Fenster zum Tod / Linwood Barclay

Literatur
Barclay Fenster zum Tod

Stephen King bezeichnet FENSTER ZUM TOD (Trust Your Eyes) als „das bisher beste Buch von Barclay“, und obwohl man nie weiß, was Stephen King wirklich über ein Buch denkt, stimmt seine Aussage auf verblüffende Weise mit dem überein, was man bekommt. Das bedeutet aber nicht, dass andere Barclay-Bücher schlecht sind, auch wenn sich die Strategie gleich anfühlt. Seine Thriller beginnen mit einem mörderischen Aufhänger, bei dem gewöhnliche Leute in außergewöhnliche Abenteuer geraten.

Es ist schwierig, dieses Buch zu besprechen, ohne dem Leser alles zu verderben. Die Handlung steht nicht auf festem Boden, sondern ist im Treibsand verwurzelt, wo nichts so ist, wie es scheint. Vereinfacht gesagt handelt es sich um eine Neuinterpretation des Hitchcock-Films „Fenster zum Hof“, der auf Cornell Woolrichs Erzählung „It had to be murder“ basiert, die für unser digitales Zeitalter neu aufgelegt wurde.

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Geschichten, Mysterien und Freude

Journal

Wenn man einen Mord plant, braucht man als Erstes eine Zeitmaschine.

Keine DNA-Beweise zur Verurteilung, wenn man drei Jahrzehnte zurückgeht.

Keine Fingerabdruckspuren, wenn man 150 Jahre zurückgeht.

Natürlich gibt es auch kein Plädoyer auf Unzurechnungsfähigkeit. Keine Psychiatrie, keine Erstellung von Täterprofilen, keine Rehabilitation und nur sehr wenig Gnade. Alle Strafen waren grausam, und keine davon war ungewöhnlich.

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End of Story / A.J. Finn

Literatur

Seit seinem fulminanten Debüt haben viele von uns gespannt darauf gewartet, was A. J. Finn in seinem zweiten Roman veröffentlichen würde. Finns erstes Buch –The Woman in the Window – war in jeder Hinsicht ein Erfolg. Es eroberte die literarische Welt im Sturm und erreichte schnell den Status von Gone Girl. Es führte viele Menschen, die sich selbst als Gelegenheitsleser bezeichneten, in die Liebe zu psychologischen Thrillern und mörderischen Wendungen ein. Sein zweiter Roman erschien Anfang 2024, und ich fand, dass End of Story eine andere, aber nicht weniger spannende Richtung für Finn war. Sein erstes Buch war in jeder Hinsicht ein psychologischer Thriller mit kommerzieller Anziehungskraft, sein zweites Buch ist ein literarischer Thriller mit professioneller Planung, der Finns schriftstellerisches Talent unter Beweis stellt.

Nach dem sensationellen Erfolg seines Debüts konnte es nicht ausbleiben, dass sich Schmarotzer an seine Versen hefteten, woraus eine regelrechte Schmutzkampagne gegen ihn Fahrt aufnahm, 2019 abgedruckt im New Yorker. Das soll uns aber hier nicht interessieren, weil es tatsächlich auch uninteressant ist. Konzentrieren wir uns lieber auf ein Buch, das beweist, dass Finn eines der größten literarischen Talente der heutigen Zeit ist. Wenn Sie sich jemals gefragt haben, welche Bücher zeitgenössischer Autoren in fünfzig bis hundert Jahren als Klassiker gelten werden, dann ist End of Story mit Sicherheit eines davon.

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Die drei ??? und die Geisterinsel / Robert Arthur

Rubin

Zum ersten Mal haben die Dinge hier mehr als nur einen Hauch von Scooby-Doo an sich. Peter Shaws Vater gehört zu einer Hollywood-Filmcrew, die den besagten verlassenen Rummelplatz auf der sogenannten Geisterinsel für die Auflösung des Thrillers „Gejagt bis ans Ende der Welt“ nutzen will… Doch wer hätte das gedacht, einige Einheimische scheinen die Produktion stören zu wollen. Nicht nur, dass die Ausrüstung der Crew gestohlen und beschädigt wurde, unter den Bewohnern des sterbenden Festlandstädtchens Fishingport kursieren auch Gerüchte, dass der Geist von Sally Farrington wieder auf dem Karussell fährt, auf dem sie vor rund 20 Jahren ums Leben kam.

Der einzige Ausweg? Man schickt drei Jugendliche unter dem Vorwand, einen Kurzfilm drehen zu wollen, in die Gewässer vor der Geisterinsel, um den dort vermuteten Piratenschatz zu finden.

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Alfred Hitchcock: Der Fremde im Zug

Film & TV
Man hilf sich gegenseitig; © Warner

Einer der berühmtesten psychologischen Kriminalfilme, die Hitchcock je gedreht hat, ist zweifellos „Der Fremde im Zug“ (Strangers on a Train), die Verfilmung des ersten Romans der Krimiautorin Patricia Highsmith, die 1951 in die Kinos kam. Auch wenn der Film im Laufe der Jahre von vielen Filmwissenschaftlern als Hitchcocks bahnbrechenden Filmen wie „Vertigo“ oder „Das Fenster zum Hof“ unterlegen eingestuft wurde, blieb die fesselnde Geschichte zweier Menschen, die sich in einem Zug treffen und über die Durchführung eines perfekten Mordes diskutieren, für Filmfans in aller Welt ein beliebtes Thema für Analysen und Debatten. Was Strangers on a Train von ähnlichen Filmen selbst innerhalb des Hitchcock-Kanons unterscheidet, ist die faszinierende Idee, die im Mittelpunkt steht – das Motiv des Doppelgängers, der innere Kampf zwischen Gut und Böse in jedem Menschen – sowie die beeindruckende technische Virtuosität, an die wir uns gewöhnt haben, wenn wir über die Werke des britischen Künstlers sprechen.

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Urban Fantasy – Teil 2: Geburt eines Genres

Im vorigen Beitrag sprachen wir über die Definition der urbanen Fantasy und ihren Ursprüngen. Nun wollen wir mal sehen, wie dieses Genre entstanden ist und warum es so populär wurde. Charles de Lint, der Pionier der urbanen Fantasy Das allererste Werk der Urban Fantasy war wahrscheinlich der 1984 erschienene Roman „Moonheart: A Romance“ von Charles … Weiterlesen

Urban Fantasy – Teil 1: Die Quellen des Genres

Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen
Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen

Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 147 Urban Fantasy – Teil 1: Die Quellen des Genres
byMEP

Urban Fantasy ist ein junges, lebendiges Genre der spekulativen Literatur, das erst in den letzten Jahren zur Reife gelangt ist.

Besonders beliebt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, gibt es mittlerweile jedoch auch die sogenannte Adult Urban Fantasy. An sich ist es ein hybrides Subgenre an der Schnittstelle zwischen Fantasy, Horror, Science Fiction, Hardboiled-Krimis, Thriller und Romantik.

Was ist Urban Fantasy?

„Das Göttliche. Das Verrückte. Das Fantastische oder sogar das Spirituelle. Wie auch immer der Begriff lautet, die Menschen haben ein tiefes Bedürfnis, eine größere Realität jenseits unserer weltlichen Existenz zu erblicken.“

Diese Aussage von Damien Walter besagt, dass die urbane Fantasy das Fantastische ins Alltägliche überführt – das ist gleichzeitig auch die kürzeste Definition des Genres, die man sich denken kann. Mit anderen Worten: Die urbane Fantasy bringt Mythologie und Überlieferung in einem modernen Rahmen zur Geltung. Und es war Charles de Lint, der dieses Genre Anfang der 90er mit ins Leben rief.

Urban Fantasy ist ein junges, lebendiges Genre der spekulativen Literatur, das erst in den letzten Jahren zur Reife gelangt ist.

Besonders beliebt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, gibt es mittlerweile jedoch auch die sogenannte Adult Urban Fantasy. An sich ist es ein hybrides Subgenre an der Schnittstelle zwischen Fantasy, Horror, Science Fiction, Hardboiled-Krimis, Thriller und Romantik. Man könnte auch sagen, dass die urbane Fantasy ein Liminalgenre ist und dort zur Blüte gelangt, wo sie sich mit anderen Genres trifft, an der Grenze zwischen Alltäglichem und Phantastischem, Natürlichem und Übernatürlichem, zwischen Technik und Magie. Jede dieser Geschichten beinhaltet einige übernatürliche Wesen und / oder Menschen mit magischen Fähigkeiten, die ihre Wurzeln aber immer auch in der Realität haben.

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Acht perfekte Morde (Peter Swanson)

Literatur

Lassen wir uns nicht von der allgemeinen Welle der immergleichen lustlos hingebastelten Cover nicht täuschen, die leider auch dieses Buch getroffen hat (weshalb ich lieber das Original genommen habe, auch wenn das nun auch keinen Preis verdient).

Der Plot ist nämlich wie geschaffen für Bücherwürmer: Ein Buchhändler wird vom FBI angeheuert, um als Experte eine Reihe von rätselhaften Morden zu lösen. Als Malcolm Kershaw vor Jahren als neuer Buchhändler in einer auf Krimis spezialisierten Buchhandlung in Boston anfing, wurde er von seinem damaligen Chef gebeten, auch Inhalte für den Blog des Ladens zu erstellen. Als langjähriger Leser des Genres beschloss Malcolm, einen Blogbeitrag zu verfassen, in dem er acht perfekte Morde aus der Kriminalliteratur auswählte, von Verbrechen, die von Agatha Christie und Ira Levin bis hin zu Patricia Highsmith und Donna Tartt konzipiert wurden. Seine Liste blieb weitgehend unbeachtet – aber er hatte auch nicht damit gerechnet, dass ein Buchladen-Blog im Internet viel Aufmerksamkeit erregen würde. Stellen Sie sich also vor, wie überrascht Malcolm ist, als Jahre später, an einem verschneiten Tag in Boston, eine FBI-Agentin vor der Tür der Buchhandlung steht.

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Graham Moore: Der Mann, der Sherlock Holmes tötete

Literatur
Der Mann, der Sherlock Holmes tötete

Sherlock Holmes ist ein nimmermüde werdendes Thema, das hat vor einigen Jahren die großartige BBC-Modernisierung hinlänglich bewiesen (gegenwärtig macht auch Alice (aus dem Wunderland) wieder ein paar Fortschritte). Die Zahl der „Leichenfliegen“, wie ich jene Autoren nenne, die sich einer Figur annehmen und ihr Schindluder damit treiben, ist Legion. Die können wir – abgesehen von Horowitz, der tatsächlich die legitimen neuen Sherlock-Holmes-Fälle vorgelegt hat, aus unserem Gedächtnis streichen.

Graham Moore freilich geht einen anderen Weg und präsentiert uns Conan Doyle höchstselbst, denn schließlich ist er der Mann, der Sherlock Holmes umgebracht hat. Der Originaltitel lautet The Sherlockian, und ausnahmsweise finde ich hier den deutschen Titel etwas besser, weil er sprechend ist. Tatsächlich ist ein Sherlockianer der Protagonist des zweiten Erzählstranges.

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Die Morde von Pye Hall / Anthony Horowitz

Literatur

Ich wünschte wirklich, es gäbe eine Atticus-Pünd-Reihe, denn die, die wir in diesem Buch vorgestellt bekommen, war absolut wunderbar. Ich würde liebend gerne den Rest der Serie lesen, wenn es sie denn gäbe.

Die Morde von Pye Hall

Was wir jedoch haben, ist das letzte Buch der (fiktiven) Reihe, eingebettet in eine Rahmenhandlung über den Tod des (ebenfalls fiktiven) Autors dieses (fiktiven Buches) und die vielen, vielen Arten, in denen die Kunst das Leben zu imitieren scheint – oder umgekehrt.

Die Geschichte beginnt mit einer Rahmenhandlung. Susan Ryeland, Lektorin in einem kleinen, aber angesehenen Verlag, macht es sich übers Wochenende gemütlich, um das neueste Manuskript ihres unbeliebtesten und gleichzeitig besten Autors zu lesen. Susan schätzt die Arbeit von Alan Conway, aber der Mann selbst ist alles andere als liebenswert.

Als Susan sich zum Lesen niederlässt, tun wir das auch. Wir lesen „Die Morde von Pye Hall“ von Alan Conway gleich mit ihr zusammen. Und es ist eine wunderbare Hommage an das Goldene Zeitalters der Krimis, die sich so liest, als sollte sie im Regal neben Agatha Christie, Dorothy Sayers und Margery Allingham stehen.

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Das Höllenhaus / Richard Matheson

Literatur

Eines lässt sich gleich zu Beginn sagen: wer eine gute Spukhaus-Geschichte zu schätzen weiß, ist hier richtig, denn tatsächlich hat Matheson mit seinem Höllenhaus eine der besten des Genres geschrieben. Das wusste auch Stephen King zu schätzen, als er sagte, dass Matheson derjenige war, der den Horror aus einer vergangenen Zeit in ein bekanntes Jetzt katapultierte. King lebt schließlich in Maine, und genau dort spielt Mathesons Roman.

Unterteilt ist das Buch nicht in klassische Kapitel, sondern durch Datumsangaben und Uhrzeiten, wobei letzteres immer ein Unterkapitel bildet. Die Geschichte spielt im Dezember 1970 und beginnt am 18. Dezember um 15:17 Uhr. Wer hier eine traditionelle Geistergeschichte erwartet, wird überrascht sein.

Das Belasco House gehört zu den berühmtesten Spukhäusern Amerikas und liegt in der Nähe der Caribou Falls, Maine. Das Gebäude wurde 1919 von einem Mann namens Emeric Belasco erbaut, einem bösartigen Zeitgenossen, der hinter den Mauern des Hauses seine eigene private Hölle errichtet hatte. Es kamen Leute zur Besichtigung, die das Haus nie wieder verließen, so sehr hatten sie sich an die animalische Lebensweise dort gewöhnt. Bis 1928 gehörten Orgien, Verstümmelungen, Mord, Nekrophilie und Kannibalismus zur Tagesordnung. Irgendwann entschied Belasco sich dafür, nicht mehr aktiv einzugreifen, sondern der Hölle, die er geschaffen hatte, nur noch als Beobachter beizuwohnen. Im November 1929 ließen die besorgten Verwandten einiger seiner Gäste die Behörden in das Haus eindringen. Niemand war mehr am Leben, Belascos Leiche aber wurde nie gefunden. Es gab zwei Versuche, das mysteriöse Haus zu untersuchen – 1931 und 1940 – beide Versuche endeten in einer Katastrophe. Nur ein Teilnehmer überlebte dieses Unternehmen, acht andere entkamen ihrem Schicksal nicht, starben unter merkwürdigen Umständen, begingen Selbstmord oder wurden verrückt.

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Die 5 beliebtesten Bibliothekare der Fantasy

Literatur

Ob Fahrenheit 451 oder Der Name der Rose – eine Bibliothek spielt in der Literatur selbstverständlich immer  eine große Rolle. Interessanterweise gibt es in einer Zeit, da man für jedes Setting auch einen eigenen Genrebegriff parat hat, keinen, der sich Library Fiction oder Library Fantasy nennt. Aber den sollte es durchaus geben.

Zugegeben, meist dominiert in Geschichten über Bücher und Bibliotheken vorrangig ein anderes Genre wie etwa die Urban Fantasy oder schlicht der Thriller. Bibliotheken sind also Genreübergreifend. Ihr Stellenwert und ihr Einsatz unterscheidet sich am Ende wohl doch zu sehr voneinander, um daraus ein eigenes Genre zu schmieden.

Und trotzdem: Wenn in einer Urban Fantasy-Story Vampire die Hauptrolle spielen, spricht man von Vampire Fantasy. Oder nehmen wir den Steampunk, der ja grundsätzlich nicht von der Urban Fantasy zu trennen ist, aber aufgrund seiner spezifischen Eigenheit dann doch eher der Science Fiction zugerechnet wird.

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Max Seeck: Hexenjäger

Literatur

Die Geschichte in „Hexenjäger“ ist so aufgemacht, dass sie zunächst wie ein nordischer Noir mit einigen okkulten Wendungen aussieht. Die zentrale Idee ist eigentlich interessant: Die Frau eines finnischen Thriller-Autors, der mit seiner sensationellen Trilogie über die Hexenjagd der Inquisition einen Weltbestseller gelandet hat, wird auf eine Weise ermordet, die zu einem Mord in einem seiner Bücher passt. Die Inszenierung ist spektakulär, der Autor selbst unsympathisch, und die Zahl der Leichen steigt weiter, da die Mörder all diese grauenhaften Morde nachstellen.

Hier gibt es jede Menge Potenzial: viele Morde in einem sehr kurzen Zeitraum, Morde, die so kompliziert und genau choreographiert sind, dass sie wie eine für die Polizei inszenierte Oper wirken, ein Expertenteam von talentierten, aber schrulligen Polizeibeamten aus Helsinki, die unermüdlich die Hinweise abarbeiten, von denen sie wissen, dass die Bösewichte sie an der Nase herumführen. Das ist alles gut, aber es kristallisiert sich im Laufe der Lektüre immer mehr heraus, dass die Verfolgung von Serienmördern mit einer Besessenheit für das Okkulte und einem Gespür für das Dramatische nicht wirklich das ist, worüber Max Seeck eigentlich schreiben will.

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Der Club Dumas / Arturo Pérez-Reverte

Literatur

Zu Beginn lässt sich sagen, dass – Polanski in allen Ehren – der Film “Die neun Pforten” aus dem Jahre 1999 das Buch ziemlich zerstört hat. Meistens ist es so, dass Filme einem guten Buch nichts anhaben können, hier ist es anders. Als der “Club Dumas” 1993 erschien, hat ihn – in Deutschland – niemand wirklich gelesen. Es gibt dann immer diejenigen, die durch den Film auf das Buch aufmerksam werden, was den Verlagen natürlich in die Karten spielt. Das Problem bei einem handlungsgetriebenen Plot: man kennt die Stationen schon und bringt sich um das Lesevergnügen. Natürlich lässt der Roman einige Dinge anders ablaufen und vertieft sie. Polanski hat ziemlich viel weggestrichen und geändert, so dass sich das Buch dennoch lohnt, aber der Film ist nicht das einzige Problem des Romans. Man hat ihn schon als “Umberto Eco Light” bezeichnet, und das ist gar nicht so weit hergeholt. Um die Jahrtausendwende wurden Verschwörungs-Thriller populär, obwohl Eco sein “Foucaultsches Pendel” bereits 1988 vorlegte. Auch den “Club Dumas” hat man versucht, als “literarischen” Thriller zu vermarkten, aber gegen Ecos Arbeiten wirkt das fast wie ein Witz. Am besten, man lässt die Vergleiche und schaut sich an, worum es geht.

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Der Tod der Mrs Westaway / Ruth Ware

Literatur

Die britische Autorin Ruth Ware befindet sich in guter Gesellschaft. Ihre Mystery- und Thriller-Romane wurden schon mit Krimiautorinnen des Goldenen Zeitalters wie Agatha Christie, Josephine Tey und Dorothy L. Sayers verglichen. Ihre früheren Romane – Woman in Cabin 10, In einem dunklen, dunklen Wald und Wie tief ist deine Schuld – basieren auf klassischen Krimimustern und handeln von Frauen, die sich zur falschen Zeit am falschen Ort befinden.

Dieses Konzept hat sie im vorliegenden Roman verändert. Hier schreibt sie über eine Protagonistin, die sich absichtlich in eine trügerische Situation begibt. Es geht um Geld und es geht um eine sehr seltsame Erbschaft.

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Blutiges Echo / Joe R. Lansdale

Literatur

Joe R. Lansdale braucht wahrscheinlich keine allzu große Einführung. Er hat eine Menge Preise gewonnen (u.a. sechsmal den Bram Stoker Award) und lieferte die Vorlage für den Kultfilmklassiker Bubba Ho-Tep. Vorliegender Roman stammt von 2007 und lautet im Original „Lost Echos“, erschien 2013 in Übersetzung bei Golkonda und 2015 – man höre und staune – im Suhrkamp-Verlag. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass ich mit der Übersetzung des Titels wieder einmal nicht einverstanden bin, und das keineswegs, weil ich eine originalgetreue Übersetzung um jeden Preis fordere. Wenn aber der Titel – eigentlich „verlorene“ oder „vergessene“ Echos – ganz präzise das wiedergibt, was im Buch geschieht, und von Verlagsseite nur auf die Knalligkeit Wert gelegt wird, erregt das meinen Unmut.

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Harry Potter als Horrorthriller

Die Harry-Potter-Reihe von J.K. Rowling hat die Fantasy-Welt im Sturm erobert. Die Bücher haben Leser aller Altersgruppen in ihren Bann gezogen, die sich einig sind, dass es sich um eine Fantasy-Serie handelt. Doch wenn man genauer hinschaut, erkennt man, dass Harry Potter eigentlich mehr Horror als Fantasy ist.

Natürlich gibt es viele Fantasy-Elemente in der Serie, wie Zauberer, Drachen und magische Gegenstände, aber es gibt auch viele Horror-Elemente, die die Serie zu einer spannenden und gruseligen Geschichte machen.

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