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Wie schmeckt das Blut von Dracula

Nach DRACULAS RÜCKKEHR (Originaltitel: DRACULA HAS RISEN FROM THE GRAVE), ging es bei dem britischen Filmstudio Hammer ans Eingemachte. Denn eine weitere Dracula-Fortsetzung musste aufgrund des Erfolges des Horrorfilms her.

Da Christopher Lee (1922-2015) keine Lust mehr hatte, wollte man einen jüngeren Schauspieler für die Rolle des Grafen Dracula verpflichten. Die Wahl fiel auf den britischen Schauspieler Ralph Bates (1940-1991).
Doch davon wollte Warner Bros. Seven Arts nichts wissen. Warner bestand auf Lee als Dracula-Darsteller, um den Film zu finanzieren. Aus diesem Grund musste Hammer in den sauren Apfel beißen. Sie erhöhten Christopher Lees Gage, sodass der Schauspieler schließlich zusagte, ein weiteres Mal in die Rolle des Grafen Dracula zu schlüpfen. Lee hätte es lieber lassen sollen.
Ralph Bates bekam in dem Film die Rolle des dekadenten Lord Courtley und gab nach diversen TV-Rollen im britischen Fernsehen mit TASTE THE BLOOD OF DRACULA sein Film-Debüt.

plakblutDie Dreharbeiten zu (WIE SCHMECKT) DAS BLUT VON DRACULA begannen am 27. Oktober 1969 und wurden am 5. Dezember 1969 beendet.
Als Regisseur des Films wurde der Ungar Peter Sasdy verpflichtet, der zuvor nur für diverse TV-Serien tätig gewesen war. Das wirre Drehbuch stammte mal wieder aus der Feder von Anthony Hinds (1922-2013).
Ein Drehbuch von Kevin Francis, dem Sohn des Regisseurs Freddie Francis, hatte Hammer zuvor abgelehnt, obwohl später einige Szenen aus dessen Drehbuch in der fertigen Drehbuchversion von Hinds auftauchten.

Der Kaufmann Weller (Roy Kinnear) wird von einem geistig verwirrten Mitreisenden aus der Kutsche geworfen und irrt ziellos durch den nächtlichen Wald. Schließlich erreicht er den Ort, an dem Dracula (am Ende von DRACULAS RÜCKKEHR), durchbohrt von dem riesigenKreuz, in den letzten Zügen liegt.
Nachdem sich der Vampir aufgelöst hat, nimmt Weller dessen Umhang, Draculas Ring und Kette sowie ein bisschen von Draculas Blut, das sich in ein rotes Pulver verwandelt hat, mit.
Danach wechselt die Handlung des Films zu den drei perversen Geschäftsmännern William Hargood (Geoffrey Keen), Samuel Paxton (Peter Sallis) und Jonathon Sekker (John Carson), die sich einmal in der Woche treffen, um etwas Besonderes zu erleben. In einem Bordell treffen sie auf Lord Courtley (Ralph Bates), der von seinem Vater enterbt wurde, weil er bei einer Schwarzen Messe erwischt wurde.
Die drei sprechen Courtley an, der sie zum Kaufmann Weller führt. Von ihm kaufen Hargood, Paxton sowie Sekker die Hinterlassenschaften Draculas, um eine schwarzmagische Messe zu zelebrieren.
Am Abend treffen sich die vier Männer in einer verlassenen Kirche, um die Zeremonie durchzuführen. Doch als sie das Blut Draculas trinken sollen, kneifen sie und töten Lord Courtley, nachdem dieser das Blut seines Meisters getrunken hat. Danach fliehen Hargood, Paxton und Sekker.
Doch die drei Männer haben die Rechnung ohne Dracula gemacht. Der erwacht nach der Ermordung Courtleys zu neuem Leben und rächt sich an den drei Mördern seines Jüngers.
Nach und nach lässt er die drei Männer von deren Kindern ermorden, die unter seinem Bann stehen. Zuerst tötet Alice Hargood ihren Vater. Danach folgt Lucy, die zusammen mit Alice ihren Vater Samuel Paxton in der verlassenen Kirche ermordet.
Als Letzter muss Jonathan Sekker dran glauben, der von seinem eigenen Sohn erstochen wird. Doch dieser kann Paul Paxton, den Freund von Alice, insoweit instruieren, dass er den Kampf gegen Dracula aufnehmen kann, um Alice aus dessen Klauen zu erretten.

draguckEs dauert fast 45 Minuten in dem Horrorfilm, bis Christopher Lee (nach einer sehr kleinen Szene am Anfang) endlich im Film auftaucht. Danach wird WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA aber auch nicht viel besser, der am Anfang sehr langatmig wirkt.
Der einzige Lichtblick in dem Horrorstreifen ist dagegen Ralph Bates, der als einziger Darsteller im Film wirklich überzeugen kann. Es wäre bestimmt recht interessant gewesen, ihn als neuen Dracula im Film begrüßen zu können. Aber daraus wurde leider nichts.
Ansonsten scheint der Film ziemlich schnell heruntergekurbelt worden zu sein. Auch der Regisseur Peter Sasdy scheint mit der filmischen Darstellung von WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA ziemlich überfordert gewesen sein. Kein Wunder, wenn man die wirre Handlung des Films (besonders am Schluss) betrachtet.
Denn Anthony Hinds scheint am Ende des Films nichts mehr eingefallen zu sein. Die Handlung in der verlassenen Kirche ist nicht nur völlig unzulänglich, sondern der Zuschauer weiß überhaupt nicht, was er mit dieser wirren Zuschaustellung überhaupt anfangen soll.

Hier fällt besonders Pauls Kampf gegen Graf Dracula auf. Es bedarf schon etwas mehr, als ein weißes Tuch nebst zwei Kerzen und einem Kreuz auf dem Altar, um eine entweihte Kirche neu zu weihen. Hier hätte sich Hinds etwas mehr informieren sollen, um das Ganze viel glaubhafter und realitätsnäher rüberzubringen.
Als Dracula auftaucht, attackiert Paul den Vampir mit dem Kreuz vom Altar, das plötzlich in hellem Licht erstrahlt. Dracula flüchtet nach oben und wird dort plötzlich mit einem Kreuz in einem Glasfenster konfrontiert, das ebenfalls zu leuchten beginnt, das er jedoch zerschlagen kann.
Und plötzlich erscheint die völlig verwahrloste Kirche in neuem Glanz. Die Kirche erstrahlt im hellsten Licht und sieht auch sonst völlig rein und aufgeräumt aus. Durch diese, nennen wir es mal Vision, wird Dracula völlig paralysiert und stürzt (natürlich) mitten auf den Altar, auf dem er sich nach und nach langsam auflöst.

Wo der Anfang des Films schon völlig unzureichend wirkt, ist der Schluss des Films die Krönung des Ganzen. Die Frage, die man sich dabei stellen muss, ist, was sowohl Regisseur Peter Sasdy als auch Drehbuchautor Anthony Hinds damit überhaupt bezwecken wollten. War diese Schlussszene in der verfallenen Kirche so eine Art Lückenfüller, weil Hinds nichts mehr Brauchbares eingefallen ist?

Alles in allem kann WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA weder in der Handlung noch in Bezug auf die Darsteller, abgesehen von Ralph Bates, überzeugen. Auch Christopher Lee agiert eher lustlos als Graf Dracula, was aufgrund des dämlichen und fantasielosen Drehbuchs und der Handlung des Films auch kein Wunder ist.

Auch die Kinozuschauer waren von dem vierten Dracula-Film aus den Hammer Studios ganz und gar nicht begeistert. Denn TASTE THE BLOOD OF DRACULA war der erste Dracula-Film aus der Hammer-Schmiede, der an den Kinokassen floppte, und das nicht ohne Grund.
Und TASTE THE BLOOD OF DRACULA sollte nicht der letzte Hammer-Film sein, der keinen Gewinn mehr das britische Filmstudio einspielen sollte.

Wie schmeckt das Blut von Dracula
(Taste the Blood of Dracula)
GB 1969

Stab
Regie: Peter Sasdy
Drehbuch: John Elder
Produktion: Aida Young
Musik: James Bernard, Philiph Martel
Kamera: Arthur Grant
Schnitt: Chris Barnes

Darsteller
Christopher Lee als Graf Dracula
Linda Hayden als Alice Hargood
Anthony Higgins als Paul Paxton
Ralph Bates als Lord Courtley
Geoffrey Keen als William Hargood
Peter Sallis als Samuel Paxton
John Carson als Jonathan Sekker
Roy Kinnear als Weller
Michael Ripper als Inspector Cobb
Gwen Warford als Martha Hargood
Isla Blair als Lucy Paxton

FSK: Ab 16 Jahren
Laufzeit: 91 Minuten

 

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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