Der große Schlaf / Raymond Chandler

Chandler glaubte gern, dass er und Marlowe viel gemeinsam hätten. In mancher Hinsicht war das so, in anderen Punkten nicht. Marlowe war der vollendete Junggeselle, während Chandler an seine Mutter gebunden war, die er verehrte, und später an seine ältere Frau, die er anbetete und auf ein Podest stellte.

Alan Bradley: Mord im Gurkenbeet (Flavia de Luce #1)

Eines muss ich vorweg schicken: Wir haben es hier nicht definitiv mit einem Jugendroman zu tun, obwohl man sich natürlich glücklich schätzen kann, wenn Jugendliche diesen Roman lesen und auch genießen können. Sicher ist Flavia de Luce ein elfjähriges Mädchen, aber – wie wir gleich sehen werden – unterscheidet sie sich in fast jeder Hinsicht von dem, was man von einem 11-jährigen Mädchen erwarten kann. Tatsächlich ist die ganze Reihe vom Goldenen Zeitalter der Krimis durchtränkt, beeinflusst von der Wertschätzung des Autors für die Arbeit von Chesterton, Agatha Christie, Conan Doyle oder Dorothy L. Sayers. Das heißt, dass es sich um herrlich altmodische Krimis handelt, die mit einigen intellektuellen Seitenhieben aufwarten.

Die dreizehnte Geschichte / Diane Setterfield

Was das Buch anbelangt, das all diese verrückte Aufmerksamkeit erregt hat, so liefert Setterfield mit der Geschichte von Margaret Lea einen der faszinierendsten Romane, die in diesem Jahrzehnt herausgebracht wurden. Die zurückgezogene, schlichte Margaret verbringt ihre Tage damit, in der Buchhandlung ihres Vaters zu arbeiten, wo sie ihre Faszination für berühmte Schriftsteller entfacht. Geprägt von der Entdeckung, dass sie mit einem Zwilling an ihrer Seite geboren wurde, dessen Tod ihr das Überleben ermöglichte, lebt sie ruhig und beschaulich, liest unersättlich und schreibt zum Vergnügen gelegentlich an kleinen Biografien.

Von Hier bis zum Anfang / Chris Whitaker

Mit seinem dritten Roman „We begin at the End“ hat Chris Whitaker die weltweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen.  Der Autor lebt in Großbritannien, siedelt seine Romane aber mit präziser Genauigkeit in den ländlichen Vereinigten Staaten an. Oft genug ist es ja gerade andersherum.  Er gewann in diesem Jahr nicht nur den Gold Dagger der Crime Writers Association, sondern wurde von vielen Fachmagazinen als bester Thriller des Jahres ausgezeichnet. Und heute schließe ich mich dem an.

Das Geheimnis des Schneemanns / Nicholas Blake

Spätestens nach dem sensationellen Erfolg des Filmes Knives Out von 2019 war zu erkennen, dass der klassische Kriminalroman gegenwärtig eine Renaissance erlebt. Das schlägt sich zwar in unseren Breitengraden erst langsam nieder, aber auch hier ist das Interesse an der Cosy Mystery und am Whodunit wieder gewachsen. Mit den Übersetzungen klassischer Romane sind wir gegenüber aktuellen Erscheinungen gut aufgestellt, um so verwunderlicher ist es, dass der siebte Band der Nigel-Strangeways-Serie, der als einer der besten Krimis aller Zeiten in mindestens zwei relevanten Büchern zu diesem Thema aufgelistet wird, erst jetzt das Übersetzungslicht der Welt erblickt.

Geheimnis am Weihnachtsabend / Gladys Mitchell

Pünktlich zum Herbst legt Klett-Cotta wie gewohnt einen Krimiklassiker für die Weihnachtstage neu auf. Diesmal ist es der 7te Roman mit der detektivischen Heldin Beatrice Adela Lestrange Bradley, die 1929 in Speedy Death zum ersten Mal in einem Buch von Gladys Mitchell auftauchte. Mit „Geheimnis am Weihnachtsabend“ leistet der Verlag Pionierarbeit, denn obwohl Mitchell zu den äußerst beliebten Krimiautorinnen des Goldenen Zeitalters gehört, ist sie bei uns völlig unbekannt und wurde auch nach ihrem Tod in England eher vernachlässigt. Liest man das vorliegende Werk, wird jedem einleuchten, warum das so ist.

Very British: Endeavor

Colin Dexters Inspector Morse ist in Großbritannien zu einem Phänomen geworden. Die Originalserie ist aus unerfindlichen Gründen bis heute nicht synchronisiert worden (das Prequel und das Sequel aber schon), und zog – wie das immer so ist – die bereits sehr guten Buchverkäufe weltweit noch einmal kräftig nach oben (außer natürlich in Deutschland), so dass Morse zeitweilig sogar zu einer echten Gefahr für das Heiligtum Sherlock Holmes wurde.

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