Das samtrote Sofa
Ich las die seltsame Geschichte einer jungen Frau, die völlig verwirrt an einem launigen Aprilabend im Jahr 1912 auf einem samtroten Sofa saß. Eigentümlich gekleidet war sie, wie es hieß, geradezu aufreizend in diesem engen Rock, der soeben noch die Knie bedeckte, diesem frechen kleinen Hut, dieser knappen weißen Bluse, unter der sich ihre wohlgeformten Brüste abzeichneten. Das Sofa stand in einem Schaufenster gleich neben der Werkstatt des Berliner Polsterers Paul Beckstein. Der Mann staunte nicht schlecht, als er die ungewöhnliche Fremde entdeckte, die dort einfach nur saß und wie hypnotisiert mit weit aufgerissenen Augen starrte, ohne sich erinnern zu können, wer sie war. Einzig das Sofa schien ihr vertraut zu sein. Sie sagte, sie hätte schon einmal auf ihm gesessen. Aber ansonsten hätte sie alles vergessen.