Grimscribe – Ligottis Statement

Es gibt in unserer heutigen Zeit viele, die glauben, sie verstünden sich auf den echten „Horror“, aber ob sie unter dieser Flagge schreiben oder lesen: sie täuschen sich. Täuschen sich dann, wenn sie Ligotti entweder gar nicht kennen, oder keinen Zugang zu ihm finden. In der von „Handlung“ ausgehenden Welt der modernen Veröffentlichungsfabriken hat Spannung den Schrecken als primäre Komponente des modernen Horrors abgelöst.

Geschichten in Geschichten in Scott Lynchs Gentelman-Bastard-Serie

Geschichten in Geschichten. Dies ist eine der ältesten Strukturen des Geschichtenerzählens, die bis ins alte Ägypten reichen. Allein der westliche Kanon hat – beginnend bei den Canterbury-Erzählungen über Hamlet bis zu Italo Calvons Unsichtbaren Städten – eine Fülle namhafter Werke hervorgebracht, die dem Reiz, Narrative ineinander zu schachteln, nicht widerstehen konnten. Autoren spekulativer Literatur wie Margarete Atwood oder Neil Gaiman sind ebenfalls in der Lage, diese Disziplin anzuwenden und dadurch mit einer wunderbaren Wirkung zu versehen.

Patricia Highsmith: Der Schneckenforscher

Patricia Highsmith bewegt sich ziemlich sicher in ihren psychologischen Kabinettstücken (und natürlich auch im Kriminaldrama, das hier keine große Rolle spielt), und ihre Sprache ist zwar präzise, aber nicht gerade lyrisch. Sie berichtet, anstatt zu beschreiben, und kommt auf Satzebene fast ohne Metaphern aus. Würden sich ihre Figuren nicht ständig in psychologischen Extremen bewegen, könnte man sie als flach bezeichnen.

Slade House / David Mitchell

Mitchell ist ein Autor, der seine Geschichten gerne faltet, für den die Wirklichkeit nicht von Zeiten und Räumen dominiert wird. Aber diese “Faltungen” sind immer auch Erlebnisfragmente der Protagonisten, die hier verdichtet werden.

Für die Mitchell-Kenner gibt es gleich zu Beginn eine Begegnung mit der “mondgrauen” Katze, die bisher in jedem Buch auftaucht, aber diesmal ist sie tot, die Augen von dicken Fliegen besiedelt. Die Nachricht ist klar: Hier gibt es keine Hilfe, niemand wird kommen, um den Tag zu retten.

Slipstream

Kommen wir nun zu einer merkwürdigen Geschichte, die als Slipstream begann, die New Wave Fabulists unter ihren Mantel nahm, die Postmodernisten sowieso, und heute mit dem gleichermaßen irreführenden Begriff New Weird einen neuen Anlauf nimmt. Keiner der aufgeführten Begriffe ist eine wirkliche Genrebezeichnung, die man noch um Surrealismus und Bizarro Fiction erweitern könnte, ohne den Kern zu treffen.

Der polnische Boxer / Eduardo Halfon

„Der polnische Boxer“ ist eine kleine Sammlung miteinander verbundener Geschichten des guatemaltekischen Schriftstellers Eduardo Halfon. Diese Offenbarung erschien im Jahre 2014 fast unbemerkt im Hanser Verlag. Überraschend daran mag vor allem sein, dass es bereits Halfons zehntes Buch ist, aber das erste, das übersetzt wurde. Das Original erschien bereits 2008.

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