Matt Wagners großes Projekt besteht aus einer Idee, die sich von Wirt zu Wirt bewegt und dabei die gesamte Zukunft der Menschheit durchquert
Das Böse als Idee

Unter den Figuren dieser Dokumentationsreihe ragt Grendel als das wohl radikalste konzeptionelle Experiment hervor. Grendel ist mehr ein Prinzip als eine Person, verkörpert weder den Helden noch den Schurken, sondern erscheint als eine Art Geist des Bösen, der von Mensch zu Mensch und von Epoche zu Epoche wandert. Dabei prägt er nicht nur jene, die ihn aufnehmen, sondern wird gleichzeitig auch von ihnen geprägt. So entfaltet sich eine Erzählung, die sich über Jahrtausende hinweg spannt, von der Gegenwart bis in eine ferne und düstere Zukunft.
Matt Wagners Grendel hatte 1982 einen Kurzauftritt im Comico Primer #2, einer Anthologie des kleinen Verlags Comico Comics, in der unbekannte Autoren ihre Figuren vorstellten. Der erste Eindruck war wenig berauschend: ein in Schwarz gekleideter Killer mit einer zweiköpfigen Gabelwaffe, der nachts Verbrechen beging. Es deutete wenig darauf hin, dass aus diesem Auftritt eines der ambitioniertesten Comicprojekte der amerikanischen Indie-Geschichte werden würde. Das wusste selbst Wagner zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Der Name
Grendel ist der Name des monströsen Wesens aus dem altenglischen Epos Beowulf. Dieses Geschöpf aus dem Moor terrorisiert die Halle von König Hrothgar, bis es schließlich von Beowulf besiegt wird. Wagner wählte diesen Namen mit Bedacht. Sein Grendel stellt, ähnlich dem Original, ein Wesen dar, das am Rande der Gesellschaft steht und die menschliche Ordnung von außen bedroht. Während der Grendel in Beowulf ein zerstörerisches Monster ist, das ausgelöscht werden muss, sieht Wagner in seiner Version eine ungreifbare Kraft. Diese kann nicht vernichtet werden, da sie keine konkrete Person ist, sondern eine potenzielle Möglichkeit, die tief verborgen in jedem Menschen schlummert.
Matt Wagner, der Langstreckenläufer des Indie-Comics
Matt Wagner – Schöpfer, Autor, Zeichner
Bereits als Student begann Wagner mit der Arbeit an Grendel, ein Projekt, das zunächst unfertig und tastend wirkte, geprägt von einem ausgeprägten Gespür für Dunkelheit, das seiner technischen Reife noch voraus war. Was Wagner jedoch von anderen unabhängigen Autoren seiner Generation abhob, war seine Ausdauer und die Bereitschaft, ein langfristiges Werk zu schaffen: Über Jahrzehnte widmete er sich diesem Projekt, ließ einzelne Epochen von anderen Autoren und Zeichnern gestalten und behielt dennoch die konzeptionelle Leitung. So erschuf er ein umfassendes Universum, das sich über die gesamte Zukunft der Menschheit erstreckt.
Die Comico-Ära im Kontext der Indie-Comics von 1982
Comico Comics war Teil einer aufstrebenden Welle kleiner, unabhängiger Verlage, die Anfang der 1980er Jahre durch das Direct-Market-System an Bedeutung gewannen. Dieses Vertriebsnetz, das sich auf spezialisierte Comicläden fokussierte, ermöglichte es Verlagen, unabhängig von den herkömmlichen Vertriebswegen an Zeitungskiosken zu operieren. Neben Comico gehörten auch Verlage wie Pacific Comics und Eclipse Comics zu diesem Trend. Dank dieser neuen Struktur konnten innovative Werke wie Wagners Grendel oder später Kirkmans Invincible entstehen, die in der traditionellen Verlagswelt kaum eine Chance gehabt hätten.
Wagners Entwicklung als Autor über die Grendel-Jahrzehnte hinweg ist eine Geschichte für sich, die es verdient, erzählt zu werden. Der frühe Wagner arbeitete noch an den Hunter-Rose-Geschichten, gezeichnet in einem manchmal hastig wirkenden Schwarzweiß. Hier war noch die Energie und Direktheit zu spüren, die in seiner reiferen Phase manchmal verloren geht. Der spätere Wagner, der die Kontrolle an andere Autoren abgab und selbst nur noch als konzeptionelle Instanz fungierte, zeigte eine in der Indie-Comicwelt seltene Souveränität: die Bereitschaft, das eigene Kind loszulassen, damit es wachsen kann.
Der erste Wirt

Hunter Rose ist die Figur, mit der Grendel beginnt, und für viele Leser ist er DER Grendel, obwohl er nur einer von vielen Trägern dieses Namens ist. Rose ist ein Wunderkind: hochbegabt, schön, mit einer Eleganz, die an Oscar Wilde erinnert, und einem Humor, der niemals nachlässt, selbst dann nicht, wenn er tötet. Er ist Schriftsteller, wird gefeiert und gelesen und ist Teil der Gesellschaft. Nachts ist er Grendel, der gefürchtetste Verbrecherkönig der Stadt. Er kämpft mit einer Zweizackwaffe und zwingt dem Verbrechenssyndikat der Stadt seine eigene Ordnung auf.
Was Hunter Rose zu einer der spannendsten Figuren des amerikanischen Comics macht, ist die Absolutheit seiner Widersprüche. Er ist kein Mensch, der nachts zum Verbrecher wird, er ist beides gleichzeitig, ohne Kompromisse. Der Schriftsteller Hunter Rose ist genauso real wie der Verbrecherkönig Grendel. Beide sind er. Und beide zusammen sind etwas, das das Böse durch seine Intelligenz verkörpert.
Hunter Rose · Das Paradox
Er verfasste Bücher über die menschliche Natur. Niemand begriff sie so tiefgehend wie er. Doch er nutzte dieses Wissen, um zu töten. Seine Einsicht in das Gute machte ihn nicht zu einem besseren Menschen. Im Gegenteil, sie machte ihn noch gefährlicher.
Die wichtigste Beziehung in Hunters Leben ist die zu Stacy Palumbo, einem Mädchen, das er adoptiert hat und das er so sehr liebt, wie er eben kann. Letztlich ist es Stacy, die sein Ende herbeiführt. Stacy entdeckt, wer Hunter wirklich ist und versucht, ihn zu verraten. Und Hunter, der sonst alles kontrolliert, trifft auf etwas, das er nicht kontrollieren kann: echte menschliche Zuneigung, die sich gegen ihn wendet. Er stirbt durch das Einzige, das er je liebte. Das ist in seiner Tragik ein Stoff, den die griechische Dramatik nicht eleganter hätte konstruieren können.
Grendel als Idee
Was Grendel von allen anderen Figuren dieser Dokumentationsreihe unterscheidet, ist die konzeptionelle Prämisse, die Wagner im Laufe der Serie entwickelte. Grendel ist kein Mensch. Er ist ein Geist, eine Idee des Bösen, eine Kraft, die Träger sucht und findet, von jedem Träger Besitz ergreift und ihn verändert. Nach dem Tod oder dem Scheitern des Wirts geht sie zum nächsten über, in die nächste Epoche.
Diese Prämisse ermöglichte Wagner etwas, das im Superhelden-Genre strukturell unmöglich ist, nämlich eine Geschichte zu erzählen, die sich über Jahrhunderte erstreckt, ohne an eine einzige menschliche Figur gebunden zu sein. Hunter Rose ist Grendel in den 1980ern. Christine Spar ist Grendel in einer nahen Zukunft. Brian Li Sung ist Grendel kurz danach. Eppy Thatcher ist Grendel in einer anderen Form. Und in den Zukunftsepochen des Grendel: War Child und Grendel: Devil by the Deed-Zyklus ist Grendel zu einem politischen System, zu einer Weltreligion, zu einer planetarischen Kraft geworden.
Wagner stellte die Frage: Was, wenn das Böse kein einzelner Schurke ist, den man einfach besiegen kann? Was, wenn es sich um eine Idee handelt; und Ideen nicht mit dem Tod derjenigen verschwinden, die sie erschaffen haben?
Das ist also eine Frage, die das Superhelden-Genre strukturell vermeidet, da es auf der Annahme basiert, dass das Böse durch Personen verkörpert wird, die besiegt werden können. Grendel aber sagt: Vielleicht ist das Böse eine in der menschlichen Natur liegende Möglichkeit, die sich jeden Träger sucht, den sie braucht. Das ist eine pessimistische Weltanschauung, die Wagner auch nicht verschönt.
Von der Gegenwart in die Zukunft der Menschheit
Hunter Rose
Erster Wirt · Gegenwart
Verbrecherkönig, Schriftsteller, Wunderkind. Die reinste und eleganteste Inkarnation. Wagner zeichnet selbst.
Eppy Thatcher
Vierter Wirt
Ein Priester, der zur Gewalt gezwungen wird. Grendel als religiöses und moralisches Trauma. Wagner beginnt, die Idee kosmisch zu dehnen.
Christine Spar
Zweiter Wirt · Nahe Zukunft
Hunters Enkelin, Journalistin. Sie nimmt die Maske auf, um ihren entführten Sohn zu finden. Grendel als Reaktion auf Verlust – und als Falle.
Orion Assante
Ferner Wirt · Zukunft
Ein Politiker, der Grendel als Machtprinzip übernimmt. Grendel als politische Ideologie, das Böse institutionalisiert sich und wird zu dem, was wir heute kennen.
Brian Li Sung
Dritter Wirt
Christines Geliebter, der die Maske gegen seinen Willen übernimmt. Grendel als Fluch, als unfreiwillige Übertragung.
Grendel Prime
Fernste Zukunft
Ein kybernetischer Kämpfer in einer Welt, in der Grendel zur Weltreligion wurde. Das Böse als System, als Zivilisation, als das Einzige, was bleibt.
Die Reise durch diese unterschiedlichen Epochen bildet das zentrale Element von Wagners Werk und hebt sich hinsichtlich ihrer strukturellen Kühnheit von allem ab, was im amerikanischen Comic zu finden ist. Wagner zeigt, wie sich Grendel im Laufe der Zeit von einer individuellen Manifestation von Brillanz und Gewalt über ein dynastisches Vermächtnis hin zu einer politischen Ideologie und schließlich zu einer globalen Religion wandelt. Jede dieser Transformationen bietet eine tiefgehende Reflexion über die Natur des Bösen. Sie veranschaulicht, wie das Böse an wahrnehmbarer Bedrohung verliert, sobald es in Institutionen eingebettet wird, wie es an Grazie einbüßt, wenn es immer mehr Macht erlangt, und letztlich, wie es zu einer allumfassenden Struktur wird, die niemand mehr als böse erkennt, schlicht weil sie zur einzigen verbliebenen Realität geworden ist.
Das Werkzeug

Grendels Waffe ist eine zweiköpfige Gabel, auch Bident genannt. Sie ist mit Neptuns Dreizack verwandt, jedoch asymmetrisch und somit eine Waffe der Wendigkeit statt der Kraft. Sie ist das visuelle Erkennungszeichen der Figur durch alle ihre Inkarnationen. Hunter Rose trägt sie mit der Eleganz eines Fechters, Christine Spar mit der Verzweiflung einer Suchenden und Grendel Prime mit der Mechanik eines Kriegers. Dieselbe Waffe, drei völlig verschiedene Arten, sie zu halten.
Die Wahl des Bidents ist keine zufällige Ästhetik. Sie verbindet die Figur mit einer sehr alten Tradition der Unterwelt-Symbolik: Der Dreizack gehört Poseidon, dem Herrn des Meeres. Der Bident gehört Hades, dem Herrn der Untoten. Grendel ist damit visuell in einer Mythologie des Todes und der Unterwelt verankert, die Hunter Roses elegante Oberfläche untergräbt. Er ist in der Tiefe, ein Wesen des Todes.
Schwarzweiß als Moral und Farbe als Verfall
Die frühen Geschichten von Grendel, in denen Matt Wagner selbst die Schwarzweiß-Zeichnungen für Hunter Rose anfertigte, spiegeln eine klare, kontrastreiche Welt wider. In dieser Realität sind die Moralvorstellungen eindeutig. Schwarz und Weiß stehen dabei für das Böse und das Andere, für Eleganz und Brutalität. Ein Zwischenbereich existiert hier nicht, Grautöne fehlen vollständig.
Mit dem narrativen Fortschreiten der Serie und dem Wechsel zu zukünftigen Epochen ändert sich jedoch nicht nur die Farbpalette, sondern auch das moralische Gefüge. Die neue Ästhetik ist farbig, aber keineswegs lebendig. Stattdessen dominieren gedämpfte, industrielle Töne und hin und wieder ein schockendes Rot. Die Welt, in der Grendel zur Weltreligion geworden ist, vermittelt den Eindruck von erstorbener Vitalität, einer Existenz also, die nicht mehr lebt, sondern nur noch mechanisch funktioniert.
Dies ist eine der subtilsten Aussagen Wagners über die Natur des Bösen. In seiner reinsten Form, verkörpert in Hunter Rose, hat es eine ästhetische Schärfe, die verführt. Wird es jedoch institutionalisiert und zu einer Religion oder einem politischen System, verliert es diese Schärfe, und gewinnt dabei eine Unentrinnbarkeit, die schlimmer ist als alle Eleganz.
Die zweite Trägerin

Christine Spar ist Hunters Enkelin, allerdings nicht biologisch, sondern durch Stacy Palumbo, das Mädchen, das Hunter adoptiert hatte und nach dessen Tod ebenfalls adoptiert wurde. Sie ist Journalistin, hat ein Kind und lebt ein normales Leben. Doch dann verschwindet ihr Sohn, entführt von einem Vampir-Entertainerkult in einer nahen Zukunft, in der solche Dinge existieren.
Christine findet Hunters Waffe, seine Aufzeichnungen und das Kostüm. Und sie entscheidet sich, es anzulegen, weil sie ihr Kind zurückwill. Das ist Wagners eleganteste Aussage über die Übertragbarkeit des Bösen. Es braucht keine Korruption, keine Gier und keine Bösartigkeit. Es braucht nur genug Verzweiflung. Grendel wartet auf den Moment, in dem jemand bereit ist, alles zu tun, und dann ist es bereits zu spät.
Christine findet ihr Kind, verliert dabei jedoch sich selbst. Ihre Geschichte gipfelt in der Frage, was bleibt, wenn man das Werkzeug des Bösen einsetzt, um Gutes zu erreichen: eine Frau, die nicht mehr weiß, wer sie ist, weil Grendel inzwischen ein unverzichtbarer Teil von ihr geworden ist. Es ist die emotionalste und menschlichste Erzählung des gesamten Grendel-Zyklus, denn im Gegensatz zu Hunter Rose hat Christine niemals bewusst entschieden, böse zu sein.
Die Quellen des Bösen
Grendel sitzt an einer Kreuzung mehrerer literarischer Traditionen, und Wagner hat keine von ihnen verschleiert. Der Name selbst verweist auf Beowulf, das älteste überlieferte Epos der englischen Literatur, in dem Grendel das Monster ist, das von außen kommt und die menschliche Ordnung zerstört. Wagners Grendel invertiert das. Sein Grendel kommt nicht von außen, er kommt von innen. Das Monster ist nichts Fremdes, es ist eine menschliche Möglichkeit.

Die Verbindung zu Nietzsche bleibt unausgesprochen, ist jedoch strukturell deutlich spürbar. Hunter Rose verkörpert den Übermenschen im Sinne Nietzsches, jenseits herkömmlicher Moralvorstellungen, ausgestattet mit einer außergewöhnlichen Stärke und Intelligenz, die allen gängigen Maßstäben entwachsen. Wagners Zyklus zeigt dabei auf, welche Folgen es hat, wenn der Übermensch institutionalisiert wird. Er verfällt zum System, verliert seine Individualität und verwandelt sich in eine Ideologie. Für Nietzsche wäre dies wohl ein Verrat an seinem Konzept gewesen. Wagner hingegen betrachtet es als unausweichliche Konsequenz.
Die Verbindung zu Miltons Satan, dem elegantesten und überzeugendsten personifizierten Bösen der englischsprachigen Literatur, ist bei Hunter Rose am deutlichsten spürbar. Wie Miltons Satan ist Hunter Rose von einer Intelligenz und einem Charisma, die den Leser verführen, auf seiner Seite zu stehen. Damit entsteht ein ähnliches Unbehagen wie bei Milton. Wenn das Böse so überzeugend ist, was sagt das über den Leser aus, der es bewundert?
Das Böse als System
Grendel ist im amerikanischen Comic ein besonders überzeugendes Beispiel dafür, dass das Böse nicht an eine einzelne Person gebunden ist. Diese These stellt das Genre auf den Kopf, denn wenn das Böse keine Person darstellt, kann man es nicht direkt besiegen. Stattdessen kann es nur erkannt, verstanden und womöglich daran gehindert werden, sich weiterzuverbreiten.
Wagner entwickelte dieses Argument über vier Jahrzehnte hinweg mit einer Konsequenz, die im Indie-Comic einzigartig ist. Er ließ das Böse wachsen, sich institutionalisieren und zur Religion sowie zur planetarischen Kraft werden. In Devil’s Odyssey lässt er es schließlich als letzten Repräsentanten einer ausgestorbenen Spezies ins Universum hinaus, auf der Suche nach einem neuen Planeten, den es heimsuchen kann. Das ist eine Trauergeschichte darüber, was von der Menschheit übrig bleibt, wenn man das Böse bis zum Ende denkt.
Dass Grendel nie den kommerziellen Durchbruch im Mainstream schaffte, ist keine Überraschung. Wir haben hier eine Figur, die von einem kleinen Verlag stammt, bei einem anderen kleinen Verlag fortgesetzt, nie verfilmt, nie Teil einer Animationsserie war und nie von einem der großen Verlage übernommen wurde. Sie existiert in dem Raum, den Image Comics für Spawn, Fantagraphics für seine Literaturcomics und das Indie-System generell für kompromisslose Werke freihält.
Das Böse sucht immer weiter
Hunter Rose liegt längst unter der Erde. Christine Spar ist gestorben. Brian Li Sung ist fort. Ein Wirt nach dem anderen hat seinen Weg beendet, und Grendel hat sich immer weiterentwickelt, hat sich verändert, hat sich zu einer Institution erhoben, hat Religionen, Kriege und ganze Zivilisationen überdauert. Schließlich hat das Wesen den Planeten verlassen, um im Universum nach einem neuen Ort zu suchen, an dem es wieder sein kann, was es stets war: eine lauernde Möglichkeit.
Matt Wagner startete 1982 als Student damit, einen coolen, schwarz gekleideten Killer zu zeichnen. Was er über die nächsten vier Jahrzehnte hinweg erschuf, ist ein Werk von beeindruckender Konsequenz, das im Independent-Comic-Bereich seinesgleichen sucht. Es stellt das wohl tiefgründigste und gleichzeitig düsterste Argument über die Natur des Bösen dar, das das Medium je hervorgebracht hat. Dabei gelingt es ihm, diese Thematik in einer Form zu präsentieren, die unterhält, fasziniert und letztlich beängstigt, nicht zuletzt, weil Grendel so erschreckend überzeugend ist.
Das ist das Paradox, mit dem Wagner von Anfang an arbeitete und das er nie auflöste: Das Böse ist faszinierend. Das ist sein Werkzeug. Und wer es faszinierend findet, hat bereits ein Stück davon in sich.