• Biogramme
    Biogramme

    Julio Cortázar

    “Was nützt ein Schriftsteller, wenn er die Literatur nicht zerstören kann?” Die Frage stammt aus Julio Cortázars Roman Rayuela aus dem Jahr 1963, dem dichten, schwer fassbaren und raffinierten Meisterwerk, das gleichzeitig ein hochmodernes Spiel  um das eigene Abenteuer ist. Es enthält eine einführende Anweisungstabelle: “Dieses Buch besteht aus vielen Büchern”, schreibt Cortázar, “aber vor allem aus zwei Büchern.” Die erste Version wird traditionell von Kapitel eins an durchgelesen, die zweite Version beginnt bei Kapitel dreiundsiebzig und schlängelt sich durch eine nichtlineare Sequenz. Beide Lesemodi folgen dem weltmüden Antihelden Horacio Oliveira, Cortázars Protagonist, der von den lauen Gewissheiten des bürgerlichen Lebens enttäuscht ist und dessen metaphysische Erkundungen das Gerüst einer…

  • Biogramme
    Biogramme

    Der Jazz-Stilist der Literatur: Peter Straub

    Peter Straub genießt hierzulande – wie könnte es anders sein – nicht den Bekanntheitsgrad, den er etwa in Amerika hat. Das mag an seiner literarischen Klasse liegen (von jeher tut sich das deutsche Publikum mit einem gewissen Niveau innerhalb der Phantastik schwer). Straub ist vornehmlich jemand, der hohe Literatur schreibt, ohne jemals die dunklen Impulse und Ängste hinter sich zu lassen, die sein Werk so mächtig machen, konstatierte ihm ein anderer Gigant – John Crowley. Und überhaupt ist Peter Straub in literarischen Kreisen ein angesehener Autor, auch Carlos Fuentes bewunderte ihn und hat ihm mit “Die schlafende Schöne” aus seinem Band “Unheimliche Gesellschaft” eine Geschichte zugeeignet. Dass es so still…

  • Unheimliche Gesellschaft
    Die unendliche Bibliothek,  Phantastik und Fantasy

    Carlos Fuentes: Unheimliche Gesellschaft

    Als einer der grundlegenden Autoren des “Booms” hat der Mexikaner Carlos Fuentes in seinen wichtigsten Romanen – “Nichts als das Leben” (1962), “Terra Nostra” (1975), “Die Jahre mit Laura Diaz” (1999) u.a. – eine interessante Reflexion über die kulturelle Vielfalt und Geschichte seines Landes angestellt. Gleichzeitig hat Fuentes, wie jeder Autor von Rang, mit Erzählungen wie jenen, die in seinem ersten Buch “Verhüllte Tage” (1954) dargeboten werden, den Kurzromanen “Aura” (1962) und “Das gläserne Siegel” (2001), die Phantastik in seine Erzählungen einfließen lassen. In diesem Sinne ist “Unheimliche Gesellschaft” (2004) eine Sammlung von Rätsel- und Horrorgeschichten, ein Band mit sechs Geschichten und einer Schlüsselfrage: “Ist Leben diese kurze Spanne, dieses…

  • Der Magische Realismus
    Themen

    Der Magische Realismus

    Wenn Massimo Bontempelli, der die italienische Literatur in den 20iger Jahren prägte, seine ersten magisch-realistischen Werke vorlegt, wird er einer jener Pioniere sein, die einen bisher nicht fest umrissenen Begriff in die Literaturwelt einführen, der sich irgendwo zwischen phantastischer Literatur, Surrealismus und Neuer Sachlichkeit bewegt. Bontempelli tat das, indem er gegen den Realismus und Naturalismus des etablierten 19. Jahrhunderts und dessen bürgerlichen Geschmack, die Literatur thematisch und technisch zu erneuern versuchte – durch einen Magischen Realismus, der übernatürliche, phantastische Ingredienzien und Begebenheiten, die an sich der Gattung des Märchens und der Mythologie angehören, wie selbstverständlich und so, dass sie den Anschein des Wirklichen und Wahrscheinlichen haben, in eine realistisch geschilderte…

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