Fünf Wege, den Teufel zu überlisten

Sagen wir mal, du hättest ein kleines Teufels-Problem. Vielleicht ist er einfach aufgetaucht, uneingeladen, und verlockt dich nun mit der Erfüllung deiner Herzenswünsche. Dass eine verflossene Liebschaft zurückkehrt, oder er offeriert Reichtum, oder Ruhm, oder die Reduzierung des Gewichts, oder eine „Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei-Karte“ – und, obwohl du es besser weißt, obwohl du weißt, dass sich das zu gut anhört, um wahr zu sein, hört es sich doch auch zu gut an, um es einfach nur zu ignorieren. Oder er ist vielleicht gekommen, um dich nur aus Spaß zu quälen und du hast keine Möglichkeit, ihm zu entkommen. Wie geht eine ansonsten aufrechte Seele mit einer Situation wie dieser um?

Es kommt natürlich auf die Umstände an, aber deine Möglichkeiten stehen gar nicht mal so schlecht wie sie zunächst scheinen. Sicher, die einfachste Möglichkeit wäre es, den Standard-Vertrag zu nehmen, aber wie viele von uns bereits haben lernen müssen, liefert der Standard-Vertrag nicht immer das Beste, das man herausschlagen kann. Und wenn er nur da ist, um seine Muskeln spielen zu lassen – es also gar nicht um einen Vertrag geht – magst du erst einmal ohne Hoffnung sein. Wie ich das sehe, hast du fünf Möglichkeiten, dich zu retten. Suche dir die heraus, die zu deiner Situation passt, aber bleibe in erster Linie erst mal locker, okay!

Besorge dir eine Frau, um deinen Arsch zu retten

Nein, ich meine damit nicht, dass du zum Sexisten werden sollst, aber du musst begreifen, dass Geschichten über den Teufel hunderte von Jahren zurückreichen, und die Vergangenheit ist ein sexistischer Ort.

Wenn ich also sage, dass du in Erwägung ziehen solltest, dir von einer Frau helfen zu lassen, dann deshalb, weil ihre Gerissenheit fast ebenso legendär ist wie die des Teufels. Ich spreche von einer Zeit, in der die einzige Macht, die eine Frau besaß, aus ihrer Fähigkeit bestand, eine üble Situation zu ihren Gunsten zu entscheiden.
Es gibt da eine Geschichte aus den südlichen Appalachen über einen Mann namens Jack (okay, es gibt eine Menge Geschichten aus allen Teilen der Welt über einen Mann namens Jack, und dies ist eben eine davon), der jeden Morgen im Haus des Teufels aufwachte und dort bis zum Anbruch der Nacht einige unmögliche Aufgaben zu erfüllen hatte, damit er nicht getötet, seine Seele nicht dem Teufel übergeben, und sein Kopf nicht auf einen Pfahl gesteckt würde (um sich an seinem Scheitern zu ergötzen, wie man das damals eben tat, vermute ich). Die erste Aufgabe bestand darin, einen Brunnen zu leeren, um einen Ring zu finden, der vor Jahren verloren gegangen war. Dazu wurden ihm zwei Eimer zur Verfügung gestellt. Einer war völlig in Ordnung, der andere hatte lauter Löcher. Da kam des Teufels jüngste Tochter in der Nacht vorbei, die ein Auge auf Jack geworfen hatte und sagte zu ihm, dass er am nächsten Morgen unbedingt den Eimer mit den Löchern wählen solle. Doch das tat er nicht, und jeder Eimer Wasser, den Jack dem Brunnen entnahm, hatte zur Folge, dass sich der Brunnen mehr und mehr füllte, bis er schließlich überlief. Die jüngste Tochter tadelte ihn dafür, nicht auf sie gehört zu haben und gab ihm den anderen Eimer. Dreimal schöpfte Jack mit ihm Wasser und der Brunnen war leer, Jack für eine weitere Nacht gerettet.

So geht es weiter und die Geschichte nimmt noch einige Wendungen, aber immer ist es die geduldige, schnelle und schlaue Tochter, die ihrem Vater ein Schnippchen schlägt und Jack rettet. Die Geschichte endet damit, dass die beiden heiraten und glücklich bis an ihr Lebensende leben. Dank ihrer Gerissenheit sind sie auch vor ihrem Vater sicher.

Diese Möglichkeit klingt zunächst so, als stünde sie nur Männern zur Verfügung. Ich entschuldige mich also gleich mal dafür, dass sie in der Geschichte der Menschheit hauptsächlich von Männern genutzt wurde. Aber ich beschwöre alle Leserinnen, das ganze deshalb nicht zu verwerfen. Wir Frauen müssen zusammenhalten. Und wenn dein Liebster ein ärgerliches Problem mit dem Teufel hat, kann es sein, dass du die Antwort bereit hältst, besonders, wenn du zufällig die Tochter des Teufels bist.

Gib dich in seiner Gegenwart religiös

Dank des Films Der Exorzist und seinen zahlreichen Nachahmern ist das vielleicht der erste Gedanke, der dir gekommen ist. Religiöse Menschen ziehen Dämonen an wie die Fliegen. Tja, und wenn du aktuell vom Teufel besessen sein solltest, hast du wahrscheinlich genug mit explodierenden Körperflüssigkeiten zu tun – zu viel, um das hier zu lesen. Deshalb richte ich diese Worte an einen deiner Freunde, die das für dich übernehmen: hier empfiehlt es sich, einen Exorzismus in Erwägung zu ziehen. Viel Glück dabei, einen Priester zu finden, der das in der heutigen Zeit noch übernimmt!

Die Geschichte ist voller Heiliger, die gegen Myriaden von Teufeln, Dämonen, böse Geister undsoweiter gekämpft haben – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Die arme Heilige Teresa von Avila wurde von Dämonen bedrängt, und sie versuchte alles, um sie wieder los zu werden. Sie versuchte, sie auszulachen, wedelte mit dem Kreuz herum und verspritzte Weihwasser. Letzteres scheint ihr am besten genutzt zu haben.

Der Heilige Joseph von Copertino hatte ebenfalls sein Päckchen mit Dämonen zu tragen. Er scheint es genossen zu haben, Nacht für Nacht mit ihnen zu kämpfen. Bei einer dieser denkwürdigen Gelegenheiten rief er einen anderen Heiligen zu Hilfe, den verstorbenen Heiligen Franziskus. Der schlüpfte aus seinem Grab, entzündete alle Kerzen neu – und das Licht blendete die empfindlichen Augen des Teufels, so dass er schließlich verschwand. Wenn du also religiös genug bist, rufe dir einen lang verstorbenen Heiligen herbei. Das scheint dann für dich die beste Option zu sein.

Sei ein knallharter Typ (oder freunde dich mit einem an)

Der Erfolg von Buffy, die Vampirjägerin hat uns gezeigt, dass Dämonen (auch wenn man nicht glaubt, dass Vampire als Dämonen bezeichnet werden können) anfällig sind für das gute alte Faustrecht des Niederschlagens. Vorzugsweise mit einer Axt, das ist wahr, aber wenn du genug Kraft hinter deine Schläge steckst, ist der Teufel anfällig für Schmerzen, da er, wenn du mit ihm zu tun hast, stets eine gewisse körperliche Präsenz besitzt. Das hat natürlich nur einen Sinn, wenn er dir nur zum Spaß erscheint. Willst du hingegen einen Vertrag mit ihm aushandeln, solltest du wahrscheinlich einen anderen Weg ausprobieren, nämlich …

ihn überlisten oder eine Schwachstelle finden

Es gibt da eine alte walisische Geschichte über eine Brücke, die der Teufel über eine tiefe Schlucht gebaut hat. Das tat er nicht aufgrund der Freundlichkeit seines schwarzen Herzens, sondern weil das erste Lebewesen, das die Brücke überquerte, ihm gehören würde. Jeder wusste davon, und jeder wusste, dass er entweder einen Mann oder eine Frau als Preis haben wollte. Also vermieden sie es für einige Zeit, diese ansonsten sehr nützliche Brücke zu benutzen. Eines Tages kam eine alte Frau des Weges, die so sehr müde von ihren Geschäften auf dem Markt war, dass sie den langen Weg um die Brücke herum nicht gehen wollte. Und sie fand heraus, wie man unbehelligt über die Brücke kommen konnte. Sie nahm ein Brot aus ihrem Korb und warf es auf die andere Seite. Ihr hungriger Hund lief diesem Brot hinterher. Natürlich war der Teufel darüber nicht sehr glücklich, aber es war ja wohl seine Schuld, dass er hier nicht genauer gearbeitet hat.

Begeistere dich für das, was er wirklich anzubieten hat

Du hast also deinen Nutzen gehabt und deine Seele wird in die Hölle berufen. Aber was ist, wenn du das alles genau so haben wolltest? Vielleicht bist du ein Sadomasochist oder ein Hardcore-Horror-Fan, der es gar nicht erwarten kann, die Folter durch Höllenfeuer zu erleben, Fleischhaken, Messer, Peitschen, Lava, Gülle und was sonst noch. Oder du glaubst, dass die Hölle gar nicht so schlimm sein wird, schließlich willst du dort hin, wo die Action ist (und die besten Musiker, um ehrlich zu sein). Das ist vermutlich die am wenigsten einleuchtende Möglichkeit, das Teufelsproblem zu lösen, und dieser Vorschlag stammt von einer angemessen ungewöhnlichen Quelle: den Simpsons. In einer dieser Halloween-Episoden verkauft Homer dem Teufel seine Seele für einen Himbeer-Donut. Kaum hat Homer den letzten Bissen zu sich genommen, wird er in die Hölle geworfen, wo er in der „Ironischen Bestrafungskammer“ dazu gezwungen wird, sämtliche Donuts der Welt zu essen. Natürlich hat der Teufel Homers Liebe zu seinem bevorzugten Gebäck unterschätzt, und Homers Geräusche der Lust und des Vergnügens, während er die Krapfen verschlingt, zeigt, wie „schrecklich“ die Hölle für ihn wirklich ist.

Die Episode endet mit Homers Frau Marge, die beweisen kann, dass Homer vor langer Zeit bereits ihr seine Seele verkauft hatte und somit der Anspruch des Teufels null und nichtig ist. Also ist mein letzter Vorschlag gleichzeitig auch mein erster: Besorge dir eine Frau, die dich rettet. Oder noch besser: Finde deine wahre Liebe, die dich rettet. Gehört deine Seele nämlich jemand anderem, kann sie sich der Teufel nicht holen. Vorsorge ist wirklich die beste Medizin.

 

Übersetzt von Michael Perkampus
aus dem Original, erschienen auf fantasy-magazine.com
Heather Shaw

Heather Shaw ist Autorin, Redakteurin, Gärtnerin und Aikidoka. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Berkeley, Kalifornien. Ihre Werke erschienen in „Strange Horizons“, „Polyphony“, 2The Year’s Best Fantasy“, „Escape Pod“ und in anderen interessanten Magazinen. Gerade hat sie ihren ersten Roman abgeschlossen.