Die Vielfalt der Goblins

Der Begriff “Goblin” kann für viele Arten von magischen Kreaturen auf der ganzen Welt gelten. Das einzige verbindende Merkmal ist dabei ein bösartiges oder zumindest schelmisches Bewusstsein, das in einer grotesken oder abschreckenden Form mit einem allgemeinen Bezug zur Nacht oder zu lediglich dunklen Orten verkörpert ist. Goblins gibt es schon seit sehr langer Zeit, so dass man im lateinischen Mittelalter diese Kreaturen mit dem Begriff “Gobelinus” benannte.

Das Wort “Goblin” kommt eigentlich aus dem Griechischen “kobalos”, was Schurke bedeutet. Viele Unterrassen von Goblins durchstreifen die Welt von Nordeuropa bis in den Mittelmeerraum und sogar bis nach Japan, um sicherzustellen, dass die Menschen von ihrer Anwesenheit wissen. Übernatürliche Fähigkeiten können jedoch von Nation zu Nation oder von Kontinent zu Kontinent variieren. Die Welt der Fantasy hat diesen Kreaturen zu ihren eigenen Existenzformen verholfen, auch wenn die Goblins nicht in ihr entstanden sind. Hier sind einige der raffinierten, manchmal bösartigen, legendären Kreaturen aus dem Sagenschatz der “realen” Welt.

Hobgoblins

Hobgoblins, mit ihren dunkel gefärbten zottigen Haaren, gelten als eine der harmlosesten Formen. Sie sind eng mit den Heinzelmännchen verwandt, die allerdings friedlichere Kreaturen sind. Hobgoblins hingegen sind kleine Störenfriede, die es lieben, durch direkte Interaktion das Leben der Menschen durcheinander zu bringen, aber auch Dinge verlegen oder sogar stehlen, wenn sie wirklich in Stimmung sind. Auch können sie ihre Form verändern (wie aus einem von Pucks Monologen in Shakespeares “Ein Sommernachtstraum” hervorgeht). Was sie aber in der Hauptsache von anderen Goblins unterscheidet, ist ihre nützliche Beziehung zu den Menschen. Sie arbeiten für eine Schüssel frische Milch in einer menschlichen Behausung, manchmal auch für einen Funken Feuer, denn sie genießen die Wärme, können aber nicht wie andere Goblins ihre eigene Feuerstelle schaffen. Trotzdem sind sie in der Regel Einzelgänger, die schelmisch, beängstigend und sogar gefährlich sein können. Der Versuch, ihnen Kleidung zu geben, wird sie wahrscheinlich für immer vertreiben, weil solche Geschenke für sie eine Beleidigung darstellen, oder ganz einfach, weil sie zu stolz sind, um in neuer Kleidung zu arbeiten.

Klopfer

Klopfer sind in ihrer Persönlichkeit den bereits genannten Hobgoblin sehr ähnlich, da sie in der Regel in engem Kontakt mit den Menschen stehen. Sie sind jedoch eher darauf spezialisiert, in Minen zu leben, weshalb sie oft in der Nachbarschaft von Bergleuten anzufinden sind. Es wird (insbesondere in Cornwall) angenommen, dass sie heute noch immer in verlassenen Stollen leben, auch wenn es keinen aktiven Bergbau mehr gibt. Sie zeigen sich solange von ihrer freundlichen Seite, wie man sich in ihren Minen anständig verhält. Ihr Name leitet sich von dem Klopfgeräusch ab, das sie als Signal geben, bevor einen Stollen einstürzt. Ist ein Klopfer den Bergleuten wohl gesonnen, warnt er mit leisen Klopfgeräuschen die Bergleute vor einer beginnenden Katastrophe. Fühlen sie sich jedoch nicht respektiert, sorgen sie mit ihren starken Klopfgeräuschen sogar dafür, dass eine Mine überhaupt einstürzt.

Hogboon

Der Hogboon, oder Hogboy, ist ein sehr freundlicher Erdgoblin. Sie sind so freundlich zu den Menschen, dass viele sogar behaupten, sie seien überhaupt keine Goblins. Sie leben in Hügeln in der Nähe von Bauernhöfen, vor allem in der Umgebung von Orkney. Diese unmittelbare Nähe zum Landgut der Menschen ermöglicht es ihnen, ihre Ausbrüche der Großzügigkeit problemlos zu bewältigen, indem sie der nahegelegenen Familie Glück bringen und über das Land wachen. Viele Geschichten zeigen jedoch, dass sie auch eine negative Seite haben, sobald sich die Menschen weigern, die Erträge ihrer Farm mit ihnen zu teilen, ob Milch, Butter, Brot oder Bier. Dann nämlich bringen sie Unglück über die Farm und machen sogar das Land unfruchtbar oder verursachen den Tod eines besonders respektlosen Menschen. Gefährlich ist auch der Versuch, in ihre Hügel zu gelangen, um sich ihre verborgene Schätze anzueignen. Trotz der scheinbaren Hilfsbereitschaft wird der Hogboon als sehr schlechtgelauntes Wesen angesehen, was vielleicht daran liegt, dass er alleine lebt.


Trow

Die Trows von Orkney sind wahrscheinlich eine der am leichtesten erkennbaren Unterrassen der Goblins. Tatsächlich sehen die meisten Menschen, wenn sie an einen Goblin denken, die Gestalt eines Trows vor sich. Ihr Aussehen ähnelt sehr dem eines Trolls, der jedoch von der Fantasyliteratur geprägt wurde. Auch wenn sie manchmal ihre Kräfte dazu nutzen, wie Menschen auszusehen, sind sie normalerweise alt und leicht deformiert, außerdem verkümmert und kurzgewachsen. Sie sind definitiv keine schön anzusehenden Wesen. Trows sind nachtaktiv und nie im Sonnenlicht zu sehen. Aber auch ihr Erscheinen bei Nacht ist so selten, dass man sie sogar für unsichtbar hält. Ihre Erdhügelbehausungen gelten als spektakuläre Sehenswürdigkeiten, da sie mit Gold und Silber bedeckt sind und dort nur das Beste an Speisen und Wein serviert wird. Trows mögen es, sich Nachts in die Häuser der Menschen zu schleichen, in der Nähe des Kaminfeuers zu sitzen und den Hausbesitzern schelmische Streiche zu spielen.

Tengu

Der Name Tengu bedeutet auf Japanisch “himmlischer Hund”, da diese Kreaturen gerne die Form eines hundeähnlichen chinesischen Dämons namens Tiangou annehmen, obwohl sie öfter das Aussehen eines Greifvogels haben. Sie sind wahrscheinlich die bekanntesten der Yōkai – die japanische Klassifizierung übernatürlicher Monster. Die Buddhisten dieser Region glaubten lange Zeit, dass sie Vorboten von Tod und Krieg und bösartigen Dämonen seien. Im Laufe der Zeit wurde der Buddhismus jedoch auch gegenüber diesen asiatischen Goblins toleranter, und betrachtet sie heute als Wächtergeister der Berge, die wegen ihrer manchmal gefährlichen Natur gefürchtet, aber dennoch respektiert werden sollten.


Kobold

Die Kobolde sind eine sehr bekannte Goblinrasse, die ihren Ursprung in der deutschen Folklore haben. Der Grund ihrer weiten Verbreitung liegt an ihrer Vielseitigkeit, da sie quasi überall zu finden sind – auf Schiffen, in Minen, und sogar in den Häusern der Menschen. So ändert sich auch ihr Erscheinungsbild, um sich dem Ort ihrer Wahl anzupassen. Die meisten Kobolde entscheiden sich jedoch für ein Leben als ambivalente Hausgeister, denn dort können sie ihrer Natur freien Lauf lassen, die darin besteht, im Haushalt zu helfen, oder – wenn sie vernachlässigt oder beleidigt werden – die Bandbreite ihrer bösartigen Streiche zu zeigen. Berüchtigter sind jedoch jene Kobolde, die in unterirdischen Stollen leben. Das Element “Kobalt” wurde nach ihnen benannt, da die Bergleute früherer Zeit das giftige, arsenhaltige Erz, in dem sich Kobalt findet, mit ihnen in Verbindung brachten.


Kallikantzaroi

Dieser Goblin kommt vor allem aus der jüngeren griechischen Folklore, die entstand, als die klassische griechische Mythologie aus dem Kopf des einfachen Volkes verdrängt wurde. Kallikantzaroi leben hauptsächlich sehr tief im Untergrund und arbeiten daran, an den Wurzeln des Weltbaums zu sägen, um die Erde damit zu Fall zu bringen. Sobald sie jedoch am letzten Teil des Baumes angelangt sind, werden sie von der Weihnachtszeit ausgebremst. Vom Morgengrauen des 25. Dezembers bis zum 6. Januar können die Kallikantzaroi an die Erdoberfläche gelangen, was sie ihre destruktive Arbeit am Weltenbaum völlig vergessen lässt. Stattdessen fallen sie in das Reich der Menschen ein und richten dort allerhand Verwüstungen an, indem sie Feuer löschen, Milch sauer werden lassen, auf den Rücken der Menschen reiten, und Pferdeschweife zusammenbinden. Sobald sie zu ihrer eigentlichen Aufgabe zurückkehren, hat sich der Weltenbaum erneuert und sie müssen von vorne anfangen.

(c) Amorphisss

Púca

Der Púca ist ein Kobold aus der irischen Mythologie, der weitgehend als harmlos gilt, obwohl der Umgang mit ihm sehr tückisch sein kann. Er kann sich in eine Vielzahl von Gestalten verwandeln, bevorzugt aber in der Regel die Erscheinungsform eines pechschwarzen Hundes oder eines Pferdes mit glühenden Augen. Wenn ein Pùca als scheinbar harmloses oder gezähmtes Pferd auf einen unvorsichtigen Reisenden zukommt, wird diesem ein haarsträubender Ritt durch Dornenbüsche und Sümpfe ermöglicht, bevor er oder sie in ein großes Schlammloch oder in einen Graben geworfen wird. Das Geräusch des kichernden Púca, der durch die Nacht galoppiert, ist eine Warnung an alle Reisenden, sich vor fremden Pferden zu hüten.

Bogey

Bogeys sind in der Regel die kleinste Form der Goblins. Um ihre Größe auszugleichen, erscheinen sie sehr ätheral, was es schwer macht, sie zu bekämpfen. In der Regel sind sie völlig schwarz und leben an dunklen Orten wie auf Dachböden, in Schränken oder in Abstellkammern. Die Wahl dieser Behausungen ermöglicht ihnen, die Menschen auf klassische Weise zu erschrecken. Sie springen einfach aus ihren Verstecken. Von ihnen leiten sich die Begriffe “Buhmann”, “Boogieman”, “Butzemann”, oder auch der “Schwarze Mann” ab.

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