Persönliches

Wie wichtig sind euch Book Awards?

Diesmal möchte ich wieder einmal an der Montagsfrage von Lauter & Leise teilnehmen. Es ist das erste Mal nach dem Crash des alten Phantastikon.

Als ich noch ein junger Autor war, dachte ich nicht selten daran, wie es sich wohl ausmachen würde, den ein oder anderen Preis einzuheimsen. Heute, als Leser und Autor, der sich nicht sehr um Veröffentlichungen kümmert, hat sich das Blatt gewendet. Vor allem, wenn man weiß, dass Deutschland die höchste Dichte an Stipendien und Buchpreisauszeichnungen weltweit hat, fragt man sich schnell nach dem Sinn des Ganzen. Es ist als Autor fast unmöglich, keinen Preis zu bekommen und sei es eine regionale Auszeichnung oder die eines ansässigen Buchclubs. Dabei muss man jedoch unterscheiden zwischen solchen Preisen, die dem Autor für kurze Zeit ein finanzielles Auskommen gewährleisten und ihm etwas Schwung für die Zukunft mitgeben, und jenen, die dazu gedacht sind, den Leser zu ködern – wovon der Autor natürlich dennoch etwas hat.

Der Preis, der noch immer die meiste Aufmerksamkeit bekommt, ist der Nobelpreis. Tatsächlich ist das für mich als Leser der uninteressanteste, und es gibt nicht wenige, die der Auffassung sind, dass dieser Preis einem Schriftsteller für immer das Stigma der Mittelmäßigkeit verpasst. Da dieser Preis kein literarischer sondern ein politischer ist, schreckt er mich insoweit ab, dass er mich ein Buch eher nicht kaufen lässt, es sei denn, ich kenne den Autor bereits und der Preis kann ihm deshalb nichts anhaben. Da wären vor allem lateinamerikanische Autoren (wie etwa Vargas Llosa) zu nennen, die ich immer schon gelesen habe.

Mehr von Interesse sind die genreorientierten Preise wie der World Fantasy Award, British Fantasy Award, Nebula, der Edgar Award. Da nämlich gibt es Weltweit eine große Zahl und man kann sich mehr oder weniger darauf verlassen, dass dort die Experten sitzen, wenn auch die Vergabe eines fast jeden Preises viel mit Seilschaften zu tun hat. Mit deutschsprachigen Preisen hingegen kann ich gar nichts anfangen, aber das ist nicht besonders überraschend. Ebenso interessieren mich Short- und Longlisten nicht im geringsten, und gleiches gilt für deutsche Bestseller-Listen. Dort findet man eher selten Qualität. Das ist im englischsprachigen Raum etwas anders, aber darum geht es hier ja nicht.

Vielleicht ist es für unerfahrene Leser ein erster Wegweiser, sich mit den Preisen, die das eigene Leseinteresse wiedergeben, auseinanderzusetzen. Irgendwann folgt man aber einer gewissen inneren Struktur – so zumindest ist es in meinem Fall. Und es gibt natürlich auch jene, die ganz und gar auf Listen und Preise setzen, ähnlich wie jene, die sich nur auf Neuerscheinungen stürzen. Aber das ist ein ganz anderes Leseverhalten, eines nämlich, das mir völlig fremd ist. Mehr oder weniger dienen Preise immer als Geschäftsmodell, einmal der Marke des Autors, der sich schön geschmückt in neue Gefilde aufmachen kann, und einmal des Buchhandels, der damit seinen Eventcharakter bekommen. Für das, was man lesen sollte und das, was man lesen möchte, ist das alles ganz unerheblich.

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