Persönliches

Welches (Cover-)Design eines Buches hat euch in letzter Zeit besonders gefallen?

Heute stellt sich die Montagsfrage von Lauter & Leise für mich etwas schwierig dar. Nicht, weil ich kein visueller Mensch wäre, sondern weil ich da in manchen Punkten doch eher ziemlich harsch bin.

Zu sagen, dass Buchcover in den heutigen Zeiten eine einzige Katastrophe darstellen, wäre richtig und falsch zugleich. Im Allgemeinen wird da kein großer Aufwand betrieben, längst ist man vom individuellen Cover zum Genre-Cover übergewechselt, wo meistens der vermeintliche Marktführer visuell den Ton angibt und das Design das immer gleiche darstellt, in kleinen Variationen, versteht sich. Im Grunde ist das nichts anderes als gar kein Cover zu haben, sondern nur eine Farbe, den Titel und den Autor (wogegen ich gar nichts habe). Aber es ist eben nicht ganz das gleiche, weil manche Cover so schrecklich sind, dass man sie am liebsten wegreißen oder überkleben würde, obwohl der Inhalt gut ist, wie ich immer wieder herausfinde. Und während ich das schreibe und anprangere, weiß ich, dass ich gleichzeitig all das, was mir ein großer Kritikpunkt ist, in gewisser Weise sogar gut heiße. Da wären die sogenannten Live-Action-Szenen, die auf einem Buch eigentlich gar nichts zu suchen haben, aber benutzt werden, um sie mit der eventuell existierenden Verfilmung zu verquicken oder um das Buch zumindest visuell in die Nähe eines Films zu rücken, obwohl Filme für mich gegenüber der Literatur nach wie vor ein untergeordnetes Medium sind. Das trifft nicht auf alle Filme zu und auch nicht auf alle Ver=filmungen, aber auf die meisten. Dann aber sind es genau diese Live-Action-Szenen, die auch mich ansprechen, nämlich immer dann, wenn eine gut gewählte und historische Fotografie die Atmosphäre des Inhalts wiederzugeben versucht. Da ist natürlich viel Psychologie im Spiel. Sehe ich mir die Gereon-Rath-Reihe oder die August-Emmerich-Reihe an, dann interessieren mich die Romane bereits aufgrund des Covers; ich weiß, was ich bekomme. Im Umkehrschluss heißt das natürlich, dass es nicht nur mir so geht und nur, weil ich eine Covergestaltung nicht mag, bedeutet das nicht, dass sie nicht grundsätzlich auch auf mich eine Wirkung hat. Aber das beantwortet die Eingangs gestellte Frage kein bisschen.

Auch hier machen kleinere Verlage vieles besser, vor allem auch deshalb, weil sie sich um ihr Produkt grundsätzlich mehr bemühen als die großen Platzhirsche, denen es nur um die größtmögliche Gewinnspanne geht (und auch hier möchte ich nicht behaupten, dass es dort keine Menschen gibt, die Literatur und Bücher lieben). Oft gestalten tatsächlich Künstler das Cover und wirken so an einem Produkt mit, das in seiner Gänze besticht. Und jetzt sind wir beim eigentlichen Design. Wie lässt sich der Inhalt so transportieren, dass er auch als das wahrgenommen wird, was er ist, und nicht nur die Klischees eines Genres transportiert, sondern tatsächlich den Autor mit seinem Inhalt? Aber diese Art der Gestaltung richtet sich dann auch mehr an den Sammler (der nicht mit dem Bibliophilen verglichen werden darf, denn der interessiert sich ganz und gar nicht für irgendein Buch, das nach 1950 herausgekommen ist). Viele Jahrzehnte lang interessierte ich mich tatsächlich auch bei der Covergestaltung für Sammlerobjekte, doch das hat aufgehört. Das Buch als reines Objekt interessiert mich nicht mehr, aber auch das tut hier nichts zur Sache. Ich laviere nur aus einem bestimmten Grund so unspezifisch herum: Mir hat in letzter Zeit kein einziges Coverdesign wirklich so gefallen, das ich es besonders erwähnen müsste, auch wenn ich mich an die moderne Optik von Büchern mittlerweile gewöhnt habe.

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