Montagsfrage

Die Jahreszeiten und das Leseverhalten.

Die heutige Montagsfrage auf Lauter & Leise stammt von Büchernarr, und sie verleitet mich eigentlich gleich dazu, abzuschweifen, weil unter dem Begriff Leseverhalten selbst ziemlich viel kumuliert. Ich versuche mich dennoch kurz zu fassen, weil es hier nicht um Studien geht, sondern um eine persönliche Antwort.

Sieht man sich etwas unter Buchbloggern um, könnte man durchaus der Meinung sein, dass es arttypisch ist, seine Lesegepflogenheiten den Jahreszeiten anzupassen. Allerdings ist das ein Umstand, der bei mir nie verfangen hat; ganz im Gegenteil löst das bei mir eine große Verwunderung aus. Erklärbar wird dieses Verhalten allerdings durch die Marketingkampagnen der Verlage, ausgelöst durch die Tatsache, dass zum Beispiel zur Weihnachtszeit Jahr für Jahr bestimmte Filme im TV laufen und das auch vom Publikum angenommen und gewünscht wird. Das ließe sich doch auch auf den Buchsektor transferieren und erweitern.

Hinzu kommt, dass es sehr praktisch ist, mit Jahreszeiten zu arbeiten, die man ja nicht erst erstellen und definieren muss (wie vergleichsweise Genres).

Da ich jemand bin, der ständig und andauernd liest, quasi in jeder freien Minute, habe ich mir ein anderes Leseprofil erarbeitet als vergleichsweise jemand, der anderen Verpflichtungen nachkommen muss und deshalb einen 1000-Seiter nicht an der Bushaltestelle beginnen wird, während ihm die Nase läuft und die Finger in dicken Handschuhen stecken (in solchen Fällen ist ein Hörbuch angenehmer). Dieser Leser wird also warten, bis er Urlaub hat, um in der Geschichte bleiben zu können, und vielleicht wird er auch explizit nach einer Sommerlektüre lechzen, wenn er dann die Möglichkeit hat, seinen Urlaub auch im Kopf zu beginnen. Und natürlich gibt es da auch die berühmten Kamingeschichten – der Einfluss der Jahreszeiten ist also kein modernes Phänomen. Anheimelnder Grusel geht sehr gut mit der winterlichen Welt einher, und so ist es nicht verwunderlich, dass man eine solche Gelegenheit auch für das entsprechende Genre reserviert.

Hat das alles tatsächlich etwas mit dem Leseverhalten zu tun?

Ich könnte an dieser Stelle einen Schritt weiter gehen und behaupten, Leseverhalten sei ein psychologisches Phänomen, das nicht mit den Jahreszeiten zu tun haben kann. Was ich hier meine, wird klar, wenn ich die acht Regeln des Leseverhaltens aufführe, wie diese etwa vom Swansea Council erhoben werden:

1. Aktivierung des Vorwissens
2. Befragung
3. Visualisierung
4. Analysieren und in Verbindung bringen
5. Analysieren und auswerten
6. Analysieren und ableiten
7. Selbstbeobachtung
8. Zusammenfassen

Das hat – so glaube ich – mit unserer Frage gar nichts mehr zu tun. Ich führe das alles nur so lose ins Feld, weil ich die Frage tatsächlich in einem einzigen Satz beantworten könnte und das für eine Montagsfrage doch etwas unbefriedigend wäre. Ich selbst lese in Themenclustern, die nichts mit Jahreszeiten zu tun haben.