mit reiner Seele, hinreißender Redner von tadelloser Gestalt mit schmaler, elastischer Taille und breiten, kräftigen Schultern, sanft gebogener Nase und ungeheuerlicher Macht in den dunklen, ehrlichen Augen… der Schnitt seines ernsten, männlich schönen Angesichtes fast römisch zu nennen, die Farbe seiner Haut ein mattes Hellbraun, mit einem leisen Bronzehauch übergossen, am Hals eine dreifache Kette von Krallen der Grizzlybären, welche er mit Lebensgefahr selbst erlegt hatte…

Terminator (Der Krieger aus der Zukunft)

Die Zukunft vorherzusagen ist nie so zuverlässig wie sie zu “sehen”. Der Actionfilm befand sich in den frühen 80er Jahren bereits in einer Sackgasse. Schuld waren die 70er, die dafür sorgten, dass ein einst lebendiges Genre durch die immer gleichen Stereotypen zugrunde ging. Das ging soweit, dass sich das Publikum bereits über Steven Spielbergs Super-Archäologen mit dem … Weiterlesen

Scarlett O’Hara: Traumfrau, Emanze, Edelluder

Unbemüht gedacht könnte man sagen, Scarlett O’Hara sei das wohl berühmteste Luder des vergangenen Jahrhunderts. Mitnichten eine ordinäre Schlampe, sondern ein Exemplar der absolut faszinierenden und damit zweifellos seltenen Spezies. Zum Niederknien schön, beneidenswert willensstark und zur Verzweiflung der Edelmütigen, zum Entsetzen der Warmherzigen ganz besonders egoistisch, berechnend und kühl. Eben ein Luder. Wohlgemerkt: Unangestrengt gesagt.

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