Whitley Strieber – Die Heimsuchung

heimsuchungThe Forbidden Zone

erschienen 1993

Der Start der modernen Horrorgeschichte wird gerne mit der kosmischen Paranoia H.P. Lovecrafts in Verbindung gebracht. Aus diesem Grunde ist es wohl nicht verwunderlich, wenn sich ein Autor, der übernatürliche Thriller schreibt, bei diesem Urvater dichterisch bedient. Meist geschieht das nicht in Romanlänge, weil es nach wie vor nahezu unmöglich ist, die notwendige Atmosphäre auf diese Strecke hin auszuwalzen. Strieber allerdings hat das versucht. Gelungen ist es ihm nicht. Seine moderne Sprache ist zu sehr auf Handlung bedacht. Seine Figuren sind Puppen, die sich, getrieben von der Idee des Plots, der einen guten B-Movie abgäbe, bewegen.

Jene Stimmen, die sich dieses Buch zu Gemüte geführt haben, um über ihr Leseerlebnis zu schreiben, sprechen von der Lovecraft-Formel, die Strieber da eingefangen hätte, aber entweder haben sie ihren Lovecraft nicht gelesen oder sie sind ganz einfach den Pressetexten auf den Leim gegangen. Die Geschwindigkeit des Romans ist atemberaubend, eine echte Reißbrett-Produktion. Tatsächlich fühlt man sich mehr an den Film Die Körperfresser kommen (der Verfilmung von Jack Finney’s Body Snatchers) erinnert als an irgendetwas des Großen Alten. Merke: Wo Tentakel drauf steht ist noch lange kein Lovecraft drin.

Strieber ist keiner, den man in der Phantastik in die erste Reihe setzt. Das mag vielleicht ein Grund gewesen sein, warum er sich von UFOs entführen ließ, um dann davon in „Communion: A True Story“ zu berichten. Da hatte er – nach Wolfen – seinen Bestseller und seinen Ruhm.

Sammler der „Lovecraft-Bibliothek“ werden sich davon nicht beirren lassen und das Ding dennoch kaufen. Für Adepten der Phantastischen Literatur jedoch völlig uninteressant.

Erschienen bei Festa

Michael Perkampus

1969 im Fichtelgebirge geboren, Schriftstseller, Musiker und Übersetzer, Studium der (Experimental)Psychologie in München. 2005-2010 Moderator der Literatursendung „Seitenwind“ (Winterthur, CH). Im Dezember 2014 erste Übersetzung eines Interviews mit Ligotti, was zur Gründung des Phantastikon führte.

Veröffentlichungen in mehreren Zeitschriften. VÖ als Morpheus Eisenstein: „Equipe Propheta“ (1991), Das Symbolon (1995); VÖ als Michael Perkampus: „Die Geschichte des Uhrenträgers“ (2007), „Guckkasten“ (2011), „Entropia“ (2014); Story im IF #666: „Dorothea“. 2018 Herausgeber der „Miskatonic Avenue“, mit der Story „Der Gehenkte“ vertreten.