Zombie Zone Germany

zzg_anthoDas Book of the Dead (hier präsentiert) hat gereizt. Wenn vor 26 Jahren diese grandiose Hommage einer Horrorautoren-Elite an den Master of the Zombie-Universe, George A. Romero, machbar gewesen ist, – und wie verdammt genial gemacht – , dann dürte es doch wohl drin sein, ähnlich Gutes zum literarischen Dinner 2015 zu servieren. Die Besten sterben schließlich nicht aus, sie wachsen nach. Daran glauben wir. Und an die Twilight-Zone.
Kaum war das gedacht, durchdacht und gewünscht, lag es auf dem Tisch; die Servietten auf den ersten Blick noch frisch, auf den zweiten blutdurchtränkt, aber immer noch ordentlich gefaltet. Die Gabeln blank, Löffel und Zähne poliert, die Messer gewetzt. Auf dem Speiseplan: Zombie Zone Germany

Thorsten Exter (Herausgeber) prophezeit. Er ahnt. Er weiß. Warnt? Keine Chance. Die Menschheit darf nervös werden, der Leser gespannt sein: Es wird zappenduster. Es wird böse. Es ist gut.
«(…) Blutige Flora. Eine angekettete Mutter und ihre Kinder. Röcheln im Wald und aus der Tiefe des Glaubens. Der Durchgeknallte. Die Totgetrampelten.Axtnächte. Schlachthäuser, Menschenfleisch, Finger, die im Erdreich scharrten. Die Brücke und die Marodeure. Wimmern. Krieg in den Vororten. Natürliche Auslese. In den Hörsälen fressen sie. Die Zone. Deutschland. 2020 beginnt es. (…)»

Exters Prolog ist eine gelungene Nummer für sich, der große „Rest“ folgt qualitativ ergebenen Fusses und stolzen Hauptes. Heißt: Jede Geschichte in Zombie Zone Germany (Amrûn-Verlag) ist Stoff, der zündet. Starke Schreiber/-innen haben sich mächtig ins Zeug gelegt, damit man das DING in einem temporeichen Rutsch durchlesen kann. Geht. Geht hervorragend. Zwischendurch Luftholen ist Pflicht. Trinkpause auch. Die kann man nutzen, um nach Maden Ausschau zu halten. Die sind nicht niedlich. Die gehören zu denen.
Zombie Zone Germany ist, klare Sache, hammerharte Kost. Der Verdauungsschnaps ist die Genugtuung, der Hölle (mal wieder) entkommen zu sein. Nicht am Boden, nicht angeknabbert, nicht hoffnungslos und immer noch gläubig. Wäre die Hitze nur nicht so verflucht verlockend.

Thorsten Exter schaut voraus. Blickt. Bangt nicht. Betet nicht. Er ahnt. Er weiß.
»(…) Der Mann steht am Horizont. Sieht die Dinge, die uns entgegenkriechen. Ich sehe sie auch. Fürchte sie, erfreue mich an ihnen. Dieses Buch ist erst der Anfang. Ein Luftballon aus rissiger Haut. Fettige Haarsträhnen und ungleiche, zuckende Augen. Wir haben ihn fliegen lassen. Zu dir. Eine Warnung, ein Versprechen.
Es wird noch schlimmer.»

 

Zombie Zone Germany
Die Anthologie
Herausgeber: Torsten Exter
ca. 374 Seiten Paperback
Amrun Verlag

Karin Reddemann

Karin Reddemann schreibt Geschichten. Wahrscheinlich ist das recht vernünftig. Vernünftig findet sie auch, dass T.C. Boyle über sich sagt: „Ich weiß auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut.“ – Studiert hat sie an der Ruhr-Uni Bochum (Germanistik/Romanistik), war einstmals Lokaljournalistin und hat auch das überlebt. Veröffentlichungen: „Gottes kalte Gabe“,  „Toter Besuch“, „Schweigeminuten“ „Rosen für Max“ und „Ganz normal verpickelt“ (Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken), ferner Short-Stories in den Anthologien „Horror-Legionen“ (Amrûn Verlag), „Abyssos–Geschichten aus dem Abgrund“ (VISIONARIUM), „Zwielicht “ und „Zwielicht Classic“ (Achim Hildebrand, Michael Schmidt), „Dirty Cult“ (Hrsg. Ulf Ragnar), „IF Magazin für angewandte Fantastik“ (Whitetrain) , „Der letzte Turm vor dem Niemandsland“ (Fantasyguide präsentiert) und „Miskatonic Avenue“ (Edition Phantastikon, Michael Perkampus)