„Die Sturmlicht-Chroniken: Der Weg der Könige“ von Brandon Sanderson

sturmlicht1Die Zeit der zehn Herolde und ihres Kampfes gegen die Bringer der Leere liegt so lange zurück, dass ihre Existenz nur noch als ferne Legende überliefert wird. Doch die magischen Splitterklingen haben überdauert. Nach einem Attentat auf den König von Alethkar kämpfen die Alethi mit ihren Großprinzen auf der zerbrochenen Ebene gegen die Parschendi. Unter ihnen ist der Bruder des ermordeten Königs, Großprinz Dalinar Kohlin, welcher von geheimnisvollen Visionen heimgesucht wird. Diese führen ihm vor Augen, dass der Traum seines Bruders vom geeinigten Königreich in Gefahr ist – doch seine Feinde schwächen Dalinars Einfluss, nicht zuletzt auf den von Paranoia zerfressenen König. Mit auf dem Feldzug befindet sich der versklavte Kaladin, der mit seinen Brückenmännern bei jedem Gefecht an die vorderste Front muss. Währenddessen versucht Shallan das Mündel von Jasnah Kohlin zu werden. Vorgeblich, um Bildung zu erfahren und so zu Ruhm und Ehre zu gelangen. In Wahrheit jedoch, um Jasnahs Seelengießer zu stehlen, denn ihrer Familie droht der finanzielle Ruin. So kämpft jeder für sich um sein Überleben …

Das Buch beginnt mit einem Präludium auf das Gesamtwerk, welches die zehn Herolde einführt. Danach folgt ein langer Prolog, welcher das vom Unwahren Szeth ausgeführte Attentat schildert. Erst danach beginnt die eigentliche Handlung, die sich zunächst vor allem auf Kaladin und Shallan konzentriert. Kaladin war vor seiner Versklavung Soldat und hat in seiner Kindheit das Heilen gelernt. Doch durch einen Verrat wurde er Sklave und ist nun voller Rachedurst gegen die Hellaugen. Sein Leben wird in zwei Zeitebenen erzählt, die eine beginnend in seiner Kindheit und die andere nach seiner Versklavung. Shallan hingegen stammt aus einer recht unbedeutenden Hellaugen-Familie und ist eine exzellente Zeichnerin. Durch die Notsituation ihrer Familie sieht sie keinen anderen Weg als das Mündel der Häretikerin Jasnah Kholin zu werden, um die Gelegenheit zum Diebstahl ihres Seelengießers zu bekommen. Erst später in der Handlung kommt Dalinar mit seinen Söhnen hinzu und somit der Kampf auf der zerbrochenen Ebene. Hier wird klar, wie es um das Königreich Alethkar bestellt ist. Doch durch seine Visionen, die den „Schwarzdorn“ Dalinar so nachdenklich machen, leidet sein Ruf. Und so gilt er nur als verschroben durch seine Bemühungen, das Buch „Der Weg der Könige“ auf sein Leben anzuwenden …

Der Auftakt der Sturmlicht-Chroniken, geplant sind zwei Pentalogien, entführt in eine fremde Welt, die durch ihre sorgfältige Ausarbeitung beeindruckt. Neben den verschiedenen Rassen, welche teilweise über höchst beeindruckende Fähigkeiten verfügen, gibt es ein einfaches Herrschaftssystem: Der Stand bestimmt sich anhand der Augenfarbe. Die sogenannten Hellaugen sind die Herrscherkaste, während die Dunkelaugen einfache Arbeiter oder sogar Sklaven sind. Es gibt einzigartige soziale Regel, wie zum Beispiel, dass nur Frauen lesen und schreiben dürfen – so braucht eigentlich jeder erfolgreicher Mann auch eine fähige Frau. Noch faszinierender gestaltet sich das Magiesystem, welches auf Sturmlicht basiert und sich in seinen einzelnen Facetten sehr aufregend gestaltet. So gibt es ein spezielles Werkzeug namens Seelengießer, das ein Material in ein anderes verwandeln kann. Gleich zu Anfang des Buches wird aber auch das sogenannte Peitschen vorgestellt, was nur wenige beherrschen und mit dem Verschieben der Schwerkraft arbeitet. Ein weiteres Highlight sind die Splitterklingen und die dazu passenden Rüstungen, welche unglaubliche Fähigkeiten verleihen. Gut gefallen hat mir das Vorstellen der Kampftechniken, allen voran der Einsatz der Brückenmänner. Auch die Besonderheiten der Natur sollten erwähnt werden: Aufgrund des regelmäßig auftretenden Phänomens des Großsturms haben sich die Pflanzen so angepasst, dass sie sich zurückziehen können. Ein schönes Detail sind die sogenannten Sprengsel, die es in allen möglichen Arten gibt: Ruhmsprengsel werden vom Ruhm angezogen, Fäulnissprengsel von infizierten Wunden und so weiter.

Dies ist jedoch alles nur Beiwerk, im Mittelpunkt stehen eindeutig die Protagonisten. Doch Brandon Sanderson versteht es, geschickt das Erleben seiner Charaktere mit dem Erklären ihrer Welt zu verbinden. So wird der Leser nicht in Unwissenheit gelassen, zugleich aber auch nicht mit abschweifenden Erläuterungen gelangweilt. Dennoch schadet eine gewisse Vorliebe für ausführliche Beschreibungen nicht, vor allem Kaladins altem Leben wird sehr viel Raum gegeben. Überhaupt beweist sich Brandon Sanderson als begabter Erzähler: Er wechselt nicht ständig die Perspektive, sondern bleibt oftmals für ganze Kapitel bei der jeweilig handelnden Protagonisten. Wenn doch einmal Dritte einen Auftritt haben, wird diese Person zumindest über mehrere Seiten, wenn nicht sogar durch das ganze Kapitel begleitet. Auch ist bemerkbar, dass jeder Charakter anders spricht, handelt und denkt, somit einzigartig ist.
Ein Minuspunkt, welcher aber nicht der Autor verschuldet hat, ist das Aufteilen des ersten Bandes in zwei Teile in der Übersetzung: So wird zwar an einer wirklich sinnvollen Stelle der Schnitt gemacht. Dennoch ist bemerkbar, dass dies nicht das echte Ende der Geschichte ist. Das ist schade, doch – ohne jetzt eine große Diskussion über das Teilen von Büchern anstoßen zu wollen – war es bei diesem gewaltigen Umfang der Übersetzung wohl unvermeidbar. Erst „ Der Pfad der Winde“ vollendet den Handlungsbogen.

Mein Fazit: Der Beginn eines Epos, der mit seiner ausgeklügelten Handlung, den starken Protagonisten und seinen zahlreichen Details alle Anlagen dazu hat, Maßstäbe im Fantasy-Genre zu setzen. Für High-Fantasy-Fans absolut empfehlenswert.

Elena A.

Als Kind versank Elena mit der Taschenlampe unter der Bettdecke in fantastischen Welten, heute brennt eine Nachtischlampe bis tief in die Nacht. In ihrer Freizeit zwischen Arbeit und Studium bloggt sie über gelesene Bücher, vorwiegend Fantasy in allen Variationen.

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