Das Schreiben eines Buches über einen Mord war für mich ein Akt der Angst. Ich hatte Alpträume und kaufte zusätzliche Schlösser für mein Haus. Für die Recherchen besuchte ich Kriminologiekurse und studierte das Handbuch für Mordermittlungen für Polizeibeamte in Großbritannien. Meine Nachforschungen machten mich wütend, und das bin ich immer noch. Manchmal habe ich mich gefragt, warum ich mich nicht entschieden habe, ein Buch über Positano zu schreiben. Vielleicht über einen Koch in Positano. Dann hätte ich während der Recherche Risotto gekocht und Bellinis getrunken. Stattdessen habe ich stundenlang über der Murder Map gehockt. Das ist eine Karte von London. Auf der Karte sind Stecknadeln angebracht, jede Stecknadel steht für einen Mord. Auf der Website sind alle bekannten Morde in London verzeichnet. Man kann also zu einem bestimmten Stadtteil gehen – zum Beispiel Finsbury – und über die Menschen lesen, die dort ermordet wurden. Das mache ich schon sehr lange. Das Problem ist, dass es nie abgeschlossen ist; jede Woche ändert sich die Karte.
Die Erzsébet Báthory-Besessenheit im Zeitalter des Internets
Vordergründig rührt Erzsébet Báthorys Bekanntheit von den Behauptungen her, sie habe in Jungfrauenblut gebadet und 650 nackte Dienstmädchen geschlachtet. Ihre Legende ist außerordentlich sensationslüstern geworden; wenn man sich die Fankunst über Erzsébet anschaut, könnte man annehmen, dass sie tiefe Ausschnitte, schweren Eyeliner und irres Lachen bevorzugte, während Fledermäuse ihren nackten Körper umschwirrten. Wenn man jedoch etwas tiefer gräbt, wird ihre Geschichte zweideutiger.