The Split / The Manster

Man stelle sich einen Mann vor.

Dieser Mann hat vermutlich ein Problem mit der Körperhygiene, denn er kratzt sich auffallend oft an der rechten Schulter.

Irgendwann erscheint ihm das selbst nicht mehr ganz geheuer, und als er dann mal vor dem Spiegel nachschaut, entdeckt er eine ovale gerötete Stelle.

Das kennen wir alle von zuhause, und so macht sich auch dieser Herr zunächst wenig Gedanken. Schliesslich wird aber aus dem lästigen Kribbeln ein heftiger Schmerz, was ihn dazu veranlasst, ein weiteres Mal nachzusehen. Was er diesmal erblickt, ist an Grauen nur schwer zu übertrumpfen, denn über dem Schlüsselbein ist ihm ein Auge aus der Schulter gewachsen.

Ich möchte die Person kennenlernen, die da cool bleiben würde.

Der Spass geht aber jetzt erst richtig los, denn dem armen Teufel wächst ein zweiter Kopf aus besagter Schulter. Das ganze gipfelt in einem grotesken Spaltungsprozess, bei welchem dem Kerl ein ein zweiter Körper gewachsen ist, der sich letztendlich ganz von ihm abspaltet.
Richtig, das ist der böse Ash.

Moment mal, falscher Film oder was?

Nein, es hat alles seine Richtigkeit, und ich will nur verdeutlichen, dass auch gefeierte Grössen wie Sam Raimi den Horror nicht erfunden haben und sich oftmals an alt hergebrachtem Stoff bedienen.

Ich gebe aber gerne zu, dass ich selbst ziemlich überrascht war, diese wohlbekannte Szene aus Sam Raimis „Armee der Finsternis“ in dieser ollen Kamelle wiederzufinden.

Im Gegensatz zu Raimis Klassiker handelt es sich bei The Manster allerdings nicht um ein paar Szenen, sondern die Verwandlung, besser gesagt Spaltung, vollzieht sich über den Film.

Worum geht es?

Der Reporter Larry Stanford ist seit Jahren schon als Auslandsreporter in Japan unterwegs. So langsam hat er die Faxen dicke,und er sehnt sich nach den Staaten, wo auch eine bildschöne Frau auf ihn wartet.

Nur eine Arbeit möchte er noch zu Ende bringen, bevor er Japan den Rücken kehrt.
Sein Ziel ist ein Bericht über die Arbeit von Dr.Suzuki, welcher irgendwo hinter den sieben Bergen (von Japan versteht sich) an einem Verfahren forscht, welches ihm ermöglicht, mittels Injektion chemischer Substanzen künstliche herbeigeführte Mutation auszulösen.

Das hört sich doch nach einem wirklich netter Kerl an, und tatsächlich ist der liebe Dr. Suzuki überaus freundlich und zuvorkommend.

Aber wir Zuschauer sind ja nicht gegen die Wand gelaufen und wissen dank Hollywood, wie hinterhältig und verschlagen Japaner und Chinesen sind. Daher verwundert es mich nicht, dass Dr. Suzuki dem Reporter auch gleich einen Drink anbietet, dem zuvor ein Betäubungsmittel beigemischt wurde.

Der liebe Doktor ist nämlich überaus begeistert von der körperlichen Erscheinung des Amerikaners (ich kenne das selbst aufgrund der bedingungslosen Huldigung meiner Fans) und hält diesen für das ideale Forschungsobjekt.
Während Larry Stanford also friedlich auf Suzukis Sofa schlummert, verpasst ihm der Doktor eine Spritze in die Schulter.

Ja, und dann geht die Juckerei los …

Man kann das noch etwas ausführlicher ausleuchten, denn es ist sicher nicht uninteressant, dass Stanford, bevor es zur endgültigen Spaltung kommt, eine drastische Wesensveränderung durchläuft. So findet er überhaupt nichts dabei, doch noch eine Weile in Japan zu bleiben, um, wie er sagt, die schönen Seiten Japans auch einmal geniessen zu können, bevor er in die USA zurückfliegt.

Im Klartext heisst das, dass er sich jeden Tag den Kittel volllaufen lässt und sich durch eine ganze Horde leichter Damen vögelt.

Vergessen ist der blonde Engel zuhause.

Nur doof, dass besagter Engel irgendwann in Japan vor der Tür steht, da Larry schon Wochen und Monate überfällig ist.

Mehr möchte ich aber nicht verraten.

(c) Lopert Picture Corporation

Ich gehe mal davon aus, dass der Film ein Budget hatte, für welches man heute bestensfalls einen Cateringservise ordern kann, aber die Geschichte mit dem Auge und dem zweiten Kopf hat man ganz gut hinbekommen. Natürlich treibt sich der Unhold meist in finsteren Ecken rum, damit man die eher bescheidene Maske nur ja nicht allzu deutlich sieht, aber das Auge in der Schulter ist klasse gemacht.

Man darf auch nicht vergessen, wie alt dieser Film ist.

Eine deutsche Synchronisation liegt wohl nicht vor, aber ich rate, sich davon nicht abhalten zu lassen, und der deutsche Untertitel ist anwählbar.

Echter Horror wird wohl nicht aufkommen, was bei so alten Filmen nicht selten ist, aber wegen des unverbrauchten Themas und der gut gemachten Umsetzung kann ich diesen Film, zumindest den Liebhabern, nur ans Herz legen.

Roland Benz

Roland Benz

Roland Benz, geb. 1971, aus dem südhessischen Darmstadt. Schreibt Horrorgeschichten und Schauerreime. Diese präsentiert er seinem Publikum im Rahmen szenischer Lesungen, unter Einsatz von Soundeinspielungen, Lichteffekten, Nebelmaschinen und Walking Acts. Er selbst sieht sich eher als Geschichtenerzähler denn als Buchautor. Der Auftritt vor Publikum bedeutet ihm mehr als das gedruckte Wort. Darüber hinaus bereitet es ihm viel Freude, sich aufwendig zu schminken und zu verkleiden, er bastelt allerlei Kostüme und organisiert Fotoshootings der gruseligen Art. Hierzu und auch für seine Lesungen hat er eine beachtliche Zahl an Freunden und Unterstützern um sich versammelt, die seine Auftritte in dieser Art überhaupt erst möglich machen. Fragt man ihn nach seinen Hobbys, wird man erfahren, dass er sich als Forschungsreisender (und Geschichtensammler) in Sachen Horror sieht. Diese Leidenschaft umfasst Bücher, Comics, Filme, Hörspiele und Games. Trotz all dieser eher düsteren Interessen, ist er ein geselliger Mensch mit einer gesunden Portion Humor, der auch über sich selbst lachen kann.

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