Merlin (Die Blaupause aller Zauberer)

Wer immer von euch da draußen Gandalf auf der Leinwand verfolgt hat (oder, noch besser, bereits in den Büchern), der sieht niemand anderen als Merlin. Selbiges lässt sich über Morpheus aus der Matrix-Trilogie sagen, über Obi Wan aus Star Wars, Dumbledore in den Harry-Potter-Romanen – um nur einige zu nennen, denn diese Liste ist lang und sie wächst beständig.

Merlins wiederkehrende Präsenz in der Science-Fiction und Fantasy zeugt von der Bedeutung dieser Figur für die Entwicklung moderner Mythen sowie von der hohen Relevanz in der modernen Popkultur. Er ist die Blaupause zumindest der meisten Zauberer.

Merlins Ursprung

Die meisten Menschen haben heutzutage zumindest einmal von Merlin dem Magier gehört. Sein Name gehört zu jenen, denen man im Leben nicht entkommen kann, selbst wenn man es wollte. Dieser mächtige Zauberer wird mit vielen magischen Kräften dargestellt, einschließlich der Kraft der Formwandlung. In der Mythologie wird er als Lehrer und Mentor des legendären König Artus beschrieben. Er ist die treibende Kraft hinter Artus, damit dieser überhaupt erst König von Camelot wird.

Während diese allgemeinen Geschichten bekannt sind, standen Merlins erste Auftritte nur bedingt mit Arthur in Verbindung. Es dauerte viele Jahrzehnte (und Jahrhunderte) der Anpassungen, bis Merlin der Zauberer der Artuslegende wurde, die wir heute kennen.

Der Prophet, Seher, Magier und Zauberer ist die zweitbekannteste Figur aus der ganzen mittelalterlichen Literatur, knapp hinter König Artus selbst. Merlin ist eine Mischung aus übernatürlichen, weltlichen und religiösen Anschauungen und das Epizentrum des Übernatürlichen in der Legende um König Artus und die Tafelrunde, tief verwurzelt in vorchristlichen Traditionen und geprägt durch den christlichen Glauben. Seine Eltern waren eine menschliche Frau und eine nicht-menschliche Entität, und erst im Laufe der Zeit entwickelte sich die Figur zu dem Zauberer, den wir heute kennen. Er wird sowohl als Nebenfigur, Hauptfigur und manchmal auch als der Erzähler der Artuslegende dargestellt.

Seitdem sind viele Theorien darüber aufgetaucht, wer das Vorbild für Merlin gewesen sein könnte. Die früheste Erwähnung Merlins findet sich in Geoffrey von Monmouths „The History of Kings in Britain“, das der Gelehrte so um das Jahr 1100 verfasst haben könnte. In der keltischen Überlieferung existierte ein Krieger namens Lailoken, der während der Schlacht bei Arfderydd um das Jahr 574 verrückt wurde. Er lief davon, um im Wald zu leben, und dort entwickelte er die Fähigkeit, versteckte Ursachen zu erkennen und die Zukunft vorherzusagen. Die keltische Legende wurde nach Südwales verpflanzt, wo sie der Geschichte eines anderen Sehers namens Myrddin hinzugefügt wurde. Dessen Name leitet sich von Moridunum ab, dem alten Namen Carmarthens im Südwesten von Wales. Diese Stadt hat Monmouth zur Geburtsstätte Merlins gemacht. Dann transkribierte er den Namen Myrddin ins Lateinische (Merlinus) und verkürzte ihn auf Merlin.

Monmouth wusste nicht, wann genau Myrddin lebte, und machte Merlin in den 430er Jahren zu einem Jugendlichen, als ein Mann namens Vortigern König war. Und diese Figur war paradox, denn er war sowohl der Sohn des Teufels als auch der Diener Gottes.

In der Historia Brittonum wollte der britische König Vortigern einen Turm errichten, aber jedes Mal, wenn er es versuchte, brach er vor der Fertigstellung zusammen. Ihm wurde gesagt, dass er, um dies zu verhindern, zuerst den Boden unter dem Turm mit dem Blut eines Kindes besprühen müsste, das ohne Vater geboren wurde. Ambrosius soll ohne Vater geboren worden sein, also wurde er zu Vortigern gebracht. Ambrosius erklärt Vortigern, dass der Turm nicht auf dem Fundament getragen werden könnte, da darunter zwei kämpfende Drachen lebten, die die Sachsen und die Briten repräsentierten. Ambrosius überzeugte Vortigern, dass der Turm nur mit Ambrosius als Führer fest stehen wird, und Vortigern gab Ambrosius den Turm, der auch das Symbol des Königreichs ist. Geoffrey erzählt diese Geschichte mit Merlin als dem Kind, das ohne Vater geboren wurde, behält aber den Charakter von Ambrosius bei.

In Geoffreys Version der Geschichte gibt es einen langen Abschnitt mit Merlins Prophezeiungen, zusammen mit zwei weiteren Geschichten, die zur Aufnahme von Merlin in die Arthurianische Legende führten. Dazu gehören die Geschichte von Merlin, der Stonehenge als Grabstätte für Ambrosius schuf, und die Geschichte von Uther Pendragon, der sich in Tintagel einschlich, wo er Arthur mit Igraine, der Frau seines Feindes, zeugte. Das war das Ausmaß von Geoffreys Geschichten von Merlin. Geoffrey erzählt keine Geschichten darüber, dass Merlin als Mentor für Arthur fungiert, wofür Merlin aber heute am bekanntesten ist. Geofferys Merlin-Charakter wurde schnell populär, besonders in Wales, und von dort aus wurden die Geschichten angepasst, was schließlich zu Merlins Rolle als Arthurs Zauberer führte.

Viele Jahre nach Geoffreys Historia Regum Britanniae verfasste Robert de Boron ein Gedicht namens Merlin. Borons Merlin hat den gleichen Ursprung wie Geoffreys Schöpfung, aber Boron legt besonderen Wert auf Merlins formwandelnde Kräfte, die Verbindung zum Heiligen Gral und seine Scherze. Boron stellt auch Blaise vor, Merlins Meister. Borons Gedicht wurde schließlich in Prosa als Estoire de Merlin neu geschrieben, ein Text, der ebenfalls einen großen Schwerpunkt auf Merlins Gestaltwandlung legt. Im Laufe der Jahre durchdrang Merlin die Geschichten der Artuslegende. Einige Schriften konzentrierten sich stark auf Merlin als Mentor von Arthur, während andere Merlin überhaupt nicht erwähnten. In einigen Geschichten wurde Merlin als eine böse Gestalt angesehen, die in seinem Leben nichts Gutes tat, während er in anderen als Arthurs Lehrer gesehen wurde.

Schließlich tauchte in den verschiedenen Geschichten Merlins Sturz durch Niviane (Vivien), der Tochter des Königs von Northumberland, auf. Arthur überzeugt Niviane, mit Merlins Ermunterung, in seinem Schloss zu verweilen. Dort verliebt Merlin sich in sie. Niviane befürchtet jedoch, dass Merlin seine magischen Kräfte nutzen wird, um sie auszunutzen. Sie schwört, dass sie sich nie in ihn verlieben wird, wenn er ihr nicht all die Magie beibringt, die er kennt. Merlin stimmt zu. Merlin und Niviane brechen auf, um nach Northumberland zurückzukehren, wo sie zurückgerufen werden, um König Artus zu unterstützen. Als dem Weg zurück rasten sie in einer steinernen Kammer, in der einst zwei Liebende starben und zusammen begraben wurden. Als Merlin einschläft, wirkt Niviane in einen Zauber und fesselt ihn so an das Steingrab, wo er schließlich stirbt. Merlin hatte nie bemerkt, dass sein Wunsch nach Niviane und seine Bereitschaft, ihr seine magischen Kenntnisse beizubringen, schließlich zu seinem frühen Tod führen würden.

Von den Anfängen der Figur bis zu den Schriften von Geoffrey erschien der Zauberer in vielen nachfolgenden Geschichten, Historien und Gedichten. Heute ist Merlin am bekanntesten dafür, dass er der Zauberer ist, der den jungen Arthur unterrichtete und lehrte, bevor der zum König von Camelot wurde. Es war Merlins Rat, der Arthur zumr König machte. Während diese Legende bis heute andauert, ist es interessant, die vielen Variationen von Merlin es eigentlich gibt. Dieser kraftvolle und vielseitige Charakter erregte vor Jahrhunderten die Aufmerksamkeit vieler Menschen und spielt bis heute eine herausragende Rolle im heutigen Geschichtenerzählen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um einen Kommentar zu verfassen, müssen Sie mit den Datenschutzbedingungen einverstanden sein.