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Mister Spock: Logisch, dass solch ein Kerl fasziniert

(c) Paramount Home Entertainment

Die NASA nannte ihn Inspiration. Ein großes Wort für eine fiktive Figur. Aber mein Reden. Ich nenne ihn auch so, weil es selbst in bescheidenem Sinne passt. Schlicht und direkt gesprochen, nur Inspiration. Das reicht für einen ungelenken Hofknicks. Bloß nicht zu viel Trara. Mr. Spock würde eine logische Huldigung bevorzugen. Wenn überhaupt. Wie die vernünftig praktiziert werden könnte? Ich schätze mal, das nicht zu erkennen. Und bin mir zumindest in dem Punkt klar, dass solch eine nutzlose Antwort ihm missfallen würde. Weil er da ganz speziell ist. Wissender. Sehr viel schlauer. Kreativer. Einfach besser. Und überhaupt:

“Schätzen entspricht nicht meiner Natur.”

Klingt ziemlich versnobt, macht auch misstrauisch, wenn jemand das sagt, der recht irdisch am Tresen hockt und Tatoo-Tony heißt. Bei S’chn T’gai Spock, der sich diese gewisse Überheblichkeit nicht nur erlauben, sondern sie auch beweiskräftig untermauern kann, sieht das völlig anders aus.

Verstand als Allmacht

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Da wird ehrfurchtsvoll genickt. Wenn dieser weltberühmte Vulkanier, Spock-Darsteller Leonard Nimoy (1931 – 2015) personifiziert und no way out, dem die phantastischste aller Verbeugungen vor grenzenlosem Verstand als Allmacht gilt, ohne eine Mine zu verziehen verkündet…

“Alles, was ich kenne, ist Logik.”

…dann ist da nichts, das als gescheite Erwiderung einen Sinn ergeben würde. Mr. Spock. Master of genius, spirit of science. Begründer einer Meinungs-Meute, die FASZINIEREND zum elitären Schlachtruf erkor. Sein Wort. Feststellung für alles, was interessant erscheint. Das kann auch etwas ganz Furchtbares, Erschreckendes, Unfassbares, Unerwartetes sein. Es fasziniert. Und Punkt.

Spock. Unser Mann, irgendwo da ganz oben. Erster und wissenschaftlicher Offizier an Bord der Sternenflotte USS Enterprise, geboren 2230 auf dem Planeten Vulkan, Sohn einer menschlichen Mutter (Amanda Grayson) und eines Vulkaniers (Sarek), Elite-Absolvent der Sternenflotten-Akademie gegen den Willen des dominantenen Vaters, der als Botschafter bei der Weltraum-Föderation Höheres mit dem hochbegabten Spock plante. Der freilich wollte frei fliegen. Frei denken. Leitsatz (einer von genial vielen):

„Ohne Kreativität gibt es keine Entwicklung.“

Spock liegt die Wiedervereinigung von Vulkaniern und Romulanern am Herzen. Besser: Im Kopf. Er hat spitz zulaufende Ohren, kann die Augenbraue so magisch-arrogant hochziehen, wie nur meine Mutter es beinahe genau bestechend scharf vermochte, und grünes Blut fließt durch seine Adern. Völlig normal, da das Sauerstoffträgerpigment bei den Vulkaniern auf Kupfer basiert und nicht auf Eisen wie beim Menschen.

Spock grüßt nach Vulkanierbrauch. Den haben wir uns einverleibt, wird sind verschworen, wir sind durch den Kosmos Gereiste. Der Gruß: Die rechte Hand erheben, zwischen gespreiztem Mittel- und Ringfinger ein V bilden und eventuell den Augenblick absoluten Einverständnisses nutzen, indem die über allem stehenden Worte gesprochen werden:

„Lebe lang und in Frieden.“

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Erdacht haben soll sich den Gruß, den wir uns alle abgeguckt und aufbewahrt haben wie ein besonderes Stück aus Großmutters Schmuckkiste, Leonard Nimoy selbst, der in einem jüdisch-orthodoxen Elternhaus aufgewachsen ist. Er beruht auf der jüdischen Geste bei Priestern während der Segnung. Gleichsam erfunden hat Nimoy, der den blitzgescheiten, unterkühltenVulkanier Spock erstmalig von 1966 bis 1969 (79 Episoden) in der US-amerikanischen Fernsehserie „Star Trek“ , – Enterprise bei uns, Startschuss am 27. Mai 1972, ARD – , wie seinen eigenen intergalaktischen Zwilling verkörperte (so schien es, so war es!), den „Vulcan mind meld“, eine Art Gehirn-Verschmelzung.

Gehirn kurzschließen

Gern und natürlich erfolgreich praktiziert mit good will bei Freunden in Not und vor allem bei verstockten Übeltätern, Mitwissern, Spionen, Klingonen, die freiwillig nicht auspacken wollen: Spock ergreift den Kopf seines Gegenübers, legt seine Finger auf dessen Schläfe und schließt mit geschlossenen Augen sozusagen das Gehirn kurz. Perfekte Methode.

Die Serie „Star Trek“ schlug anfangs im Herkunftsland nicht unbedingt wie eine Bombe ein. Zweifellos gewöhnungsbedürftig, da innovativ und ergo mit Skepsis bedacht, entwickelte sich die von Gene Roddenberry erdachte Geschichte dann aber in ein grenzenloses, phantastisches Abenteuer, an dem wir, die Trekkies lebendiger Vergangenheit, die noch gar nicht wussten, welch einer Riesen-Gemeinde sie einmal angehören würden, teilgenommen haben mit dem Bewusstsein, dass es so verdammt richtig ist, das alles zu kennen. Und zwar von Anfang an. Das hier sprechen wir im Schlaf mit:

„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“

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Wir schreiben das 23. Jahrhundert. Die Erkundung des Weltraums und der Kontakt mit außerirdischen Lebensformen gleichwohl friedlicher als auch feindlicher Natur gehört zum Arbeitsalltag der Crew des Raumschiffs Enterprise von der Vereinten Föderation der Planeten. Captain James Kirk und seine Mannschaft bilden ein Vorzeige-Team, klammert man mal aus, dass irgendwelche Verräter immer klammheimlich mit an Bord sind. Kirk’s Stamm-Leute freilich sind ehrbare Oberliga. Und allen voran ist es Spock, der die Dinge mit seinem rationalen Wesen als analytisches Genie so exakt auf den Punkt bringt, dass man als kleiner Geist, der man ist, einfach nur bestätigen möchte, sollte. Muss.

„Logik ist der Anfang aller Weisheit. Nicht das Ende.“

Spock, grundsätzlich der Exot am Offizierstisch, – mit den Jahren kommen andere seltsame, außergewöhnliche Kollegen hinzu – , ist nicht völlig abgekehrt von jeglicher Emotionalität. Da seine Mutter menschlich war, lässt er gewisse, in der bestimmten Situation auch notwendige Gefühle zu.

Wenn er denn „menschelt“

Das sind seltene und auch kostbare Momente insbesondere für den Bordarzt Dr. McCoy, dessen klares humanistisches Weltbild und, simpel gesagt, von Herzen kommende Anteilnahme am Geschehen bei Spock auf Kontroverse stößt. Oft ist das recht amüsant, wenn der Eisblock ein wenig schmilzt. Und so herrlich sympathisch wirkt, wenn er tatsächlich mal verloren geht, von Captain Kirk aufgespürt wird und per Funkkontakt „menschelt“.

“Käpt’n, …” – “…ich mache gerade eine angenehme Erfahrung. Sie ist eng damit verbunden, ihre Stimme zu hören.”

Leonard Nimoy, der den Spock mit zeitlichen Unterbrechungen 47 Jahre lang spielte, – zuletzt 2013, zwei Jahre vor seinem Tod, in J.J. Abrams Star-Trek-Neustart der legendären Story -, sagte nach Erscheinen seiner zweiten Autobiografie „I am Spock“ (1995), er sei vereint mit der Persönlichkeit seiner außerordentlichen Filmfigur. Er sei selbst logischer, rationeller und nachdenklicher geworden, und sein anfangs angespanntes Verhältnis zur Rolle, das Thema seiner ersten Buch-Veröffentlichung „I am not Spock“ (1975) war, wäre längst schon ein brüderliches im Geiste. Starke Worte. Einsichtig. Weitsichtig. Wie eben dieses:

Ich widerspreche Intellekt ohne Disziplin, ich widerspreche Macht ohne konstruktives Ziel.

Das klingt schon wirklich sehrsehrsehr klug. Gehört zur vulkanischen Philosophie, die da lautet: UMUK = Unendliche Mannigfaltigkeit in Unendlichen Kombinationen( im Original IDIC = Infinite Diveristies in Infinite Combinations) Gemeint ist die Offenheit des Vulkanier gegenüber anderen Spezies und Kulturen, und diese Toleranz, so erklärten viele Spock-Fans auf aller Welt in memoriam Leonard Nimoy, hätte der berühmte Vulkanier ihnen beigebracht. Gleichwohl wollen sich so manche durch ihn inspiriert haben lassen, an der Uni einen eigenen wissenschaftlichen oder philosophischen Weg einzuschlagen. Wenn’s denn so ist und war, gilt das als totales Prädikat für Spock, wohl auch Symbolfigur für einige schräge, etwas abgedrehte, aber allemal clevere und cleverste Personen unter uns. Ur-Nerd Sheldon Cooper aus der Ur-Knall-Erfolgs-Sitcom Big Bang Theory verehrt Spock mit (über-)irdischer Hingabe.

Leonard Nimoy machte die Star-Trek Figur Spock, präsent in sechs Serienstaffeln, dreizehn Kinofilmen, zahlreichen Comics und sogar auf Schallplatten (“Leonard Nimoy presents Mr. Spock’s Music from Outer Space”), zu einem Mythos der ganz speziellen Art. Einfach faszinierend ist das. Eben. Bleibt auch so. Und das hier nehmen wir zum Abschied nicht ganz so wörtlich.

Wenn ich ein Mensch wäre, wäre meine Antwort mit großer Wahrscheinlichkeit: ‚Fahrt zur Hölle!‘. Wenn ich ein Mensch wäre …… .

Wir sind ja gar nicht gemeint. Gute Reise, Spock.

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