Wie sich der Jersey Devil in der Popkultur einen Namen gemacht hat

Die Pine Barrens sind eine Million Hektar dichter Wälder, die sich über sieben Bezirke von New Jersey erstrecken. Das Gebiet steht unter staatlichem Schutz, und es wird sehr darauf geachtet, dass die Region so natürlich und ungestört wie möglich bleibt. Fast die Hälfte davon ist öffentliches Eigentum und ist in verschiedene Parks unterteilt, in denen man wandern und campen kann. Es gibt jedoch etwas, vor dem der Besucher gewarnt werden sollten, bevor er sich entschließt, die Nacht unter dem Blätterdach der Kiefern zu verbringen…

Die Legende des furchterregenden Kryptoiden, der als Jersey Devil bekannt ist, geht etwa 300 Jahre zurück; der indianische Stamm der Delawaren gehörte zu den ersten, die diese Legende erzählten. An einem Ort, der heute als „Leeds Point“ bekannt ist, lebte eine Frau namens Deborah Leeds, auch bekannt als Mutter Leeds. Mutter Leeds war eine arme Frau, die zwölf Kinder hatte; man hielt sie auch für eine Hexe, und so war es keine allzu große Überraschung, als sie auf unerklärliche Weise mit ihrem dreizehnten Kind schwanger wurde. Sie behauptete, dass das Unglückskind der Teufel persönlich sein würde, und als sie 1735 das Kind zur Welt brachte, war es eine schreckliche Kreatur. Das Monster, das die Hebamme tötete, bevor es durch den Schornstein entkam, hatte einen gehörnten Ziegenkopf, einen känguruähnlichen Körper, einen gegabelten, schlangenartigen Schwanz, gespaltene Hufe und ledrige Flügel.

Diese teuflische Bestie war bei Reality-TV-Shows zur Untersuchung paranormaler Phänomene sehr beliebt; die Teams von MonsterQuest, Paranormal State, und The Lost Tapes haben alle erfolglos nach dem Jersey Devil gesucht. Die Vorstellung, dass eine kleine Gruppe von mutigen (und naiven) Menschen mit nichts als Taschenlampen und Kameras durch den Wald stolpert, ist allerdings durchaus sehr gruselig.

Das war das Thema des Found-Footage-Films The Last Broadcast von 1998, der im Stil eines Dokumentarfilms über den Mord an einer Gruppe von Männern gedreht wurde, die eine Nacht in den Pine Barrens verbrachten. Locus und Stephen waren die Macher und Moderatoren einer lokalen Fernsehsendung namens „Fact or Fiction“, in der es hauptsächlich um Mysteriöses und Paranormales ging. In der Hoffnung, ihre Einschaltquoten zu steigern, planten sie die Live-Übertragung einer Reise tief in die Pine Barrens auf der Suche nach dem Leeds Devil. Sie nahmen zwei weitere Personen mit, Rein, der sich auf die Aufnahme von EVPs und anderen paranormalen Geräuschen spezialisiert hat, und Jim, einen selbsternannten Hellseher. Ihre Reise endete tödlich, und alle Mitglieder der Crew sind demnach tot oder werden vermisst, mit Ausnahme von Jim – der der einzige Verdächtige zu sein scheint, es sei denn, es war etwas… Unnatürliches.

Pine Barrens um New Jersey

Ein weiterer Film, der sich direkt auf diesen Mythos bezieht, ist der 2012 gedrehte Jersey Devil. Darin spielt Stephen Moyer die Rolle des Richard, der beschließt, mit seiner Familie einen Campingausflug zu machen, um – na ja, ihr wisst schon. Es gibt viele Gründe, warum Richard gestresst ist: das Verschwinden des Familienhundes, die Spannungen zwischen seiner Teenager-Tochter und seiner neuen Frau und nun auch noch die wachsende Zahl verstümmelter Leichen, die in den Wäldern gefunden werden. Als Richards Angst wächst und sein Verstand schwindet, kann er nicht anders, als sich an die Legenden über das groteske Ungeheuer zu erinnern, das angeblich genau den Wald bewohnt, in den er sich verirrt hat.

Der Jersey Devil hat sich in der Belletristik einen Namen gemacht. Einige Fernsehsendungen wie Supernatural und Akte X haben ihm eine Episode gewidmet. Auch mehrere Autoren haben ihre eigenen, von der Legende inspirierten Geschichten verfasst. Der Horrorautor F. Paul Wilson hat zweimal über den Teufel geschrieben, einmal in Form einer Kurzgeschichte und das andere Mal in seinem Roman Tollwütig. Obwohl es nie bestätigt wurde, könnte man dennoch spekulieren, dass H.P. Lovecraft sich von diesem Mythos inspirieren ließ. In Traumsuche nach dem unbekannten Kadath wird eine Jersey Devil-ähnliche Kreatur beschrieben, und Das Grauen von Dunwich hat Ähnlichkeiten mit der Legende von Mutter Leeds.

Da es keine sichere Möglichkeit gibt, die Existenz des Jersey Devil zu beweisen, glauben natürlich viele Menschen, dass er tatsächlich real ist. Im Internet findet ihr unzählige Geschichten über angebliche Erfahrungen mit dem Teufel. Jede ist ein bisschen anders, manche sind ziemlich gruselig. Einigkeit herrscht lediglich über die charakteristische Eigenart des Jersey Devils: ein lauter, „schrecklicher Schrei“, den er gerne durch den Wald schallen lässt.

Doc Savage – Das Vorbild aller Superhelden

Comics sind seit dem letzten Jahrhundert ein beliebtes fiktionales Medium, und die Erfindung von Superman wird oft als Grundstein der Branche angesehen. Doch bevor der Mann aus Stahl sein Debüt feierte, gab es einen anderen Comicartigen Helden, der das Genre anführte: Doc Savage aus den Pulp-Magazinen. Pulp-Magazine waren in den 1930er Jahren die beliebteste Form der gedruckten sequentiellen Kunstgeschichte, bevor Marvel und DC das Medium dominierten.

Doc Savage Magazine, März 1933, „The Man of Bronze“, illustriert von Walter M. Baumhofer.

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts gehörten Pulp-Helden wie Zorro, Das Phantom, Tarzan, den Shadow und Flash Gordon zu den Helden, zu denen junge Leser in ihren Zeitschriften aufschauten. Im Jahr 1933 lernte die Öffentlichkeit den Mann kennen, der zum Aushängeschild des Pulp Fiction Magazins werden sollte: Doc Savage. Einer der Hauptunterschiede zwischen Savage und seinen Vorgängern war sein Sinn für Modernität, seine Weltoffenheit und die Idee eines Menschen, der sich nicht von den Umständen bestimmen lässt.

Pulp Fiction richteten sich an ein älteres Publikum als die Superhelden und wurde in Magazinen, Zeitungsstrips und als Romanen veröffentlicht. Savage selbst wurde von dem Verleger Henry W. Ralston und dem Herausgeber John L. Nanovic bei Street & Smith Publications in seiner eigenen Serie, dem Doc Savage Magazine, herausgegeben. Das Genre war viel direkter und ehrlicher als manche Superheldengeschichten. Dies ist einer der Gründe, warum es sich so gut für das Medium Roman eignete. Einer der wichtigsten definitorischen Unterschiede zwischen Superhelden und Pulp-Helden besteht darin, dass sich letztere durch ein hohes Maß an Kompetenz auszeichnen. Genau diese Kompetenz stand im Mittelpunkt der Geschichte von Savage und seinen Freunden. Tatsächlich kann der zentrale Archetyp des Pulp-Helden als der „fähige Mann“ definiert werden, wie ihn Robert A. Heinlein in seinem Science-Fiction-Roman Zeit genug für die Liebe beschrieben hat.

Doc Savage von Tom Guthery IV

Diese Helden gelten als vielseitige Persönlichkeiten mit einem breiten Spektrum an Fähigkeiten. All diese Eigenschaften werden von Doc Savage, dem Inbegriff des fähigen Mannes, nahezu perfekt verkörpert. Genau dieser Archetyp diente später als Grundlage für unzählige Comicfiguren von Reed Richards bis Bruce Wayne. Savage definierte sich nicht nur durch seine Kompetenz, sondern wurde auch geschrieben, um den idealen modernen Mann der damaligen Zeit darzustellen. Relativ wenig in seiner Geschichte oder in dem Archetyp, den er verkörpert, ist in der realen Welt unmöglich, so dass die Leser einen Charakter vorfinden, den sie nachahmen können. Diese Idee sollte später mit Superman, der die gleiche Pfadfinderpersönlichkeit wie Savage verkörperte, zu neuen Höhen geführt werden. Seine Geschichten waren eine deutliche Inspiration für andere Pulp-Helden, von denen das Phantom am offensichtlichsten ist.

Das Abenteuer war schon immer ein wichtiger Aspekt des Pulp-Subgenres, aber Doc Savage trieb diese Idee auf die Spitze. Während der typische Pulp-Held noch an einen Ort oder ein Subgenre gebunden war, war Savage ein kosmopolitischer Held. Es gab keinen Winkel der Welt, den Savage nicht bereiste, um Gutes zu tun. Während eine Superheldengeschichte in der Regel von Figuren handelt, die gottähnliche Macht mit menschlichem Leben in Einklang bringen, zeigen Pulp-Helden das Beste, was ein Mensch sein kann. Wenn man bedenkt, dass Savage der Gipfel der menschlichen Rasse ist, trifft dies sicherlich zu. Während vor Savage jeder Held eine bestimmte Ecke des Pulp besetzte, vereinte Savage sie alle zu einem einzigen, einheitlichen Genre. Seine Geschichten griffen die klassischen Tropen der Vergangenheit auf und transformierten sie in einen Helden der Moderne. Anders als Zorro, der an die Vergangenheit gebunden war, oder John Carter, der an den Mars gebunden war, wurde Savage zu einem zeitlosen Standartenträger der Pulp Fiction.

Dieser Held verkörperte auch die stoische, ausgeglichene Persönlichkeit, die dann in den Comics so beliebt wurde. Savage inspirierte nicht nur Superhelden wie Superman und Iron Man, sondern beeinflusste auch das Kino. Figuren wie Indiana Jones und Rick O’Connell, die als robuste, kompetente Abenteurer das Kommando übernahmen, ließen sich von Doc Savage inspirieren. George Lucas hat selbst zugegeben, dass die klassische Abenteuerliteratur seine Filme beeinflusst hat. Und die Fabulous Five, die Freunde von Savage, legten den Grundstein für Superheldenteams wie die Justice League. Elemente der Pulp-Tropen finden sich in allen Superhelden-Comics: von Zorros Fassade, sich privat ziemlich tölpelhaft zu benehmen, die sich Clark Kent abschaute, bis zu Doc Savages stupender Bildung in vielen Wissensgebieten, die wiederum gut zu Batman passte. Man kann also durchaus sagen, dass einige der besten Superhelden der Comics, wie Blue Beetle und Batman selbst, direkte Hommagen an Savage sind.

Pulp ist zwar nicht mehr die dominierende Kraft im Comicbereich, hat aber auf einem von Superhelden dominierten Markt nach wie vor seine Bedeutung. Auch wenn sie bei Marvel und DC seltener zu finden sind, sind Verlage wie Dark Horse und Dynamite für ihre Adaptionen von Pulp-Helden wie Zorro, dem Lone Ranger und Tarzan bekannt. Darüber hinaus wandte sich Alan Moore nach seinem Abschied vom Mainstream-Comic selbst dem Pulp-Genre zu, um neue Geschichten zu erzählen. Sein bester Beitrag in diesem Bereich ist sein Held Tom Strong, der stark vom Archetyp Doc Savage beeinflusst ist. Strong debütierte sogar im DCU, wo er eine zentrale Rolle in den Abenteuern von Mr. Terrific spielte, der dadurch seinerseits an die vielseitigen Helden von einst erinnerte.

In vielerlei Hinsicht ist das Pulp-Genre nicht ausgestorben, sondern hat sich nach und nach in die Mainstream-Superhelden-Comics integriert, oft in der Rolle von Nebenfiguren. Schließlich ist es für ein Unternehmen wie DC viel einfacher, hin und wieder eine Adam-Strange-Geschichte zu veröffentlichen, als für einen Verlag, der sich an einer Phantom-Serie versucht. Leider fällt das Genre heute oft der Dekonstruktion zum Opfer, und die Ehrlichkeit, die die alten Geschichten so groß gemacht hat, bleibt auf der Strecke. Aber selbst eine kurzlebige Doc Savage-Serie aus dem Jahr 2009 zeigt, dass es immer noch Leute gibt, die sich dafür interessieren.

Gott ist abgehauen – Und ein rauchender Priester muss ihn finden

Band 1 mit Jesse Custer

Es gibt sehr wenige Ausnahmen, denen es gelingt, erhebliche Änderungen gegenüber der Vorlage vorzunehmen und dennoch die Fans bei der Stange zu halten. Bei „The Walking Dead“ werden die großen Todesfälle aus den Comics stets anders inszeniert, womit die Fans im Großen und Ganzen zufrieden sind, da sie so im Ungewissen bleiben. „Gotham“ hat so gut wie jeden Aspekt von Batman fröhlich verändert, behält aber die Zuneigung der Fans, weil seine Pulp-Comic-Ästhetik die Heimatstadt des Dunklen Ritters so treffend einfängt wie keine Adaption zuvor (außer vielleicht „Batman: The Animated Series“).

Es gibt Serien, die spielen lieber im seichten und sicheren Element. Und dann gibt es Preacher. Als die Adaption der legendären Vertigo-Comics von Garth Ennis und Steve Dillon das Licht der Welt erblickte, war schnell klar: Das hier ist keineswegs das übliche dümmliche Fernsehen. Es ist eine gottlose, blutgetränkte Odyssee durch das amerikanische Hinterland, die alles zertrümmert, was man über Religion, Moral und Superhelden zu wissen glaubte.

Ein Trio aus der Hölle (oder dem Fegefeuer)

Cassidy
Absolute Preacher mit Cassidy

Im Zentrum dieser bizarren Welt steht Jesse Custer. Dominic Cooper verleiht dem titelgebenden Prediger eine brodelnde Intensität. Jesse ist allerdings kein Heiliger; er ist ein Mann mit einer dunklen Vergangenheit, der versucht, in der texanischen Einöde von Annville Buße zu tun. Doch das Schicksal hat andere Pläne. Er wird zum Wirt für „Genesis“, eine Wesenheit, die aus der verbotenen Verbindung zwischen einem Engel und einem Dämon entstanden ist. Diese Macht verleiht ihm die „Stimme Gottes“: Was er befiehlt, geschieht – ohne Ausnahme.

Flankiert wird er von zwei der charismatischsten Sidekicks der Seriengeschichte:

Einmal Tulip O’Hare (Ruth Negga): Eine Frau, die eine Bazooka aus Haushaltsgegenständen baut und moralische Kompasse für überbewertet hält. Sie ist der emotionale Anker und gleichzeitig der personifizierte Chaos-Faktor.

Und dann Cassidy (Joseph Gilgun): Ein irischer Vampir, der lieber Drogen konsumiert und über Popkultur philosophiert, als sich mit der Bürde der Unsterblichkeit zu beschäftigen. Gilgun dominiert fast jede Szene und liefert den nötigen schwarzen Humor, um die düstere Handlung aufzulockern.

Western-Ästhetik trifft auf Splatter-Exzess

Was Preacher so besonders macht, ist der visuelle Mut. Die Showrunner Seth Rogen und Evan Goldberg, unterstützt vom erzählerischen Feingefühl eines Sam Catlin, der das Drehbuch schrieb, haben eine Welt geschaffen, die sich wie ein moderner Western auf Acid anfühlt. Staubige Landstraßen, neonbeleuchtete Diner und eine Gewalt, die so überzeichnet ist, dass sie nur als wirklich kunstvoll zu bezeichnen ist.

Tulip
Tulip in der TV-Adaption, © AMC

Die Serie scheut sich nicht vor dem Absurden. Wo sonst trifft man auf einen jungen Mann namens „Arschgesicht“, der einen Schrotflintenschuss ins Gesicht überlebt hat, oder auf Geheimorganisationen wie den „Gral“, die die Blutlinie Christi schützen wollen?

Hinter der Fassade aus fliegenden Körperteilen und blasphemischen Witzen verbirgt sich eine tiefere philosophische Frage: Was passiert, wenn Gott seine Schöpfung im Stich lässt? Jesses Suche nach dem Allmächtigen ist eine zutiefst menschliche Suche nach Sinn in einer Welt, in der es keinen mehr gibt. Die Serie dekonstruiert den blinden Glauben und ersetzt ihn durch eine gnadenlose Eigenverantwortung.

In Zeiten von glattpolierten Multiversen und formelhaften Blockbustern wirkt Preacher wie ein Befreiungsschlag. Die Serie nimmt ihre Zuschauer ernst, indem sie sie ständig vor den Kopf stößt. Sie ist dreckig, sie ist laut und sie hat ein Herz aus purem Rock ’n’ Roll.

„Preacher“ ist nichts für Zartbesaitete. Diese düstere, gewalttätige und respektlose Geschichte setzt neue Maßstäbe im Bereich der grafischen Erzählkunst. Wer einzigartige Geschichten mag, die die dunklen Seiten des Lebens und der Religion mit Humor und Witz beleuchten, für den ist „Preacher“ genau das Richtige. Diese Comic-Reihe prägte viele nachfolgende Werke und Adaptionen. Die ursprüngliche Comic-Reihe ist nach wie vor ein Meisterwerk und sollte im Regal jedes ernsthaften Comic-Fans stehen.