Vom Lesen eines Franzosen und der Ähnlichkeit mit nichts

Es findet sich selten etwas Notables in den Tagen, die herumschwappen, einer geschüttelten Melasse gleich, Tag und Nacht, hell und dunkel, hin und her zuletzt. Was man schreiben müsste, schreibt sich nicht, bevor man es nicht entdeckt hat; doch wo entdecken gehen? Gegenwärtig arbeite ich an einer – mehr oder weniger – Auftragsarbeit über ein maritimes Thema. Stets und immer wieder hatte ich meine Blogs vollgemacht mit Eigenansichten und Selbstbeschreibungen, ein leicht psychologisch zu durchschauendes Unterfangen, denn: sitze ich nicht seit fünfzehn Jahren auf einem Lebensstuhl, einem Möbel, das meinen Arsch nährt und nur einen kleinen X-Faktor entfernt von einer Liegemöglichkeit? Körperlich bin ich sehr unbewegt, eine Geisterreise entspricht mir hingegen in all ihrer Dynamik.

Viele Stunden am Tag bringe ich zu auf der Suche nach einem perfekten Buch für jemanden, der keine perfekten Bücher schreibt, oder überhaupt keine Bücher schreibt sondern Texte, die man im günstigsten Fall zu einem Buch zusammenfassen kann. Patrick Modiano, dessen Buch „Im Café der verlorenen Jugend“ mein zweites des Nobelpreisträgers von 2014 ist, wird weitere Bücher des Franzosen nach sich ziehen. Das liegt vornehmlich daran, dass er – und nur darin bin ich im ähnlich – ein Erinnerungskünstler ist, zumindest schreibt er über den Sog der Vergangenheit, das drohende Verschwinden und die dunkle Seite der Seele. Doch er macht das Filigran und drischt nicht mit dem schwersten Hammer, der im Sprachregal steht, auf den unendlichen Marmor ein. Ich reife seit über 50 Jahren in einem Sack meiner Existenz, nie aber habe ich einfache Worte für das Problem des Lebens gefunden.

 

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