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Alien – Xenomorphe

Bildnachweis: Alien: Covenant © Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Alien: Covenant © Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Starbeast sollte es ursprünglich heißen, wie auch der erste Film selbst. 6 Hauptfilme kann es seit 1979 bereits verbuchen. Nicht alle stammen von Ridley Scott, es drehte auch David Fincher (Alien 3), sowie James Cameron (Aliens – Die Rückkehr.) Auch 2 Crossoverfilme (Alien vs. Predator I / II) gehören dazu. Science-Fiction ist es. Und doch entspringt es offenbar einem uns sehr nahen Horror, der nicht erst das Jahr 2122 braucht. Eine Mutter und zwei Väter hat es. Ein Elterntrio, das sich namentlich sehen lassen kann: HR Giger, Ridley Scott und Sigourney Weaver. Einen Oscar hat es Giger eingebracht, in der Kategorie Visuelle Effekte. Selbst ist es sehr daran interessiert, viele viele Abkömmlinge zu haben. Derlei viele, dass wir sehr schnell verstehen, dass es dieser Spezies allein um die Zeugung neuer und eigenständiger Nachkommen geht, um die Sicherung seiner Art, um die Sicherung eines Bestandes, der die ultimative Vermehrung der Anzahl der eigenen Exemplare ins Auge gefasst hat.

Ins Auge gefasst? Das mag verwundern, verfügt das Alien doch über keinen uns bekannten Sehapparat wie etwa andere Arten, die in diesem Universum zuhause sind. Und doch verfügt es über eine hochsensible Wahrnehmung, die es befähigt, sich offenbar in einer Weise ein Bild von seiner Umwelt zu machen, die uns -beobachten wir, wie es reagiert- zu dem Schluss kommen lässt, dass dieser Kreatur das Sehen ruhig vergönnt sein kann, da es über einen Instinkt verfügt, der in seiner Ausprägung nicht zu übertreffen ist.

Wer braucht schon Augen, der in einer Schwärze existiert, die nicht aus dem Fehlen des Sonnenlichts resultiert, sondern aus dem Daseinszustand, der sich aus der Artung seines Wesens ergibt?

Spekuliert wird auch, ob nicht die aus dem Rücken ragenden röhrenartigen Fortsätze als ein Sinnesorgan fungieren, mit dem es gewissermaßen sehen kann, indem es ähnlich wie ein Sonar funktionieren könnte.

Vielleicht war das Gigers Idee: Erfinde eine Kreatur, die der Instinkt selbst ist. Gebe ihm ein Antlitz. Zeige, wie eine blinde Natur funktioniert, deren genetisches Programm sich allein auf die Fortpflanzung beschränkt. Das dunkle Bios. Vernichtend und effizienter als eine menschengemachte Maschine es je sein kann. Die reine Funktionale. Eine Kreatur, der wir keine Seele zugestehen.

© HR Giger /
Nachlassverwalter

Höchst ästhetisch ist es. Perfektion stellt es dar: In seiner Effizienz, besonders aber in seiner physischen Erscheinungsweise. Dynamisch sind seine Linien und Kurven. Nichts am Alien erinnert uns an unsere Art oder an irgendeine andere, obschon es in seiner Anatomie Ähnlichkeiten zum Menschen aufweist, hat es doch z.B. ähnliche Extremitäten wie wir. Postnatal glitschig glänzt sein Exoskelett, als hätte es soeben erst den Geburtskanal passiert. Lange und spitze Klauen hat es. Einen langen, stachelbesetzten klingenscharfen Schwanz. Stacheln am Rücken. Und einen Kopf, in der Form eines großen aerodynamisch phallischen Helmes. Wir können es nicht mit uns identifizieren und abgleichen. Es ist uns fremd, wie uns etwas Fremdes nur fremd sein kann, das uns bis ins Mark erschüttert, da es das Potenzial hat uns in dieses zu kriechen. Nichts als Wirte sind wir für es. Es torpediert sich in uns. Mit aller Gewalt. Sei es mit Hilfe der aus einem Ei springenden Facehuggers, die unsere Münder als Pforte für die Eier des Aliens nutzen, oder ob es es selbst ist, das uns mit einem bezahnten Muskelstrang, der aus seiner wiederum spitzbezahnten riesigen Mundhöhle hervorschnellt, in einer Schnelligkeit durchstößt und somit in unsere Körper dringt. Zu vergleichen mit der Pharyngealia einer Muräne, ist dieser Muskelstrang einem Penis, der aus einem Mund ragt, nicht unähnlich. Ein Mund wie auch die Vagina als Mund verstanden werden kann. Für gewöhnlich jedoch ein Mund mit Schamlippen. Weich und rosig. Vor allem aber ungezahnt.

Hat es der Facehugger geschafft, dem Wirt ein Ei in den Brustkorb zu geben, wird es nicht lange dauern bis sich die Larve, der sog. Chestburster, durch den Brustkorb stößt. Danach sucht sie sich einen feuchten, geschützten Ort, an dem sie sich einweben kann. Wie auch die als Wirt fungierenden Opfer in eine (im besten Fall) sichere Höhle verschleppt und in einem Kokon eingewoben werden.

Kurzum: Es will in unsere Löcher. Und schafft es es nicht, die vorhandenen zu nutzen, verpasst es uns welche. Riskiert damit aber, dass wir als Wirt nicht mehr infrage kommen.

© HR Giger / Nachlassverwalter

Wer sich über den Begriff Penetration aufklären möchte, findet hier nicht nur einen Vertreter, sondern die par excellence selbst. Mann und Frau (wie auch Tier oder Predator) sind gleichermaßen betroffen. Das Alien verkörpert in seinem Wesen das eindringende männliche, wie auch das instinktisch mütterliche Prinzip. Wendig ist es, weiblich grazil seine Erscheinung. Männlich stark seine Durchschlagskraft.

Der gesamte Körper des Aliens fungiert als traumatische Waffe, die uns sofort versehrt und so gut wie immer tötet.

Besonders interessant ist, dass das Alien, laut seiner filmischen Genese, als eine biologische Waffe dienen sollte. Inwiefern es sich dabei aber doch in ihrem Ursprung um eine bereits natürlich vorkommende Spezies handelt, die von einer alten Menschenrasse vielleicht nur genetisch modifiziert wurde, so, dass sie auf die DNA ihres Wirtes reagiert, wurde noch nicht genau geklärt. Auch erfahren wir über dieses Menschengeschlecht und ihre Motivation bisher leider nur sehr wenig.

Wie ein Bienen- oder Ameisenstaat sind die Xenomorphen organisiert: Es gibt eine Königin, Drohnen, Späher und Jäger. Und so unterscheiden sie sich auch, je nach Aufgabe, in ihren Fähigkeiten und ihrem Aussehen. Auch der Wirt, ob es sich dabei um einen Menschen, um ein Tier oder einen Predator handelt, spielt dabei eine Rolle. Die Königin selbst erinnert in ihrer physischen Erscheinung an eine Gottesanbeterin. Sie ist an ihrem riesigen Kopf, der die Form eines Geweihes hat, zu erkennen.

© 20th Century Fox

Doch am bemerkenswertesten ist sicher, da stimmen Sie mir hoffentlich zu, dass es doch einen Menschen gab, der in der Lage war, die Kinderstube des Aliens zu verstehen, mit ihm / ihr zu kommunizieren. Sigourney Weaver als Ellen Ripley bleibt unvergessen als jene, die dieser Spezies etwas entgegenzusetzen hatte. Die überlebte, überlebte und überlebte … und als Nummer 8 sogar erfolgreich geklont wurde. Die dem Alien so nah kam wie niemand sonst. Die es gar zärtlich berührte. Die es, am Ende selbst zum Wirt geworden, mit in den Tod nahm.

Was würde sie uns wohl raten? Vielleicht würde sie sagen: Wenn sich ein Alien in deiner Nähe befindet: Lauf! Daher sei an dieser Stelle auch ihr gehuldigt, der Quasimutter des Alien.

Albera Anders

Albera Anders (alias read An) wurde 1982 in Wriezen geboren. Ist Dichterin und Malerin. Sie studierte in Heidelberg Germanistik und europäische Kunstgeschichte, lungerte out of order jedoch auch im philosophischen Seminar herum. Lebt und arbeitet in Bayern.

1 Kommentar zu Alien – Xenomorphe

  1. @Albera: Oh ja, wir huldigen ihr, der Nicht-Nur-Quasi-Mutter Ripley, die im vierten Teil auch gleich noch zur Tochter wird (oder “Schwester” der Königin, das ganze Klonen hat die Verwandtschaftsverhältnisse sehr undurchsichtig werden lassen…)

    Ein feiner, schneller Text, der es auf dem Punkt, oder besser: ins Loch bringt, warum und wie das Alien ins Bestiarium gehört (wohl ahnend, dass es schon bald ausbrechen wird, und dann… LAUFT!).

    À propos “Lauf” als Lauf der Natur: Glaubt man den jüngsten Filmen Scotts, dann mehren sich die Zeichen, dass diese Wesen tatsächlich gewissermaßen natürlich vorkommen, sich aber immer wieder neu anpassen können. Ich weiß nicht, ob mir diese filmische Erhellung all der dunklen Eigenheiten der Aliens eigentlich gefällt (manche schwatzen schon ein einer ganzen “Mythologie” – puh!). Jenes Wesen, das im ersten Film zu 99% der Zeit nicht wirklich sichtbar war, scheint mir viel schreckenerregender (gewesen) zu sein als die gut ausgeleuchteten schlank-raubtierartigen Alien-Körper ab Teil 2. Und jetzt soll gar noch in Subspezies diversifiziert werden…

    Na, ich schweife ab. Eigentlich wollte ich zweierlei fragen. Erstmal nach etwas, was ich in Deinem Text nicht verstanden habe:

    Wie kommst Du auf: “Das Alien verkörpert in seinem Wesen das eindringende männliche, wie auch das instinktisch mütterliche Prinzip.” ?
    Männlich, ja von mir aus: Potentiell wird alles auch nur entfernt Wirtsfähige in der Nähe eines Aliens zur “Bruthöhle”, das leuchtet ein. Aber wo ist das Mütterliche? (vor Ripley, wohlgemerkt)

    Und zum Zweiten eine Idee, die mir beim Lesen kam, als Du diesen komplizierten Fortpflanzungs-Zyklus des Wesens beschrieben hast: Ein Großteil seines Schreckens kommt ja daher, dass es als Parasit existiert. Sein Lebenszyklus ist mehrstufig, recht kompliziert aber dafür krisenfest: Die “Eier” können wahrscheinlcih ewig lange “überwintern”, die Facehuggers sind flink und “zeugunswütig”, das ausgewachsene Alien kaum durch Hitze, Költe, Strahlung etc. umzuubringen. Und wie gesagt: Es verwandelt alles, was ihm begegnet in einen Wirtskörper auf die “penetrante” Art, die Du beschrieben hast. Es passt sich jeder Umgebung an, neuerdings mutiert es ein wenig, je nach Umweltbedigungen.
    Nehmen wir für einen Moment mal Abstand von uns selbst, abstrahieren, was wir anders machen als alle anderen Lebewesen in unserer Umwelt: Wir verwandeln alles um uns herum in unseren Lebensraum, wie passen uns mit Technik, Kleidung, Medizin an unsere Umgebung an; wir überleben und überleben; wir vermehren und mit aller Gewalt und ohne erkennbar “eingebaute” Grenze, dehnen unseren Lebensraum aus (bislang nur über diesen Planeten, aber wer weiß?).
    Wäre dann hinter all der Schwärze und der Säure, dem Zischen und dem “Dreizack” des Todesstoßes das Alien plötzlich eine ganz ähnliche Metapher für uns? Und wäre das nicht das Allergruseligste überhaupt?

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