Die toten Augen von London

Finstere Nacht. Nasser Asphalt. Nebelschwaden über der Themse. Kahler Kopf. Bleiches Gesicht. Weiße Augäpfel. Andy Gerber. Der blinde Jack. Mein erster schwarzer Mann, der im Traum im Keller lauert.

Die toten Augen von London haben bei mir, – seht mich mal als bezopfte Elfjährige -, tiefen Eindruck hinterlassen. Vor kurzem habe ich ein persönliches Exempel statuiert und mir den Gänsehaut-Klassiker von 1961 nochmals angesehen.

Hier spricht Edgar Wallace. Immer noch nicht verstaubt: Dieser Film. Immer wieder gut: Diese Stimme.

Hier spricht Edgar Wallace

Constantin Film

Und dieser Gerber und seine Bande? Immer noch die personifizierten Angst-Schocker.

Fazit: Ich kann den Schauder des unschuldigen Kindes von damals, – ergo meinen -, absolut nachvollziehen. Das Bild von dem Kanaldeckel, der sich in der Dunkelheit hebt, um den Blick auf diesen furchteinflößenden Kerl freizugeben, der von da unten emporkrabbelt, blind, beeindruckend klobig, hässlich und offensichtlich nichts Gutes im Schilde führend, hat sich über all die Jahre sehr lebendig gehalten.

Nie vergessen. Wie den Griff des Zyklopen in einem TV-Vierteiler, der Anfang der 70er in der Vorweihnachtszeit gezeigt wurde. Ein Auge prangte auf seiner Stirn, und mit seiner riesigen Hand holte er sich die Gefährten von Odysseus aus den Höhlenritzen, in denen sie sich vor ihm versteckt hatten. Um sie sich lebendig in den Mund zu stopfen.

Das gehört nicht direkt hierher, fällt mir aber augenblicklich wieder ein und will raus. Und obgleich ich längst auf großer Bühne von wahren Meistern das Fürchten gelernt habe, ist diese Szene ein zerfurchter Stein in meinem Kopf. Wie die toten Augen der Auftrags-Killer in Alfred Vohrers (Regie) Kinohit und späterem Straßenfeger. War so. Ist so.

Die Dreharbeiten für die bis dahin sechste Verfilmung eines Wallace-Romans (Originaltitel: The Dark Eyes of London) in der Nachkriegszeit fanden erstaunlicherweise gar nicht in London, sondern in Hamburg und Umgebung statt. Das merkt der staunende Zuschauer so nun nicht. Dass die Themse vor das Fleetschlösschen in der Speicherstadt verlegt wurde…wer hat’s spontan enttarnt? Für echte London-Aufnahmen bediente man sich im Archiv, das war wirtschaftlich gedacht, schadete keineswegs und kam gut britisch zur Geltung.

Rialto-Film erzielte damit einen phantastischen Treffer: Regisseur Vohrer schuf mit Die toten Augen von London den bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreichsten Wallace-Film und galt seitdem als Hauptmacher der heiß geliebten Krimi-Reihe, in der Groß-Aufnahmen von Schuhen, hinter Hüten versteckten Gesichtern und Zigarettenkippen im Rinnstein immer auf den Täter weisen. Wer das ist, bleibt neblig, bis…bis dahin fließt Blut, schreien hübsche Frauen, kommen düstere Gestalten um die Ecke, taucht der Held in um Haaresbreite noch rechtzeitig auf, erschreckt man sich schon ganz schön im Wohnzimmer. Da läuft nach unüberlegter Kürzung des Films, ursprünglich freigegeben ab 16, die Originalversion für die ganze Familie ohne Altersbegrenzung.

Wie in den Siebzigern. Nur wir haben einfach geguckt. Notfalls heimlich. Und dann schlecht geschlafen. Herrlich war das.

Die Geschichte: Tote Männer werden aus der Themse gefischt, der smarte Inspektor Larry Holt von Scotland Yard (Joachim Fuchsberger) hat einen Verdacht. Bevor er dem nachgeht und die Sache ernst und (auch!) hübsch gruselig wird, regt Assistent Sunny Harvey (Eddie Arent) sich bei der dritten Wasserleiche erst mal auf. Das ist komisch, das ist typisch, es wird geschmunzelt, bevor die Luft angehalten wird. Dann die Beschwerde: „Empörend! Wird in diesem Land denn überhaupt niemand mehr erschossen?“

Wird hier niemand einfach mal erschossen?

Holt vermutet, dass die blinden Hausierer, eine ihm bekannte und ehemals aktiveVerbrecherbande, wieder aufgetaucht sind und hinter den Morden stecken. Er begibt sich auf die Suche nach Jack, einstiger Chef der Truppe, wird dabei von Harvey und der aparten Nora Ward (Karin Baal), einer Blindenpflegerin, begleitet. Die Spur führt sie in ein unheimliches Blindenheim unter der Leitung von Reverend Dearborn (Dieter Borsche) und schnurstracks denn auch zum aalglatt-dubiosen Rechtsanwalt Stephen Judd (Wolfgang Lukschy), bei dem alle versichert waren, die ermordet im Wasser landeten.

Denkwürdig und natürlich nicht zufällig: Die Blinden wurden für schnöden Mammon missbraucht, indem man sie auf mörderische Tour schickte, ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Mitleid muss aber nicht unbedingt sein, furchterregend bleibt die Bande trotzdem, allen voran Wortführer Jack und Flimmer-Fred (Harry Wüstenhagen).

Genialer Wahnsinn bleibt im Trend

Klaus Kinski, legendärer Film-Psychopath mit diesem gewissen Uha-Blick, spielte zum ersten Mal in einer Wallace-Adaption der Rialto Film mit. Der Spiegel, aufmerksam auf den so etwas anderen jungen Schauspieler geworden, brachte wenige Wochen vor dem Kinostart ein Kinski-Porträt mit Titelfoto, das war unverhofft beste Werbung für Die toten Augen von London. Bei Wallace kommt Kinski immer recht dumm um. Die schrägen Vögel, die er gibt, verdienen im Film selten Mitgefühl, wenn sie das Zeitliche segnen.

Und dieser Mann, Exzentriker im Leben und auf der Leinwand, wurde Weltstar. Auch eine Story. Für uns. Genialer Wahnsinn bleibt im Trend.

Halloween – Ursprung und Überlieferung

Hallowe’en, auch bekannt als All Hallows‘ Eve, ist ein Feiertag, der sich an jedem 31. Oktober fast vollständig in die amerikanische – und damit in die globale – Kultur eingegraben hat.

Das Halloween Amerikas

Während Halloween heute auf unterschiedliche Weise gefeiert wird, hat die Tradition, dass Kinder von Tür zu Tür gehen und ihre Nachbarn um Süßigkeiten bitten, ihren Ursprung im frühen 20. Jahrhundert. Und das alles ist einer Frau zu verdanken, die ihren Garten liebte.

Am 1. November 1912 wachte Elizabeth Krebs auf und musste feststellen, dass ihre Blumenbeete und Anpflanzungen von den Kindern der Umgebung zerstört worden waren. Die Kinder, die den Guy Fawkes Day feierten, waren durch die Stadt gezogen und hatten die Häuser und das Eigentum der Leute verwüstet. Elizabeth, die sich von diesem Vorfall nicht beirren ließ, entwickelte einen Plan für das nächste Jahr, der vorsah, die Kinder während der Halloween-Nacht zu beschäftigen, damit sie nicht durch die Stadt zogen, um das Eigentum der Leute zu zerstören und ihren preisgekrönten Garten zu verwüsten. Doch auch im nächsten Jahr wurde ihr Garten in der Halloween-Nacht zerstört. Die wilden Störenfriede setzten sogar einen Postboten in Brand.

Doch Krebs ließ sich nicht entmutigen und beschloss, dass mehr getan werden musste, um die randalierenden Kinder zu beschäftigen. Im Jahr 1914 wurde eine Parade veranstaltet, an der die Kinder mit Spielen und anderen lustigen Aktivitäten teilnehmen konnten. Angriffe auf hilflose Gärten oder Häuser der Stadtbewohner gingen dank Krebs‘ Bemühungen bei den örtlichen Behörden und der Stadtverwaltung drastisch zurück. Außerdem gefiel die Veranstaltung den Menschen so gut, dass die Tradition im folgenden Jahr fortgesetzt wurde und Kostümfeste in Kansas zur Tradition wurden. Außerdem entwickelte sich der Feiertag mit dem Zustrom von Einwanderern, insbesondere der Iren. Sogar der Name Halloween hat sich im Laufe der Zeit geändert.

Woher stammt der Name „Halloween“?

Der Name des Feiertags „Halloween“ hat seine Wurzeln im Christentum, beginnend mit dem schottischen Begriff Hallow e’en, was übersetzt Heiliger Abend bedeutet.

Altsächsisch nannte man diesen speziellen Tag „Helagon“, Mittelniederländisch „Heligen“ und Altnordisch „Helga“.

Daraus entstand die altenglische Form: „Halgia“, was „Hallow“ bedeutet, das wiederum mit „zu heiligen“ (dem Verb) zu übersetzen ist – als auch „heilig“ (dem Substantiv).

Daraus ergibt sich der Name „All Hallows‘ Day“ (was wir als Allerheiligen kennen), dem Fest am 1. November zum Gedenken an die christlichen Heiligen, und natürlich „All Hallows‘ Evening“ am 31. Oktober. Eine der frühesten Formen des Wortes findet sich laut dem Merriam Webster-Lexikon in Shakespears Stück „Maß für Maß“ als „Allhallond-Eue“.

Natürlich wurde der Ausdruck Hallow Evening (also der Heilige Abend) in All Hallows‘ Even umgewandelt und dann weiter zu Hallow-e’en verkürzt, wobei das Even zu e-en wurde und das All aus dem Begriff verschwand. Heute nennen wir es Halloween, aber in seiner modernen Form tauchte es erst im 16. Jahrhundert auf, als es erstmals in einem Gedicht von Robert Burn mit dem Titel „Halloween“ erschien.

Jetzt, wo wir wissen, wie sich der Name Halloween entwickelt hat, stellt sich die Frage, wo alles begann? Dazu müssen wir weit zurückgehen, noch bevor das Christentum in Europa Fuß fasste. Zu einem alten Fest, das von den Heiden gefeiert wurde.

Die Wurzeln von Halloween

Die Wurzeln dessen, was wir heute als Halloween bezeichnen, gehen auf das alte keltische Fest Samhain (ausgesprochen „sow-in“) zurück, was „Sommerende“ bedeutet. Die Kelten glaubten, dass der „Schleier“ zwischen der Welt der Lebenden und der Toten in der letzten Nacht des Oktobers dünn ist. Für die Kelten begann in dieser Nacht das neue Jahr, und damit eine Zeit, in der die spirituelle Kraft zunahm. Gleichzeitig markierte diese Nacht das Ende der Viehzucht und den Beginn des Winters.

Ein Großteil der Quellen, die uns zu Samhain vorliegen, geht auf Aufzeichnungen aus dem Römischen Reich und der christlichen Kirche zurück. Die von den Römern als Besatzer gesammelten Informationen, die von Historikern wie Publius Cornelius Tacitus verfasst wurden, schufen eine für ihre politischen Zwecke verzerrte Darstellung. Die Kelten und ihre Druiden wurden als die „Anderen“ oder „Minderwertigen“ dargestellt, deren Traditionen als barbarisch und animalisch angesehen wurden.

Um eine Vorstellung von dieser verzerrten Sichtweise auf die alten Kelten zu geben, hier ein solcher Bericht, den Tactitus aufgezeichnet hat und der wahrscheinlich aus Militärberichten stammt:

„Am Strand stand das gegnerische Aufgebot, ein dichtes Gewirr von Waffen und Männern, mit Frauen, die zwischen den Reihen umherhuschten. Im Stil der Furien, in totenschwarzen Gewändern und mit zerzaustem Haar, schwenkten sie ihre Fackeln, während ein Kreis von Druiden, die ihre Hände zum Himmel erhoben und Verwünschungen ausstießen, die Truppen angesichts des außergewöhnlichen Schauspiels so sehr in Ehrfurcht versetzten, dass sie, als wären ihre Glieder gelähmt, ihre Körper den Wunden aussetzten, ohne den Versuch einer Bewegung. Dann stürmten sie, von ihrem Feldherrn ermutigt und sich gegenseitig anstachelnd, niemals vor einer Bande von Frauen und Fanatikern zurückzuschrecken, hinter die Standarten, schlugen alle nieder, die ihnen begegneten, und hüllten den Feind in seine eigenen Flammen ein.“ (Tacitus Annalen, 14).

Churchills Zitat „Geschichte wird von den Siegern geschrieben“ trifft hier zu, denn die Druiden haben ihre Praktiken und ihren Glauben nie aufgeschrieben, sondern ihre Traditionen nur mündlich an die nächste Generation weitergegeben. Wir wissen nur dank solcher Historiker und Mönche von diesem „Flüstern der Geschichte“. Alle Informationen, die sich auf Samhain und seine Bräuche beziehen, sind mit Vorsicht zu genießen und nicht als hundertprozentige Tatsachen zu betrachten.

Samhain – also „So-win“ – war ein keltisches Fest, mit dem man das Ende des Sommers feierte und sich auf die dunklen, ungewissen Wintermonate vorbereitete. Einem Artikel der Brown University in Providence zufolge war der alte keltische Feiertag Samhain ein landwirtschaftliches Fest, bei dem die Lebensmittelvorräte überprüft wurden, damit sich die Bevölkerung auf die Wintermonate vorbereiten konnte. Abgesehen davon, dass es das Überleben sicherte, glaubte man auch, dass der „Schleier zwischen den Welten“ dünn wurde, so dass die Geister mit den Lebenden in Kontakt treten konnten.

Auch diese alten Heiden haben ihre alten Praktiken nicht aufgeschrieben, so dass man nur vermuten kann, was sie wirklich am 31. Oktober und am 1. November taten, basierend auf Quellen der christlichen Mönche und dem, was im Mittelalter noch praktiziert wurde.

In spirituellen Angelegenheiten wurden Freudenfeuer entzündet, um die Götter zu besänftigen. Außerdem wurden Feuer oft als Mittel zur Abwehr böser Geister verwendet, oder sie dienten in Wirklichkeit der Abwehr von Krankheiten, wie der englische Historiker Ronald Edmund Hutton erklärt:

„Es wurde geglaubt, dass … böse Geister frei herumlaufen würden und das Feuer sie abwehren würde … [und] ein Feuer, das ganz aus Knochen gemacht ist, ist ein Knochenfeuer, daher kommt das Wort Lagerfeuer. Diese Feuer riechen fürchterlich und der stechende Rauch vertreibt die bösen Geister“.

Doch selbst die Theorie, dass die Kelten riesige Lagerfeuer anlegten, um ihre Götter zu besänftigen, stößt bei Historikern auf Skepsis. Bestimmte Regionen Irlands, insbesondere die schottischen Highlands, der größte Teil der Hebriden und andere Regionen, erwähnen keine Lagerfeuer in der irischen Folklore. Es ist also plausibel, dass Lagerfeuer zu Samhain gar nicht üblich waren.

Man kann nur vermuten, dass der Feiertag von einer starken Furcht geprägt sein musste. Angst vor der kommenden Kälte und davor, dass Freunde und Familienmitglieder im Winter und zu Beginn des Frühlings durch bösartige Feen oder Geister ums Leben kommen könnten. Zu dieser Angst trug auch die Bedrohung durch eine Invasion bei, so dass es sehr gut möglich ist, dass das Fest dazu diente, Stress abzubauen und ein letztes „Hurra“ zu geben, bevor sich die Bevölkerung für die Wintermonate einkuscheln musste.

Eine falsche Vorstellung von Samhain, die heute in den Medien verbreitet wird, ist, dass es sich um einen Gott oder einen bösen Geist und nicht um ein Fest handelt. Dieses Konzept taucht in einer Reihe von Filmen auf, z. B. in „Halloween II“, wo Samhain ein „keltischer Herr der Toten“ ist. Dieser Glaube geht auf Charles Vallencey zurück, einen britischen Militärvermesser, der nach Irland reiste, um deren Geschichte aufzuzeichnen.

Ein weiterer Irrglaube ist, dass die keltischen Heiden ihren Göttern Menschenopfer darbrachten, um eine gute Ernte zu erzielen. In dem Text „The Dindshenchas – Dinnsheanchas“ (Die Erzählung der Orte) wird behauptet, dass sie dem Gott Cromm Cruaìch  an einem Ort namens Magh Slecht (die Ebene der Niederwerfung) in der Grafschaft Cavan, Irland, Opfer darbrachten. Angeblich beendete St. Patrick die Praxis der Menschenopfer, indem er das Cromm-Götzenbild zerstörte, denn „die Christen betrachteten Götzenbilder als wertlos“ und als Bedrohung für die christliche Ideologie. Zugegeben, es gibt Hinweise darauf, dass Cromm ein Fruchtbarkeitsgott war, dem die Heiden ihre Erstgeborenen opferten, aber auch hier wurde die Praxis von den gegnerischen Glaubensrichtungen als „andersartig“ dargestellt und sollte nicht als Tatsache betrachtet werden.

Letztlich war Samhain die Zeit, in der die Schafe von der Weide in ihr Winterquartier gebracht wurden, wo sie mit ihren Hütern Schutz suchten, um die Kälte zu überstehen. Außerdem wurde behauptet, dass es eine Zeit war, in der man versuchte, böse Geister zu verscheuchen, indem man sich als Geist verkleidete, den Toten Trost spendete oder sie um Rat für das kommende Jahr bat.

Anhand dieser alten heidnischen Bräuche können wir erkennen, wie sich Halloween zu seinem modernen Fest entwickelt hat. Doch bevor unser heutiges Halloween entstand, musste sich Samhain aufgrund der Ankunft des Christentums ändern und wurde schließlich zum Allerheiligenfest.

Allerheiligen (Halloweens christliche Wurzeln)

Was hat es mit den christlichen Wurzeln von Halloween auf sich und was ist Allerheiligen überhaupt?

Laut Ephraem Syrus gab es am 13. Mai ein Fest, das jedoch den Märtyrern und der Jungfrau Maria gewidmet war und nicht alle Heiligen einschloss. Erst Papst Gregor III. veranlasste, dass der Feiertag auf den 1. November verlegt wurde, um sowohl Märtyrer als auch Heilige zu ehren. Aber was hat die neue Tradition möglicherweise von der alten, keltischen Tradition übernommen? Man kann nur vermuten, dass sich die Art und Weise, der Toten zu gedenken oder sie zu ehren, in das Backen von Seelenkuchen verwandelte, um für die im Fegefeuer Gefangenen zu beten.

Das sogenannte „seelen“ war eine Tradition aus dem Mittelalter, bei der die Menschen zu den örtlichen Bauernhöfen und Dörfern reisten und ein „Seelen-Lied“ sangen, um etwas zu essen zu bekommen, in der Regel Äpfel, Bier oder Seelenkuchen. Diese Tradition fand an Allerheiligen, Allerseelen und Weihnachten statt.

Man kann leicht zu dem Schluss kommen, dass aus dem „seelen“ in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern das „Trick-O-Treating“ entstanden ist.

Kürbislaternen

Neben den Seelenkuchen und dem Gesang trugen die Menschen auch andere Gegenstände mit sich herum, die die Seelen der im Fegefeuer gefangenen Angehörigen darstellten, z. B. ausgehöhlte Rüben oder Mangoldwurzeln. Diese Laternen gehen auf eine alte irische Legende zurück, in der es um den geizigen Jack geht, der den Teufel betrunken immer wieder austrickst und am Ende eine Abmachung trifft, die ihn davor bewahrt, in den Himmel oder die Hölle zu kommen. Er trägt eine Laterne bei sich, um im Dunkeln sehen zu können, und ist dazu verdammt, für immer durch die Lande zu ziehen, daher der Begriff „Jack mit der Laterne“ oder einfach Jack-O-Lantern.

Man nimmt an, dass der Mythos auf den Volksglauben an Irrlichter zurückgeht, die in Torfmooren häufig vorkommen. Natürlich handelt es sich bei den Irrlichtern in Wirklichkeit um Gase, die durch die Oxidation von Phosphor und anderen organischen Dämpfen bei der Verwesung freigesetzt werden, was als Chemilumineszenz bekannt ist. Mit der Einwanderung der Iren in die USA hat der amerikanische Kürbis den Platz der Rübe als Laterne eingenommen, denn Kürbisse lassen sich viel leichter schnitzen als die wachsartigen, schweren Rüben.

Mummenschanz, Verkleidungen und Monster

Mummenschanz ist ein volkstümliches Spiel, das von männlichen Schauspielern in Kostümen im Austausch gegen Leckereien aufgeführt wird, und es ist nicht schwer zu verstehen, wie es zu Halloween passt. Der Brauch des Mummenschanz oder Verkleidens wurde erstmals 1911 in Ontario, Kanada, begründet. Trick-or-Treating war hauptsächlich eine kanadische und amerikanische Angelegenheit. In den späten 40er und 50er Jahren wurde es durch die Radiosendungen „The Baby Snooks Show“ und später „The Peanuts Comic Strip“ immer beliebter. Die beliebten Verkleidungen von Vampiren, Hexen, Werwölfen, Gespenstern und Frankensteins Monster lassen sich natürlich auf die viktorianische Schauerliteratur und frühere Romane wie Walpoles „Das Schloss von Otranto“ , Stokers „Dracula“  oder Irvings „Die Legende von Sleepy Hollow“  zurückführen und wurden in der Filmindustrie weiter popularisiert.

Andere Traditionen und Überlieferungen zu Halloween

Die Farben von Halloween sind Orange, das für Verfall und Ernte steht, und Schwarz, das den Tod, das Böse und die Dunkelheit symbolisiert. Heute werden auch Lila und Grün mit dem Feiertag in Verbindung gebracht, wobei die beiden Farben die düstere Farbpalette für Marketingstrategien auf ein freundliches Erscheinungsbild abmildern. Man könnte sagen, dass die Farben Grün und Violett dazu beitragen, die Aufmerksamkeit der Kunden beim Einkaufen im Supermarkt zu wecken. Interessanterweise ist in den letzten Jahren eine neue Halloween-Tradition entstanden, bei der die Tür lila gestrichen wird, als Hinweis auf eine Hexe, die im Haus wohnt.

Nicht zu vergessen ist die Tradition des Apfelschnappens, die schon von den alten Römern praktiziert wurde. Als sie in Britannien einfielen und ihre Apfelbäume mitbrachten, versuchten die alleinstehenden Männer und Frauen, die Früchte mit den Zähnen zu fangen, um als nächstes verheiratet zu werden.

Auch wenn Halloween und seine Ursprünge immer noch umstritten sind, sind wir uns doch alle einig, dass es eine schöne Zeit im Jahr ist. Mit den sinkenden Temperaturen, dem Laubfall in den nördlichen Staaten und der Suche nach neuen, sichereren Wegen, den gruseligen Feiertag zu begehen, können wir alle die Freude zu schätzen wissen, die uns dieser Tag in diesen unruhigen Zeiten bringt.

Robin Hood – Der vermummte Räuber

Robin Hood

Im Laufe der Jahrhunderte hat das Erzählen und Nacherzählen der traditionellen Robin-Hood-Geschichten dazu geführt, dass eine schier unendliche Vielzahl von Interpretationen entstanden ist, die sich in Comics, Accessoires, Filmen, TV-Serien, Computerspielen usw. niederschlägt. Da es an unbestrittenen historischen Beweisen mangelt, hat jeder „Geschichtenerzähler“ die Gelegenheit genutzt, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und der beliebten Legende eigene Wendungen und Verzierungen hinzuzufügen. Infolgedessen hat die Fiktion über die Tatsachen gesiegt und eine Marke geschaffen, die als Symbol der Popkultur millionenfach reicher ist als eine echte historische Figur je sein könnte.

Der verbotene Tag

Historiker verbinden die Ursprünge der Robin-Hood-Legende oft mit den frühen heidnischen Festen am 1. Mai, dem „Robin-Hood-Tag“, und dem 30. Juni, an dem Mittsommer gefeiert wird.

Um die Ankunft des Frühlings zu symbolisieren, war es Tradition, ein Stück aufzuführen, in dem ein Jugendlicher als Robin Hood auftrat und die Maikönigin, auch „Jungfer Marian“ genannt, in den Wald brachte. Dort würde der Abt der Unvernunft, auch Bruder Tuck genannt, ihre Paarung „segnen“. Der unzüchtige und unmoralische Inhalt dieser Aufführungen wurde vom einfachen Volk sehr geschätzt und diente natürlich auch als Ausrede für rüpelhaftes Verhalten sowie aufrührerisches Schlemmen und Trinken.

Die Besorgnis der Behörden in England und Schottland über den unanständigen Ton der Feierlichkeiten wuchs unvermeidlich. Diese Parodie der Ehe, kombiniert mit all den ausschweifenden Vergnügungen, verschaffte dem Robin-Hood-Tag den berüchtigten Ruf, für eine große Anzahl illegitimer Kinder verantwortlich zu sein. Einige Historiker, die oft als „die Söhne Robins“ bezeichnet werden, behaupten, dass der Nachname Robinson so entstanden sein könnte.


Obwohl das schottische Parlament im Jahr 1555 beschloss, dass „niemand als Robin Hood, Little John, Abt der Unvernunft oder Maikönigin“ auftreten sollte, verbot das englische Parlament erst mit dem Aufkommen puritanischer Einflüsse im 17. Jahrhundert den Robin-Hood-Tag vollständig. Während der Restaurationszeit wurde das Fest wieder eingeführt, allerdings wurde es als einfaches Maifest bekannt. Die kirchlichen und bürgerlichen Behörden konnten sich schließlich darüber freuen, dass sie den Robin Hood’s Day erfolgreich aus dem öffentlichen Gedächtnis gelöscht hatten.

Mensch und Mythos

Mensch oder Mythos? Das ist die am häufigsten gestellte Frage zu Robin Hood. Weil es keine schlüssigen historischen Beweise für seine tatsächliche Existenz gibt, ist er zu einer extrem polarisierenden Gestalt geworden. Das schwer fassbare Geheimnis seiner wahren Herkunft trägt zur Faszination bei. Ob er gelebt hat oder nicht, ist heute nicht mehr wirklich wichtig.

Robin Hood Day 1969 der St Louis Park Historical Society

Im Laufe der Jahrhunderte hat die Fiktion über die Tatsachen gesiegt und die Geschichten von Englands berühmtestem Gesetzlosen sind zu einer weltweiten Legende geworden. Sie haben Robin Hood als „Volkshelden“ etabliert und ihn zur „internationalen Berühmtheit“ erhoben – zur Ikone der Populärkultur mit einer über 500 Jahre alten Fangemeinde.

Die Volkskultur hat Robin Hood zu einer symbolischen Ikone der Freiheit und sozialen Gerechtigkeit gemacht und ihn mit zahlreichen Tugenden und Attributen ausgestattet, die seinem globalen Status als Volksvertreter gerecht werden.

Legt man jedoch die zahlreichen Schichten der Fantasien, die zu seinem internationalen Ruhm beigetragen haben, beiseite, so entdeckt man bald einige sehr dunkle Verbindungen zu Gewalt und bösartigem Verhalten.

Der vermummte Räuber

Wissenschaftler weisen schnell darauf hin, dass Robin Hood in erster Linie ein „Gesetzloser“ war und viele der „echten“ Banditen, von denen verschiedene Historiker glauben, ihre Taten könnten in den Mythos eingeflossen sein, nichts anderes als gnadenlose, mörderische Diebe waren, die kein Mitgefühl oder eine andere Ethik als den Selbsterhalt kannten. Trotz ihrer Verbrechen fanden sie in der Bevölkerung Bewunderung. Tatsächlich haben im Laufe der Jahrhunderte viele Kriminelle bewusst Vergleiche mit der traditionellen Robin-Hood-Legende gezogen, um Unterstützung in der Bevölkerung zu finden und ihr Image aufzupolieren.

Tempelmönch

Wir wissen, dass Robin Hood seit Langem mit den geheimnisvollen Geistern der Waldfolklore, wie dem Grünen Mann und Herne dem Jäger, in Verbindung gebracht wird. Es gibt aber auch plausible Hinweise darauf, dass er sogar Mitglied der Tempelritter gewesen sein könnte – jener heldenhaften Mönchsoldaten, die während der Kreuzzüge die Pilger auf ihrer Reise ins Heilige Land bewachten und neben Richard Löwenherz kämpften.

Als ihr Orden im Jahr 1307 von der katholischen Kirche exkommuniziert wurde, flohen viele Templer in die Wälder Mittelenglands, die bereits zuvor ein Zufluchtsort für Gesetzlose gewesen waren. Um unauffällig zu bleiben, trugen sie oft wenig mehr als die einem Mönch gebührende Kapuzenkleidung. Von dieser leiten sich die Worte „Hood” (Kapuze) und „Hoodlum” (Ganove) ab. Einige Historiker sind der Ansicht, dass dies auf den wahren Ursprung des Namens Robin Hood oder Robin of the Hood – oder gar Robbing Hood (vermummter Räuber) – verweist.

Von ihren Kritikern wurden die Templer auch misstrauisch als „eine esoterische Bruderschaft, die nach verbotenem Wissen hungert“ betrachtet. Man warf ihnen vor, Verbindungen zu okkulten Gruppen in der arabischen Welt zu knüpfen und sich an teuflischen Praktiken zu beteiligen. Der gefeierte Autor Sir Walter Scott hielt ihre militärische Organisation für wahrhaft bösartig und machte die Templer zu den Bösewichten seines klassischen Romans „Ivanhoe“, in dem auch Robin Hood und seine Bande von Sherwood-Geächteten auftreten.

In der Ballade „The Geste of Robyn Hode“ aus dem frühen 13. Jahrhundert wird Robins grausame Ader deutlich. Darin tötet er kaltblütig fünfzehn Förster, weil sie es versäumt haben, ihn für seine Bogenschießkünste zu bezahlen.

Der Fernsehhistoriker Michael Wood erklärt, dass der Begriff „Robehode“ bis 1300 allgemein für jeden lokalen Bösewicht verwendet wurde. In den Gerichtsregistern wurden mehrere Hods und Hoods mit dem Vornamen Robert geführt, darunter eine Familie aus Wakefield in Yorkshire. Sie waren zwischen 1270 und 1340 für ihre leichtfertige, brutale Gewalt und ihr unsoziales Verhalten berüchtigt.

Robin Hood in der Fantasy

Obwohl einige Historiker behaupten, dass die Figur Robin Hoods bis in die mittelalterlichen Mythen zurückverfolgt werden kann, tritt die Legende auch in den Genres Science Fiction und Fantasy auf. Das ist womöglich einer der Hauptgründe dafür, warum sich Robin Hood als globale Figur etabliert hat.

© DC

In der DC-Comics-Serie „Red Hood und die Outlaws“ wird die Robin-Hood-Legende in eine futuristische Welt mit mittelalterlichen Untertönen versetzt. Ein verbotenes Artefakt erinnert an den „Heiligen Gral“ und spiegelt die Werte und Prinzipien einer längst vergangenen, gerechten Gesellschaft wider. Am Ende entpuppt sich das begehrte Objekt als eine alte, ledergebundene Kopie der Geschichte von Robin Hood.

In der Star Trek: The Next Generation-Episode „Gefangen in der Vergangenheit“ aus dem Jahr 1991 sah man, wie sich der Schauspieler Patrick Stewart als der schelmische „Q“ ganz in den traditionellen Federhut usw. kleidete und Captain Picard und seine Crew in ein Robin-Hood-basiertes Szenario mit romantischem Touch nach Sherwood Forest transportierte.

Auf dem schmalen Grat zwischen den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror werden oft allerlei Themen neu interpretiert und zusammengeführt. So ist es also kein Wunder, dass auch die Robin-Hood-Legende ihre Horror- und Fantasyableger gefunden hat. Anfang 2013 wurde „Zombie Hood” veröffentlicht. Der Film spielt in Nottingham und entnimmt seine Handlung der traditionellen Legende.

In ihrem ersten Comic von Eco Comics verbündet sich Robin Hood mit den Horrorschwergewichten Dracula und Jekyll & Hyde, um eine Gruppe kriminell gesinnter Vampirinnen zu besiegen. Ein weiterer Beweis dafür, dass die Robin-Hood-Legende in ihren fantasievollen Adaptionen keine Grenzen kennt.