Persönliches

Welche kleinen Verlage kennt ihr eigentlich und mögt ihr gern?

Auf “Lauter & Leise” gibt es heute die Frage nach kleinen Verlagen. Wenn man ehrlich ist, sind gerade sie das Salz in der Suppe, denn für meine Begriffe gleichen große Verlagshäuser eher Industrieunternehmen, bei denen das Produkt, das sie verkaufen, austauschbar ist.  Als Autor sieht man die Dinge noch einmal etwas anders wie als Leser, aber die Erfahrungswerte dürften sich in vielen Punkten gleichen, und ich sehe und erkenne auch, wie kleine Verlage für ihre Leidenschaft kämpfen. Tatsächlich sähe ohne sie unsere Verlagslandschaft erbärmlich aus, man kann es nicht anders benennen. Aufgrund meiner Tätigkeit kenne ich einige davon persönlich, andere nur aus reinem Leseinteresse heraus.

An vorderster Front steht für mich der Whitetrain von Tobias Reckermann. Natürlich kann man jetzt anmerken, dass ich hier voreingenommen bin, weil Tobias – nicht nur selbst Schriftsteller – im Grunde auch einer meiner Verleger ist. Doch man muss sich klar machen, dass es die ganze Weird Fiction in Deutschland ohne diesen kleinen Verlag überhaupt nicht gäbe. Man mag sagen, dass Lovecraft, Smith, Howard usw. doch über viele Verlage verstreut erscheinen, aber die Rede ist vielmehr von dem, was in Amerika eine große Säule der spekulativen Literatur ist und bei uns so gut wie überhaupt nicht wahrgenommen wird. Das liegt natürlich nicht an den Verlagen selbst, sondern an den Lesern, denn eines ist klar: Würde irgendwo auch nur ein Fünkchen Interesse bemerkt werden, würden sich die großen Geier darauf stürzen und diesen Körper ausbeinen wie sie es mit allen Trends bisher gemacht haben. Es wäre das andere Extrem. Der Whitetrain mit seinem Imprint Nighttrain sorgt in einem möglichen kleinen Rahmen dafür, dass wir in mancher Hinsicht nicht komplett kulturell abgeschlagen sind, was phantastische Literatur betrifft. Zugegeben, auf den ersten Blick scheint kein Mangel an kleinen Verlagen zu herrschen, die sich der Phantastik ganz besonders annähern, aber die Frage der Qualität ist eine andere. Bekannt sind sie mir alle und es gibt fast in jedem die ein oder andere Veröffentlichung, die ich zuhause stehen habe. Aber neben dem Whitetrain ist es vor allem die Goblin Press, die dem Begriff Liebhaberei noch einmal eine richtige Kante mitgibt. Man kann darüber diskutieren, ob es sich hier überhaupt um einen Verlag handelt und nicht um eine private Herausgeberschaft, die zu Jörg Kleudgen gehört wie überhaupt sein Name. Jörg selbst findet ihr auch beim Blitz-Verlag wieder, wo er unter anderem als Redakteur fungiert.

Über die Phantastik könnte man nun eine ganze Weile so weitermachen, aber es gibt auch in anderen Sparten kleine Perlen, in denen sich ein spezielles Interessengebiet abzeichnet. Jüngst stieß ich auf den Dryas Verlag, der sich viktorianischen Krimis verschrieben hat. Über die Qualität der angebotenen Titel kann ich allerdings noch keine Auskunft erteilen, weil ich gerade das erste Rezensionsexemplar vorliegen habe und noch nicht weiß, wohin die Reise geht. Da ich aber selbst jemand bin, der sich – im Augenblick verstärkt – mit historischer Mystery auseinandersetzt, war ich nicht wenig verblüfft, einen Verlag zu finden, der dieses Setting grundsätzlich anbietet, über das ich bereits den ein oder anderen Artikel für das Phantastikon eingeplant habe. Fraglich ist natürlich, ob es sich hier noch um einen kleinen Verlag handelt, denn Dryas ist das Imprint der Kette Bedey Media, die aber natürlich nicht so räuberisch groß ist wie Bertelsmann oder Holtzbrinck und auch einen ganz anderen Ansatz verfolgt und einen akademischen Hintergrund hat.

Ich könnte tatsächlich noch eine ganze Reihe kleiner Verlage nennen und deren Profil herausarbeiten, aber das würde den Sinn dieses kleinen Artikels verfehlen. Tatsächlich verfolge ich die Programme vieler Verlage. Meine speziellen Interessen sind nicht immer offensichtlich, vor allem, weil ich auch an Texten interessiert bin, die ich selbst nie beabsichtige zu schreiben – oder gerade deshalb. Was man jedoch über die meisten dieser kleinen Perlen sagen kann ist, dass sie alle ein ganz spezielles Flair im Auge haben, und das ist in der heutigen Zeit, wo Großkonzerne auch die Literatur gleichmachen, besonders wichtig und notwendig.

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