Lob den Übersetzern.

Es hat mich unglaublich gefreut, als ich gehört habe, dass die deutsche Übersetzung von Clive Barkers neuem Opus Magnum “The Scarlet Gospels” als “Das scharlachrote Evangelium” im Festa Verlag erscheint; ist Frank Festa doch seit vielen Jahren eine äußerst verlässliche Konstante in Sachen “Horror”, sowohl was die ausgewählten Titel als auch die Aufmachung, das Lektorat und die Qualität der Übersetzungen betrifft.

Liebhaber von Büchern in Originalsprache dürfen jedenfalls beruhigt aufatmen: Ich besitze sowohl die englische als auch die deutsche Version, und ich kann sagen, die Übersetzung (von der deutschen Schriftstellerin Claudia Rapp) ist ganz wunderbar gelungen – die harte, klare und doch poetische Sprache Barkers wurde kongenial ins Deutsche übertragen. Und war ich von der Qualität des Outputs des legendären “Hellbound”-Verfassers die letzten Jahre über nicht sonderlich überzeugt, kann ich nun also auch in meiner Muttersprache voller Freude feststellen: Er hat wieder zu seiner alten Höchstform zurückgefunden.

Dass alle “Hellraiser”-Fanatiker beim scharlachroten Evangelium ungesehen zugreifen werden, ist sowieso keine Frage – die Paranoia, die ich damit habe: dass dieses Buch irgendwie ein Testament ist. Der Meister war bei den wenigen Interviews, die er anlässlich des Erscheinens gegeben hat, schließlich eher nur ein heiser flüsternder Schatten seiner selbst. Ich hoffe von Herzen, dass die Schicksalsschläge und Krankheiten der letzten Jahre heilen, und wir uns noch auf viele kreative Jahre mit Clive Barker freuen können.

Jede Menge anderer, neuer Bücher im Festa-Verlag stehen an, über die noch zu sprechen sein wird (z.B. die Veröffentlichung des genialsten aller Mythos-Schreiber, Thomas Ligotti!) da muss ich allerdings erst die geeigneten Werke anschaffen und lesen.

Eine andere, für Insider und wahre Horrorfans im deutschen Sprachraum sehr wichtige Persönlichkeit ist Michael Krug, übrigens auch einer der ganz wichtigen Übersetzer englischsprachiger Genreliteratur ins Deutsche (unter anderem auch für Frank Festa). Krug besaß früher mal den legendären Otherworld Verlag, führt diesen seit einiger Zeit allerdings unter “mkrug verlag” weiter. Hinter diesem lapidaren Namen verbirgt sich allerdings ein ein kleines, äußerst feines Programm für die wahren Gourmets schauerlicher Literatur.

Der Kürze dieser Rubrik geschuldet sei hier stellvertretend nur auf zwei ganz grosse Werke aus dem mkrug verlag hingewiesen (weitere Rezensionen werden ganz sicher folgen): Da wäre zum Beispiel Michael Laimo, dessen Roman “Atmosphäre” deswegen so interessant ist, weil er ein Fenster ist in den Stand aktueller englischsprachiger Genre Fiction. Da geht es nicht mehr darum, ob das ein Krimi sein soll, ein Thriller, ein Horror-Roman oder Mystery. Die Elemente verschwimmen, mäandern, umtanzen sich in höchst virtuoser Weise und erzeugen einen Sog der Spannung, wie er in den in unzähligen Möchtegern-Werken mit ihrer armseligen Voraussehbarkeit nach dem Prinzip Baukasten niemals zustande kommt.

Die gleiche Bestnote gilt für einen Roman im mkrug verlag, den ich gerne als modernen Klassiker der Horror-Literatur bezeichnen möchte: “Der Sommer, als ich starb” von Ryan C. Thomas. Hier treffen coming of age, Nostalgie und juvenile Gefühle auf einen brachialen, unglaublich sadistischen Killer und münden in eine Bewährungsprobe, die das emotionale Empfinden des Lesers auf allerhöchstem Niveau testet. Ich gestehe ein, dass mich kein Roman vom eigentlichen Spezialisten für Abseitiges, Edward Lee, jemals in so ein Gefühlschaos gestürzt hat wie dieser Roman, viel zu konstruiert wirken Lees Torture Porn-Szenarien dagegen. Thomas stellt die simple Frage: “Wie überlebt man, wenn alle Wege in den Tod führen?” und illustriert diese Prämisse dermaßen eindringlich, dass sie aus den Seiten heraushüpft und wie ein Virus auf den Leser überspringt, der sich damit dann herumplagen muss, bis in den Schlaf hinein: Nichts besseres kann und soll einem Literaturliebhaber passieren.

Hier kannst du bestellen (einfach auf den Link klicken):

Clive Barker, “Das scharlachrote Evangelium”

Michael Laimo, “Atmosphäre”

Ryan C. Thomas, “Der Sommer als ich starb”

Doc Nachtstrom

Geboren 1967 in Graz/Österreich, in den 1990er-Jahren als Elektronikmusiker und Filmkomponist beschäftigt, seit dem Millennium Moderator in einem Grazer Privatradio und in Wien für die Sendung „House of Pain“ bei FM4/ORF tätig. Arbeitet weiters als Journalist und Herausgeber (Zeitschrift „Visionarium“, Anthologien) ist leidenschaftlicher Büchersammler (8000+) und Die Hard-Fan aller Spielarten der Phantastik.