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Folge 55: Kleine Geschichte des Kriminalromans

Genrebeschreibungen sind selten eine klare Sache, aber nur deshalb kann man überhaupt darüber diskutieren. Wäre immer alles klar und für jeden ersichtlich, würde ein Lexikoneintrag genügen und der Fall wäre abgehakt. Im Phantastikon nehmen wir uns immer mal wieder eines gewissen Genres an und beleuchten es etwas genauer. An dieser Stelle sei zum Beispiel auf unsere Sendung Die Anfänge der Schauerliteratur verwiesen.

Heute widmen wir uns dem wohl beliebtesten literarischen Genre überhaupt. Dem Kriminalroman.

Dabei sollte berücksichtigt werden, dass es niemals eine erschöpfende Aussage über ein Genre geben kann, und so ist auch dies hier nur eine kleine Übersicht. Herzlich willkommen.

Wenn ihr euch für mehr Informationen begeistern könnt, dann schaut auch auf der Webseite dieses Podcasts vorbei. Unter der Adresse phantastikon.de gibt es eine Kolumne zu diesem Thema mit Beiträgen vieler Gastauren. Das Phantastikon beschäftigt sich auch in Zukunft intensiv mit Rätselgeschichten aller Art. Auf eine weitere Subkategorie möchte ich an dieser Stelle gleich hinweisen, sie betrifft die Klassiker des Genres, die wir unter den besten Krimis aller Zeiten demnächst hier beginnen. Es würde mich natürlich freuen, wenn ihr dabei seid. Aber jetzt erst einmal zurück zum heutigen Thema. Folgende Punkte erwarten euch in der Sendung:

RÄTSELGESCHICHTE ODER KRIMINALROMAN?

Wir beginnen unseren Rundgang mit einer grundsätzlichen Unterscheidung zwischen Rätselgeschichte und Kriminalroman, bevor wir uns einige historische Daten näher ansehen.

ZUR GESCHICHTE DES KRIMINALROMANS

Schauen wir uns etwas in der geschichtlichen Entwicklung des Genres um.

Wo finden wir die frühesten Anfänge des Krimis in der Literatur, und wer hat den ersten Whodunit geschrieben? Die Antwort liegt weiter zurück als Arthur Conan Doyle oder Wilkie Collins oder sogar Edgar Allan Poe, der oft als Vater des Genres angesehen wird. Viel weiter zurück.

DER ERSTE KRIMINALROMAN

Die erste moderne Kriminalgeschichte wird Edgar Allan Poe und den “Morden in der Rue Morgue” (1841) zugeschrieben, aber in Wirklichkeit war jemand vor ihm früher dran.

DER BERÜHMTESTE DETEKTIV IST SHERLOCK HOLMES

Sherlock Holmes ist ohne Zweifel der berühmteste fiktionale Detektiv, der je geschaffen wurde, und neben Hamlet, Peter Pan, Ödipus, Heathcliff, Dracula, Frankenstein und anderen zu den berühmtesten fiktionalen Figuren der Welt gehört.

DIE OKKULTEN DETEKTIVE

Nach dem Erfolg der Sherlock-Holmes-Geschichten und der steigenden Popularität der Geistergeschichte und des Schauerromans im späten 19. Jahrhundert entstand ein neues Untergenre: Der okkulte Detektiv, der Verbrechen (möglicherweise) übernatürlichen Ursprungs aufklärte.

DAS 20TE JAHRHUNDERT

Im 20ten Jahrhundert war Endeavour Morse nur einer in einer langen Liste von Detektiven im Oxford-Milieu (Oxbridge genannt). Einige seiner bemerkenswerten Vorläufer sind Lord Peter Wimsey (geschaffen von Dorothy L. Sayers), und der Oxford-Professor Gervase Fen, aus der Feder von Edmund Crispin (mit richtigem Namen Bruce Montgomery). Crispin wurde als einer der letzten großen Exponenten des klassischen Kriminalromans bezeichnet.

Die populärste Krimiautorin aller Zeiten aber ist Agatha Christie – und es gibt so viele faszinierende Fakten über Agatha Christie, dass wir sie in einem separaten Beitrag behandeln müssen.

DER DETEKTIVROMAN VOR DER VIKTORIANISCHEN ÄRA

Es ist kein großes Geheimnis, dass der Kriminalroman und die Detektivgeschichte ihre Wurzeln in der Viktorianischen Ära haben, auch wenn man berücksichtigt, dass es Geschichten über Verbrechen schon weitaus früher gab. Zwischen 1800 und 1900 können etwa 6000 Titel verzeichnet werden, die in englischer Sprache erschienen sind. Denn auch das darf nicht verwundern: Die englischsprachigen Länder strotzten damals nur so vor kulturellen Innovationen, was bis heute bis auf kleine Ausnahmen auch so geblieben ist.

SCOTLAND YARD UND DIE POLIZEIARBEIT

Die Gründung des Londoner Metropolitan Police Service (Scotland Yard) 1829 und der City of London Police 1839 bot einen zweiten Aspekt der Betrachtung von Verbrechen: Wie wurden Kriminelle identifiziert, gefasst und vor Gericht gebracht? Hier gab es dramatische Möglichkeiten, den Kampf zwischen Polizei und Verbrecher, zwischen Gut und Böse zu erforschen. Die Einführung von Männern, die sich der Lösung von Verbrechen widmen, bot ein Modell des persönlichen Kampfes zwischen Detektiv und Schurken, das als eines der grundlegenden Merkmale des Kriminalromans angesehen werden muss.